Bahnhof Borken (Westf)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Borken (Westf)
Der Borkener Bahnsteig (2015)
Der Borkener Bahnsteig (2015)
Daten
Lage im Netz Endbahnhof
Bahnsteiggleise 1
Abkürzung EBK
IBNR 8000346
Kategorie 6
Eröffnung 14. Juni 1880
Profil auf Bahnhof.de Borken__Westf_
Lage
Stadt/Gemeinde Borken
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 50′ 55″ N, 6° 51′ 56″ OKoordinaten: 51° 50′ 55″ N, 6° 51′ 56″ O
Höhe (SO) 48 m
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen
i16i18

Der Bahnhof Borken (Westf) ist der einzig verbliebene Bahnhof der Stadt Borken und wichtiger Verkehrsknoten des westlichen Münsterlandes im Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Der Borkener Bahnhof wurde 1880 in Betrieb genommen und ist ein ehemaliger Kreuzungsbahnhof an der Bahnstrecke Winterswijk–Gelsenkirchen-Bismarck, der Bahnstrecke Empel-Rees–Münster und der Nordbahn. Seit 1996 ist er Endbahnhof des einzigen noch in Betrieb befindlichen Streckenabschnitts Borken–Gelsenkirchen-Bismarck.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borken als Durchgangsbahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niederländisch-Westfälische Eisenbahn-Gesellschaft (NWE) begann 1878 den Bau ihrer Bahnstrecke Winterswijk–Gelsenkirchen-Bismarck und wünschte zunächst, den Bahnhof im Südwesten der Ortschaft Gemen (damals noch deutlich vom Borkener Stadtkern getrennt) zu errichten. Die Stadt Borken wollte hingegen einen Bahnhof im Westen der Stadt, um auch Rhede und Raesfeld Zugang zum Bahnverkehr zu gewähren. Der Kreis bewirkte schließlich den Kompromiss auf den heutigen Standort im Nordosten des Stadtkerns von Borken. Am 14. Juni 1880 eröffnete deshalb zunächst der Bahnhof Borken-Gemen als Durchgangsbahnhof, der dann am 6. März 1883 in Bahnhof Borken (Westf) umbenannt wurde.

Der Regelverkehr startete am 21. Juni mit drei Zugpaaren täglich. Nach Süden fuhren die Züge in Richtung Essen über Gelsenkirchen, nach Norden fuhr ein Zugpaar täglich nach Winterswijk. Zwei weitere Züge fuhren weiter bis nach Amsterdam. Die Zahl der Personen- und Güterzüge nahm bis zur Jahrhundertwende stetig zu. 1889 wurde die Strecke von der Preußischen Staatseisenbahn (PSE) übernommen.

Anbindung an weitere Strecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 1902 wurde Borken an das erste Teilstück der Bahnstrecke Empel-Rees–Münster, vom Bahnhof Bocholt kommend, angeschlossen. Borken wurde zum Trennungsbahnhof. Der Erstbetrieb erfolgte mit 4 Zugpaaren am Tag.

Nur zwei Monate später, am 1. Oktober 1902, eröffnete die Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE) in unmittelbarer Nähe zum Staatsbahnhof den Ausgangsbahnhof ihrer Nordbahn nach Burgsteinfurt über Stadtlohn, dessen Gleise jedoch (bis 1951) nicht an die übrigen angeschlossen waren. Die WLE errichtete so einen de facto zweiten (End-)Bahnhof inklusive aller benötigten Infrastruktur. Der Zugverkehr startete mit vier Zügen pro Tag.

Am 27. September 1904 wurde die Baumbergebahn nach Coesfeld (1907 bis nach Münster) verlängert, fünf weitere Zugpaare kamen auf. Der Borkener Bahnhof wurde zum Kreuzungsbahnhof und das Güter- und Fahrgastaufkommen erhöhte sich kontinuierlich. Um dem gestiegenen Ansprüchen Herr zu werden, wurde der Bahnhof in den Jahren 1904 und 1905 umgebaut und u.a. um eine Unterführung erweitert, die auch den WLE-Bahnhof einband.

Zwischen den Kriegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1913 erreichte das Verkehrsaufkommen (vor allem der Güterzüge) einen Höhepunkt. Im Ersten Weltkrieg wurde der Verkehr nach Holland sofort eingestellt und auch der restliche Fahrplan ausgedünnt. Nach Kriegsende wurden die Verbindungen nur schleppend wieder hergestellt.

Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof bei Luftangriffen der Alliierten am 21. März 1945 vollständig zerstört. Bereits vorher hatte es einzelne Attacken auf Personen- und Güterzüge geben.

In den ersten Nachkriegsjahren errichteten die WLE und die Staatsbahn ihre beiden Bahnhöfe behelfsmäßig neu und nahmen die meisten Verbindungen wieder auf. Nur die Verbindung über die niederländische Grenze blieb vorerst außer Betrieb. Alle anderen Fahrpläne wurden jedoch bis 1950 wieder ausgebaut.

Ab 20. Mai 1951 wurde Borken Halt des Grenzlandexpress, der zeitweise von München-Gladbach über Düsseldorf bis Rheine fuhr. Um diese Verbindung möglich zu machen, wurden die Gleise der WLE-Nordbahn und der Hauptstrecke nördlich des Bahnhofs erstmals miteinander verbunden. Der Grenzlandexpress verkehrte fast 25 Jahre bis zum 27. September 1975.

Am 5. September 1952 wurde das neue und bis heute letzte Bahnhofsgebäude eingeweiht. Es beherbergte zunächst noch ein Restaurant und eine Buchhandlung.

Rückbau zum Endbahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Güterverkehr, der schließlich auch wieder grenzüberschreitend fuhr, blieb in den 50ern hinter dem Vorkriegsniveau zurück.

Im Personenverkehr wurden hingegen neue Verbindungen (z.B. Borken - Dorsten - Marl) aufgenommen, sodass 1952 um 1000 Personen täglich den Borkener Bahnhof frequentieren.

Doch ab Mitte der 50er nahm auch der Personenverkehr stetig ab. Die Strecke ins Ruhrgebiet blieb zwar hochfrequentiert, aber die Baumbergebahn über Coesfeld nach Münster und die Nordbahn wurden stark ausgedünnt. Letztere fuhr seit 1958 auch im Staatsbahnhof, da die WLE ihren eigenen Bahnhof stilllegte. Zusammen mit der Stilllegung des „zweiten Bahnhofs“ wurde auch der Personenverkehr nach Burgsteinfurt am 13. November 1959 eingestellt, die WLE betrieb hier nun nur noch Güterverkehr.

1974 folgte die Stilllegung der Baumbergerbahn (Bocholt-Coesfeld), ab 1981 fuhren in Richtung Bocholt auch keine Güterzüge mehr. Die Strecke wurde 1982 als erste rückgebaut. Die Verbindung nach Coesfeld wurde ab 1983 nicht mehr vom Güterverkehr genutzt. Die Gleise blieben als Anbindung zur Bundeswehrkaserne jedoch zunächst erhalten. Auf der Nordbahn nach Steinfurt wurde der Güterverkehr 1984 von der Bahn übernommen und 1988 eingestellt. Borken wurde wieder zum Durchgangsbahnhof.

1989 wurde das Bahnhofsgelände umgestaltet und bis 1993 wurden zwei der ehemals drei Stellwerke abgebrochen. Das Empfangsgebäude wurde auf eine Halle mit nur zeitweise bedientem Reisezentrum reduziert.

Borken als Endbahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Einstellung des Güterverkehrs im Bahnhof Borken und dem Abbau der Strecke nach Winterswijk wurde Borken 1996 zum Endbahnhof. Von zehn Gleisen zu Hochzeiten blieben drei übrig, wovon nur noch ein einziges über einen Bahnsteig verfügt.

Seit den 2000ern wird die Strecke von der NordWestBahn bedient. Im Stundentakt wird seitdem die Strecke nach Essen (abweichend von der ehemaligen nach Wanne-Eickel) bedient.

2012 wurde der Bahnsteig weiter nach Süden verlegt, um Platz für die Bahnhofsstraße zu schaffen, die sich seit 2015 durch den ehemaligen Bahnhof zieht. 2014 wurde das alte Bahnhofsgebäude abgerissen. Auf dem bisherigen Bahnhofsvorplatz wurde ein großzügiger Busbahnhof errichtet. An den Gesamtkosten der Umgestaltung beteiligte sich das Land Nordrhein-Westfalen mit 300.000 €, die Deutsche Bahn AG trug die Restkosten.

