Andrew Johnson

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Andrew Johnson (um 1865)
Unterschrift von Andrew Johnson

Andrew Johnson (* 29. Dezember 1808 in Raleigh, North Carolina; † 31. Juli 1875 in Carter Station, Tennessee) war der 17. Präsident der Vereinigten Staaten (1865–1869). Zuvor war er unter Abraham Lincoln von März bis April 1865 amerikanischer Vizepräsident, nach der Ermordung Lincolns rückte er ins Präsidentenamt auf. Er gehörte der Demokratischen Partei an.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Geburtshaus Johnsons im heutigen Mordecai Historic Park

Johnson wurde in Raleigh, North Carolina, als drittes von drei Kindern von Jacob und Mary Johnson, geb. McDonough, geboren. Jacob Johnson war Konstabler in der Ortsmiliz. Als Andrew drei Jahre alt war, starb sein Vater an einem Herzinfarkt, nachdem er drei Männer vor dem Ertrinken gerettet hatte, und hinterließ die Familie in Armut. Mary sorgte mit Spinn- und Webearbeiten für den Familienunterhalt und heiratete später Turner Doughtry. Andrew ging bei einem Schneider in die Lehre. Er erhielt keine Schulausbildung und brachte sich das Lesen und Schreiben selbst bei. Als Jugendlicher lief er mit seinem älteren Bruder aus Raleigh weg und lebte für einige Zeit in Laurens, Laurens County, South Carolina und Mooresville, Limestone County, Alabama wo er weiterhin in der Schneiderei tätig war. Im Jahr 1826 zog er mit Mutter, Stiefvater und Bruder nach Greeneville. Dort eröffneten sie in der heutigen Andrew Johnson National Historic Site eine Schneiderei, mit der sie großen geschäftlichen Erfolg erzielen konnten. Im Mai 1827 heiratete Johnson Eliza McCardle, die ihm besseres Lesen und Rechnen beibrachte.[1] Sie blieben bis zu seinem Tod – fast 50 Jahre – verheiratet und hatten fünf Kinder.

Anfänge und Tätigkeit als Gouverneur und Senator[Bearbeiten]

Über sein Interesse an Debatten – er gründete eine entsprechende Gesellschaft und nahm am Tusculum College an Disputen teil – gelangte er in die Politik. In den 1830er Jahren wurde er Bürgermeister der Stadt Greeneville. Ab 1835 war er Abgeordneter im Repräsentantenhaus dieses Staates; 1841 saß er im Senat von Tennessee, ehe er zwischen dem 4. März 1843 und dem 3. März 1853 fünf Amtsperioden im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten absolvierte. 1853 wurde er schließlich Gouverneur, ein Amt, das er bis 1857 bekleidete. Anschließend wurde er in den US-Senat gewählt. Da er aus sehr einfachen Verhältnissen stammte, pflegte Johnson während seines ganzen politischen Lebens eine starke Abneigung gegen die reiche Pflanzeraristokratie des Südens, die schließlich die Abspaltung von der Union betrieb. Daher war Johnson 1860/61 der einzige Senator aus den Südstaaten, der gegen die Sezession auftrat.

Vizepräsident und Präsident nach Lincolns Tod[Bearbeiten]

Abraham Lincoln und Andrew Johnson auf einem Wahlplakat zur Präsidentschaftswahl 1864

Während des Bürgerkriegs wurde er 1862 von Präsident Abraham Lincoln zum Militärgouverneur seines von Unionstruppen besetzten Heimatstaats Tennessee ernannt.

Bei der Wahl von 1864 kandidierte er als Abraham Lincolns Vizepräsident. Da er sowohl Südstaatler und Mitglied der Demokraten als auch Unionist (Gegner der Sezession) war, schien er für dieses Amt bestens geeignet, insbesondere da die Republikaner bei dieser Wahl gemeinsam mit dem Flügel der Demokratischen Partei, der für eine Fortsetzung des Krieges bis zur militärischen Niederlage der Südstaaten plädierte („War Democrats“), als „Partei der Nationalen Einheit“ (National Union Party) antraten. Als Vizepräsident trat Johnson für einen harten Kurs gegen die Südstaaten ein und forderte eine harte Bestrafung der Anführer der Konföderation.

Nach der Ermordung Lincolns wurde er am 15. April 1865 als neuer Präsident vereidigt. Er war der dritte Vizepräsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten, der durch den Tod seines Vorgängers ins Amt kam, und der erste nach einem Attentat. Es war geplant, dass ein Komplize von John Wilkes Booth, Lincolns Mörder, auch den Vizepräsidenten Johnson umbringen sollte. Dieser schreckte jedoch vor der Tat bereits im Vorfeld zurück.

Als Hauptaufgabe seiner Präsidentschaft galt die sogenannte Reconstruction, der Wiederaufbau der Südstaaten nach dem Krieg und ihre Wiedereingliederung in die Union. Johnson machte den Politikern der Südstaaten deutliche Zugeständnisse, und in den Südstaaten wurden 1865 bereits wieder Wahlen für den US-Kongress abgehalten. Durch Johnsons Politik war es den Südstaaten möglich, der Union beizutreten, ohne den Schwarzen gleiche Rechte wie den Weißen zuzugestehen (siehe Black Codes). Viele Schwarze arbeiteten weiter in ähnlichen Zuständen auf den Plantagen.[2] Bald war er den radikalen Republikanern zu entgegenkommend, die sich darüber beschwerten, dass die alte Aristokraten-Oberschicht weiterhin im Süden an der Macht bleiben durfte. Der Unmut nahm besonders zu nach einigen Vetos von Johnson gegen Bürgerrechtsgesetze, welche die Lage der freigelassenen Sklaven verbessern sollten.[1] Der Kongress konnte aufgrund der großen Zustimmung den Civil Rights Act von 1866 trotz des Vetos durchsetzen.[1] Johnson sagte zu Thomas C. Fletcher, dem Gouverneur von Missouri: „This is a country for white men, and by God, as long as I am President, it shall be a government for white men.“ (Dies ist ein Land für Weiße und bei Gott, so lange ich Präsident bin, soll es auch eine Regierung für weiße Männer geben).[3]

