Moosach (München)

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48.18333333333311.516666666667Koordinaten: 48° 11′ 0″ N, 11° 31′ 0″ O

Moosach
Landeshauptstadt München
Fläche: 11,09 km²
Einwohner: 51.537 (31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahlen: 80637, 80638, 80992, 80993, 80997
Vorwahl: 089
Karte

Lage des Stadtbezirks 10 in München

St. Martin (12. und 13. Jahrhundert)

Moosach ist der Stadtbezirk 10 der bayerischen Landeshauptstadt München.

Der Stadtbezirk unterteilt sich in die Ortsteile Hartmannshofen, Pressestadt und Borstei. Den Namen verdankt das ehemalige Dorf der Moosach, einem knapp 60 km langen linken Nebenfluss der Isar. Der ursprüngliche Verlauf der Moosach wird heute als Feldmochinger Bach bezeichnet und seit den Regulierungsmaßnahmen bei Oberschleißheim aus dem Würmkanal ausgeleitet.

Lage[Bearbeiten]

Der Stadtbezirk liegt im Nordwesten der Stadt und erstreckt sich von der Landshuter Allee (Mittleren Ring) im Osten über das Rangierbahnhofgelände im Norden und die Waldhornstraße im Westen bis zum Westfriedhof im Süden.

Nachbarbezirke sind Feldmoching-Hasenbergl im Norden, Milbertshofen-Am Hart im Osten, Neuhausen-Nymphenburg im Süden, Pasing-Obermenzing im Südwesten und Allach-Untermenzing im Westen.

Geschichte und Struktur[Bearbeiten]

Moosach auf einer Karte von 1858
Stele zu Ehren Papst Benedikt XVI. in der Pelkovenstraße, München-Moosach

Die Gründung des heutigen Moosach dürfte wohl zur Zeit der Bajuwaren erfolgt sein. Die erste urkundliche Erwähnung datiert vom 4. Juni 807. Eine fast ununterbrochene Kette von frühgeschichtlichen Funden lässt den Schluss auf eine kontinuierliche Besiedelung seit der jüngeren Steinzeit zu. Moosach zählt somit zu den ältesten Orten rund um bzw. in München. Schon vor 1315 wurde die St.-Martins-Kirche in Moosach erbaut. Der Ort war bis zum 30. Juni 1913 eine selbständige Gemeinde[2] und wurde bei seiner Eingemeindung ein Teil des 28. Stadtbezirks Neuhausen-Moosach, dem auch der Gemeindeteil Gern der ehemaligen Gemeinde Nymphenburg zugehörte. Bei der Stadtgebietsneugliederung wurden mit Wirkung vom 1. Mai 1996 alle Gemarkungsteile von Neuhausen und Nymphenburg dem gleichnamigen Stadtbezirk 9 Neuhausen-Nymphenburg zugeschlagen. Damit umfasst der Stadtbezirk 10 heute im Wesentlichen wieder das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Moosach.

Die städtebauliche Entwicklung in Moosach begann im Wesentlichen erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und kleinere Mietshäuser (freifinanziert, öffentlich gefördert und genossenschaftlich) machen Moosach heute größtenteils zu einem Stadtteil mit geringerer Wohndichte, als in den innenstädtischen Bereichen vorzufinden. Bedingt durch eine intensive Erschließung der noch verfügbaren Bauflächen steigt die Bevölkerungsdichte auch in den Bereichen Moosachs deutlich an. Nach Osten zu verdichtet sich die Bebauung mit der Olympia-Pressestadt und mit Wohnanlagen aus der Zwischenkriegszeit. Bemerkenswert ist die zwischen 1924 und 1930 errichtete Mustersiedlung Borstei in der Südost-Ecke des Bezirks. Von 2001 bis 2004 wurde der Komplex Hochhaus Uptown München errichtet, mit 146 Metern Höhe nach dem Olympiaturm das zweithöchste Gebäude der Stadt.

Durch den Zuzug von Angehörigen der Mittelschicht nach Moosach, wo traditionell eher Kleingewerbetreibende, Arbeiter und einfache Angestellte lebten, stellt sich die Sozialstruktur heute ausgeglichener dar. Nach der Stellung im Beruf dominieren Angestellte und Beamte unter den Erwerbstätigen. Die Haushaltsstruktur wird noch deutlich von Familien mit Kindern geprägt; entsprechend unterrepräsentiert sind Einpersonen-Haushalte.

