AnsaldoBreda V250

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V250
Ein AnsaldoBreda V250 auf Testfahrt bei Deurne
Ein AnsaldoBreda V250 auf Testfahrt bei Deurne
Anzahl: 19
Hersteller: AnsaldoBreda
Baujahr(e): 2008–2013
Ausmusterung: 2013 abgestellt wegen schwerer Mängel
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge: 200,9 Meter
Höhe: 4.080 mm
Breite: 2.870 mm
Leermasse: 423 t
Dienstmasse: 485 t
Radsatzfahrmasse: 17 t
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Dauerleistung: 5,5 MW
Anfahrzugkraft: 300 kN
Beschleunigung: 0,58 m/s²
Bremsverzögerung: 1,2 m/s²
Raddurchmesser: 920/850 mm
Stromsystem: 25 kV 50 Hz ~,
3 kV =, 1,5 kV =
Stromübertragung: Oberleitung
Antrieb: Wassergekühlte IGBT-Stromrichter mit Asynchronfahrmotoren
Zugsicherung: ETCS Level 2, TBL, ATB
Sitzplätze: gesamt: 546
1. Klasse: 127
2. Klasse: 419[1]
Fußbodenhöhe: 1'260 mm über SOK

Der AnsaldoBreda V250 ist ein elektrischer Hochgeschwindigkeitszug, der ab 2012 unter dem Markennamen Fyra[2] auf der niederländisch-belgischen Schnellfahrstrecke Schiphol–Antwerpen verkehrte. Sein planmäßiger Einsatz auf der internationalen Verbindung zwischen Amsterdam, Flughafen Schiphol, Rotterdam, Antwerpen und Brüssel, der am 9. Dezember 2012 begann, wurde bereits am 18. Januar 2013 durch ein Fahrverbot der belgischen Aufsichtsbehörde gestoppt und nicht wieder aufgenommen. Auch auf niederländischen Strecken kam es zu keinem weiteren Einsatz.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Betreiberunternehmen High Speed Alliance, kurz HSA, ein Joint Venture aus Nederlandse Spoorwegen (NS) und der Fluggesellschaft KLM, hatte im Frühjahr[3] 2004[4] 16 Garnituren (andere Quelle: 12[4]) des zunächst als Albatros[5] vermarkteten V250 bestellt, die belgische Staatsbahn SNCB drei.[6] Darüber hinaus wurde eine Option über 14 weitere Züge vereinbart.[4] Ursprünglich war ein Betriebsbeginn am 1. April 2007 vorgesehen.

Anfang 2006 war die Auslieferung für Februar 2008 vorgesehen.[3] Im Frühjahr 2008 wurden Testfahrten auf dem Eisenbahnversuchsring Velim aufgenommen.[7] Ende April 2009 wurde der erste Zug in die Niederlande geliefert.[8] Mitte Mai 2009 wurde der zweite Zug nach den Testfahrten in Velim ebenfalls nach Amsterdam überführt.

Am 7. Juli 2009 wurden ein Zug und der Name Fyra der Öffentlichkeit präsentiert. Danach begannen Testfahrten auf der HSL Zuid und der HSL 4.[9] Nachdem absehbar wurde, dass die Züge nicht rechtzeitig zur Eröffnung der HSL Zuid zur Verfügung stehen würden, entschied sich die HSA, den Verkehr auf der Strecke im Herbst 2009 mit konventionellen, lokbespannten Zügen zu beginnen.[6] Die Betreiber gingen zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass die ersten Züge im Laufe des Jahres 2010 einsatzbereit sein würden.[9]

Nach weiteren Verzögerungen begann am 29. Juli 2012 sukzessive der reguläre Fahrgasteinsatz.[10] Von September bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2012 folgten je nach Verfügbarkeit der Zuggarnituren Einsätze im Fahrgastbetrieb zwischen Amsterdam und Rotterdam, zusätzlich zu dem bestehenden Fyra-Angebot mit lokbespannten Zügen zwischen Amsterdam und Breda.

Der planmäßige Einsatz startete schließlich am 9. Dezember 2012 mit täglich zehn Verbindungen. Der V250 verkehrte über die Schnellfahrstrecke Schiphol–Antwerpen und verband dabei Amsterdam mit dem Flughafen Schiphol, Rotterdam und Brüssel. Die zuvor bestehende IC-Verbindung (Beneluxtrein) zwischen den beiden Endpunkten mit Halt in Den Haag wurde zu diesem Termin eingestellt. Zusätzlich sollte eine Verbindung von Rotterdam nach Den Haag und Verbindungen von Breda nach Amsterdam und nach Antwerpen eingerichtet werden.

Am 18. Januar 2013 entzog die belgische Aufsichtsbehörde Dienst Veiligheid en Interoperabiliteit der Spoorwegen dem V250 die Genehmigung für den kommerziellen Betrieb mit Fahrgästen, bis der Betreiber erneut die Zuverlässigkeit der Flotte nachweisen könne. Abdeckungen aus dem Unterflurbereich der Fahrzeuge wurden entlang des Fahrweges gefunden, außerdem beschädigte Eisabfall bereits Tage zuvor einige Triebzüge.[11][12] Im Juni 2013 wurde durch die niederländische Aufsichtsbehörde Inspectie Leefomgeving en Transport ein vorläufiges Fahrverbot ausgesprochen, das auch Testfahrten mit einschließt.[13]

Die belgische Bahn gab am 31. Mai 2013 bekannt, ihre Bestellung über drei Fahrzeuge zu annullieren, da die Fahrzeuge zu große Defizite hinsichtlich Zuverlässigkeit und Sicherheit aufweisen würden. Innerhalb des gestellten Drei-Monats-Ultimatums seit der Außerbetriebnahme der Züge Mitte Januar 2013 konnten die Probleme nicht zufriedenstellend behoben werden.[14][15] Auch NS Hispeed will die Fahrzeuge nicht weiter einsetzen, wie am 3. Juni 2013 bekanntgegeben wurde.[16] Der Leasinggeber der sechzehn niederländischen Fahrzeuge, NS Financial Services, äußerte im Juni vor Gericht, die Fahrzeuge dennoch abzunehmen und an andere Verkehrsunternehmen zu verleihen, sobald sie fehlerfrei seien. Am 30. August 2013 teilte NS mit, dass der Kaufvertrag gekündigt worden sei.[17]

Die NS, AnsaldoBreda und ihre Muttergesellschaft Finmeccanica (FNM) haben am 17. März 2014 eine Lösung für ihren Streit über die sechzehn V250 Züge der NS Financial Services angekündigt. Die Unternehmen haben vereinbart, dass alle V250-Züge zurück zu AnsaldoBreda nach Italien gehen, wobei die NS 125 Millionen Euro erstattet erhalten. Die V250-Züge werden von AnsaldoBreda anderen Kunden angeboten. [18] Die drei SNCB Züge sind nicht in der oben genannten Absprache enthalten.

Technik[Bearbeiten]

Die von Pininfarina entworfenen Züge können unter drei verschiedenen Bahnstromsystemen verkehren, mit 25 kV 50 Hz Wechselspannung sowie 3 oder 1,5 kV Gleichspannung. Neben dem auf der HSL-Zuid eingesetzten Zugsicherungssystem ETCS Level 2 sind die Züge auch mit der niederländischen ATB und der belgischen TBL ausgestattet. Sie sollen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h unterwegs sein. Die acht Zwischenwagen bieten insgesamt 546 Sitzplätze, davon 127 in der ersten Klasse. Dort gibt es auch Steckdosen an den Plätzen.[19]

Galerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Badcock: Dutch wait for HSL South to bloom. In: International Railway Journal, 49. Jahrgang, Heft 2, Februar 2009, S. 16–19
  2. "Nouveau train à grande vitesse Bruxelles-Amsterdam". Presseinformation der SNCB vom 7. Juli 2009.
  3. a b HSL Zuid: Hochgeschwindigkeitsstrecke mit Langsamverkehr. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 3/2006, ISSN 1421-2811, S. 128–130.
  4. a b c Meldung Ansaldo-Hochgeschwindigkeitszüge für HSL-Zuid. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 7/2004, ISSN 1421-2811, S. 320 f.
  5. Railway Gazette International:"NS Hispeed confirms December start", 1. Mai 2007.
  6. a b Wie weiter beim Verkehr über die HSL Zuid?. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5, 2010, ISSN 1421-2811, S. 226 f.
  7. Railway Gazette International: „First Albatros trainset on test at Velim“, 9. Mai 2008
  8. Eerste HSL Nederland in gesleept. Holländische Meldung vom 28. April 2009
  9. a b Fyra - Hochgeschwindigkeitsnetz von KLM und NS Hispeed DMM – Der Mobilitätsmanager, 8. Juli 2009
  10. Fyra V250 rijdt voor het eerst met reizigers. In: treinreiziger.nl, 29. Juli 2012. Abgerufen am 18. Januar 2013. 
  11. Fyra mag niet meer rijden op Belgisch spoor. In: treinreiziger.nl, 18. Januar 2013. 
  12. Belgen willen veiligheid van de Fyra bewezen hebben (html mit Video). In: NOS.nl, 18. Januar 2013. 
  13. Ook rijverbod voor Fyra V250 testritten Treinreiziger.nl, abgerufen am 4. Juni 2013
  14. Belgische spoorwegen: zeer veel problemen bij Fyra V250. Treinreiziger.nl vom 31. Mai 2013, abgerufen am 31. Mai 2013
  15. Fyra: NMBS schrapt bestelling V250-treinen bij AnsaldoBreda. Pressemitteilung der Auslandssparte der belgischen Bahn (B Europe) vom 31. Mai 2013, abgerufen am 31. Mai 2013.
  16. NS stopt met Fyra; HSL-verbinding Brabant-België verder weg dan ooit, Omroep Brabant vom 3. Juni 2013.
  17. NS zegt contract Fyra bij AnsaldoBreda formeel op, treinreiziger.nl vom 30. August 2013, abgerufen am 2. September 2013.
  18. NS erhält Geld zurück vom Fyra-Erbauer (niederländisch).
  19. www.highspeedalliance.nl „Trains“

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: V250 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien