Abhängigkeitssyndrom durch psychotrope Substanzen

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Klassifikation nach ICD-10
F10.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (Abhängigkeitssyndrom)
F11.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide (Abhängigkeitssyndrom)
F12.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide (Abhängigkeitssyndrom)
F13.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika (Abhängigkeitssyndrom)
F14.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain (Abhängigkeitssyndrom)
F15.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, einschließlich Koffein (Abhängigkeitssyndrom)
F16.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene (Abhängigkeitssyndrom)
F17.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak (Abhängigkeitssyndrom)
F18.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch flüchtige Lösungsmittel (Abhängigkeitssyndrom)
F19.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen (Abhängigkeitssyndrom)
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Kampf dem Drogenmissbrauch: deutsche Briefmarke von 1975

Ein Abhängigkeitssyndrom durch psychotrope Substanzen (umgangssprachlich: Drogenabhängigkeit, Drogensucht, Drogenmissbrauch) bezeichnet eine Gruppe von Störungen der Psyche und des Verhaltens aufgrund wiederholter Einnahme psychotroper Substanzen. Typisch ist ein starkes, periodisch oder dauerhaft auftretendes Substanzverlangen, eine fortschreitende Vernachlässigung anderer Verpflichtungen oder Aktivitäten, sowie teilweise Kontrollverlust und zwanghafter Substanzkonsum. Substanzabhängig unterschiedlich stark ausgeprägt, kommt es dabei meist zur Toleranzerhöhung und körperlichen und psychischen Entzugserscheinungenen.[1][2] Da alle Substanzen innerhalb einer sozialen Struktur eingenommen werden, ist die Abhängigkeit im Kontext komplexer Wechselwirkungen seelischer, sozialer und körperlicher Prozesse zu betrachten.

Diagnose bzw. medizinische Definition[Bearbeiten]

Zur Diagnose eines Abhängigkeitssyndroms müssen nach der ICD-10 mindestens drei der folgenden Kriterien während des letzten Jahres gemeinsam erfüllt gewesen sein:

  1. starkes, oft unüberwindbares Verlangen, die Substanz einzunehmen
  2. Schwierigkeiten, die Einnahme zu kontrollieren (was den Beginn, die Beendigung und die Menge des Konsums betrifft)
  3. körperliche Entzugssymptome
  4. benötigen immer größerer Mengen, damit die gewünschte Wirkung eintritt
  5. fortschreitende Vernachlässigung anderer Verpflichtungen, Aktivitäten, Vergnügen oder Interessen (das Verlangen nach der Droge wird zum Lebensmittelpunkt)
  6. fortdauernder Gebrauch der Substanz(en) wider besseres Wissen und trotz eintretender schädlicher Folgen.

Die Klassifikation in der ICD-10 ist in verschiedenen Substanzen unterteilt (siehe Kasten Klassifikation nach ICD-10).

Im offiziellen Sprachgebrauch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) existierte von 1957 bis 1963 der Begriff Sucht. Danach wurde er zunächst durch Missbrauch und Abhängigkeit ersetzt. Schließlich wurde nach 1969 das Missbrauchskonzept zugunsten vier definierter Klassen des Gebrauchs verworfen:[3]

  1. Unerlaubter Gebrauch ist von der Gesellschaft nicht tolerierter Gebrauch.
  2. Gefährlicher Gebrauch ist Gebrauch mit wahrscheinlich schädlichen Folgen für den Konsumenten.
  3. Dysfunktionaler Gebrauch liegt vor, wenn psychischen oder sozialen Anforderungen nicht mehr entsprochen werden kann.
  4. Schädlicher Gebrauch hat bereits schädliche Folgen (Zellschäden, psychische Störung) hervorgerufen.

Häufigkeit[Bearbeiten]

Zur Häufigkeit der einzelnen Abhängigkeitssyndromen siehe jeweilige Hauptartikel zu den psychotropen Substanzen.

Auf der Grundlage wissenschaftlicher Studien wird die Zahl der manifest von Medikamenten abhängigen Menschen in Deutschland auf ca. 1,4 ‑ 1,9 Millionen geschätzt. In etwa 80 % der Fälle handelt es sich dabei um eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen,[4] welche ein hohes Abhängigkeitspotential aufweisen.

Abhängigkeitspotenzial[Bearbeiten]

Suchtpotenzial ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum Liedermacherduo siehe Suchtpotenzial (Band).
Abhängigkeitspotential und Schadpotential verschiedener Drogen.[5]

Psychotrope Substanzen, also Denken und Gefühle beeinflussende Stoffe, können mit jeweils unterschiedlichen Potenzialen eine Person zum unbedingten erneuten Konsum veranlassen, also zur körperlichen oder psychischen Abhängigkeit führen. Diese Eigenschaft heißt Abhängigkeitspotenzial oder Suchtpotenzial.


Das Abhängigkeitspotenzial von Substanzen mit sehr kurzer oder sehr langer Halbwertszeit soll, nach einer Theorie von Hollister (1978), niedriger sein. Es wird angenommen, dass bei schnell anflutenden Substanzen das Abhängigkeitspotenzial am höchsten ist.[6]

Gemäß einer britischen Studie aus dem Jahr 2007 gelten als die Substanzen mit dem höchsten Abhängigkeitspotenzial (in nach Abhängigkeitspotential absteigender Reihenfolge, Skalenwerte in Klammern dahinter):[5][7]

Substanzen mit mittlerem Abhängigkeitspotenzial:[5][8]

Substanzen mit niedrigem Abhängigkeitspotenzial:[5][9]

Substanzen ohne ausgeprägtes Abhängigkeitspotenzial:[5][10]

Näheres[Bearbeiten]

Alkohol
Obwohl alkoholische Getränke in vielen Ländern legal sind, hat Ethanol ein mit Opiaten, Barbituraten und Kokain vergleichbares körperliches und psychisches Abhängigkeitspotenzial. Die körperliche Alkoholabhängigkeit entwickelt sich nach einem langzeitig erhöhten Alkoholkonsum und führt zur Alkoholkrankheit.[11] Beim Absetzen der Substanz kann es zum Delirium tremens kommen. Die Zahl der Alkoholabhängigen ist hoch, weil Alkohol eine billige und einfach beschaffbare Droge ist, die zudem gesellschaftlich anerkannt ist, z. B. Konsum bei gesellschaftlichen Anlässen.
Amphetamine (Speed)
Amphetamine können eine starke psychische Abhängigkeit auslösen, da die Wirkung eine gesteigerte Leistung, verbesserte Konzentration sowie Euphorie als Partydroge verspricht. Das Abhängigkeitsrisiko hängt von der genetischen Disposition sowie der psychischen Situation der Person ab. Bei Tierversuchen konnten einige Individuen ihren Konsum lebenslang regulieren, während bei 50 % nach einiger Zeit eine psychische Abhängigkeit mit starker Toleranzbildung auftrat.[12]
Cannabis
Cannabiskonsum kann bei einigen Konsumenten eine psychische Abhängigkeit erzeugen; ob sich eine solche Abhängigkeit ausbildet, wird möglicherweise von sozialen Faktoren und vom Alter der Konsumenten mitbestimmt. Die Ausbildung einer körperlichen Abhängigkeit konnte nicht belegt werden.[13][14][15][16]
Crack (Kokain-Derivat)
Crack besitzt vermutlich das höchste psychische Abhängigkeitspotenzial, da die Wirkung sehr schnell anflutet und nur von kurzer Dauer ist. Nach dem Konsum entsteht das Bedürfnis, Crack noch mal zu konsumieren, wobei ein dauerhafter Gebrauch entstehen kann. Bei Langzeitkonsumenten sind auch körperliche Abhängigkeitssymptomatiken zu beobachten, weil bio-chemische Prozesse im Körper verändert werden (z. B. körpereigene Dopamin-Produktion).[17][18]
Halluzinogene
Die klassischen Halluzinogene wie LSD, Mescalin, halluzinogene Pilze werden als nicht-abhängigkeitserzeugende Substanzen angesehen, da keine körperliche Abhängigkeit erzeugt wird.[19] Zusätzlich wird eine Toleranz gebildet, die 1 bis 2 Wochen hält, wobei innerhalb dieser Wochen bei wiederholter Einnahme eine geringere Wirkung auftritt, dadurch kann kein häufiger Konsum durchgeführt werden. Viele Konsumenten verringern ihren Gebrauch mit der Zeit oder stellen ihn sogar ein.[20] Eine psychische Abhängigkeit lässt sich nicht ausschließen, wobei diese allerdings umstritten ist, da Halluzinogene bei schlechter Gefühlslage einen Horrortrip auslösen können. Daher eignen sich Halluzinogene nicht für die Verbesserung der psychischen Lage.[21][22]
Heroin und sonstige Opiate
Heroin zählt zu den Substanzen mit dem höchsten körperlichen und psychischen Abhängigkeitspotenzial überhaupt. Aufgrund der euphorischen Wirkung bildet sich schnell eine psychische Abhängigkeit, da der Konsument im Rausch negative Gedanken und Sorgen vergisst. Andere Opiate wie Tramadol oder Codein bieten ebenfalls eine ähnliche Euphorie bei höherer Dosierung, wobei die psychische Abhängigkeit weitaus geringer ist, da diese Opiate keine vergleichbar starke Euphorie erzeugen. Das Abhängigkeitsrisiko wird demnach nach der psycho-sozialen Situation des Konsumenten bestimmt. Nach häufigem Gebrauch stellt sich bei Opiaten eine körperliche Abhängigkeit ein, wobei der Entzug als äußerst unangenehm erlebt wird und daher für den Betroffenen eine (negative) Motivation bietet, weiter zu konsumieren, um die Entzugserscheinungen zu vermeiden oder zu reduzieren.
Kokain
Kokain hat ein hohes psychisches Potenzial, abhängig zu machen, weil der Konsument häufig nach der Wirkung in eine Depression verfällt und daher wieder zur Droge greift, um der depressiven Episode zu entfliehen. Außerdem entwickelt der Konsument unbewusst eine Gier, mehr zu konsumieren. Besonders oft ist auch das Craving bei Kokain-Konsumenten zu beobachten, wobei durch bestimmte Schlüsselreize der Konsument ein weiteres Verlangen nach der Droge bekommt. Eine körperliche Abhängigkeit durch Kokain ist nicht bekannt.[18][23]
Medikamente
Etwa 4 bis 5 % der Medikamente besitzen ein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial.[24] Das trifft insbesondere für Hypnotika, Sedativa und Tranquillantien sowie für Psychostimulantien zu, außerdem für opioidhaltige Analgetika. Patienten erwarten von Medikamenten meist eine positive Wirkung, daher kann es unter Umständen schwer sein, das Gefahrenpotenzial hinsichtlich eines Missbrauches oder einer Abhängigkeit bei der Einnahme richtig einzuschätzen.
