Bagel

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Dieser Artikel erläutert das Gebäck aus Hefeteig. Für weitere Bedeutungen siehe Bagel (Begriffsklärung).
Plain Bagel, New York-Style

Ein Bagel, manchmal auch Beigel (von englisch bagel oder beigel [ˈbeɪgəl] von jiddisch בײגל oder בײגעל bejgl oder bajgl, YIVO-Orthografie beygl) ist ein handtellergroßes rundes Gebäck aus Hefeteig mit einem Loch in der Mitte. Bagel werden vor dem Backen kurz in Wasser gekocht. Das Loch in der Mitte beschleunigt den Kochvorgang und erhöht die Krustenbildung beim Backen.

Die 1610 erstmals in jüdischen Quellen in Krakau belegten Bagel entstanden vermutlich in Mittel- oder Osteuropa. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie von osteuropäischen jüdischen Einwanderern in den USA und Kanada eingeführt, wo sie seit den 1970er Jahren zum Ernährungsalltag gehören, und von wo sie sich seither als typisch amerikanisches Backwerk weltweit verbreiten.

Varianten[Bearbeiten]

Herstellung von Hand gefertigter Bagel, Montreal, Kanada

In Nordamerika gibt es heute zwei Varianten des Bagels, den „New York-Style Bagel“ und den „Montreal-Style Bagel“,- meist als „New York Bagel“ und „Montreal Bagel“ bezeichnet. Erstere werden traditionellerweise aus einem Teig aus Weizenmehl mit hohem Kleberanteil, Wasser, Hefe, Malz und Salz hergestellt.[1] Der Teig wird oft mehrere Stunden kühlgestellt. Das Kühlstellen des Teiges vor dem Kochen verzögert die Fermentation und verbessert Geschmack und Krustenbildung.[2] Das aus Teigsträngen zu Ringen geformte Gebäck wird kurz in Wasser gekocht und anschließend gebacken. Neben dem „plain“ (einfachen) Bagel gibt es zahlreiche Varianten, mit Mohn, Sesam, Zwiebeln oder mit süßen Zutaten wie Rosinen und Zimt oder Blaubeeren.[1] „New York Bagel“ werden auch aus Roggenmehl oder Sauerteig hergestellt, am St. Patricks Day, dem Gedenktag zu Ehren des irischen Nationalheiligen, sind sie zudem in grüner Farbe erhältlich.

Beim „Montreal Bagel“ wird das Salz weggelassen, dem Teig werden Eier und dem Kochwasser wird Honig beigegeben. „Montreal Bagel“ werden meist mit Mohn- oder Sesamsamen bestreut und in einem Holzofen gebacken. Sie sind etwas kleiner und süßer als New YorkBagels und haben ein größeres Loch in der Mitte.[3]

Die traditionell von Hand gefertigten in London und anderen Städten Großbritanniens erhältlichen Bagel, für die in England teilweise noch die Schreibweise „Beigel“ verwendet wird,[4] ähneln denen aus New York, sind jedoch etwas kleiner und härter.[5] Industriell gefertigte Bagel werden in Großbritannien dagegen im Stil der New Yorker Bagel hergestellt und als solche vermarktet.[6]

Form[Bearbeiten]

Bagels sind rund und haben ein mehr oder weniger großes Loch in der Mitte. Durch den Kochprozess behalten die Teigringe beim Backen ihre Form und es entsteht die für Bagel typische harte, glänzende Kruste. Das Loch macht die Bagel leichter, sie sind schneller gekocht, und beim Backen bildet sich zusätzliche Kruste.[7] Das Loch diente anfangs zum einfacheren Herausnehmen beim Kochen und zum Transport auf Schnüren oder Holzstangen aufgereiht.[8] In dieser Form wurden Bagel in Osteuropa sowohl in Bäckereien wie an Marktständen und auf der Straße verkauft – häufig ohne Bewilligung – und dieser Art in New York noch bis in die 1970er Jahre ausgeliefert.[7]

Bagelcutter

Ein handgefertigter „New York Bagel“ wog Mitte des 20. Jahrhunderts weniger als 100 Gramm. Seither wurden die Bagels immer größer,[5] Verantwortlich für diese Entwicklung soll nicht zuletzt die Tatsache sein, dass Bagels immer häufiger als Sandwichs gegessen werden und nicht wie ursprünglich ohne Zutaten.[9] Als ideale Größe für Bagel gilt ein Durchmesser von etwa zehn Zentimetern.[10]

Zu den in Nordamerika erhältlichen, in ihrer Form von den klassischen Bagel abweichenden Bagels gehören „Flagels“, vor dem Backen flachgedrückte Bagels,[11] Riesenbagels für Partys und Empfänge,[12] und der Huffington Post ist zu entnehmen, dass selbst quadratische Bagels anzutreffen sind.[13] In Großbritannien bietet der Marktführer zum Valentinstag herzförmige Bagel in limitierter Auflage an, die kostenlos online über Facebook erhältlich sind.[14]

Konsistenz[Bearbeiten]

Bagel müssen einen intensiven Geschmack und eine dicke, glänzende Kruste aufweisen und dürfen nur im Inneren weich sein, so jedenfalls die Meinung der „Bagel Mavens“, wie Bagelkenner in den USA nach dem jiddischen Wort מבֿין (meiwen, deutsch Sachverständiger) gern genannt werden.[2] Frische Bagel werden schnell hart und sollten deshalb innerhalb von fünf Stunden gegessen werden, am besten noch warm.[15]

Sollen Bagel mit Cream cheese bestrichen oder als Sandwiches gegessen werden, werden sie aufgeschnitten. Da das Aufschneiden wegen der harten Kruste oft zu Verletzungen führt, kam es zur Erfindung des Bagelcutters für das Aufschneiden. Einzelne Hersteller verkaufen bereits aufgeschnittene Bagel. Für die Zubereitung von Sandwiches eignen sich jedoch weiche Bagel besser. Vielfach werden sie auf der Unterseite getoastet, bevor sie belegt werden.

Herkunft und Bezeichnungen[Bearbeiten]

Iwan Semjonowitsch Kulikow, Markt, 1910

Ort und Zeitpunkt der Entstehung des Bagels sind unbekannt. Ringförmige Gebäcke sind seit alters her bekannt. Bereits ägyptische Hieroglyphen zeigen ein ringförmiges Gebäck. Auch für die Zubereitungsart ein Gebäck vor dem Backen kurz zu kochen, geht auf alte Traditionen zurück.[16] Der älteste erhaltene Beleg, der Bagel erwähnt, sind Verordnungen der jüdischen Gemeinde Krakaus von 1610. Leo Rosten schreibt in seinem populären Buch The Joys of Yiddish von 1968, Bagels seien Frauen im Kindbett gegeben worden.[17] Rostens vereinfachte Darstellung stützt sich auf den im Warschauer Ghetto verstorbenen polnisch-jüdischen Historiker Meir Balaban.[18] Dieser Quelle nach hat es sich um ein gängiges Backwerk gehandelt, das zusammen mit Zopfbrot und Kuchen bei Familienfeiern angeboten wurde.[18] Nach Claudia Roden geht der Bagel ebenso wie das Zopfbrot ursprünglich auf Süddeutschland zurück und hat seine definitive Form dann im jüdischen Polen erhalten.[19]

Eine weitverbreitete Legende besagt dagegen, Bagel seien erst 1683 in Wien zu Ehren König Johann III. Sobieskis erfunden worden, der ein großer Pferdeliebhaber war. Der Name würde sich dann von Bügel (Steigbügel) ableiten.[20] Allerdings wird gemäß Barbara Kirshenblatt-Gimblett die gleiche Legende auch für die Erfindung anderer kulinarischer Errungenschaften kolportiert.[21]

Einer anderen Legende zufolge wurden Bagel im 9. Jahrhundert in einer abgelegenen Gegend in Preußen erfunden, wo die christliche Bevölkerung den Juden das Recht, Brot zu essen oder zu backen absprach. Ein Erlass des lokalen Fürsten verfügte, dass nur als Brot gelten kann, was gebacken wurde. Die Juden hätten daraufhin den Teig statt zu backen, gekocht und leicht getoastet gegessen.[22]

Eine weitere Erklärung gibt Joan Nathan, die sich auf die Familie Beigel, jüdische Bäcker aus Krakau beruft. In Osteuropa waren viele Juden als Hausierer tätig und oft unterwegs. Nach den jüdischen Religionsgesetzen müssen vor dem Genuss von Brot die Hände gewaschen und ein Segensspruch über das Brot gesprochen werden. Durch das Kochen vor dem Backen hätten Bagel ihren Status als Brot verloren und konnten wie Teigwaren ohne vorheriges Händewaschen auch unterwegs gegessen werden, wo sauberes Wasser oft nicht verfügbar war.[23]

Name[Bearbeiten]

Der Name des Gebäcks leitet sich möglicherweise von mittelhochdeutsch bougel (Ring) oder von jiddisch beigen (beugen) ab.[8] In Teilen Deutschlands existiert es als Beugel. Bei Luther kommt ein bögel vor, das in seiner Bedeutung jedoch nicht geklärt ist. Im Polnischen ist das Wort begiel, bugiel, bygiel, mit einiger Wahrscheinlichkeit aus dem Jiddischen entlehnt, schon im 16. Jahrhundert in der Bedeutung Pretzel, Obwarzanek belegt. Daneben ist eine Form bajgiełe belegt mit der Bedeutung „jüdischer Obwarzanek“. Bei letzterem könnte es sich auch um eine Neuentlehnung aus dem 19. Jahrhundert handeln.[24]

Im Nordostjiddisch, das in Litauen und Teilen der Ukraine gesprochen wurde, lautet die Aussprache bejgel, im Südostjiddisch, besonders in Polen und Galizien, hieß er dagegen bajgel. Die YIVO-Orthographie richtet sich im Wesentlichen nach dem litauischen Jiddisch. In den 1880er Jahren brachten osteuropäische jüdische Auswanderer das Gebäck nach New York, etwas später auch nach Kanada, und aus dem jiddischen beygel/baygel wurde in der amerikanisch-englischen Schreibweise bagel, was im Englischen gleich wie das jiddische bejgel ausgesprochen wird. In London, wo der Bagel etwa gleichzeitig wie in New York eingeführt wurde, blieb die jiddische Schreibweise erhalten, sie wird heute jedoch zunehmend durch die amerikanische ersetzt.

Bejgel/baigel bleibt im Jiddischen im Plural unverändert, im Englischen wird dagegen ein Plural mit -s, bagels gebildet, der im Deutschen meist übernommen wird.[18]

Verbreitung[Bearbeiten]

Bagel werden zunehmend weltweit angeboten und als amerikanisches Gebäck, weil dessen europäisch-jüdische Herkunft unbekannt ist, unter dem vermeintlich englischen Namen „Bagel“ verkauft.

Deutschland[Bearbeiten]

Die Focus-Marktanalyse des Jahres 2002 bezeichnet Bagel als „Snack-Hit Nummer eins“ in Deutschland und vermeldet eine „Bagel-Welle“ mit ersten Bagel-Bars in den Großstädten.[25]

Noch unter dem nahezu ursprünglichen Namen werden sie als Beigerl oder Beugerl im österreichisch-bayerischen Raum weiterhin angeboten, hier allerdings halbkreisförmig, wie Kipferl oder Hörnchen.[26]

Großbritannien[Bearbeiten]

Beigel Bake, Brick Lane, London

Bagel wurden von osteuropäischen Immigranten Ende des 19., anfangs des 20. Jahrhunderts in Großbritannien eingeführt, blieben jedoch außerhalb der ostjüdischen Gemeinschaft weitgehend unbekannt. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden sie als amerikanische Spezialität populär, wenn auch in erster Linie als Frühstücksgebäck.[6] Im Jahr 2011 wurden 378 Millionen Bagels für £60 Millionen verkauft, eine Zunahme um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.[27] Mehr als Dreiviertel davon entfallen auf die industriell gefertigten Bagel des Hauptanbieters, ein kanadisches Unternehmen, das seine abgepackten Bagel unter dem Namen „New York Bakery Bagels“ vermarktet.[28] Im ehemals jüdischen Londoner East End befinden sich noch zwei traditionelle Bagel Bäckereien, Beigel Bake und Beigel Shop,[29] sowie eine jüdische Bäckerei, die auch Beigel verkauft.[30]

Irland[Bearbeiten]

In Irland sind Bagel seit Ende des 20., Anfang des 21. Jahrhunderts bekannt. Am St. Patrick’s Day werden grüne Bagel nach amerikanischem Vorbild angeboten.[31] Bagel werden von der irischen Regierung nicht als Brot angesehen, sondern, wie auch Croissants und andere Backwaren, als Luxusgebäck und seit Dezember 2011 mit einer Mehrwertsteuer von 13,5 Prozent belegt, während Brot von der Steuer befreit ist.[32]

Israel[Bearbeiten]

Die von osteuropäischen Immigranten in Israel gebackenen Beygl, die die New York Times, als “a rock-hard biscuit ring” (Übersetzung ein steinhartes ringförmiges Gebäck) beschrieb, sind in Israel seit dem späten 20. Jahrhundert vom amerikanischen Bagel weitgehend verdrängt worden.[33] Daneben gibt es eine Jerusalemer Variante, die als „Jerusalem Bagel“ oder „Bagele“ bezeichnet wird.[34] Jerusalem Bagel sind nicht rund sondern oval, weich und süßlich und wesentlich größer als Bagel und werden mit Za’tar, einer Gewürzmischung, gegessen. Sie stammen aus der palästinensischen Küche und sollen, so Janna Gur, kurz nach dem Sechstagekrieg von Israelis entdeckt worden sein, als diese begannen, die Jerusalemer Altstadt zu erkunden, die vorher, während der jordanischen Herrschaft, von Juden nicht besucht werden konnte. Später wurden Jerusalem Bagel als Verpflegung bei Fußballspielen beliebt und heute sind sie in Israel überall erhältlich, gemäß Gur „selbst in Fünfsternhotels“.[35]

Nordamerika[Bearbeiten]

Maschinell gefertigter Bagel – anhand der Rillenabdrücke als nicht in Wasser gekocht sondern mit Dampf behandelt erkennbar

In den USA wie in Kanada sind Bagel heute ein Standardprodukt. Ende der 1990er Jahre haben sie auch bei McDonalds Einzug gehalten.[36] In den USA werden sie außerhalb New Yorks als typisches New Yorker Gebäck erachtet, während sie außerhalb der USA und Kanada als typisch amerikanisch gelten.[37] Bagels werden meist aufgeschnitten und wenn sie nicht frisch aus dem Ofen kommen oft getoastet. Entweder nur mit einem Aufstrich aus Cream cheese, einem schmear, zum Frühstück oder mit verschiedenen Füllungen als Sandwich gegessen.

USA[Bearbeiten]

Bagel wurden in New York ursprünglich nur von osteuropäisch-jüdischen Immigranten hergestellt und gegessen.[38] 1907 gab es in New York 300 Bagelbäcker,[8] 1910 wurde eine Sektion der Bagelbäcker innerhalb der Jewish Bakers Union, Local 100, der Gewerkschaft der jüdischen Bäcker New Yorks gegründet, die sich 1937 als International Bagel Bakers Union, Local 338 selbständig machte.[39]

Die erste schriftliche Erwähnung des Bagels in englischer Sprache ist in den USA erst für die 1930er Jahre belegt.[37] In den 1950er Jahren brachte Lender’s Bagels die ersten abgepackten und kurz danach auch die ersten gefrorenen Bagels in den USA auf den Markt, 1963 wurde die erste von der Thompson Bagel Machine Corporation entwickelte kommerziell einsetzbare Bagelmaschine in Betrieb genommen.[8] Nachdem sie in New York populär geworden waren, breiteten sich Bagel in den ganzen USA aus.[37]

1992 wurden in den USA industriell gefertigte Bagel im Wert von knapp 355 Millionen Dollar verkauft, die überwiegende Mehrheit davon tiefgefroren,[40] bereits 1995 hatte sich der Verkauf auf 1,6 Milliarden Dollar erhöht.[41]

Kanada[Bearbeiten]

In Kanada waren die ersten Bagelbäckereien in Montreal im frühen 20. Jahrhundert gegründet worden.[42] Bis heute streiten sich zwei Bagelbäckereien in Montreal darüber, welche von ihnen die wirklich älteste und beste ist.[43] Eine 1957 in Toronto gegründete Bagelbäckerei verkaufte in den 1960er Jahren vier bis sechs Millionen Bagel pro Jahr in Toronto und Umgebung und nur ein Viertel davon an jüdische Kundschaft. In den späten 1980er Jahren stieg der Bagelkonsum in Kanada um 88 Prozent. Die größte, 1993 gegründete kanadische Bagelbäckerei verkaufte bereits 1996 mehrere Millionen Bagel monatlich.[42] Montreal Bagels haben es bis ins Weltall geschafft,[44] und Mini-Bagels mit geräuchertem Lachs gehörten zum Auftakt des Menus mit typischen regionalen Spezialitäten, das Prinz William und seiner Ehefrau bei ihrem offiziellen Besuch in Montreal im Juli 2011 serviert wurde.[45]

Bagel in der jüdischen Tradition[Bearbeiten]

„Bagel and Lox“, Mohnbagel mit Cream cheese und Räucherlachs

Runden Gegenständen wurde oft eine Schutzfunktion zuerkannt. Hebammen erhielten nach einer glücklichen Geburt Bagel geschenkt und Bagel wurden bei der Feier zur Beschneidung eines Knaben[46] und anderen besonderen Familienfeiern gereicht.[18] Mandelbagel gehörten zu den Gebäcken, die zum Purimfest verschenkt wurden.[47] Andererseits waren Bagel ein Zeichen der Trauer, in Asche getunkt gehörten sie zu den Speisen, die Trauernde bei der Rückkehr von der Beerdigung aßen. Vor dem neunten Av, einem Fasttag zum Gedenken an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem, wurden sie ebenfalls gegessen.[48]

Bagels wurden in Bäckereien und zu Hause gebacken, meist aus Weißmehl, in Teilen Litauens gab es dunkle Bagel. Mindestens seit dem 19. Jahrhundert wurden mit Milch und Eiern hergestellte Bagel bekannt.[47]

Da sie aus Weißmehl hergestellt wurden war es ursprünglich ein Luxusgebäck. Jedoch entwickelten sich Bagel in Osteuropa zu einem Alltagsgebäck, das am Morgen und tagsüber gegessen wurde. Das in den USA als typisch jüdisch geltende, auch außerhalb der jüdischen Gemeinschaft beliebte Sonntagsfrühstück Bagel and Lox ist dagegen amerikanischen Ursprungs. Die Kombination soll gemäß Marks als Ersatz für das in den USA in den 1930er Jahren populäre, nicht den jüdischen Speisegesetzen entsprechende Frühstücksgericht Eggs Benedict, ein pochiertes Ei, überzogen mit Sauce Hollandaise auf einem mit Schinken oder Speck belegten halben englischen Muffin, entstanden sein. Der Schinken wurde durch damals noch nicht so teuren Räucherlachs und die Sauce Hollandaise durch Cream cheese ersetzt und auf einem mit ungesalzener Butter bestrichenen Bagel an Stelle des englischen Muffins gegessen.[8] Die Schweizerin Salcia Landmann mokiert sich in ihrem Kochbuch über die in den USA „reich gewordenen Ostjuden“, die aus einem „Armeleutegebäck“ eine Delikatesse zu machen versuchen.[49]

Bagel in Sprichwörtern, Redensarten und Witzen[Bearbeiten]

Bagel kommen in zahlreichen Sprichwörtern, Redensarten und Witzen vor.

  • So wird ein gemeiner Dieb als beygl-chaper (Bagel-Dieb) bezeichnet.[50]
  • Am besten bekannt ist das Sprichwort: Erst vom dritten Beigl wird man satt. Ein anderes Sprichwort lautet: Wenn man den Beigl aufgegessen hat, bleibt in der Tasche das Loch.[51]

Ähnliche Backwerke und Namensgleichheit[Bearbeiten]

Taralli, ein mit dem Bagel verwandtes süditalienisches Gebäck

Mit dem Bagel beinahe identisch ist der bereits im 14. Jahrhundert bezeugte, in Krakau bis heute auf offener Straße verkaufte Obwarzanek. Weitere enge osteuropäische Verwandte des Bagels sind die russisch-ukrainischen Bubliki, die von den Verkäufern an einer Schnur um den Hals getragen wurden, und die kleineren Baranki und Suschki.

Ähnliche Backwerke sind auch die türkischen Simit, die in Griechenland Koulouri heißen, und in der Regel mit Sesam bestreut gebacken werden, sowie die Brezel. In Italien sind seit alters Taralli und Ciambelle bekannt, in China gibt es ein verwandtes Gebäck namens Girde.

Dem Bagel ebenfalls sehr ähnlich ist der fast ausschließlich in den USA anzutreffende, der osteuropäisch-jüdischen Küche entstammende Bialy, eine Abkürzung für Bialystoker Kuchen. Bialys werden vor dem Backen jedoch nicht gekocht und weisen statt eines Lochs nur eine tiefe Einbuchtung in der Mitte auf.[52] Der amerikanische Donut hat zwar die gleiche Form wie der Bagel, besteht aber aus einem anderen Teig und wird in Fett ausgebacken.

