Echter Lavendel

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Echter Lavendel
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Gattung: Lavendel (Lavandula)
Art: Echter Lavendel
Wissenschaftlicher Name
Lavandula angustifolia
Mill.

Der Echte Lavendel oder Schmalblättrige Lavendel[1] (Lavandula angustifolia, Syn. Lavandula officinalis, Lavandula vera) ist eine Pflanzenart aus der Lavendel (Lavandula) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).[2] Sie findet hauptsächlich Verwendung als Zierpflanze oder zur Gewinnung von Duftstoffen. Die Fachjury des Theophrastus-Naturheilvereins wählte den Echten Lavendel zur Heilpflanze des Jahres 2008.

Beschreibung[Bearbeiten]

Habitus und Blütenstände

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten]

Der Echte Lavendel ist ein graufilzig behaarter, aromatischer Strauch, der Wuchshöhen bis 100 (selten bis 200) Zentimetern erreicht. Die Zweige sind aufsteigend, aufrecht und stark verästelt, steif aufrecht und unverzweigt oder sie tragen Kurztriebe. Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind 40 bis 50 Millimeter lang, lanzettlich, länglich oder linealisch und verschmälern sich an beiden Enden. Sie sind stumpf, ganzrandig und am Rand mehr oder weniger eingerollt. Im jungen Zustand sind die Blätter an Ober- und Unterseite graufilzig, später vergrünen sie.

Blütenstand, Blüte und Frucht[Bearbeiten]

Die sechs- bis zehnblütigen Scheinquirle vereinigen sich zu einem bis zu 8 Zentimeter langen, ährigen Blütenstand. Die Hochblätter haben eine Länge von bis zu 8 Millimeter, sind meist breit rautenförmig, verkehrt-eiförmig, begrannt, häutig und braun oder violett gefärbt, die Nerven sind deutlich erkennbar. Die Blütenstiele sind sehr kurz, kleine linealische Tragblätter sind vorhanden oder nicht.

Die zwittrige Blüte ist zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist grauviolett, kurz flaumig, eiförmig-röhrig, bis zu 7 Millimeter lang und 13-nervig. Die Kelchzähne sind ungleich, der obere an der Spitze ist verkehrt-herzförmig vergrößert. Die violette Blütenkrone ist schwach zweilippig, die Röhre ragt bis zu 12 Millimeter weit hervor. Die Oberlippe besteht aus zwei, die Unterlippe aus drei gleich großen, rundlichen, zusammengewachsenen Kronblättern. Die vier Staubblätter sind herabgebogen und eingeschlossen, die beiden vorderen sind länger. Der Fruchtknoten ist oberständig und vierteilig. Die Blütezeit reicht von Juni bis August.[3]

Die Klausen sind glänzend braun.[3]

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Heimat des Lavendel sind ursprünglich die Küstenregionen des Mittelmeerraums.[4][5] Dort kommt er an trockenen, warmen Hängen bis Dalmatien und Griechenland sowie in der Toskana in Italien weit verbreitet vor.[6] Der Echte Lavendel wächst an trockenen und felsigen Hängen und erreicht vereinzelt die Waldgrenze.

Benediktiner-Mönche führten ihn nördlich der Alpen ein.[4] Der Echte Lavendel gehört zu denjenigen Arten, die als winterhart gelten und daher im Freien den in Mitteleuropa üblichen Winter auch dann gut überstehen, wenn sie keinen besonderen Standort haben, nicht besonders auf den Winter vorbereitet wurden und nicht eigens vor dessen Einwirkung geschützt werden.[7][8] Eingebürgert ist er bei Jena, Rudolstadt und Bad Blankenburg. Um 1800 existierte bei Laubenheim zwischen Bingen und Bad Kreuznach auf dem sogenannten Lavendelberg ein größerer Bestand, der Lavendelberg wurde jedoch um 1840 umgenutzt.[9] Die Wurzelstöcke wurden herausgerissen (und Brennholz); die Fläche wurde ein Weinberg. Ebenso auf dem Mont Vully nahe Murten in der Schweiz.[10] Sonst kommt er nur angepflanzt in Gärten als ausdauernde Staude vor und verwildert selten daraus.

Nutzung[Bearbeiten]

Echter Lavendel wird überwiegend zur Gewinnung von Duftstoffen oder als Zierpflanze genutzt.

Anbau bis Ernte[Bearbeiten]

Lavendel ist die charakteristische Pflanze der Hoch-Provence; die großen Lavendelfelder sind ein touristisches Ziel. Die dortige Lavendel-Anbaufläche hat sich von 2002 bis 2012 etwa halbiert. Als Ursachen gelten Schädlinge und einige Kälteperioden mit wenig Schnee (Schnee schützt den Lavendel vor strengem Frost), zum Beispiel die Kältewelle 2012 und das Sturmtief Daisy im Januar 2010.[11]

Häufiger noch als der Echte Lavendel wird in der Provence der Lavandin angebaut, eine natürliche Hybride von Echtem Lavendel und Speik-Lavendel (Lavandula latifolia). Diese ist sehr häufig die Basis für preiswerte Essenzen, Waschpulver und Öle. Deren Duft ist jedoch schwächer als der von Produkten aus Echtem Lavendel. Je kälter die Gegend, desto geruchärmer der Lavendel.

Vermehrung[Bearbeiten]

Die Vermehrung der Pflanzen erfolgt durch Samen, Teilung größerer Stöcke und wurzelbildender Seitentriebe, Ableger oder Stecklinge.[12][4]

Ölgewinnung[Bearbeiten]

Des Weiteren wird aus den Blütenständen mit Stängel Lavendelöl hergestellt. Dies erfolgt durch Schleppdestillation, Wasserdampfdestillation oder indem die Blüten in Öl angesetzt werden, zum Beispiel in Olivenöl.[6][2] Um gehaltvolles Ausgangsmaterial zu bekommen wird am frühen Morgen geerntet oder kurz nach Regen, wenn die Blüten wieder abgetrocknet sind.[12] Aus Lavandula angustifolia werden „Lavendel fein“ und „Lavendel extra“ gewonnen. Als Destillationsgrundlage für „Lavendel extra“ dient wilder Berglavendel, der in einer geografischen Höhe bis zu 1.800 m wächst und durch Wildsammlung geerntet wird. „Lavendel Mont Blanc“ oder „Barreme“ sind Handelsbezeichnungen, denen ein standardisierter Esteranteil zugrunde liegt.[2]

Imkerei[Bearbeiten]

In der Imkerei ist der Lavendel aufgrund des hohen Zuckergehalts seines Nektars (21–48 %) und seines hohen Zuckerwerts (bis zu 0,26 mg Zucker/Tag je Blüte) eine geschätzte Nebentracht.[13]

Lavendel in Form seiner Blütendroge

Pharmazie[Bearbeiten]

Das Europäische Arzneibuch schreibt einen Mindestgehalt von 13 ml/kg ätherisches Öl für die Blütendroge vor. Es wird innerlich als Sedativum bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen eingesetzt.[14]

Verwendung[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Junge Blätter und weiche Triebe eignen sich zum angenehmen Verfeinern von Gerichten wie Eintopf, Fisch, Geflügel, Lammfleisch und in Soßen und Suppen,[4] in kleineren Mengen auch an Salaten. Besonders in der französischen, italienischen und spanischen Küche wird Lavendel oft verwendet. In der Avantgardeküche wird es auch in Desserts eingesetzt, z. B. in weißer Schokoladenmousse oder in Aprikosensorbet. Das Aroma ist dem des Rosmarins ähnlich und bitter bis würzig. Lavendel ist Teil der Gewürzmischung Herbes de Provence. Das getrocknete und luftdicht und lichtgeschützt verpackte Gewürz hält sich 6 bis 9 Monate.[5]