Arbeitsplätze liegen hauptsächlich im verarbeitenden Gewerbe (Fahrzeug- und Maschinenbau, Textil und Bekleidung sowie Chemie), im Handel (verdichtet am „Moosacher Stachus“ an der Dachauer-, Bauberger-, Bunzlauer- und Pelkovenstraße sowie im „OEZ“, dem Olympia-Einkaufszentrum) sowie im Dienstleistungssektor.

In der Pelkovenstraße befindet sich die älteste Kirche Moosachs und daneben das ehemalige Pfarrhaus. Die Kirche gehört der Pfarrei St. Martin an. Papst Benedikt XVI. hat früher einmal als Aushilfs-Kaplan in diesem Pfarrhaus gewohnt. Jetzt ist es nur noch vermietet. Eine Stele zu Ehren Papst Benedikt XVI., neben dem alten Pfarrhaus, erinnert heute an seine erste Stelle als Neupriester in St. Martin.

Die Evang.-luth. Kirchengemeinde München Heilig-Geist betreut in Moosach viele Gläubige, die sich in drei Gotteshäusern versammeln: Heilig-Geist-Kirche, Olympiakirche und Magdalenenkirche.

An der Pelkovenstraße, der Hauptachse des alten Moosach markieren die ältesten Gasthäuser des Stadtteils die Ausdehnung des Ortes bis in das 19. Jahrhundert. Der Alte Wirt, zugleich eines der ältesten Gasthäuser Münchens, steht an der Ecke zur Dachauer Straße und das Gasthaus Spiegl am anderen Ende des alten Moosach an der Ecke zur Feldmochinger Straße.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Moosach vom Georg-Brauchle-Ring aus gesehen
Bahnsteige des S-Bahnhofs Moosach

Mit dem Mittleren Ring und dem Frankfurter Ring/Moosacher Straße sowie deren Zubringern, der Dachauer Straße und der Von-Kahr-Straße, wird der Bezirk von mehreren Hauptverkehrsstraßen mit erheblichem Durchgangsverkehr durchschnitten oder tangiert. Einen gewissen ökologischen Ausgleich bringen die im Bezirk liegenden Landschaftsschutzgebiete Kapuzinerhölzl und Hartmannshofer Wald, einige Kleingartenanlagen, sowie der Westfriedhof.

Bahn[Bearbeiten]

Moosach liegt an der S-Bahnlinie S1. Seit dem 22. November 1930[3] ist der Münchner Ortsteil durch die heutige Trambahnlinie 20/N20 an das Stadtzentrum angebunden. Mit den U-Bahn-Linien U1 und U3 am Olympia-Einkaufszentrum ist Moosach mit dem Münchner U-Bahn-Netz verbunden. Im Dezember 2010 wurde die Weiterführung der U3 über einen weiteren U-Bahnhof am Moosacher St-Martins-Platz bis zum Moosacher Bahnhof fertiggestellt. Um den Bereich um den „Moosacher Stachus“ attraktiver zu machen, wurde die Oberfläche nach Fertigstellung des U-Bahnbaus und der damit verbundenen Rückverlängerung der Trambahnlinie, die von 2004 bis Dezember 2008 provisorisch an der Pelkovenstraße endete, neu gestaltet.

Insgesamt befinden sich in Moosach 38 Haltestellen von zwei U-Bahn-, einer S-Bahn-, zwei Tram- (davon eine Nachttram) und neun Buslinien.

Kinder- und Jugendeinrichtungen[Bearbeiten]

Im September 2006 eröffnete das christliche Kinder- und Jugendwerk das Kinder- und Jugendzentrum Die Arche. Zurzeit werden in einem provisorischen Gebäude in der Brieger Straße täglich 40 bis 60 Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren betreut. Einrichtungen für Jugendliche sind außerdem die Pfarrei St. Martin und der Jugendtreff Mooskito und der Kinder– und Jugendtreff boomerang in der Pelkovenstraße 128.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Bezirksausschusswahl 2014
(Stimmen in Prozent)[4]
 %
50
40
30
20
10
0
42,6 %
38,0 %
15,9 %
3,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2008[4]
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-8,1 %p
+5,3 %p
+4,8 %p
-2,0 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c Grüne einschließlich ÖDP

Der Bezirksausschuss von Moosach wurde zuletzt am 16. März 2014 gewählt. Die Sitzverteilung lautet wie folgt: SPD 11, CSU 9, Grüne/ÖDP 4 und FDP 1.[4] Von den 36.590 stimmberechtigten Einwohnern Moosachs haben 14.618 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 40,0 Prozent lag.

Statistik[Bearbeiten]

(Stand jeweils am 31. Dezember, Einwohner mit Hauptwohnsitz)

Jahr Einwohner davon Ausländer Fläche
in km²
Einwohner
je km²
Quelle mit weiteren Daten[5]
2000 45.538 10.772 (23,7 %) 11,0842 4.108 Statistisches Taschenbuch München 2001 (PDF)
2001 46.174 11.011 (23,8 %) 11,0882 4.164 Statistisches Taschenbuch München 2002 (PDF)
2002 46.333 11.054 (23,9 %) 11,0882 4.179 Statistisches Taschenbuch München 2003 (PDF)
2003 46.546 11.104 (23,9 %) 11,0882 4.198 Statistisches Taschenbuch München 2004 (PDF)
2004 46.856 11.442 (24,4 %) 11,0895 4.225 Statistisches Taschenbuch München 2005 (PDF)
2005 47.198 11.758 (24,9 %) 11,0922 4.255 Statistisches Taschenbuch München 2006 (PDF)
2006 47.754 11.942 (25,0 %) 11,1054 4.300 Statistisches Taschenbuch München 2007 (PDF)
2007 48.306 12.192 (25,2 %) 11,0954 4.354 Statistisches Taschenbuch München 2008 (PDF)
2008 48.451 12.352 (25,5 %) 11,0936 4.367 Statistisches Taschenbuch München 2009 (PDF)
2009 48.692 12.679 (26,0 %) 11,0936 4.389 Statistisches Taschenbuch München 2010 (PDF)
2010 48.421 12.567 (26,0 %) 11,0936 4.365 Statistisches Taschenbuch München 2011 (PDF)
2011 49.384 13.418 (27,2 %) 11,0936 4.452 Statistisches Taschenbuch München 2012 (PDF)
2012 50.253 14.038 (27,9 %) 11,0936 4.530 Statistisches Taschenbuch München 2013 (PDF)
2013 51.537 14.805 (28,7 %) 11,0936 4.646 Ausländerstatistik 2013 (PDF)
Weitere Zahlen[6]
Grundschulen 4
Hauptschulen 2
Realschulen 1
Gymnasium 1
Berufsschulen 2
Kindergärten 19
Kinderkrippen 1
Kinderhorte 7
Kooperationseinrichtungen 1
Freizeitheime 2
Spielplätze 27
Sozialbürgerhaus 1
Alten- und Service-Zentrum 1
Stadtteilbibliothek 1
Parks, Grünflächen 51
(61 ha)
Altenheime 2

Persönlichkeiten aus Moosach[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker D. Laturell: Moosach. Band 1: Von den Anfängen bis 1800, Tins, München 1980.
  • Volker D. Laturell: Moosach. Band 2: Von 1800 bis zur Gegenwart, Tins, München 1985.
  • Volker D. Laturell: Moosach – das Stadtteilbuch für den 10. Stadtbezirk mit den Ortsteilen Borstei, Hartmannshofen, Moosach, Nederling und Olympia-Pressestadt. Bavarica-Verlag Bauer, München 2001, ISBN 3-935440-02-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Moosach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Bevölkerung in den Stadtbezirken nach der Einwohnerdichte am 31.12.2013 (PDF; 424 kB). Statistisches Amt der Landeshauptstadt München. Abgerufen am 12. Juni 2014.
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 601.
  3. Moosach · Von der Lehrkolonie über das Unterdorf bis zum Bahnhof. In: Münchner Wochenanzeiger. 3. Oktober 2012.
  4. a b c Wahl des Bezirksausschusses – Stadtbezirk 10 – Moosach. Landeshauptstadt München. Abgerufen am 12. Juni 2014.
  5. Archiv Stadtteilinformationen. Landeshauptstadt München. Abgerufen am 19. Juni 2014.
  6. Informationsblatt der Landeshauptstadt München vom 15. Oktober 2007