In den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie und in Bayern gibt es ein mit Mohn oder Nüssen gefülltes süßes Hefegebäck (Hörnchen), das im österreichischen Deutsch Beigel oder Beugel genannt wird.[53] In Ungarn werden Bejgli als Nuss- (ungarisch: diósbejgli)- und Mohnstollen (mákosbejgli) traditionellerweise an Weihnachten und Ostern gegessen. In Österreich wird zudem ein Hühnerschenkel als -beigl oder -biagl bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bagels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • La guerre des bagels. Dokumentarfilm über die Rivalität zwischen den beiden ältesten Bagelbäckereien in Montreal, Kanada (französisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Yiu H. Hui (Hrsg.): Handbook of Food Products Manufacturing. Wiley-Interscience, 2007, ISBN 978-0-300-11229-0, S. 295 (online, abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch)).
  2. a b  Maria Balinska: The Bagel. The Surprising History of a Modest Bread. Yale University Press, New Haven, Conn. 2008, ISBN 978-0-300-11229-0, S. 4f.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRuth Horowitz: The Hole Truth. Vermont's bagel bakers answer the roll call. In: Seven Days, Burlington, Vermont. 17. Oktober 2006, abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBeigel Bake: Heavenly London Bagels. In: Ethnic Eating in London. 16. Oktober 2011, abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch).
  5. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMervyn Rothstein: The Circle of Life With Bagels. In: The New York Times. 25. November 2008, abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch).
  6. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatA taste of New York. Bakeryinfo.co.uk, 17. Dezember 2010, abgerufen am 4. April 2012 (englisch).
  7. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMaria Balinska: Answers About the History of the Bagel. In: The New York Times. 2. September 2009, abgerufen am 10. November 2011 (englisch).
  8. a b c d e  Gil Marks: Bagel. In: Encyclopedia of Jewish Food. John Wiley & Sons, 2010, S. 35–36 (online).
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatArthur Bovino: Why Bagels Have Gotten Bigger. An interview with Adam Pomerantz, the co-founder of Murray’s Bagels and owner of Leo’s Bagels in New York City. In: The Daily Meal. 11. Februar 2011, abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch).
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatClyde Habermann: The State of the Bagel. In: The New York Times. 23. Juni 2011, abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch).
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlaina Browne: Flagel = Flat Bagel. In: Serious Eats. 24. September 2008, abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch).
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTasty Bagels. Abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch).
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBob Sassone: Finally: Square bagels! In: Huffington Post. 14. Februar 2006, abgerufen am 22. November 2011 (englisch).
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLove is in the Air Bagel Fans! New York Bakery Co. Bagels, abgerufen am 4. April 2012 (englisch).
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatEd Levine: Was Life Better When Bagels Were Smaller? In: e-cookbooks.net. Abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch).
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJoan Nathan: The Bagel. In: Moment. November/December 2008, abgerufen am 10. November 2011 (englisch).
  17.  Leo Rosten: The joys of Yiddish. McGraw-Hill, New York 1968, S. 26.
  18. a b c d Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDovid Katz: One Bagel, Two Bagel, Three Bagel. Abgerufen am 31. Oktober 2011 (PDF; 77 kB, englisch).
  19.  Claudia Roden: Le livre de la cuisine juive. Flammarion, Paris 2003, ISBN 2-08-011055-1, S. 99.
  20. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAl Grey: The Bagel Boom. The Rotarian, Oktober 2000, abgerufen am 31. Oktober 2011 (englisch).
  21. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBarbara Kirshenblatt-Gimblett: Bagel. Encyclopedia of Food and Culture, abgerufen am 10. November 2011 (englisch).
  22.  Maria Balinska: The Bagel. The Surprising History of a Modest Bread. Yale University Press, New Haven, Conn. 2008, ISBN 978-0-300-11229-0, S. 17.
  23.  Joan Nathan: Bagel. In: Andrew F. Smith (Hrsg.): The Oxford Companion to American Food and Drink. Oxford University Press, 2007, ISBN 978-0-19-530796-2, S. 32 (online, abgerufen am 5. März 2012 (englisch)).
  24.  Eckhard Eggers: Sprachwandel und Sprachmischung im Jiddischen. Peter Lang, 1998, S. 351f..
  25. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDer Markt für Essen und Genießen. Getränke- und Foodtrends. In: Focus. Dezember 2002, S. 8f, abgerufen am 4. April 2012.
  26. Nussbeugerl mit weihnachtl. Füllung bei www.konditormeister.blog.de
  27. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThe best thing since sliced bread? Brits embrace the bagel as sales soar. In: Daily Mail. 27. März 2012, abgerufen am 4. April 2012 (englisch).
  28. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBagel sales are on the up. Bakeryinfo.co.uk, 22. Juli 2011, abgerufen am 4. April 2012 (englisch).
  29. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatOliver Thring: Consider the Bagel. In: The Guardian. 5. Juli 2011, abgerufen am 5. März 2012 (englisch).
  30. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPaul Mansfield: London: On the capital's vanishing beigel trail. In: The Telegraph. 28. Februar 2004, abgerufen am 4. April 2012 (englisch).
  31.  Mike Cronin, Daryl Adair: The Wearing of the Green. A History of St. Patrick's Day. Routledge, 2006, ISBN 0-415-35912-0, S. 245, Umschlag (online, abgerufen am 5. März 2012 (englisch)).
  32. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBagel-Fans werden zur Kasse gebeten. In: Tachles. 22. November 2011, abgerufen am 1. März 2012.
  33. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSerge Schmemann: American Fast Food In Israel: The Bagel. In: York Times. 9. März 1997, abgerufen am 29. Februar 2012 (englisch).
  34. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAsk Gila about Hysop. Abgerufen am 29. Februar 2012 (englisch).
  35.  Janna Gur: Die neue israelische Küche. Umschau Buchverlag, 2007, ISBN 978-3-86528-614-7, S. 90f.
  36. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDavid Barstow: Um, Did Somebody Say McBagels?; Dough With a Hole in the Middle, but Will New Yorkers Bite? In: The New York Times. 24. April 1999, abgerufen am 10. November 2011 (englisch).
  37. a b c  Jennifer Berg: From the Big Bagel to the Big Roti? In: Annie Hauck-Lawson, Jonathan Deutsch, Michael Lomonaco (Hrsg.): Gastropolis. Food and New York City. Columbia University Press, 2010, ISBN 978-0-231-13652-5, S. 260f. (online, abgerufen am 31. Oktober 2011 (englisch)).
  38.  Donna Gabaccia: What Do We Eat? In: Carole Counihan (Hrsg.): Food in the USA. A reader. Routledge, 2002, ISBN 0-415-93232-7, S. 260f. (online, abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch)).
  39.  Maria Balinska: The Bagel. The Surprising History of a Modest Bread. Yale University Press, New Haven, Conn. 2008, ISBN 978-0-300-11229-0, S. 118, 127.
  40. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format1997 Economic Census, Economic Census, Manufacturing. U.S. Department of Commerce, December 1999, S. 10, abgerufen am 28. November 2011.
  41. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDana Canedy: Ethnic Lines Are Crossed as Bagels Become a Breakfast Mainstay. In: The New York Times. 26. Dezember 1996, abgerufen am 28. November 2011 (englisch).
  42. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSteven Penfold: The donut. A Canadian history. University of Toronto Press, 2008, S. 149-151, abgerufen am 31. Oktober 2011 (englisch).
  43. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKatie Beck: The bagel war of Montreal. In: BBC World News America, Montreal. 22. Juni 2010, abgerufen am 22. November 2011 (englisch).
  44. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHere's proof: Montreal bagels are out of this world. In: The Gazette (Montreal). 3. Juni 2008, abgerufen am 22. November 2011 (englisch).
  45. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCanadian chefs prepare meal fit for a prince. In: The Independent. 1. Juli 2011, abgerufen am 4. April 2012 (englisch).
  46. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGlenn C. Altschuler: Three Centuries of Bagels. The Evolution of a ‘Modest Bread’. In: The Jewish Daily Forward. 5. November 2008, abgerufen am 3. November 2011 (englisch).
  47. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBarbara Kirshenblatt-Gimblett: Food and Drink. The YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe, abgerufen am 31. Oktober 2011 (englisch).
  48. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMorris M. Faierstein, Berel Wein: Religious Year. The YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe, abgerufen am 31. Oktober 2011 (englisch).
  49.  Salcia Landmann: Die jüdische Küche. Hahn, München 1995, ISBN 3-87287-421-7, S. 275.
  50.  Ignaz Bernstein: Jüdische Sprichwörter und Redensarten; gesammelt und erklärt von Ignaz Bernstein unter Mitw. von B.W. Segel. 2., verm. u. verb. Aufl. Auflage. Warschau 1908, S. XXXVf..
  51.  Ignaz Bernstein: Jüdische Sprichwörter und Redensarten; gesammelt und erklärt von Ignaz Bernstein unter Mitw. von B.W. Segel. 2., verm. u. verb. Aufl. Auflage. Warschau 1908, S. 29.
  52.  Izabela Wojcik: Bialy. In: Andrew F. Smith (Hrsg.): The Oxford Companion to American Food and Drink. Oxford University Press, 2007, ISBN 978-0-19-530796-2, S. 48 und 331 (online, abgerufen am 15. Februar 2012 (englisch)).
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