Gelsenkirchen-Scholven

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Wappen von Gelsenkirchen
Scholven
Stadtteil von Gelsenkirchen
Koordinaten 51° 35′ 31″ N, 7° 1′ 15″ OKoordinaten: 51° 35′ 31″ N, 7° 1′ 15″ O.
Höhe 44 m ü. NN
Fläche 12,297 km²
Einwohner 9545 (31. Dez. 2009)
Bevölkerungsdichte 776 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Apr. 1928
Postleitzahl 45896
Vorwahl 0209
Gliederung
Stadtbezirk Nord
Stadtteile

Buer, Hassel, Scholven

Politik
Bezirksvorsteher Klasmann, Thomas (SPD)
Verkehrsanbindung
Autobahn A52
Bundesstraße B224
Bus 247, 255, NE2, SB28
Quelle: Statistikamt Gelsenkirchen

Scholven ist der nördlichste Stadtteil der kreisfreien Stadt Gelsenkirchen und wird gebildet aus den Teilen Oberscholven (Norden), Niederscholven (Mitte) und Bülse (Süden).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtteile Gelsenkirchens mit Scholven im Norden

Scholven liegt im Norden Gelsenkirchens und wird im Westen von der Stadt Gladbeck, im Norden von der Stadt Dorsten und im Nordosten von der Stadt Marl, alle im Kreis Recklinghausen, begrenzt. Im Osten und Süden grenzt Scholven an die Gelsenkirchener Stadtteile Hassel und Buer. Neben diesen beiden zuletzt genannten Stadtteilen zählt Scholven zum Stadtbezirk Gelsenkirchen-Nord. Die innerstädtische Grenze wird im Süden von der Straße Nordring und nach Osten hin von der Autobahn A52 bzw. die alte Bundesstraße B224 gebildet. Durch die Aus-/Auffahrt 43 der Autobahn A52 hat Scholven direkten Zugang zum deutschen Autobahnnetz.

Es haben sich zwei Stadtteilzentren gebildet. Zum einen der Bereich des Marktplatzes ‚Im Brömm’ mit Geschäften, Grundschule, Katholischer, Evangelischer und Neuapostolischer Kirche und zum anderen der Bereich um die Bülseschule.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl bereits im frühen Mittelalter als Sculven erwähnt, war Scholven auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Bauerschaft mit vielen Wiesen und Äckern, mit Wald und Heide, standen Gehöftgruppen, Einzelhöfe der Bauern und Kötterhäuser von Oberscholven bis Niederscholven und Bülse. Scholven war eine der vielen Bauerschaften rund um das Kirchspiel und die Freiheit Buer. Aber schon drang die Kunde von jenseits der Emscher herüber, wie das Vordringen des Steinkohlebergbaus zwischen 1860 und 1873 in Gelsenkirchen Leben und Landschaft veränderte. Die Zechen Dahlbusch in Rotthausen, Wilhelmine Viktoria in Heßler, Holland in Ückendorf und Nordstern in der alten Freiheit Horst begannen in diesen Jahren mit der Förderung. Nach der Abteufung der Zeche Hugo in Buer 1873 und dem Beginn der Kohleförderung im Jahre 1877 rückte die Industrie näher. Die Hibernia-Zechen im Buerschen Norden begannen mit dem Abteufen des jeweils ersten Schachtes auf Bergmannsglück 1903, auf Westerholt 1907 und schließlich in Scholven 1908. Die Förderung begann in Scholven im Jahre 1910.

Gleichzeitig mit dem Bau der Zechenanlage Scholven und der Kokerei entstand in wenigen Jahren die „Zechenkolonie“. Schmucke Zwei- und Vierfamilienhäuser, alle mit eigenem Garten und Stall, waren von den Bergarbeitern begehrt, lockten die Landsleute aus vielen deutschen Provinzen, vornehmlich aber aus Ostpreußen und Schlesien, in das neue Bergarbeiterviertel.

Blick auf die Halde Oberscholven und das Kraftwerk Scholven

Noch lange nach dem Bau der Zeche und Zechenkolonie, der Kokerei und des Hydrierwerkes (der späteren Scholven-Chemie, heute BP Gelsenkirchen) blieb Scholven der Stadtteil mit der größten landwirtschaftlich genutzten Fläche vor allem im nördlichen Bereich jenseits des Zechentores an der Glückaufstraße. Schon nach der Übernahme des Hydrierwerkes durch die Hibernia AG im Jahre 1935 und der Ausweitung des Werkes zur Veba-Chemie (Ruhr-Öl GmbH) nach Westen bis über die Grenze der ursprünglichen Zechenkolonie hinaus, vor allem aber nach Osten und Norden bis zum Bellendorfsweg ging immer mehr Bauernland an diesen Industriegiganten verloren. So ist inzwischen jeder Grenzgang in den Ortsteil Hassel verbaut; ist fast vergessen, dass diese beiden Ortsteile einen vormals fußläufig leicht erreichbaren Nordfriedhof an der Pawiker Straße hatten, dessen Reste noch vorhanden sind.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Industrieanlagen ebenso wie die sonstigen Gebäude des Stadtteils weitestgehend zerstört.

Kraftwerk Scholven von Nordwesten

Die Aufschüttung der ersten Großhalde nach dem Zweiten Weltkrieg an der nördlichen Feldhauser Straße, der Bau des Großkraftwerkes (ehemals Veba Kraftwerke Ruhr AG (VKR), heute Kraftwerke E.ON AG) seit 1968 nördlich der ehemaligen Zechenanlage und die Aufschüttung der zweiten Großhalde östlich der alten Dorstener Straße im Bereich Auf der Kämpe sind die letzten Stationen der Industrieausweitung und des Rückgangs der Bauerschaft auch im Norden des Stadtteils. Das 1988 erbaute Gipswerk hat dann noch die alte Schrebergartenanlage an der Feldhauser Straße verdrängt. Jedoch ist dies durch die Schaffung einer neu angelegten Schrebergartenanlage westlich der Buddestraße und südlich der Metterkampstraße kompensiert worden.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1924 8.744
1925 8.375
1926 8.323
1927 8.639
1928 8.384
1929 8.402
1930 8.556
1931 8.572
1932 9.018
1933 9.129
1934 8.924
Jahr Einwohner
1935 9.084
1936 8.922
1937 8.903
1938 8.787
1939 8.697
1940 9.291
1941 9.297
1942 9.390
1943 8.928
1944 6.930
1945 4.727
Jahr Einwohner
1946 4.920
1948 5.514
1950 6.467
1953 9.552
1955 9.770
1956 10.041
1957 10.406
1958 10.387
1959 10.178
1960 10.048
1961 9.909
Jahr Einwohner
1962 9.879
1963 9.628
1964 10.255
1965 10.508
1966 10.419
1967 10.440
1968 10.518
1969 10.359
1970 10.965
1971 11.188
1972 11.076
Jahr Einwohner
1973 10.560
1974 10.359
1975 10.135
1976 9.877
1977 9.630
1978 11.539
1979 11.841
1980 12.025
1981 12.032
1982 11.587
1983 11.920
Jahr Einwohner
1984 11.580
1985 11.427
1986 11.294
1987 11.351
1988 11.241
1989 11.277
1990 11.369
1991 11.290
1992 11.274
1993 11.241
1994 11.150
Jahr Einwohner
1995 11.188
1996 11.075
1997 11.019
1998 10.891
1999 10.723
2000 10.483
2001 10.332
2002 10.256
2003 10.109
2004 9.999
2005 9.888
Jahr Einwohner
2006 9.781
2007 9.693
2008 9.661
2009 9.545

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im öffentlichen Personennahverkehr Scholvens verkehren die Buslinien 247, 255 und der Nachtexpress NE2 der Vestischen Straßenbahnen GmbH (Vestische) sowie die Schnellbuslinie SB 28 der Busverkehr Rheinland GmbH (BVR).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigste Wirtschaftsfaktoren und Arbeitgeber im Stadtteil sind die folgenden Unternehmen:

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtteil gibt es 3 Schulen: die Gemeinschaftsgrundschulen Bülsestraße und Im Brömm sowie die Hauptschule Mehringstraße. Für den Besuch von Real-, Gesamtschulen und Gymnasien muss der benachbarte Stadtteil Buer genutzt werden.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besondere Bedeutung hat in diesem Stadtteil der Schießsport. In Bülse ist der Luftgewehr-Bundesligist BSV Buer-Bülse 1926 e.V. zu Hause. Im ländlich geprägten Oberscholven wird vor allem Reitsport betrieben. Daneben gibt es auch noch Fußballvereine und einen Tennisclub. Mit dem PBC Scholven ist auch noch ein Schalke 04 Fanclub zuhause, der sich 2008 den Titel des Ruhrpott Master im Hobbyfussball holen konnte.

  • BSV Buer-Bülse 1926 e.V.
  • Burhofschützen Scholven 1826 e.V.
  • DJK SG Borussia Scholven
  • Schwarz-Weiß Bülse 1931 e.V.
  • SV Hansa-Scholven 1919 e.V.
  • Tennisclub Scholven e.V.
  • Zucht-, Reit- und Fahr-Verein Gelsenkirchen Scholven e.V
  • PBC Scholven

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Moritz Grän: Erinnerungen aus einer Bergarbeiterkolonie im Ruhrgebiet. 1983 (Volltext als PDF)