MDMA (Ecstasy)
MDMA hat ein gewisses psychisches Abhängigkeitspotenzial. Aufgrund der Wirkung ist es selten, dass täglicher Konsum stattfindet. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich viele Konsumenten nur noch nach der Einnahme von MDMA „fallenlassen“ können. Zusätzlich benutzen einige Konsumenten MDMA als Mittel zur Bewältigung von Problemen und können dadurch abhängig werden.[25]
Tabakrauch
Bei Tabakrauch ist Nikotin mitverantwortlich für die Abhängigkeit.[26][27] Vergleiche von Tierstudien und Studien über menschlichen Drogenkonsum zeigen auf, dass pures Nikotin nur wenig Abhängigkeitspotenzial hat, Tabakzigarettenrauch jedoch ein sehr hohes Suchtpotenzial aufweist.[28][29][30] Nikotin hat in Verbindung mit anderen Stoffen im Tabakrauch ein extrem hohes Abhängigkeitspotenzial und kann sehr schnell zu einem abhängigen Verhalten führen.[31] Laut einem im Jahr 2007 veröffentlichten Papier von D. Nutt u. a. liegt das Abhängigkeitspotenzial von Tabakrauch zwischen Alkohol und Kokain. Genauer gesagt, liegt das physische Abhängigkeitspotential bei dem von Alkohol bzw. Barbituraten und das psychische Abhängigkeitspotenzial bei dem von Kokain.[32] Ein Vergleich mit der Abhängigkeit von Opiaten wie Heroin ist nicht angezeigt, weil diese weitaus komplizierter zu behandeln ist und die Entzugserscheinungen schwerwiegender sind. Es reichen wenige Zigaretten oder wenige Tage mit kleinem Zigarettenkonsum bis zum Eintritt der körperlichen Abhängigkeit. Das Abhängigkeitspotenzial von oral aufgenommenem Nicotin ist deutlich geringer, Pflaster haben fast kein Abhängigkeitspotenzial.[33]
Ob schon der Konsum einer einzigen Zigarette genügt, um typische Abhängigkeitssymptome, wie innere Unruhe, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten hervorzurufen und einen Verlust der persönlichen Selbstbestimmung (Autonomie) herbeizuführen, versuchten die Wissenschaftler Scragg et al. 2007 herauszufinden. Sie äußerten in ihrer Studie die Vermutung, dass bereits eine Zigarette zum Verlust der pers. Selbstbestimmung führen kann.[34] Der ebenfalls an dieser Studie beteiligte Wissenschaftler J. R. DiFranza veröffentlichte 2008 ein Papier, in dem er diese Theorie weiter vertiefte.[35][36] Letztendlich wurden von Dar et al. 2010 die wichtigsten Studien zu diesem Thema einer näheren Betrachtung unterzogen und bewertet. Im Fazit ihrer Studie weisen sie auf unhaltbare und eigenwillige Abhängigkeitsdefinitionen und oberflächliche Kriterien für die Diagnose „Nikotinabhängigkeit“ hin und kritisieren die voreingenommene Interpretation der Daten.[37]
Vor allem ist von Bedeutung, dass Nicotin, in Verbindung mit anderen Stoffen im Tabakrauch, unterschwellig das Verlangen nach einem Tabakerzeugnis erzeugt und durch das immer kürzer werdende gewöhnungsbedingte Reiz-Reaktions-Intervall eine immer stärker ausgeprägte Abhängigkeit in Form von erhöhtem Tabakkonsum entsteht.
Man weiß heute, dass bereits nach drei Wochen Abstinenz keine messbare Veränderung der Acetylcholinrezeptoren mehr vorhanden ist – sie sich also wieder auf Normal-Niveau eingestellt haben. Während dieser Zeit kann es zu Unruhe und Gereiztheit bis hin zu Aggressivität sowie zu Depressionen kommen. Das Nicotin selbst ist zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr im Gehirn nachweisbar (bis max. drei Tage nach Beendigung des Nicotinkonsums).
Folglich kann man ein Abhängigkeitspotential konstatieren, welches eher unbewusst, d. h. im unreflektierten Alltag, seine stärkste Ausprägung findet und in Entzugsphasen dadurch zum Vorschein tritt, dass vormals unbewusste verhaltensbedingte Veränderungen der menschlichen Kognition durch Lernen nun bewusst durch den Entziehenden verarbeitet werden müssen.
Im Ergebnis ist festzustellen, dass während des Entzugs weniger die Abhängigkeit von der vom Tabakrauch erzeugten Wirkung von Bedeutung ist, was viele gescheiterte Therapien mit Nicotinsubstituten zeigen, sondern vielmehr der durch die nicotinerge Stimulation des Nucleus accumbens induzierte Lernprozess. In geeigneter Weise kann dieser Lernprozess nur durch starke Selbstmotivation oder professionelle Verhaltenstherapien beeinflusst bzw. umgekehrt werden. Nicotinersatz oder Medikamente können den Entzug unterstützen.
Die Rückfallwahrscheinlichkeit bei Rauchern, die ohne Hilfsmittel mit dem Tabakkonsum aufhören, liegt bei 97 % innerhalb von sechs Monaten nach dem Rauchstopp. Bis 2012 ging man davon aus, dass Nikotinersatzpräparate bei korrekter Dosierung und weiterer fachlicher Anleitung die Erfolgschancen um 3 % steigern können.[38] Eine neuere Studie von 2012 besagt, dass die Rückfallraten bei denen, die Nikotinersatzpräparate zum Aufhören verwendet haben, genau so hoch war wie derer, die ohne Hilfsmittel aufgehört haben.[39][40]
Die psychische Abhängigkeit durch eingeprägte Verhaltensmuster, die sich im Laufe einer „Raucherkarriere“ entwickeln, kann nach dem körperlichen Entzug auch nach Jahren noch vorhanden sein.

Multipler Substanzgebrauch[Bearbeiten]

Hauptartikel: Multipler Substanzgebrauch

Eine Störung durch multiplen Substanzgebrauch liegt laut ICD-10 (F19.-) vor, wenn die Substanzaufnahme chaotisch und wahllos verläuft, oder wenn Bestandteile verschiedener Substanzen untrennbar vermischt sind.

Physische Abhängigkeit[Bearbeiten]

Charakteristisch für eine physische Abhängigkeit ist das Auftreten von Entzugserscheinungen, welche beim Absetzen der psychotropen Substanz auftreten. Häufige Symptome sind Schwitzen, Zittern, Schmerzen, Schwindel und Übelkeit. Je nach Substanz können auch Halluzinationen auftreten. Opioide, Benzodiazepine, Barbiturate und Alkohol können eine physische Abhängigkeit auslösen. Obwohl ähnliche Wirkungen auch nach dem Ende der Einnahme von Medikamenten wie Cortisone, Beta-Blocker und Anti-Depressiva auftreten können, wird hier nicht von einer physischen Abhängigkeit, sondern von Absetzerscheinungen gesprochen. Vorbote einer physischen Abhängigkeit ist die Toleranzbildung. Der Konsument muss eine höhere Dosis einnehmen, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Gleichzeitig passt der Körper sich an die Substanz an und entwickelt dabei eine Abhängigkeit.

Die Entzugserscheinungen sind einer der Gründe für den weiteren Konsum der psychotropen Substanz, damit die unangenehmen, häufig quälenden Symptome verschwinden. Die Geschwindigkeit, mit der ein Konsument anfällig für eine physische Abhängigkeit wird, ist abhängig an der Häufigkeit des Konsums, Intensität der Wirkung, genetische Disposition und psychische Anfälligkeit. Dabei können einige Menschen vom ersten Konsum einer Substanz eine physische Abhängigkeit entwickeln, während andere Menschen kaum anfällig werden.

Psychische Abhängigkeit[Bearbeiten]

Eine psychische Abhängigkeit liegt vor, wenn der Betreffende sich nur nach Einnahme psychotroper Substanzen wohlfühlt. Nach Abklingen der Wirkung der Substanz treten häufig depressive Stimmungen, eine hohe Reizbarkeit, eventuell Ängste und daher das Verlangen nach einer weiteren Einnahme der Substanz auf. Auch Schlafstörungen können auftreten. Bei Menschen, welche am Tag Alkohol trinken, um sich besser zu fühlen oder um „über die Runden“ zu kommen, kann man von einer Abhängigkeit sprechen.

Selbstmedikation bei unangenehmen emotionalen Zuständen[Bearbeiten]

Da Experimente mit Alkohol und illegalen Drogen ein Übergangsritus zu sein scheinen, mit dem fast alle Heranwachsenden in Berührung kommen, während nur eine Minderheit dieser Heranwachsenden abhängig wird, hat der Psychologe Daniel Goleman ‒ bekanntester Apologet des Konzepts der emotionalen Intelligenz ‒ nach Prädiktoren für dieses Abhängigwerden gefragt. Neben dem Faktor „Gelegenheit“ (d. h. leichter Verfügbarkeit des Suchtmittels) benennt er als Hauptfaktor das Potential unangenehme Gefühle ‒ wie Angst, Wut oder Depression ‒ zu verringern. Teenager mit unzureichender emotionaler Selbstregulation und geringer Resilienz werden leichter abhängig als emotional stabile Heranwachsende.[41] So hat die Psychologin Jeanne Tschann (UC San Francisco) 1994 in einer Langzeitstudie mit 13- und 14-Jährigen nachgewiesen, dass vor allem solche Teenager von Suchtmitteln abhängig werden, die unter besonderer emotionaler Belastung stehen.[42] Die Psychologin Kathleen Merikangas (National Institute of Mental Health) bezeichnet den Alkoholismus, den Menschen mit chronisch hohem Ängstlichkeitsniveau entwickeln, als Selbstmedikation von Angstsymptomen“.[43] Die Selbstmedikationsthese wird auch von Edward Khantzian (Harvard University) unterstützt. Nach einer Studie von Khantzian, konsumieren Menschen, die ihre Impulsivität nicht kontrollieren können und schnell gelangweilt sind, wegen der beruhigenden Wirkung häufiger Alkohol.[44] Depressive dagegen bevorzugen stimulierende Drogen wie z. B. Kokain; je tiefer die vorausgegangene Depression, desto stärker wird häufig die Abhängigkeit.[45] Dagegen haben Menschen mit hohem Aggressionspotential einen stärkeren Drang zum Konsum von Opioiden wie z. B. Heroin.[46]

Theorien zur Entstehung des Abhängigkeitssyndroms[Bearbeiten]

Seit den 80er Jahren betrachtet man Abhängigkeit als multifaktoriellen Prozess, bei dem biologische, psychische, soziale und gesellschaftliche Faktoren zusammenwirken. Eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt sich in einem multikausalen und interaktiven Prozess.[47]

Der kanadische Psychologe Bruce K. Alexander stellte die Hypothese auf, dass Drogen keine Abhängigkeit verursachen. Die scheinbare Sucht nach Opiaten, die man üblicherweise bei Laborratten mit Zugang zu Opiaten findet, sei den Haltungsbedingungen zuzuschreiben und nicht den suchterzeugenden Eigenschaften der Drogen selbst.[48] Experimente, bei denen Laborratten isoliert in engen Metallkäfigen mit Injektionsvorrichtung gehalten wurden, zeigten nur, dass „ernsthaft verzweifelte Tiere, wie ernsthaft verzweifelte Leute, ihre Verzweiflung pharmakologisch beheben werden, wenn sie können.“[49] Um diese Hypothese zu überprüfen, baute Alexander Rat Park, eine 8,8 m2 große Kolonie mit der 200-fachen Grundfläche eines Standard-Laborkäfigs und 16 – 20 Ratten beiderlei Geschlechts. Die Resultate seines Experimentes scheinen die Hypothese zu unterstützen. „Nichts, was wir versucht haben“ schrieb Alexander, „…erzeugte bei diesen Ratten, die in einer halbwegs normalen Umgebung gehalten wurde, irgendetwas wie eine Sucht.“[48] (Details beschreibt der Artikel Rat Park).

Neurobiologische Wirkmechanismen[Bearbeiten]

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Das Entstehen einer Abhängigkeit ist neurobiologisch ein pathologischer Lernvorgang. Auf den Oberflächen und im Innern der Nervenzellen hinterlassen psychoaktive Substanzen Veränderungen, die sich einerseits auf die Wahrnehmung des nächsten Konsums, wie aber auch auf das Empfinden des Nichtkonsums auswirken. Zudem werden mit der Zeit auch neue Zellverbindungen (Verknüpfungen der Axonen) gebildet, während andere verkümmern. Das heißt, unser Gehirn passt sich dem Konsumverhalten biologisch an.

Dazu gehört auch, dass die Zahl der Rezeptoren, die auf die jeweilige Droge reagieren, im Laufe der Zeit zunimmt. (So wurde anhand von Obduktionen festgestellt, dass Raucher doppelt so viele Nikotinische Acetylcholinrezeptoren haben wie Nichtraucher.) Andererseits nimmt die Dopaminrezeptorzahl und die Dopaminproduktion ab. Daraus erklärt sich, dass Abhängige immer höhere Dosen ihrer Droge benötigen, bis die gewünschte Wirkung eintritt. Bleibt die Droge aus, wirkt sich das negativ auf die Stimulation des Belohnungssystems aus: es kann u. a. zu schlechter Laune, Gereiztheit und Depressionen kommen, bis die Zahl der Rezeptoren wieder auf das normale Maß zurückgegangen ist und sich die Dopaminsynthese/Rezeptoren regeneriert haben.

In der Modellvorstellung von Nora Volkow werden vier zerebrale Schaltkreise betrachtet: das mesolimbische Belohnungssystem (entspringt von der Area tegmentalis ventralis), die in der orbitofrontalen Hirnrinde vorhandenen Strukturen von Antrieb und Motivation, die für das Lernen und das Gedächtnis relevanten Strukturen wie Amygdala, Caudatum, Putamen und Hippocampus sowie die präfrontalen Strukturen, die an Entscheidungsfindung und Verhaltenskontrolle beteiligt sind. Nach den Erkenntnissen des NIDA, dem Nora Volkow heute vorsteht, ist Abhängigkeit eine Folge von wiederholt gestörten Regulationsvorgängen im Belohnungssystem mit Auswirkungen auf Motivation, Gedächtnis und Impulskontrolle.

Genetische Disposition[Bearbeiten]

Studien zeigen, dass eine genetische Disposition zur Wahrscheinlichkeit einer Suchterkrankung erheblich beiträgt.[50]

Mit Versuchen am Medikament Ritalin wurden diese Unterschiede damit erklärt, dass in den einzelnen Gehirnen eine unterschiedliche Anzahl an Dopamin-D2-Rezeptoren vorhanden sind. Ist diese Anzahl bei einer Testperson gering, empfindet sie die Wirkung der Substanz als besonders angenehm. Die erwähnten Unterschiede in den neurobiologischen Voraussetzungen sind daher zu einem gewissen Teil genetisch bedingt. Grundsätzlich kann man sagen, dass eine hohe Toleranzgrenze den Konsum erhöht. Kandidatengene für Alkoholabhängigkeit sind unter anderem GABA-Rezeptorgene, die Einfluss auf die sedierende Wirkung des Alkohols haben. Dopaminrezeptorgene (z. B. das DRD2A1-Taq1 A minor Allel) können eine Effizienzminderung des dopaminergen Systems bewirken. Die zurzeit bedeutendste genetische Prädisposition für Alkoholabhängigkeit wird einem Polymorphismus in Alkohol metabolisierenden Enzymen zugeschrieben. Polymorphismen des Alkohol- Dehydrogenase -Gens (ADH2-Gen) können zu einem schnelleren Abbau des giftigen Stoffwechselprodukts Acetaldehyd führen, was eine verminderte Wahrnehmung der Nebenwirkungen des Alkohols hervorruft und sich somit auf die Höhe des Konsums auswirkt.[51] Viele Asiaten haben eine Unterfunktion des Enzyms und leiden unter so heftigen Nebenwirkungen, dass eine Alkoholabhängigkeit dort kaum ein Problem darstellt. Das ALDH2-1-Allel kodiert für einer biologisch aktive Form des Enzyms, wohingegen ALDH2-2 zu Funktionsverlust führt.[52] Analog zur Alkoholabhängigkeit führt ein Polymorphismus in DRD2 zu einem erhöhten Suchtpotential. Raucher besitzen das DRD2-Allel fast doppelt so häufig wie Nichtraucher. So kann auch die Nikotinabhängigkeit durch verschiedene Polymorphismen genetisch bedingt sein. Variationen in der nikotinischen ACH-Rezeptor-Untereinheit A5 auf Chromosom 15 führen zu einer Aminosäureveränderung und veränderten mRNA- Expression im Gehirn. Ein weiterer entscheidender Faktor liegt in den metabolisierenden Enzymen des Stoffwechsels. Das Allel CYP2A6 kodiert ein gleichnamiges Enzym, welches den Abbau von Nikotin zu Cotinin vollzieht. Bei Kettenrauchern wurde eine Hyperaktivität dieses Enzyms festgestellt.[51] Studien von anderen Drogen sind aufgrund der Illegalität weniger und meist an Tierversuchen durchgeführt worden. Ihre genetische Prädisposition ist daher noch weitgehend ungeklärt.

Willenhafte Steuerung des Substanzverlangens[Bearbeiten]

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Dem Verlangen nach der psychotropen Substanz werden nach Verständnis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung der Persönlichkeit und kann die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums beeinträchtigen oder zerstören. Daher fordert die WHO, dass man einem Abhängigkeitskranken weder eine Willens- noch eine Charakterschwäche unterstellt. Abhängigkeit wird von der WHO als Krankheit eingestuft,[53] die jeden treffen kann. Sie kann wie jede chronische Krankheit aus einem Zusammenspiel biologischer und Umweltfaktoren verstanden werden. Sie erscheint meistens gleichzeitig und verknüpft mit anderen somatischen oder psychischen Störungen. Heute wird Drogenabhängigkeit als Gesundheitsproblem anerkannt, mit Präventionsmaßnahmen vorgebeugt sowie medizinisch behandelt.

Begleiterkrankungen und Folgen[Bearbeiten]

Neben dem Abhängigkeitssyndrom gibt es eine Reihe von körperlichen und psychischen Begleitkrankheiten.

Psychische Begleiterkrankungen[Bearbeiten]

Psychische Störungen können einem Abhängigkeitssyndrom vorausgehen und sind als Begleitkrankheiten zu therapieren. Mögliche Begleitkrankheiten können z. B. Angststörungen, Depression, Anpassungsstörungen, Persönlichkeitsstörungen oder Psychosen sein. Oft ist Selbstmedikation dieser Auslöser für ein Abhängigkeitssyndrom.

Die genannten Psychische Störungen können ebenso Folge eines Abhängigkeitssyndrom sein, im Fall einer Psychose ist der Begriff Drogenpsychose geläufig.

Auch Soziale Isolation kann einem Abhängigkeitssyndrom vorausgehen oder Folge davon sein.

Folgen des Abhängigkeitssyndroms[Bearbeiten]

Die Folgen des Abhängigkeitssyndroms hängen wesentlich ab von der psychotropen Substanz, zu der die Abhängigkeit besteht. Siehe daher auch den Hauptartikel zur jeweiligen Substanz.

Die Befriedigung der Abhängigkeit nimmt im Leben der Betroffenen einen immer größeren Raum ein. Die Aufmerksamkeit der Konsumierenden wird zunehmend auf Konsum und Beschaffung der psychoaktiven Substanz und das anschließende Verweilen im Rauschzustand verlagert. Andere Aktivitäten, Interessen und Verpflichtungen werden oft vernachlässigt. Die Persönlichkeit, oder die Persönlichkeitsentwicklung, kann erheblich beeinträchtigt werden. Zusätzlich besteht die Gefahr von Beschaffungskriminalität.

Prävention und Therapie[Bearbeiten]

Prävention[Bearbeiten]

Hauptartikel: Drogenprävention

Neuere Ansätze zur Drogenprävention setzen weniger auf Abschreckung, d. h. die Betonung der oft organismusschädigenden Eigenschaften, sondern vermehrt auf Aufklärung.[54] Abschreckung wurde von den Zielgruppen häufig nicht ernst genommen.[55] Aufklärung wird als eine Alternative zu der auf Repression ausgerichteten Drogenpolitik, in der Konsum als nicht tolerabel angesehen wird, eingesetzt. Ziel dieses Präventionskonzept ist es, Wissen um die Wirkung einer Substanz zu vermitteln. Dies betrifft sowohl die zu erwartenden angenehmen Wirkungen bzw. unerwünschten Nebenerscheinungen, als auch die möglichen sozialen und körperlichen Schäden. Dieses Wissen soll es dann ermöglichen, eine eigene Entscheidung zu treffen.[56] Da nicht davon ausgegangen wird, dass diese Entscheidung in jedem Fall gegen den Konsum ausfällt, soll zu ungefährlichem Umgang, wie beispielsweise der Vermeidung vom Mischkonsum, angeregt werden. Ziel der Prävention soll es sein, auf die Stärkung der Persönlichkeit und das Aufzeigen von Alternativen zum Substanzkonsum hinzuwirken. Diese Alternativen müssen für die potentiellen Konsumierenden erlebbar sein – beispielsweise die Erfahrung, dass man sich nach ein zwei Stunden „Auspowern“ mindestens ebenso „relaxed“ fühlt wie durch den Konsum von Cannabis.

Prävention und substanzspezifische Aufklärung soll so früh wie möglich beginnen, da der erste Kontakt mit Drogen häufig in der Adoleszenz stattfindet.[57][58]

Therapie[Bearbeiten]

Eine Therapie bei einem Abhängigkeitssyndrom hat den dauerhaften Verzicht (Abstinenz) auf die abhängigkeitserzeugende Substanz zum Ziel und kann folgende Punkte umfassen:

  1. körperlicher Entzug der abhängig machenden Substanz (Entzug psychotroper Substanzen)
  2. Substitution durch eine Substanz ohne oder mit geringerer Schadwirkung
  3. psychotherapeutische Behandlung (Kurzzeitinterventionen, v. a. Langzeitentwöhnung) in einer Fachklinik, wobei diese ihr Augenmerk auf eventuelle Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung der Patienten legen und sich stark an individuellen Ressourcen orientieren
  4. Physiotherapie
  5. Mitarbeit in Selbsthilfegruppe
  6. Mitbehandlung der Angehörigen/Bezugspersonen; siehe auch: Co-Abhängigkeit

In der Behandlung Opiatabhängiger kann die (manchmal dauerhafte) Verabreichung eines Substitutionsmittels im Rahmen einer Substitutionstherapie zu einer deutlichen Schadensbegrenzung (engl.: harm reduction) führen, sodass hier die Forderung nach Abstinenz als alleiniges Behandlungsziel aufgegeben wurde bzw. jeweils im Einzelfall (und eventuell immer wieder neu) entschieden werden muss. Die Wirksamkeit einer Dauersubstitution ist überzeugend belegt und wird auch vom Gesetzgeber anerkannt.[59][60] Es werden auch Medikamente entwickelt, die nicht als Substitution zu betrachten sind, sondern die Abhängigkeitssymptome gezielt bekämpfen sollen z. B. Clofenciclan.

Die Behandlung von Abhängigkeiten hat sich zu einem Spezialgebiet der Medizin entwickelt, das heute zunehmend auch auf Erkenntnissen der Neurobiologie aufbaut und ein ganzes Spektrum an therapeutischen Verfahren anbieten kann. Auch pädagogische Maßnahmen können Teil einer Therapie sein, insbesondere bei Jugendlichen.[58] In einer Veröffentlichung der Deutschen Rentenversicherung „Beurteilung von Weiterbildungen von Einzeltherapeuten und Gruppentherapeuten (Tätigkeitsfeld Sucht)“ der Autoren von Ammer, von Bötticher, Kullig und Scheipers wurde 1992 beschrieben, was genau Psychotherapie im Kontext von Abhängigkeitserkrankung heißt und wie die entsprechenden Ausbildungen gestaltet sein müssen, um erfolgreich Suchttherapie zu betreiben.[61]

Sonstiges[Bearbeiten]

Abgrenzungen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Abhängigkeit (Medizin)

Andere Formen der Abhängigkeit welche nicht durch Konsum psychotroper Substanzen gekennzeichnet sind, sind im Artikel Abhängigkeit (Medizin) zusammengefasst. Wenn Konsum von psychoaktiven Substanzen zu einer Überschreitung von Gesetzen führt, wird Abhängigkeit oder Substanzkonsum strafrechtlich definiert. Fragestellungen dieser Art berühren dann in der Regel die Arbeitsgebiete der Toxikologie im Bereich der Rechtsmedizin.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Allgemein
  • G. Glaeske: Psychotrope und andere Arzneimittel mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential. In: Jahrbuch Sucht 2000. Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren; Neuland, Geesthacht 1999
  • Roswitha Algeier-Föll, Günter Schmidt: Drogen-Wissen. Interdisziplinäres Drogen-Lexikon. (Books on Demand): Schmidt, Berlin 2003, ISBN 3-8330-0256-5.
  • Markus Berger: Handbuch für den Drogennotfall – Das Wichtigste zu Gefahrenpotenzialen, Überdosierungen und Abhängigkeiten. Nachtschatten, Solothurn 2004, ISBN 3-03788-125-9.
  • Theo Dingermann, Karl Hiller, Georg Schneider, Ilse Zündorf: Schneider – Arzneidrogen. 5. Auflage, Spektrum, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-2765-6.
  • Jürgen Engel: Süchtige Zeiten. Versuch einer Provokation. In: Christian Hoffstadt, Remo Bernasconi (Hrsg.): An den Grenzen der Sucht – On the edge of addiction – Aux confins de la dépendance. Festschrift für Remo Bernasconi. Projekt, Bochum / Freiburg im Breisgau 2009, S. 83–102, ISBN 978-3-89733-204-1 (= Reihe Aspekte der Medizinphilosophie, Band 8).
  • Ursula Frost: Abhängigkeit als Weltverschlossenheit: Ansätze zu einem pädagogisch-anthropologischen Suchtbegriff. In: Pädagogische Rundschau Nr. 44/1990.
  • Sabine Grüsser u. Thalemann, Caroline N.: Verhaltenssucht. Diagnostik, Therapie, Forschung. Huber, Bern 2006, ISBN 3-456-84250-3.
  • Andreas Heinz, Anil Batra, Norbert Scherbaum & Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank: Neurobiologie der Abhängigkeit. Grundlagen und Konsequenzen für Diagnose und Therapie von Suchterkrankungen. Kohlhammer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-17-021474-3
  • Christian Hoffstadt, Remo Bernasconi (Hrsg.): An den Grenzen der Sucht – On the edge of addiction – Aux confins de la dépendance. Festschrift für Remo Bernasconi. Projekt, Bochum / Freiburg im Breisgau 2009 ISBN 978-3-89733-204-1 (= Aspekte der Medizinphilosophie, Band 8).
  • Aldo Legnaro, Arnold Schmieder (Hrsg.): Suchtwirtschaft. Lit, Münster / Hamburg / London 1999, ISBN 3-8258-3531-6 (= Jahrbuch Sucht Band 1).
  • Aldo Legnaro, Arnold Schmieder (Hrsg.): Deregulierung der Abhängigkeit. Lit, Münster / Hamburg / London 2001, ISBN 3-8258-4892-2 (= Jahrbuch Sucht Band 2).
  • Aldo Legnaro, Arnold Schmieder (Hrsg.): Rauchzeichen. Zum modernen Tabakkonsum. Lit, Münster / Hamburg / London 2002, ISBN 3-8258-6077-9 (= Jahrbuch Sucht Band 3).
  • Aldo Legnaro, Arnold Schmieder (Hrsg.): Suchtränder. Lit, Münster / Hamburg / London 2004, ISBN 3-8258-7428-1 (= Jahrbuch Sucht Band 4).
  • J. Olds, P. Milner: Positive reinforcement produced by electrical stimulation of septal area and other regions of rat brain. J Comp Physiol Psychol. 1954; 47(6): 419–27. (Wichtige historische Veröffentlichung zur Suchtphysiologie)
  • Christian Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendung, 8. Auflage, AT, Aarau 2007, ISBN 978-3-03-800352-6.
  • Ronald R. Rippchen; VfD, Verein für Drogenpolitik: Konkrete Erste-Hilfe-Tipps bei Drogenproblemen, The Grüne Kraft, Löhrbach 2006, ISBN 978-3-922708-60-5.
  • Sebastian Scheerer: Sucht, rororo 6367, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1995, ISBN 3-499-16367-5.
  • Wolfgang Schmidbauer, Jürgen vom Scheidt, Monika Schulenberg: Handbuch der Rauschdrogen. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-16277-7.
  • Henning Schmidt-Semisch, Frank Nolte: Drogen, Rotbuch 3000, Hamburg 2000, ISBN 3-434-53505-5.
  • Giulia Sissa: Die Lust und das böse Verlangen. Eine Philosophie der Droge. (Originaltitel: Le Plaisir et le Mal, Odile Jacob, Paris 1997, übersetzt von Christine Schmutz), Klett-Cotta, Stuttgart 1999 ISBN 3-608-91917-1.
  • Bernhard van Treeck: Drogen- und Suchtlexikon. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2004, ISBN 3-89602-542-2.
  • Bernhard van Treeck: Drogen. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2003, ISBN 3-89602-420-5.
  • Felix Tretter (Hrsg.): Suchtmedizin kompakt. Schattauer, Stuttgart 2012. ISBN 978-3-7945-2866-0.
  • Andrew Weil: Drogen und höheres Bewusstsein, AT, Aarau 2000, ISBN 3-85502-684-X.
  • Claudia Wiesemann: Die heimliche Krankheit. Eine Geschichte des Suchtbegriffs. Frommann-Holzboog, Stuttgart 2000, ISBN 3-7728-2000-X (= Nelly Tsouyopoulos, Ludwig Siep, Urban Wiesing: Medizin und Philosophie, Band 4).
Verständliche Informationen für Betroffene und Angehörige
  • Johannes Lindenmeyer: Lieber schlau als blau. 7. Auflage, Beltz, Weinheim / Basel 2005, ISBN 3-621-27562-2.
  • Ralf Schneider: Die Suchtfibel. 15. Auflage, Schneider, Hohengehren 2010, ISBN 978-3-8340-0770-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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  6. Lutz G. Schmidt, Markus Gastpar, Peter Falkai: Evidenzbasierte Suchtmedizin: Behandlungsleitlinie substanzbezogene Störungen. Deutscher Ärzte-Verlag. 1. Auflage, 2006, S. 276. ISBN 3-7691-0520-6
  7. Mittelwert Abhängigkeitspotenziale ≥ 2,00 in der Skala der Studie von Nutt u. a.
  8. Mittelwert Abhängigkeitspotenziale ≥ 1,50 und < 2,00 in der Skala der Studie von Nutt u. a.
  9. Mittelwert Abhängigkeitspotenziale ≥ 1,00 und < 1,50 in der Skala der Studie von Nutt u. a.
  10. Mittelwert Abhängigkeitspotenziale < 1,00 in der Skala der Studie von Nutt u. a.
  11. Alkohol – Das berauschende Genuss- bzw. Suchtmittel. Apotheke2u.de. Abgerufen am 3. Juli 2010.
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