Darüber hinaus strebte der Kongress danach, die Macht des Präsidenten, die Lincoln während des Sezessionskrieges stark ausgeweitet hatte, wieder zurückzustutzen. Dazu wurde am 3. März 1867 gegen das Veto des Präsidenten der Tenure of Office Act verabschiedet, der es dem Präsidenten untersagte, ohne Beteiligung des Senats Minister und andere wichtige Amtsinhaber zu entlassen. Im gleichen Jahr, wiederum das präsidiale Veto überstimmend, beschloss der Kongress die Reconstruction Acts, welche den Sezessionsstaaten eine Wiederaufnahme in Senat und Repräsentantenhaus nur unter der Bedingung zusagten, dass sie den Schwarzen Bürgerrechte gemäß dem 14. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten gewährten. Da Kriegsminister Edwin McMasters Stanton Johnson in seiner ablehnenden Haltung nicht unterstützte, sondern die Reconstruction Acts befürwortete, entließ ihn der Präsident am 5. August 1867 und ernannte Ulysses S. Grant zu seinem Nachfolger.

Impeachment-Verfahren vor dem Senat (1868)

Das Resultat war das erste Impeachment-Verfahren vor dem Senat gegen einen US-Präsidenten überhaupt, in dem auch Vorwürfe laut wurden, Johnson sei Alkoholiker. Am 24. Februar 1868 stimmte das Repräsentantenhaus bereits einem zweiten Impeachment-Verfahren gegen Johnson zu, das aus elf Artikeln bestand und knapp drei Monate dauern sollte. Am 16. Mai 1868 entschieden sich 35 Senatoren für schuldig, 19 für nicht schuldig, als über den weitestgehenden Antrag, Punkt 11, abgestimmt wurde. Eine erneute Abstimmung am 26. Mai über zwei weitere Anklagepunkte brachte dasselbe Ergebnis.[4] Im Senat verfehlte die Amtsenthebung somit die zur Absetzung notwendige Zweidrittelmehrheit mit einer Stimme, weil sich sieben Republikaner gegen die Parteilinie stellten.[5]

Ein damals weithin unbeachtetes Ereignis seiner Präsidentschaft war 1867 der Kauf Alaskas von Russland durch Außenminister William H. Seward zu einem Preis von 7,2 Millionen Dollar (nach heutiger Kaufkraft 122 Millionen Dollar).

Auf der Democratic National Convention 1868 konnte er sich als Präsidentschaftskandidat nicht durchsetzen, so dass er nicht zur Wiederwahl nominiert wurde. Johnson schied am 4. März 1869 aus dem Amt, das von dem Republikaner und Bürgerkriegsgeneral Ulysses S. Grant übernommen wurde. Entgegen der Tradition weigerte sich Johnson an der Amtseinführung seines Nachfolgers teilzunehmen.

Nach der Präsidentschaft[Bearbeiten]

Andrew Johnson im Februar 1875

Anders als andere amerikanische Präsidenten sah Johnson seine politische Karriere nach dem Ende seiner Amtszeit nicht als beendet an. Er kandidierte zweimal erfolglos für den Kongress. Im November 1874 wurde er dann beim dritten Versuch durch die State Legislature von Tenneesee nochmals zum US-Senator gewählt (zu jener Zeit wählten die Parlamente der Bundesstaaten die Senatoren). Johnson ist bis heute der einzige Präsident, der nach seiner Zeit im Weißen Haus in den Senat gewählt wurde. Außer ihm war lediglich John Quincy Adams nochmals Mitglied im Kongress nach der Präsidentschaft. Allerdings gehörte Adams dem Repräsentantenhaus an. Während seiner kurzen Zeit im Senat kritisierte Johnson die Politik von Präsident Grant und forderte diesen auf, die Besatzungstruppen der Union aus den Südstaaten abzuziehen. Grant wies dies jedoch zurück (der Abzug der Truppen erfolgte erst im Jahr 1877).[6]

Andrew Johnson starb am 31. Juli 1875, kurz nach seinem Einzug in den Senat, nahe Elizabethton im Carter County, Tennessee an einem Schlaganfall im Alter von 66 Jahren. Er wurde knapp außerhalb von Greeneville im heutigen Andrew Johnson National Cemetery beerdigt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andrew Johnson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Encyclopaedia Britannica: Andrew Johnson
  2. Howard Zinn: A People’s History of the United States, Harper Perennial, 2005, S. 199, ISBN 0-06-083865-5
  3.  Eric L. McKitrick: Andrew Johnson and Reconstruction. Oxford University Press, Oxford 1988, ISBN 0195057074, S. 184.
  4. Ein Schurke, wer dagegen ist In: Der Spiegel, Heft 32 vom 5. August 1974, abgefragt am 15. Mai 2011
  5. The Trial of Andrew Johnson, 1868
  6. Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 9783406587429 S. 203