Bernina-Express

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Der Bernina-Express mit zwei Triebwagen ABe 4/4 III am Lago Bianco.
Winterfahrt zwischen Lagalb und Ospizio Bernina.
In einem Panoramawagen des Bernina-Express

Der Bernina-Express ist ein Schnellzug der Rhätischen Bahn (RhB). Neben dem Glacier-Express gilt er als einer der touristischen Höhepunkte der Rhätischen Bahn. Die vom Bernina-Express befahrenen Strecken Albulabahn und Berninabahn wurde im Sommer 2008 als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet.

Der Bernina-Express verlässt den auf 585 m ü. M. gelegenen Bahnhof Chur in Richtung Thusis und führt über die Albulalinie nach Pontresina. Vom Fahrgast unbemerkt wechselt der Zug hier von der Wechselstromfahrleitung des Stammnetzes auf die Gleichstromfahrleitung der Berninabahn. Bis Ospizio Bernina steigt die Strecke auf eine Höhe von 2'253 m ü. M. an und führt anschliessend in mehreren Schleifen über Alp Grüm bergab ins Puschlav. Endpunkt des Zuges ist das nur 429 m hoch gelegene Tirano in Italien. Im Jahre 2013 benötigt der Zug vier Stunden und vier Minuten für die 144 km lange Strecke von Chur nach Tirano. Seit Dezember 2012 ist das von der RhB schon länger verwendete Kürzel BEX als Zugskategorie im offiziellen Kursbuch der Schweiz definiert.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Erfolg einer 1969 eingerichteten Kurswagenverbindung von Chur nach Tirano führte die RhB den Bernina-Express 1973 als eigenständigen Zug ein. In den ersten Jahren fand der wegen des Systemwechsels zwischen Stammnetz und Berninabahn notwendige Lokwechsel in Samedan statt, wo zugleich die allenfalls mitgeführten Wagen nach St. Moritz abgetrennt wurden. In Samedan übernahmen die beiden Zweikraftlokomotiven Gem 4/4 den Zug und fuhren bis Pontresina im Dieselbetrieb. Beim Umbau des Bahnhofs Pontresina wurde ein Gleis umschaltbar ausgerüstet, sodass der Triebfahrzeugwechsel seit 1982 dort stattfindet.

Die erhöhte Nachfrage veranlasste die RhB, 1985 ein zweites Zugpaar Chur - Tirano unter dem Namen Bernina-Express zu führen, dem 1993 eine Schnellzugsverbindung zwischen St. Moritz und Tirano folgte. Das Angebot wurde 1995 durch eine Direktverbindung LandquartDavos – Tirano ergänzt, die zunächst als Heidiland-Bernina-Express und von 1999 bis 2005 als Heidi-Express verkehrte. Dieser (seit 2005 auf die Strecke Davos – Tirano beschränkte) Zug heisst seit 2006 ebenfalls Bernina-Express. Schliesslich wurde 2007 der Trenino rosso ab Tirano nach St. Moritz und am Nachmittag zurück eingeführt, um auch den Fahrgästen aus Norditalien einen Tagesausflug im Panoramawagen über die Berninabahn zu ermöglichen. Seit 2008 führt auch dieses Zugpaar den Namen Bernina-Express.[2]

In Tirano kann die Weiterreise mit den Zügen der Trenord Richtung Sondrio, Lecco und Milano erfolgen oder seit 1994 mit einer direkten Autobuslinie nach Lugano.

Rollmaterial[Bearbeiten]

Panoramawagen in Tirano
Allegra-Triebwagen in Ospizio Bernina

Zu Beginn wurden die vorhandenen, für die Bernina-Strecke zugelassenen Wagen eingesetzt, hauptsächlich verkürzte Einheitswagen I. Die kleinen Erstklassabteile der vorhandenen Wagen genügten bald nicht mehr. 1978 kamen deshalb zwei verkürzte Einheitswagen II erster Klasse in Betrieb. Von den 1982 gelieferten vier Wagen mit Gepäckabteil derselben Baureihe wurde einer für den Berninaexpress reserviert, damit die Minibar mit ihren Vorräten leichter Platz fand. Ab 1983 wurden dann spezielle Wagen für den Bernina-Express beschafft: 1983 zehn Einheitswagen III, 1993 elf verkürzte Einheitswagen IV. Die für den Bernina-Express beschafften Einheitswagen II, III und IV erhielten ab 1983 ein graubraunes Fensterband, welches das Erscheinungsbild dieses Zuges lange Zeit prägte. Seit dem 28. Mai 2000 wird der Bernina-Express soweit möglich aus Panoramawagen zusammengestellt. Bei den grossen, fast durchgehenden Fensterbändern der Panoramawagen konnte das typische graubraune Fensterband nicht mehr angebracht werden, in der Folge wurde es auch bei den bisherigen Wagen aufgegeben; diese sind nun alle einheitlich rot.

Seit dem Frühling 2010 kommen auf der Berninalinie sukzessive neue Zweispannungs-Triebzüge vom Typ „Allegra“ zum Einsatz. Dieser neue Triebzug RhB ABe 8/12, der von der Firma Stadler Altenrhein AG geliefert wurde, kann sowohl auf dem RhB-Stammnetz mit 11'000 Volt Wechselstrom als auch auf der Berninabahn mit 1'000 Volt Gleichstrom verkehren. Dadurch wurde es erstmals möglich, durchgehende Bernina-Express-Züge von Chur bis Tirano ohne Lokwechsel zu führen. Die Triebzüge schalten dazu im Bahnhof Pontresina das Stromsystem um, wodurch sich die Fahrzeit von Chur nach Tirano um rund 5 Minuten verkürzt, da in Pontresina kein Lokwechsel nötig ist. Die Triebzüge verfügen jeweils über 24 Sitzplätze in der ersten und 76 Sitzplätze in der zweiten Klasse sowie über 14 zusätzliche Klappsitze (Notsitze). Sie sind ausserdem behindertengerecht (Niederflureinstieg und zwei Rollstuhlplätze) und für den Velotransport ausgelegt (5 Fahrrad-Stellplätze). Mit der Leistung von 2'600 kW kann auf dem Stammnetz eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h erreicht werden. Unter Gleichstrom auf der Berninalinie ist die Leistung auf 2'400 kW reduziert. Dort werden streckenbedingt maximal 65 km/h erreicht, und es ist eine Anhängelast von 160 Tonnen erlaubt. Dies ermöglicht das Führen von Zügen aus bis zu sieben Panoramawagen.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe «Zugcharakteristik» in [1]
  2. Siehe Fahrplanfeld 950 aus den jeweiligen Jahren.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bernina Express – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien