Waterboarding

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Als Waterboarding wird eine Foltermethode des simulierten Ertränkens bezeichnet. Beim Opfer wird durch Ausnutzen des Würgereflexes physiologisch der Eindruck unmittelbar drohenden Ertrinkens hervorgerufen, indem durch ein Tuch über Mund und Nase, das ständig mit Wasser übergossen wird, der Atemwiderstand stark erhöht wird. Durch das Fixieren des Folteropfers in einer Position, in der sich der Kopf tiefer befindet als der restliche Körper, soll das Eindringen von Wasser in die Lungen und ein darauffolgendes tatsächliches Ertrinken verhindert werden.[1] Waterboarding wird als Trauma wahrgenommen. Je nach der allgemeinen psychischen Stabilität des Opfers kann es zu schweren bis irreversiblen traumareaktiven Erkrankungen kommen.

Waterboarding gehört zu den Foltermethoden, die üblicherweise keine körperlichen Spuren hinterlassen (Weiße Folter), aber zu längerdauernden oder bleibenden psychischen Störungen führen können. Nachträgliche Beweise am Gefolterten selbst sind im Fall des Waterboardings daher nur selten zu erbringen.

Ursprüngliche Berichte behaupteten, dass der Widerstand der meisten Opfer in weniger als einer Minute breche.[2][3] Dabei handelte es sich um Fehlinformationen, die aus der CIA an Medien weitergegeben wurden. Tatsächlich muss Waterboarding hierzu vielfach und gehäuft hintereinander eingesetzt werden.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Waterboarding-Gestell im Tuol-Sleng-Museum, Kambodscha

Das zwangsweise Einflößen großer Mengen Wasser in Mund und Nase mit der Gefahr des Eindringens in die Luftröhre und die Lunge mit nachfolgendem Ertrinken ist universell als Hinrichtungs- und Foltermethode nachgewiesen. Waterboarding unterscheidet sich davon zum einen durch das Tuch über Mund und Nase, durch das die Wirkung nicht das Eindringen von Wasser in die Atemorgane, sondern der erhöhte Atemwiderstand und der dadurch ausgelöste Reflex ist, und zum anderen durch das Brett (board), auf dem die betreffende Person mit dem Kopf niedriger als der Rest des Körpers fixiert wird. Diese beiden Merkmale lassen sich durch die Geschichte der justizförmigen und informellen Verhörmethoden verfolgen.

Die ältesten Nachweise für die Anwendung eines Tuches über Mund und Nase liegen unter der Bezeichnung tormento de toca für die Spanische Inquisition vor.[5] Die Spanier sollen die Methode in ihre Kolonien in Süd-Ost-Asien, insbesondere die Philippinen, gebracht haben.

Gerichtlich nachgewiesen ist die Verwendung durch japanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg. In einem Kriegsverbrecher-Prozess in der Nachfolge der Tokioter Prozesse wurde 1947 ein japanischer Offizier durch ein amerikanisches Kriegsgericht wegen Folter zu 15 Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt. In den Prozessunterlagen ist die Körperhaltung mit erhöhten Füßen dargestellt.[6]

Im Algerienkrieg folterte die Französische Armee im Rahmen der Französischen Doktrin und setzte die Technik gegen politische Gefangene ein. Der französisch-algerische Journalist Henri Alleg berichtete 1958 in seinem Buch La Question von der Methode, der er selbst ausgesetzt war.[7] Einige der französischen Offiziere waren im Zweiten Weltkrieg von der Gestapo selbst auf diese Art gefoltert worden. Von der Résistance hatte sie die Bezeichnung « baignoire » (deutsch: „Badewanne“) erhalten.[8]

1968 erregte die Titelseite der Washington Post Aufsehen, auf der das Foto von US-Soldaten im Vietnamkrieg abgebildet war, die einem Kriegsgefangenen Wasser über das mit einem Tuch verhüllte Gesicht gießen.[9] Der abgebildete Soldat wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und unehrenhaft aus der Armee entlassen.[10]

In den 1970er Jahren setzten die Roten Khmer beim Bürgerkrieg in Kambodscha regelmäßig Waterboarding-Methoden ein. Ihre Folterzentren waren mit fest installierten Gestellen zur Fesselung von Gefangenen mit tiefliegendem Kopf ausgestattet.[11]

1983 verurteilte ein texanisches Gericht einen Sheriff zu vier Jahren Haft, weil er im Rahmen eines Verhörs einen Verdächtigen durch Waterboarding mit einem Tuch über dem Gesicht zu einer Aussage gezwungen hatte.[5]

Einsatz von Waterboarding durch die USA nach 2001[Bearbeiten]

Protest gegen Waterboarding bei einem Besuch von Condoleezza Rice in Island, Mai 2008

In Folge der Terroranschläge am 11. September 2001 ermächtigte US-Präsident George W. Bush die CIA am 17. September 2001 erstmals Gefangene festzuhalten und zu vernehmen. Nachdem die CIA schon vorher rechtwidrige, gewalttätige Vernehmungsmethoden eingesetzt hatte, wurde im August 2002 ein formales Programm der enhanced interrogation techniques (deutsch etwa: erweiterte oder verschärfte Verhörtechniken) der CIA entwickelt. Es bestand aus verschiedenen Foltermethoden. Waterboarding war die härteste der Folterformen, sie musste individuell für jeden Gefangenen erlaubt werden.

Die offizielle Beschreibung des Waterboardings stammt aus einem Dokument der CIA von 2004, das aus einem Gutachten des Justizministeriums vom August 2002 zitiert. Es wurde 2009 freigegeben.[12]

„[10.] The application of the waterboard technique involves binding the detainee to a bench with his feet elevated above his head. The detainee’s head is immobilized and an interrogator places a cloth over the detainee’s mouth and nose while pouring water onto the cloth in a controlled manner. Airflow is restricted for 20 to 40 seconds and the technique produces the sensation of drowning and suffocation.“

„[10.] Zur Anwendung des Waterboards wird der Gefangene so auf eine Bank gebunden, dass seine Füße gegenüber dem Kopf erhöht sind. Der Kopf des Gefangenen ist zur Bewegungsunfähigkeit fixiert und ein Vernehmer legt ein Tuch über Mund und Nase des Gefangenen, während er kontrolliert Wasser auf das Tuch gießt. Die Atmung wird für 20 bis 40 Sekunden unterbunden und die Methode erzeugt das Gefühl von Ertrinken und Ersticken.“

CIA OIG: Special Review 2007, S. 15

Die ausführlichste Beschreibung des Waterboardings durch die CIA stammt aus einem Bericht des ICRC von 2007, der auf Befragungen von Gefangenen in Guantanamo Ende 2006 beruht.[13]

„In each case, the person to be suffocated was strapped to a tilting bed and a cloth was placed over the face, covering the nose and mouth. Water was then poured continuously onto the cloth, saturating it and blocking off any air so that the person could not breathe. This form of suffocation induced a feeling of panic and the acute impression that the person was about to die. In at least one case, this was accompanied by incontinence of the urine. At a point chosen by the interrogator the cloth was removed and the bed was rotated into a head-up and vertical position so that the person was left hanging by the straps used to secure him to the bed. The procedure was repeated at least twice, if not more often, during a single interrogation session. Moreover, this repetitive suffocation was inflicted on the detainees during subsequent sessions. The above procedure is the so-called ‘water boarding’ technique.“

„In jedem der Fälle wurde die Person, die erstickt werden sollte, auf ein gekipptes Bett gebunden und ein Tuch über ihr Gesicht gelegt, das Nase und Mund bedeckte. Dann wurde kontinuierlich Wasser auf des Tuch gegossen, bis es durchnässt war und die Luftzufuhr stoppte, so dass die Person nicht atmen konnte. Diese Art des Erstickens erzeugt ein Gefühl von Panik und den unmittelbaren Eindruck, dass die Person stirbt. In mindestens einem Fall wurde dies von Inkontinenz der Blase begleitet. Der Vernehmer wählt den Zeitpunkt, wann er das Tuch entfernt und das Bett so kippt, dass der Kopf oben ist und die Person in den Fesseln am Bett hängt. Dieses Verfahren wurde mindestens zweimal, wenn nicht öfter während einer Vernehmungssitzung widerholt. Zudem wurde dieses mehrfache Ersticken den Gefangenen während darauffolgenden Sitzungen angetan. Das obige Verfahren ist die sogenannte Waterboarding-Methode.“

ICRC 2007, S. 10

Die Methode wurde laut Angaben von CIA-Direktor Michael Hayden gegen die drei al-Qaida-Angehörigen Chalid Scheich Mohammed, Abu Zubaydah und Abd al-Rahim al-Nashiri angewendet.[14] Die CIA zog dazu die beiden Psychologen James Mitchell und Bruce Jessen heran. Sie hatten als Ausbilder im SERE-Training der amerikanischen Airforce Erfahrung mit Foltermethoden, weil dabei Soldaten auf Situationen vorbereitet werden sollen, in die sie als Kriegsgefangene geraten können, wenn der Gegner die Genfer Konventionen nicht einhält.[15] Die Psychologen hatten aber weder Ausbildung noch Erfahrung in Vernehmungstechniken, keine Kenntnisse über Terrorismusbekämpfung oder Hintergrundinformationen über al-Qaida.[16]

Bei mehreren Gefangenen wurde Waterboarding abweichend von der aus dem SERE-Training stammenden und für die CIA freigegebenen Form angewendet. Bei Chalid Scheich Mohammedwurde in einem Fall Waterboarding in sofern abgewandelt, dass der Vernehmungsleiter mit den Händen vor Mund und Nase des Gefangenen das Wasser bis zu einer Höhe von etwa 2,5 cm aufstaute. Damit wurde aus einer Methode, die physiologisch auf den erhöhten Atemwiderstand wegen des nassen Tuchs setzt, ein tatsächliches Ertränken.[17]

Das Bekanntwerden dieser Praxis heizte die ohnehin laufende öffentliche Debatte weiter an, ob die Regierung unter Bush zur Verhinderung neuer Terroranschläge nach dem 11. September möglicherweise Verstöße gegen Menschenrechte und Genfer Konvention in Kauf nehme. Im Zusammenhang mit Waterboarding erklärte ein Regierungssprecher, die amerikanische Regierung sehe dieses als akzeptable Verhörmethode von Gefangenen an, weil es sich dabei nicht um eine Foltermethode handle.[18][19]

Im Herbst 2014 wurde bekannt, dass man bei mindestens zwei Beschuldigten die Wasserfolter ausweitete und den Kopf der Betroffenen so lange in einer Wanne komplett unter Wasser hielt, bis sie tatsächlich drohten zu ersticken.[20]

Erst im Dezember 2014 wurde die Kurzfassung der Committee Study of the Central Intelligence Agency’s Detention and Interrogation Program des United States Senate Select Committee on Intelligence veröffentlicht, die von 2009 bis 2013 erstellt worden war. Damit wurden Einzelheiten über die Folter von CIA-Gefangenen, auch mittels Waterboarding bekannt. Demnach kam es bei den Opfern zu erheblich gravierenderen medizinischen Folgen: Bei Abu Zubaydah wurde eine „Reduzierung der Vitalfunktionen“ erkannt, wobei „aus seinem offenen, wassergefüllten Mund Blasen aufstiegen“. Bei Chalid Scheich Mohammed entwickelte sich die Folter bis er „mehrfach hintereinander beinahe ertrank“.[21]

Abgesehen von den drei Personen, deren Folter mittels Waterboarding bereits bekannt war, enthält der Senatsbericht Hinweise, nach denen weitere Gefangene dem Waterboarding ausgesetzt wurden. Zudem machten Gefangene Aussagen nach denen sie mit Methoden gefoltert wurden, die vergleichbar oder ununterscheidbar von Waterboarding waren.[22] Waterboarding wurde an zwei Gefangenen in einem black site in Bangkok, Thailand und an einem weiteren in Stare Kiejkuty, Polen, nahe dem Flughafen Szymany angewendet. Außerdem enthält der Senatbericht die Information, dass in einem weiteren CIA-Gefängnis in Bagram, Afghanistan ein Waterboard existierte und es zusammen mit Zubehör fotografiert wurde, obwohl es keine Informationen darüber gibt, dass in dieser Einrichtung Waterboarding eingesetzt wurde.[23]

US-Begründung: Genfer Konvention greift nicht[Bearbeiten]

Bereits zuvor hatte die US-Regierung die Gefangenhaltung von Terrorverdächtigen im Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base damit gerechtfertigt, dass sie diese nicht als Kriegsgefangene im Sinne der Genfer Konvention betrachte. Joyce Hens Green, Richterin des United States District Court für den District of Columbia, hat in ihrem Urteil vom 31. Januar 2005 diese Praxis jedoch für gesetzwidrig erklärt.[24] Vor diesem Hintergrund erregte im Oktober 2006 Vizepräsident Dick Cheney Aufsehen, der sich weiterhin zu Waterboarding bekannte und auf die Frage eines Radioreporters, ob er die Infragestellung von Waterboarding nicht für „ziemlich dumm“ halte „angesichts der Gefahr, der wir gegenüberstehen“, antwortete: „Ja, ich stimme zu.“[25] Infolge öffentlichen Drucks strich die amerikanische Regierung das Waterboarding dann von der Liste der nach dem 11. September 2001 genehmigten Verhörpraktiken.[26] Anfang Oktober 2007 wurde ein Geheimpapier des Justizministeriums bezüglich CIA-Verhörmethoden öffentlich, in dem Waterboarding weiterhin als gesetzeskonform gewertet wurde.[27]

Veto des Präsidenten[Bearbeiten]

Im Dezember 2007 brachten die Republikaner im Senat eine Gesetzesinitiative zum Verbot umstrittener Verhörmethoden, darunter Waterboarding, mit Hinweis auf einen Formfehler zu Fall.[28] Präsident Bush hatte zuvor angekündigt, im Falle einer Annahme des Gesetzentwurfs sein Veto einzulegen[28] und tat dies nach der Annahme des Gesetzesentwurfes durch den Kongress Anfang März 2008. Seine Begründung:

„Das mir vom Kongress übermittelte Gesetz nimmt uns eines der nützlichsten Werkzeuge im Kampf gegen den Terror.“[29]

Der Versuch der Demokraten, das Veto durch eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Repräsentantenhaus außer Kraft zu setzen, scheiterte.[30]

Einflussreich für die Debatte[31] war ein Artikel des Schriftstellers und Kolumnisten Christopher Hitchens mit dem Titel „Believe me, It's Torture“ (Glaubt mir, es ist Folter) in der amerikanischen Zeitschrift Vanity Fair vom August 2008, für den er sich selbst dem Waterboarding ausgesetzt hatte.[32]

Obama-Regierung[Bearbeiten]

Unmittelbar nach Ablauf der Amtszeit George W. Bushs ordnete der nachfolgende US-Präsident Barack Obama am 22. Januar 2009 ein Verbot von Waterboarding und anderen „harschen Verhörmethoden“ an. Seitdem sind auch Mitarbeiter der CIA bei Verhören von mutmaßlichen Terroristen an das im Feldhandbuch der US Army zum Verhör von feindlichen Kriegsgefangenen kodifizierte Kriegsrecht gebunden.[33]

Bereits am 15. September 2007 hatte der damalige CIA-Chef Michael Hayden auf Empfehlung seines Stellvertreters Steve Kappes für Angehörige der CIA ein Verbot der Waterboarding-Methode verfügt.[26] CIA-Videomitschnitte von Verhören aus dem Jahr 2002 waren auf Anweisung von Hayden bereits 2005 vernichtet worden – nach seinen Angaben, um die bei den Verfahren eingesetzten Geheimdienstbeamten vor möglichen Racheakten zu schützen.[3] Bürgerrechtler vermuten dahinter jedoch die Vernichtung von juristisch belastendem Beweismaterial.[3] Inzwischen hat CIA-Chef Hayden öffentlich zugegeben, dass der amerikanische Geheimdienst die umstrittene Verhörmethode des Waterboardings um das Jahr 2003 herum in drei Fällen angewandt hat, nämlich bei Chalid Scheich Mohammed, Abu Zubaydah und Abdel Rahim el-Nashiri.[34] Im September 2012 veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch weitere Fälle von Waterboarding-Einsatz durch US-Geheimdienste, diesmal an libyschen Staatsbürgern im Jahr 2004.[35] Die so gefolterten Männer waren im Widerstand gegen das Regime des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, deswegen nach Afghanistan geflüchtet, von westlichen Geheimdiensten entführt und schließlich in libysche Gefängnisse gebracht worden.

US-Justizminister Eric Holder bezeichnete die Methode des Waterboardings Anfang März 2009 in einer Rede in Washington, D.C. als Folter: „Waterboarding ist Folter und darf von den Vereinigten Staaten unter keinen Umständen angewendet werden.“[36]. Holder ließ auch die Rechtsmemoranden der Bush-Regierung veröffentlichen, die – von höchsten Regierungsverantwortlichen verfasst, darunter Dick Cheney, David S. Addington, Jay Bybee[37] sowie John Yoo[38] (Office of Legal Council) – als Rechtsgrundlage für Waterboarding galten.[39] Dennoch entschied US-Präsident Obama, dass die CIA-Mitarbeiter, die diese Foltermethode bei Verhören von Terrorverdächtigen anwandten und „ihre Aufgaben in gutem Glauben an die juristischen Vorgaben des Justizministeriums ausführten, […] nicht zum Gegenstand von Strafverfolgung“ werden.[39][40][41]

Ex-Präsident Bush enthüllte in seinen Memoiren (Titel Decision Points, erschienen am 9. November 2010 auf Englisch)[42][43] unter anderem, dass er persönlich im „Krieg gegen den Terror“ Folterpraktiken genehmigt hat. Amnesty International forderte daraufhin Ermittlungen gegen Bush.[44]

Bewertung der Ergebnisse[Bearbeiten]

Laut Medienberichten kam die CIA in einem internen Bericht 2009 zum Ergebnis, dass ihr interrogation and detention program einschließlich der Anwendung von Waterboarding und anderen Foltermethoden keinen großen nachrichtlichen Wert erbracht hätte. Dem steht ein Papier entgegen, in dem CIA-Direktor John O. Brennan Mitte 2013 die hohe Bedeutung von Extraordinary rendition, Black Sites und enhanced interrogation darlegte.[45]

Eine Arbeitsgruppe des United States Senate Select Committee on Intelligence, dem Senats-Ausschuss zur Aufsicht über die US-Nachrichtendienste, untersuchte bis 2013 vertrauliche und geheime Unterlagen der CIA. Die Mitarbeiter des US-Parlaments fanden „keine bedeutenden nachrichtendienstlichen Erkenntnisse“ des CIA-Programms und dass der Nachrichtendienst sowohl den Kongress als auch die Öffentlichkeit mehrfach über den Wert der Programme und Methoden getäuscht hätte.[45]

In der CIA waren die Leitung und die internen Aufsichtsabteilungen voll informiert, auf der politischen Ebene hatte Vizepräsident Dick Cheney volle Übersicht, Präsident Bush und der National Security Council wurden regelmäßig informiert und entschieden über den Umfang des Programms. Die Vorsitzenden der beiden Geheimdienstausschüsse im Kongress, United States Senate Select Committee on Intelligence und United States House Permanent Select Committee on Intelligence wurden über zentrale Aspekte informiert, gegenüber den vollen Ausschüssen machte die CIA vorsätzlich fehlerhafte und unvollständige Aussagen. Die Vorsitzenden der Ausschüsse hatten aber aufgrund von Geheimhaltungsvorschriften nur begrenzte Möglichkeiten die anderen Mitglieder der Ausschüsse, die Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern und die Öffentlichkeit zu informieren. Gegenüber dem US Justizministerium hielten sowohl die CIA und das Weiße Haus relevante Informationen zurück. Das Internationale Kommitteee des Roten Kreuzes bekam erst Zugang zu den Inhaftierten, nachdem sie dem Verteidigungsministerium übergeben und in Guantanamo inhaftiert waren. Sowohl die direkten Verantwortlichen als auch Pressestellen wirkten über die gesamte Zeit auf die Medien ein, verbreiteten offene Lügen und manipulierte Informationen.

Die Untersuchungen ergaben, dass entgegen den systematischen und wiederholten Aussagen von CIA und der politischen Ebene Waterboarding und andere Folter während des gesamten Programms weder neue operativ für die Terrorismusbekämpfung nutzbaren Informationen noch Bestätigungen für wesentliche anderweitig gewonnene Informationen erbrachten. Alle Aussagen, nach denen das Programm Erfolge gebracht hätte, die auf anderem Wege unmöglich gewesen wären, waren falsch.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Waterboarding – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Waterboarding – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. U.S. Department of Justice, Office of the Legal Counsel: Memorandum for John Rizzo, Acting General Counsel of the Central Intelligence Agency, August 1, 2002 (PDF; 2,0 MB), S. 3 f., 11, 15 (Kopie im Archiv der Federation of American Scientists).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatCIA's Harsh Interrogation Techniques Described. ABC News, abgerufen am 18. November 2005 (englisch).
  3. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVom Weißen Haus gebilligt. n-tv, abgerufen am 11. Dezember 2007 (deutsch).
  4. New York Times: Ex-Officer Is First From C.I.A. to Face Prison for a Leak, 5. Januar 2013.
  5. a b NPR: Waterboarding – A Tortured History. 3. November 2007, abgerufen am 26. Februar 2009.
  6. Washington Post: Waterboarding Historically Controversial. 5. Oktober 2006, abgerufen am 26. Februar 2009.
  7. The Independent: Waterboarding is torture, 1. November 2007, abgerufen am 26. Februar 2009.
  8. Peter Scholl-Latour: Arabiens Stunde der Wahrheit. Ullstein, 2012, ISBN 978-3-548-37467-3, S. 240.
  9. Das Foto online bei der Washington Post
  10. ABC: History of an Interogation Technique, 29. November 2005, abgerufen am 26. Februar 2009.
  11. BBC: Washington Diary: Water Torture. 12. Dezember 2007, abgerufen am 26. Februar 2009.
  12. CIA Office of Inspector General: Special Review Counterterrorism Detention and Interrogation Activities September 2001-October 2003, May 7, 2004, Kopie auf der Website der ALCU
  13. ICRC: ICRC Report on the Treatment of Fourteen "High Value Detainees" in CIA Custody, 2007, Kapitel 1.3.1. SUFFOCATION BY WATER
  14. Guardian: CIA admit 'waterboarding' al-Qaida suspects. 5. Februar 2008.
  15. SSCI study 2014, S. 9.
  16. SSCI study 2014, S. 11.
  17. SSCI study 2014, S. 88
  18. Soviet-Style “Torture” Becomes “Interrogation”. New York Times, abgerufen am 3. Juni 2007 (englisch).
  19. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWeißes Haus segnete „Waterboarding“ ab. NetZeitung, abgerufen am 11. Dezember 2007 (deutsch).
  20. CIA tortured al Qaed suspects close to the point of death by drowning them in water-filled baths. Telegraph, 7. September 2014.
  21. SSCI study 2014, S. 3.
  22. SSCI study 2014, S. 106-108
  23. SSCI study 2014, S. 107
  24. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatUrteil. U.S. District Court For The District Of Columbia, abgerufen am 31. Januar 2005 (PDF; 3,3 MB, englisch).
  25. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatCheney endorses simulated drowning. Financial Times, abgerufen am 26. Oktober 2006 (englisch).
  26. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatUS-Geheimdienst CIA verbietet Verhörmethode der „Wasserkur“. AFP, abgerufen am 15. September 2007 (deutsch).
  27. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSecret U.S. Endorsement of Severe Interrogations. New York Times, abgerufen am 4. Oktober 2007 (englisch).
  28. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Format„Waterboarding“-Verbot im Senat gescheitert. Die Welt, abgerufen am 15. Dezember 2007 (deutsch).
  29. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBush stoppt Anti-Folter-Gesetz. Focus, abgerufen am 8. März 2008 (deutsch).
  30. New York Times: Effort to Prohibit Waterboarding Fails in House. 12. März 2008.
  31. Siehe: William Shawcross: Justice and the Enemy: From the Nuremberg Trials to Khaled Sheikh Mohammed. PublicAffairs, 2012, ISBN 978-1-58648-975-5, Seite 79 und die Nachrufe auf Hitchens, wie Tageszeitung: Zum Tode von Christopher Hitchens: Er wusste es einfach besser. 16. Dezember 2011 und Süddeutsche Zeitung: Zum Tod von Christopher Hitchens: Anwalt des Teufels. 16. Dezember 2011.
  32. Christopher Hitchens: Believe me, It's Torture. Vanity Fair, August 2008.
  33. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWahlversprechen eingelöst: Obama ordnet Schließung von Guantánamo an. FAZ, abgerufen am 22. Januar 2009 (deutsch).
  34. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatCIA gibt Anwendung des Waterboarding zu. Spiegel Online, abgerufen am 5. Februar 2008 (deutsch).
  35. Laura Pitter: Delivered Into Enemy Hands. US-Led Abuse and Rendition of Opponents to Gaddafi’s Libya. ISBN 1-56432-940-2, PDF.
  36. New York Times: Holder Tells Senators Waterboarding Is Torture. 15. Januar 2009.
  37. Marlise Simons: Spanish Court Weighs Inquiry on Torture for 6 Bush-Era Officials. In: nytimes.com. 28. März 2009.
  38. Jane Mayer: The Dark Side: The Inside Story of How the War on Terror Turned Into a War on American Ideals. 2008, Doubleday-Verlag, ISBN 978-0-385-52639-5, gilt als herausragendes Buch über die Vorgänge in Abu Ghoreib und auf Guantanamo[26].
  39. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAuf der dunklen Seite. Wer ist politisch verantwortlich für die Folter durch CIA-Angehörige? Berliner Zeitung, abgerufen am 22. April 2009 (deutsch).
  40. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWaterboarding bleibt ohne Strafe. tagesschau.de, abgerufen am 16. April 2009 (deutsch).
  41. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatICRC Report on the Treatment of Fourteen „High Value Detainees“ in CIA Custody. New York Times/International Committee of the Red Cross, abgerufen am 22. April 2009 (PDF; 167 kB, englisch).
  42. Bush verteidigt Irak-Krieg. In: Focus.de. 9. November 2010.
  43. Denkmal für eine Hassfigur. In: spiegel.de. 9. November 2010.
  44. Schröders Ex-Sprecher lästert über Bushs Intelligenz. In: Handelsblatt.com. 10. November 2010.
  45. a b CIA draws scrutiny over searching Senate panel’s computers for interrogation report. In: washingtonpost.com. 5. März 2014.