Bahnhof München Olympiastadion

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München Olympiastadion
Blick auf die Bahnsteige
Blick auf die Bahnsteige
Daten
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 4
Eröffnung 28. April 1972
Auflassung 8. Juli 1988
Lage
Stadt München
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 10′ 44,5″ N, 11° 32′ 20,8″ O48.1790141111.539119Koordinaten: 48° 10′ 44,5″ N, 11° 32′ 20,8″ O
Eisenbahnstrecken
  • Verbindungsbahn zum Nordring (stillgelegt)
Bahnhöfe in Bayern

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Der ehemalige S-Bahnhof Olympiastadion im Norden Münchens wurde im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1972 gebaut, um für die großen Besucherströme neben der Münchner U-Bahn mit der Münchner S-Bahn ein zweites leistungsfähiges Transportmittel zum Olympiagelände zur Verfügung zu stellen. Er wurde 1988 endgültig stillgelegt und ist seitdem als Geisterbahnhof dem Verfall preisgegeben.

Geschichte[Bearbeiten]

Betrieb beim Katholikentag am 8. Juli 1984
Früherer Eingangsbereich
Graffiti
Tunnel ohne Schienen

Kurz vor den Olympischen Sommerspielen 1972, am 28. April 1972, wurde der Bahnhof erstmals angefahren. Den ersten Einsatz mit Personenverkehr hatte der Bahnhof am 26. Mai 1972 anlässlich eines Fußball-Länderspiels zwischen den Mannschaften Deutschlands und der Sowjetunion.[1] Während der olympischen Spiele hielten dort die S-Bahnlinien S5, S11 und S25, um den Besucheransturm zu bewältigen. Nach den Olympischen Spielen war er nicht mehr in das reguläre S-Bahnsystem eingebunden, sondern wurde erst nur sporadisch und ab dem 8. August 1984 regelmäßig von der S8 und der S11 bei allen Fußballspielen im Olympiastadion angefahren.

Der Bahnhof bestand aus zwei Mittelbahnsteigen und insgesamt vier Gleisen. Die Gleise waren mit über 400 Metern lang genug für zwei hintereinander aufgestellte S-Bahn-Langzüge oder für Sonderzüge mit 15 Wagen. Daneben gab es noch ein fūnftes westlich gelegenes Umfahrungsgleis. Die während der olympischen Spiele verkehrende Sonderlinie S25 wurde aus 15 Silberlingen mit einer Ellok der Baureihe 140 in der Mitte gebildet.[2][3]

Während die zwei östlichen Gleise hier endeten, führten die beiden anderen Gleise weiter nach Süden. Dort befand sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahnstrecke München–Landshut; auf dieser Trasse wurde später ein Teilstück des Mittleren Rings, die Landshuter Allee, gebaut. Weiter wurde später ein Anschlussgleis zu Kasernen an der Dachauer Straße und noch während des Betriebs des Bahnhofs eines zum damaligen Gaswerk der Stadtwerke München. Angefahren wurde dieser Bahnhof über den sonst nur für den Güterverkehr genutzten Nordring der DB. Während der Olympischen Spiele 1972 wurde der Verkehr sowohl von Osten über Johanneskirchen als auch von Westen über Allach und Moosach abgewickelt, später nur von Westen.

Aufgrund eines tragischen Unfalls, bei dem spielende Kinder auf abgestellte Kesselwagen geklettert und mit der Hochspannung der Fahrleitung in Berührung gekommen waren, wurde der überwiegend ungenutzte Bahnhof nach dem Ende der Fußball-Europameisterschaft 1988 am 8. Juli 1988 geschlossen. Zunächst wurde die Fahrleitung abgeschaltet und bald darauf demontiert. Der Bahnhof ist seither dem Verfall preisgegeben und gilt daher nun als Geisterbahnhof.

Während der Bauarbeiten zur Verlängerung der U-Bahnlinie U3 zum Olympia-Einkaufszentrum zwischen 2003 und 2006 wurden die Gleisanlagen durchtrennt, um dort eine Baugrube (48° 11′ 4″ N, 11° 32′ 22″ O48.1844711.53933) für den Tunnelbau zu errichten. Die Anschlussgleise an den Nordring sind ebenfalls nicht mehr durchgängig befahrbar.

Bis zur Einstellung der Projektes Transrapid München, der Transrapid-Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen am 27. März 2008 war geplant, hier das Ende des Tunnels vom Hauptbahnhof zu bauen.

Die Landeshauptstadt München hat das Areal im Jahr 2011 von der Deutschen Bahn erworben. Damit soll das Radwegenetz in München verbessert werden.[4]

Vegetation[Bearbeiten]

Vegetation im August 2006

Der Bahnhof ist heute sich selbst überlassen. Ohne Störungen und Einflüsse bietet er einer vielfältigen Flora Wuchsmöglichkeiten. Die Pflanzen wachsen hauptsächlich im Schotter der ehemaligen Bahngleise und in den Ritzen des Plattenbelags der Bahnsteige auf Rohböden. Die Pflanzenwelt wird im Rahmen des Projektes Flora von München erfasst.[5] Es finden sich in ganz Bayern verbreitete Arten wie das Florentiner Habichtskraut aus der Familie der Korbblütler. Der rosablühende Gewöhnliche Dost ist ebenfalls sowohl in Bayern, als auch auf den Bahnsteigen häufig zu finden, was auch für die Gewöhnliche Wiesenschafgarbe zutrifft. Weit verbreitet ist auch das Gewöhnliche Frühlingsfingerkraut und das Gewöhnliche Bitterkraut.

Die Wilde Möhre und die Rispen-Flockenblume wie das gelbblühende Gefleckte Habichtskraut sind hauptsächlich nördlich der Donau auf Sand- und Schotterböden beheimatet und konnten daher auch auf den Bahnanlagen Münchens Fuß fassen. Typisch für München ist ebenfalls das Rosmarin-Weidenröschen, das sonst in Bayern nicht weit verbreitet ist.[6] Auf dem Bahnhof finden sich in Bayern seltene Pflanzen wie der Ysop, der Echte Lavendel und die kriechende Zwerg-Mispel. Eine weitere Rarität bildet das Winter-Bohnenkraut. Diese teilweise auch als Gewürze verwendeten Pflanzen entstammen vermutlich den Balkonpflanzungen der umliegenden Hochhäuser.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Geschichte des MVV
  2. S-Bahn München – Bewährungsprobe bestanden? in „Der Stadtverkehr“, September 1972
  3. Der Olympiasieger im Massentransport auf ET420-Online
  4. Neue Radwegeverbindungen für München – Kommunalreferat erwirbt Grundstücke der Deutschen Bahn. muenchen.de. 2. November 2011. Abgerufen am 16. März 2014.
  5. Flora von München (aufgerufen am 11. August 2009)
  6. Botanischer Informationsknoten Bayern (abgerufen am 11. August 2009)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: S-Bahnhof Olympiastadion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien