Angelo Bagnasco

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Angelo Bagnasco (rechts) und Giorgio Napolitano (2010)
Wappen.

Angelo Kardinal Bagnasco (* 14. Januar 1943 in Pontevico, Provinz Brescia, Italien) ist Erzbischof von Genua und Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz.

Leben[Bearbeiten]

Angelo Bagnasco wurde 1943 als zweites Kind des Fabrikarbeiters Alfredo Bagnasco und dessen Frau Rosa in Pontevico geboren. Nach dem Umzug der Familie nach Genua besuchte er dort das Gymnasium und das klassische Lyzeum. Anschließend besuchte er das Erzbischöfliche Priesterseminar in Genua und empfing am 29. Juni 1966 im Lorenzdom von Genua durch Giuseppe Kardinal Siri das Sakrament der Priesterweihe. Anschließend war er bis 1985 Pfarrvikar der Pfarrei San Pietro e Santa Teresa del Bambino Gesù in Genua. Währenddessen absolvierte er sein Diplom in Philosophie an der Universität Genua und wurde 1980 Dozent für Metaphysik und zeitgenössischen Atheismus am Genueser Standort der Theologischen Fakultät von Norditalien. Diesen Lehrauftrag hatte er bis 1998 inne. Darüber hinaus war er von 1980 bis 1995 Diözesanassistent bei der Föderation katholischer italienischer Universitäten (Federazione Universitari Cattolici Italiani). Weiterhin war er von 1985 bis 1996 Leiter des Katechetischen Büros der Erzdiözese Genua und Liguriens sowie regionaler Beauftragter für die Schulpastoral und von 1986 bis 1994 Präsident und Dozent am Istituto Superiore di Scienze Religiose di Genova. Am 27. April 1987 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. den Titel Kaplan Seiner Heiligkeit. Von 1990 bis 1996 war Bagnasco Direktor des Bildungsbüros des Erzbistums Genua, das die Aus- und Weiterbildung von Religionslehrern koordiniert, und von 1993 bis 1996 Direktor des diözesanen Werkes Apostolato Liturgico.

1995 wurde er zudem Bischofsvikar und Spiritual des erzbischöflichen Priesterseminars in Genua. Johannes Paul II. ernannte ihn am 3. Januar 1998 zum Bischof von Pesaro. Die Bischofsweihe spendete ihm der kurz darauf zum Kardinal ernannte Genoveser Erzbischof Dionigi Tettamanzi am 7. Februar 1998. Mit der Erhebung der Diözese Pesaro zum Erzbistum im Zuge der Neustrukturierung der italienischen Bistümer wurde Bagnasco am 11. März 2000 zu deren erstem Erzbischof erhoben. Am 20. Juni 2003 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Militärerzbischof von Italien. Papst Benedikt XVI. berief Angelo Bagnasco am 29. August 2006 zum Nachfolger von Tarcisio Kardinal Bertone als Erzbischof von Genua, nachdem dieser mit Wirkung vom 15. September desselben Jahres das Amt des Kardinalstaatssekretärs an der römischen Kurie übernommen hatte. Die offizielle Amtseinführung Bagnascos war kurz darauf am 24. September 2006.

Am 7. März 2007 ernannte ihn Benedikt XVI. als Nachfolger von Camillo Kardinal Ruini zum Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz.

Am 24. November 2007 nahm ihn Benedikt XVI. als Kardinalpriester mit der Titelkirche Gran Madre di Dio in das Kardinalskollegium auf.

Positionen[Bearbeiten]

Abtreibung[Bearbeiten]

Bagnasco lehnt die Abtreibung, insbesondere durch Mifepriston streng ab.[1]

Recht auf Arbeit[Bearbeiten]

Bagnasco bestätigte das Recht jedes Menschen auf Arbeit. Er meint zudem, dass die Flexibilität der Arbeitskraft zugunsten der Arbeitnehmer beschränkt sein sollte.

Kritik zur ablehnenden Haltung der Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren[Bearbeiten]

2007 stand Bagnasco unter Kritik einiger liberaler Medien, von Intellektuellen (Dario Fo, Dacia Maraini u. a.)[2] sowie von Politikern der damaligen Mitte-Links-Regierung, da er ein in Italien geplantes Gesetz zur Anerkennung von Lebenspartnerschaften gleichgeschlechtlicher Paare mit der Erlaubnis zum Inzest und zur Pädophilie verglichen hat.[3][4] Ein anonymer Brief an ihn mit einer Todesdrohung und einem Hakenkreuz wurde von Italiens Premierminister Romano Prodi, der selbst das geplante Gesetz befürwortet, als nicht tolerierbare Handlung verurteilt.[5] Erzbischof Bagnasco, der seitdem unter Polizeischutz steht, hat am 9. Juni 2007 eine weitere Morddrohung erhalten.[6][7] Über die Absender der Drohbriefe liegen keine genaueren Erkenntnisse vor – eine inhaftierte Terroristin der Roten Brigaden wurde verdächtigt, damit in Zusammenhang zu stehen.[8]

Silvio Berlusconi[Bearbeiten]

Angelo Bagnasco forderte wie Bischof Domenico Mogavero im Juli 2009 Ministerpräsident Silvio Berlusconi aufgrund seines Lebenswandels öffentlich zum Rücktritt auf; er warnte vor „Männern, die in einem Delirium ihrer eigenen Großartigkeit ertrunken sind, die die Illusion der Allmacht hinterlassen und moralische Werte verdrehen“.[9]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Mitgliedschaften in der Römischen Kurie[Bearbeiten]

Angelo Kardinal Bagnasco ist Mitglied der folgenden Kongregationen und Kommissionen der römischen Kurie:

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Angelo Bagnasco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Position zur Abtreibung
  2. kath.net vom 1. Mai 2007: „Pistolenkugel und Hakenkreuz“
  3. Corriere della sera vom 1. April 2007: „Bagnasco: nuova bufera sui dico“
  4. news24.com vom 2. April 2007: „Storm over bishop’s gay remarks“
  5. John N. Allen: Death threats against Italian archbishop follow comments on same-sex unions
  6. Radio Vatikan vom 10. Juni 2007: „Italien:Morddrohung gegen Bischof“
  7. christiantoday.com vom 12. Juni 2007: „Bishop receives death threats for opposing gay“
  8. cwnews.com vom 13. Juni 2007: „Italian terrorist probed in death threats against archbishop“
  9. „Senior Roman Catholic bishop calls for Silvio Berlusconi to resign“, Times Online, 26. Juni 2009
Vorgänger Amt Nachfolger
Camillo Kardinal Ruini Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz
seit 2007
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Tarcisio Kardinal Bertone SDB Erzbischof von Genua
seit 2006
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