Duftstoff[Bearbeiten]

Lavendel ist eine häufig in der Heilkunde und Parfümerie geschätzte Pflanzengattung. Dies gilt vor allem für den Echten Lavendel (Lavandula angustifolia).[15]

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten]

Als Droge dienen:

  • Die kurz vor der völligen Entfaltung gesammelten und getrockneten Lavendelblüten (Name der Droge: Lavandulae flos)
  • Das durch Wasserdampfdestillation aus den frischen Blüten oder Blütenständen gewonnene ätherische Öl (Name der Droge: Lavandulae aetheroleum).

Lavendelblüten haben leicht beruhigende, blähungswidrige und gallentreibende Eigenschaften. Man nutzt dies zur Milderung folgender Beschwerden: Innere Unruhe, nervöse Erschöpfung, Einschlafstörungen, Migräne, auch bei nervösen Magen- Darm und Gallenbeschwerden. Den potentiellen Nutzen von Lavendelöl bei Angststörungen konnte eine 2014 publizierte Doppelblindstudie nachweisen. [16] Die beruhigende Wirkung wird auch in der Aromatherapie genutzt. Dort wirkt wohl das verdunstete Linalylacetat.

Einreibungen mit Lavendelöl wirken vorwiegend hautreizend und dienen deshalb zur Bekämpfung rheumatischer Beschwerden. Als Badezusatz wird es bei funktionellen Kreislaufstörungen verwendet. Wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften ist Lavendelöl auch in Gurgellösungen enthalten. Portugiesische Forscher konnten zeigen, dass Lavendelöl bereits in geringen Konzentrationen verschiedene Hefe- (Candida-Spezies) und Fadenpilze abtötet, die beim Menschen Haut- und Nagelpilzerkrankungen verursachen können.[17] [18] [19]

Für insektenabweisende Effekte werden am besten alkoholische Lösungen eingesetzt oder es werden Lavendelblütensäckchen zwischen die Wäsche gelegt.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Es setzt sich zusammen aus Linalylacetat, Linalool, Campher und Cineol. Seine Inhaltsstoffe sind 40 bis 50 % Ester, 25 bis 35 % Monoterpenole, Monoterpene, Sesquiterpene, Ketone und Oxide.

Literatur[Bearbeiten]

  • Janina Drostel: Lavendel, Zimt und Rosenholz. Die Welt der sinnlichen Düfte. Thorbecke, Ostfildern 2006, ISBN 3-7995-3522-5.
  • Herbert G. Scholz: Verborgenes im Lavendel. Vorder- und Hintergründiges in der Provence. Impressionen aus der turbulenten Geschichte einer grandiosen Landschaft. 3. Auflage. Morstadt, Kehl 1996, ISBN 3-88571-299-7.
  • Drutmar Cremer: Poetische Wanderungen durch die Provence. Wo Licht gesät ist und Lavendelträume blühen. Ars liturgica, Maria Laach 1991, ISBN 3-9802451-4-4.
  • Alfred Blaufuß, Hans Reichert: Die Flora des Nahegebietes und Rheinhessens. (= Pollichia-Buch. Band 26). Selbstverlag der Pollichia, Bad Dürkheim 1992, ISBN 3-925754-25-3.
  • Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09387-5.
  • Karl Hiller, Matthias F. Melzig: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2. Auflage. Spektrum, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-8274-2053-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schmalblättriger Lavendel. In: FloraWeb.de.
  2. a b c Marina Bährle-Rapp: Springer Lexikon Kosmetik und Körperpflege. 3. Ausgabe. Springer, 2007, ISBN 978-3-540-71094-3, S. 316.
  3. a b Markus Bolliger, Matthias Erben, Jürke Grau, Günther R. Heubl: Strauchgehölze (= Steinbachs Naturführer). Neue, bearb. Sonderausgabe. Mosaik, München 1996, ISBN 3-576-10560-3.
  4. a b c d Marie-Luise Kreuter: Kräuter und Gewürze aus dem eigenen Garten. BLV, München, 2009, ISBN 978-3-8354-0324-6, S. 168.
  5. a b B. Hlava, D. Lanska: Lexikon der Küchen- und Gewürzkräuter. NovaPart, München 1977, S. 168.
  6. a b Dietrich Wabner, Christiane Beier (Hrsg.): Aromatherapie: Grundlagen - Wirkprinzipien - Praxis. Elsevier/ Urban & Fischer, München/Jena 2009, ISBN 978-3-437-56990-6, S. 204.
  7. Lavendel winterhart und frostfest
  8. Lavendel überwintern
  9. von Naunheim: Durch das Nahetal. In Österreichische Botanische Zeitschrift. Band 14, Nr. 2, 1864, S. 33–50 (hier: S. 45), Nr. 3, 1864, S. 77–84 (hier: S. 78).
  10. W. D. J. Koch: Taschenbuch der deutschen und Schweizer Flora, enthaltend die genauer bekannten Pflanzen, welche in Deutschland, der Schweiz, in Preussen und Istrien wild wachsen und zum Gebrauche der Menschen in grösserer Menge gebauet werden. 5. Auflage. Gebhardt & Reisland, Leipzig 1860, S. 381 (Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. spiegel.de 2013: Lavendelfelder in der Provence: Leben in Lila
  12. a b L. F. Dietrich: Enzyklopädie der gesamten niederen und höheren Gartenkunst. Arnold, Leipzig 1860, S. 514 (Digitalisat).
  13. Helmut Horn, Cord Lüllmann: Das große Honigbuch. 3. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2006, ISBN 3-440-10838-4, S. 31.
  14. Bettina Rahfeld: Mikroskopischer Farbatlas pflanzlicher Drogen. Spektrum, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8274-1951-4, S. 158.
  15. Andreas Hummel: Arzneimittellehre - Lehrbuch Altenpflege. Vincentz Network, Hannover 2004, ISBN 3-87870-482-8, S. 37.
  16. Siegfried Kasper, Markus Gastpar u. a.: Lavender oil preparation Silexan is effective in generalized anxiety disorder – a randomized, double-blind comparison to placebo and paroxetine. In: The International Journal of Neuropsychopharmacology. Band 17, 2014, S. 859–869, doi:10.1017/S1461145714000017.
  17. Mónica Zuzarte, M. J. Gonçalves, C. Cavaleiro, J. Canhoto, L. Vale-Silva, M. João Silva, E. Pinto, L. Salgueiro: Chemical composition and antifungal activity of the essential oils of Lavandula viridis L'Hér. In: Journal of Medical Microbiology. Band. 60, Nr. 5, 2011, S. 612–618, doi:10.1099/jmm.0.027748-0.
  18. A. Angioni, A. Barra, V. Coroneo, S. Dessi, P. Cabras: Chemical composition, seasonal variability, and antifungal activity of Lavandula stoechas L. ssp. stoechas essential oils from stem/leaves and flowers. In: Journal of agricultural and food chemistry. Band 54, Nr. 12, 2006, S. 4364–4370, PMID 16756368, DOI:10.1021/jf0603329.
  19. Mónica Zuzarte, M. J. Gonçalves, C. Cavaleiro, A. M. Dinis, J. M. Canhoto, L. R. Salgueiro: Chemical composition and antifungal activity of the essential oils of Lavandula pedunculata (Miller) Cav. In: Chemistry & Biodiversity. Band 6, Nr. 8, 2009, S. 1283–1292, PMID 19697345, DOI:10.1002/cbdv.200800170.

Film[Bearbeiten]

  • Lavendel: Blume zwischen Himmel und Hölle. Dokumentation, 45 Min. Ein Film von Christian und Dorlie Fuchs, Produktion: Saarländischer Rundfunk, Erstsendung: 15. Oktober 2006 (Inhaltsangabe vom SR)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echter Lavendel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien