Alan M. Dershowitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alan M. Dershowitz

Alan M. Dershowitz (Alan Morton Dershowitz; * 1. September 1938 in Brooklyn, New York) ist zurzeit einer der bekanntesten US-amerikanischen Rechtsanwälte, politischer Aktivist und Publizist, bekannt in den USA für verschiedene medienwirksame Debatten. Seit 1993 ist er Inhaber des Felix Frankfurter-Lehrstuhls für Rechtswissenschaften an der Harvard University. Dershowitz hat mehrere politische Bücher veröffentlicht und schreibt seit 2005 Beiträge für The Huffington Post.

Leben[Bearbeiten]

Alan Dershowitz ist der Sohn orthodoxer Juden; sein Vater gründete eine Synagoge und war deren Vorstand. Er besuchte die Yeshiva University High School, wo er auch fließend hebräisch lernte und studierte am Brooklyn College (Abschluss 1959) und der Yale Law School, wo er Herausgeber des Yale Law Journal war. Er schloss in Yale 1962 ab. Dershowitz trat nach Assistenztätigkeiten für die Richter David Bazelon (Chief Justice im Berufungsgericht D.C. Circuit in Washington D.C., das für viele Bundes-Organisationen der USA juristisch zuständig ist) und Arthur Goldberg (Richter am Supreme Court) 1963 der Fakultät der Harvard Law School bei, wo er 1964 Assistenzprofessor wurde und 1967 mit 28 Jahren eine volle Professur erhielt. Seit 1993 ist er dort Felix Frankfurter Professor of Law.

Während ihrer Studienzeit an der Harvard University war die spätere Schauspielerin Natalie Portman (damals Natalie Hershlag) Forschungsassistentin von Dershowitz für sein Buch The Case for Israel.[1]

Anwaltstätigkeit[Bearbeiten]

Dershowitz ist Spezialist für Revisionsverfahren im Strafprozessrecht. Zu seinen berühmtesten Fällen gehört der Fall Claus von Bülow, worüber er auch ein Buch schrieb, das 1990 von Barbet Schroeder als Die Affäre der Sunny von B. verfilmt wurde, mit Dershowitz selbst in einer kleinen Nebenrolle als Richter. Bülow war vorgeworfen worden, seine Frau mit Insulin ins Koma gespritzt zu haben. Weitere Fälle und Klienten sind Natan Scharanski, Harry Reems (ein Pornodarsteller, der 1976 wegen Obszönität verfolgt wurde), Michael Milken, Mike Tyson, Patricia Hearst, O. J. Simpson (in der Vorbereitung eines Berufungsverfahrens, das dann nicht mehr nötig war). Ungefähr die Hälfte seiner Fälle sind pro bono, das heißt er verteidigt in diesen Fällen umsonst, ein (wenn auch nicht in diesem Umfang) in den USA üblicher „sozialer Dienst“ vieler Anwälte. 2011 beriet er den Wikileaks-Chef Julian Assange juristisch und zog Parallelen zu den Pentagon-Papieren, wo Dershowitz ebenfalls als Anwalt beteiligt war.[2]

Dershowitz als Autor und in politischen Debatten[Bearbeiten]

Dershowitz ist ein erfolgreicher Buchautor (auch von Romanen), der gerne in politische Debatten eingreift oder diese anstößt. Insbesondere ist er ein engagierter Vertreter von Rechtspositionen und nationalen Interessen des Staates Israel, was zu Debatten führte, u. a. mit dem Politologen Norman Finkelstein, dem Linksintellektuellen Noam Chomsky, dem Ex-Präsidenten Jimmy Carter (der in Zusammenhang mit Israel von Apartheid gesprochen hatte) und den Politologen John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt über deren Aufsatz The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy (2006).[3]

Beispielsweise schlug er in einem Artikel vom 11. März 2002 in der Jerusalem Post[4] unter dem Eindruck zahlreicher Anschläge von Selbstmord-Attentätern auf die israelische Zivilbevölkerung vor, ein Moratorium anzukündigen, nach jedem weiteren solchen Terroranschlag kleine palästinensische Dörfer aus einer vorher festgelegten Liste dem Erdboden gleichzumachen, nachdem den Einwohner 24 Stunden zur Räumung ihres Dorfes eingeräumt wurden. Der so festgelegte Automatismus der Zerstörung sollte nach Dershowitz dazu führen, dass die palästinensische Bevölkerung sich von den Terroristen distanziert. Der Vorschlag löste starke Kritik aus; der für seine antizionistischen Ansichten bekannte Norman Finkelstein verglich diesen Vorschlag sogar mit Lidice.[5] Israel hatte schon zuvor die Politik verfolgt, Häuser der Familien von identifizierten arabischen Terroristen einzuebnen.

In seinem Bestseller Chutzpah trat Dershowitz für mehr jüdisches Selbstbewusstsein in den USA ein. In Plädoyer für Israel richtet er sich gegen eine seiner Meinung nach einseitig antiisraelische Darstellung des Nahostkonfliktes.

Dershowitz ist ein Gegner des 2. Verfassungszusatzes, der jedem Amerikaner das Recht gewährt, Feuerwaffen zu besitzen. Dershowitz ist dafür, Tieren im Gesetz begrenzt Rechte zuzugestehen. Er befürwortete 2002 in Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001, dem Staat die legale Möglichkeit zum Einsatz von Folter zu geben. Obwohl er selbst ein Gegner der Folter sei, würde sie, so Dershowitz, in Fällen einer extremen Bedrohung in der Realität eingesetzt und es sei besser dafür einen legalen Rahmen zu schaffen.[6][7]

Plagiatsvorwürfe[Bearbeiten]

Kurz nach der Veröffentlichung seines Buchs Plädoyer für Israel (im Original The Case for Israel) im Jahr 2003 wurden Plagiatsvorwürfe seitens des an der DePaul-Universität lehrenden Poliktikwissenschaftlers Norman Finkelstein laut.[8] Dershowitz bestritt die Vorwürfe. In der US-amerikanischen Öffentlichkeit ist die damit im Zusammenhang stehende umfangreiche Auseinandersetzung als Dershowitz-Finkelstein-Affäre bekannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • The Best Defense. 1982, ISBN 0-394-50736-3
  • Reversal of Fortune: Inside the von Bülow Case. 1985, ISBN 0-394-53903-6
    • Die Affäre der Sunny von B. Nahaufnahme einer Familie: der Von-Bülow-Skandal. Schweizer Verlagshaus, Zürich 1990, ISBN 3-7263-6638-5; Lübbe, Bergisch Gladbach 1991, ISBN 3-404-11756-5
  • Taking Liberties: A Decade of Hard Cases, Bad Laws, and Bum Raps. 1988
  • Chutzpah. 1991, ISBN 0671760890
  • Contrary to popular opinion. 1991
  • Taking Liberties: A Decade of Hard Cases, Bad Laws, and Bum Raps. 1988, ISBN 0-8092-4616-3
  • Contrary to popular opinion. 1991
  • The Abuse Excuse: And other Cop-outs, Sob Stories and Evasions of Responsibility. 1994, ISBN 0-316-18135-8
  • Reasonable Doubts: The Criminal Justice System and the O. J. Simpson Case. 1996
  • The Vanishing American Jew: In Search of Jewish Identity for the Next Century. 1997, ISBN 0-316-18133-1
  • Sexual McCarthyism: Clinton, Starr, and the Emerging Constitutional Crisis. 1998
  • The Genesis of Justice: Ten Stories of Biblical Injustice that Led to the Ten Commandments and Modern Law. Warner Books, 2000
    • Die Entstehung von Recht und Gesetz aus Mord und Totschlag. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002, ISBN 3-434-50514-8
  • Supreme Injustice: How the high court hijacked Election 2000. Oxford University Press, 2001
  • Letters to a Young Lawyer. Basic Books, 2001, ISBN 0-465-01631-6
  • Shouting Fire: Civil liberties in an turbulent age. Little Brown, 2002
  • Why Terrorism Works: Understanding the Threat, Responding to the Challenge. Yale University Press, 2002
  • The Case for Israel. Wiley, 2003, ISBN 0-471-67952-6
    • Plädoyer für Israel. Warum die Anklagen gegen Israel aus Vorurteilen bestehen. Mit einem Vorwort von Henryk M. Broder. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2005, ISBN 3-203-76026-6
  • America Declares Independence. Wiley, 2003
  • America on Trial: Inside the Legal Battles That Transformed Our Nation - from the Salem Witches to the Guantanamo Detainees. Warner Books, 2004, ISBN 0-446-52058-6.
  • The Case for Peace: How the Arab-Israel Conflict can be resolved. Wiley, 2005
  • Rights From Wrongs: A Secular Theory of the Origins of Rights. Basic Books, 2004
  • Preemption: A Knife That Cuts Both Ways (Issues of Our Time). Norton, 2006, ISBN 0-393-06012-8
  • Blasphemy: How the Religious Right is Hijacking the Declaration of Independence. 2007, ISBN 0470084553
Romane

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alan Dershowitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Abigail F. Schoenberg: Professors Reflect on Natalie Portman. In: The Harvard Crimson. 1. März 2011, abgerufen am 16. März 2013.
  2.  „Ein moderner Journalist“. In: Der Spiegel. Nr. 8, 2011, S. 89 (online).
  3. Alan Dershowitz: Debunking the Newest – and Oldest – Jewish Conspiracy. A Reply to the Mearsheimer-Walt „Working Paper“. Harvard Kennedy School, 5. April 2006 (PDF; 414 KB)
  4. Responding to Palestinian Terrorism. In: The Jerusalem Post. 11. März 2002. Dershowitz argumentiert ähnlich auch in Why terrorism works.
  5. Finkelstein: Beyond Chutzpah. 2005
  6. Wolf Blitzer: Dershowitz: Torture could be justified. In: CNN. 4. März 2003 (Interview mit Dershowitz und Ken Roth)
  7. Thomas Kleine-Brockhoff: Interview: Wenn die Bombe tickt. In: Die Zeit. Nr. 51, 15. Dezember 2004. Dershowitz äußerte sich dazu auch in einem Kapitel seines Buches Why terrorism works von 2002.
  8. Amy Goodman: Scholar Norman Finkelstein Calls Professor Alan Dershowitz’s New Book On Israel a „Hoax“. In: Democracy Now! 24. September 2003