Bedienung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schienenpersonennahverkehr wird der Bahnhof Borken (Westf) heute nur noch von einer einzigen Regional-Express-Linie bedient. Diese hat eher den Charakter einer Stadt-Express-Linie, da sie auf dem südlichen Teilstück bis Gladbeck West nur an den wichtigeren Bahnhöfen hält, auf dem nördlichen Teilstück dagegen jede Station bedient:

Linie Linienverlauf Takt Betreiber
RE 14 Der Borkener:
Borken (Westf) – Marbeck-Heiden – Rhade – Deuten – Hervest-Dorsten – Dorsten – Feldhausen – Gladbeck-Zweckel – Gladbeck West – Bottrop Hbf – Essen-Borbeck – Essen Hbf
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2015
60 min NWB

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der neue Busbahnhof Borken (2015)
Linie Linienverlauf
713 Borken Bf – Heiden Alter Kirchplatz – Reken Bf – Reken Babarastr. – Klein Reken
723 Borken Bf – Borken Friedhof – Bahnhof Marbeck-Heiden – Marbeck Bente – Borken Bf
724 Nünning-Realschule – Borken Bf – Borken Friedhof – Marbeck Denkmal – Marbeck-Heiden Bf – Rhade Bf
751 Nünning-Realschule – Borken Bf – Ramsdorf Ortsmitte – Holthausen Schule – Nordvelen Schlatt – Velen Ellinghaus
753 Borken Wilbecke – Borken Bf – Weseke Schlückersring – Stadtlohn Wessendorf – Wüllen Am Spieker – Ahaus Bf
754 Borken Jeanette-Wolf-Str. – Borken Bf – Borken Kettelerstr. – Borkenwirthe Epskamp – Burlo Kloster – Oeding Bahnübergang – Südlohn Am Vereinshaus
851 Borken Bf – Borken Friedhof – Westborken Schlöter – Hoxfeld Wüst – Rhedebrügge Ortsmitte – Westborken – An der Höchte
853 Borken Landwehr – Borken Bf – Borken Jahnstr. – Borken Wagnerstr. – Gemen-RotKreuz Zenter
854 Borken Bf – Borken Jahnstr. – Gemenwirthe Alte Mühle – Burlo Kloster
B8 Borken Bf – Gemen Evers – Weseke Im Brink – Weseke Südlohner Str. – Burlo Kloster – Borkenwirthe Hl.-Kreuz-Kirchen – Grütlohn Jünck – Borken Friedhof – Borken Bf
B9 Borken Bf – Borken Friedhof – Westenborken Schlöter – Rhedebrügge Ortsmitte – Rhedebrügge Heselhaus – Grütlohn Grütering – Borken Friedhof – Borken Bf
N20 Bocholt Bustreff/ZOH – Bocholt Bf – Borken Bf – Gemen Ortsmitte – Velen Ellinghaus – Flamschen Emmerick – Coesfeld Bf – Höven Kreuzung – Legden Dorf Münsterland
R21/VRR295 Borken Bf – Borken Friedhof – Marbeck Waidmannsheil – Raesfeld Kirche – Erle Friedhof – Schermbeck Försterei Müller – Rhade Ort – Rhade Bf – Deuten Bf – Deuten Mitte – Dorsten ZOB / Dorsten Bf
R51 Bocholt Bustreff/ZOH – Bocholt Bf – Rhede Gudulakirche – Borken Bf – Ramsdorf Ortsmitte – Velen Ellinghaus – Hochmoor Sparkasse – Gescher Fabrikstraße – Coesfeld Bf
R74 Borken Friedhof – Borken Bf – Heiden Alter Kirchplatz – Groß Reken Alte Kirche – Maria Veen Bf – Hülsten Schule
R76 Borken Bf – Borken Kreishaus – Weseke Schlückersring – Südlohn Am Vereinsheim – Stadtlohn Busbf – Ahaus Bf
S75 Bocholt Bustreff/ZOH – Bocholt Bf – Rhede Gudulakirche – Borken Bf – Ramsdorf/Heiden – Merfeld Kirche – Münster Inselbogen – Münster Hbf

Fernbus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen Flixbus betreibt in Borken einen Fernbushalt, von dem aus Amsterdam und Münster angefahren werden.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ingo Bergsdorf: Geschichte der Eisenbahnen in Borken (Westf.), 1880-2013. Hrsg.: Heimatverein Borken e.V. Borken 2013 (Einsehbar in der Borkener Bücherei).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Borken (Westf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Deutsche Bahn:

NRWbahnarchiv von André Joost:

weitere Belege:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abfahrten in Borken auf flixbus.de. Abgerufen am 15. Mai 2017.