Bio-Siegel

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Ein Bio-Siegel ist ein Güte- und Prüfsiegel, mit welchem Erzeugnisse aus ökologischem Landbau gekennzeichnet werden.

Die Genehmigung zur Verwendung eines Siegels wird vom Herausgeber reglementiert und ist an die Einhaltung gewisser Standards und Auflagen geknüpft. Die Einhaltung der Kriterien durch die Erzeuger soll durch eine Dokumentationspflicht sowie regelmäßige Entnahme und Untersuchung von Warenproben gewährleistet werden. Überwacht wird die Einhaltung der Bestimmungen für alle Bio-Produkte in der EU durch die jeweils zuständige Öko-Kontrollstelle, bei Verwendung eines Verbandssiegels zusätzlich durch den jeweiligen Anbauverband.

Europa[Bearbeiten]

Geschützter Begriff ‚Bio‘[Bearbeiten]

Der Begriff Bio (zu „Biologischer Landwirtschaft“) ist ein durch EU-Recht europaweit geschützter Begriff. Gleiches gilt für die Bezeichnungen aus kontrolliert biologischem Anbau und Öko. Produkte, die als Bio beschrieben werden, müssen ebenfalls den Kriterien des Bio-Siegels entsprechen, das Siegel-Logo selber aber nicht zwingend tragen.[1]

Unterschiede zwischen Bio- und Verbandssiegeln[Bearbeiten]

Das Bio-Siegel kennzeichnet die Produkte, die mindestens den Anforderungen der EU-Öko-Verordnung genügen. Darüber hinaus gibt es private Label, die erweiterte, teilweise strengere Anforderungen stellen. (Im Artikel zur ökologischen Landwirtschaft findet sich ein Vergleich der Richtlinien beider Zertifizierungsmethoden.) Die privaten Standards wie Demeter, BioKreis oder Naturland sind in der Tat mit strengeren Anforderungen verbunden. Jedoch liegen jedem Standard als Zertifizierungsgrundlage die Anforderungen der EG Bio-VO zugrunde. Das heißt, die Produkte müssen nach der EG Bio-VO zertifiziert sein und zusätzlich die Standards der Verbände erfüllen, um auch ein Verbandszertifikat zu erlangen. Eine Verbandszertifizierung ist ohne eine Bio-Zertifizierung nicht möglich.

Europäisches staatliches Bio-Siegel[Bearbeiten]

Bio-Siegel der Europäischen Union
Einführung am 1. Juli 2010

Im Juli 2010 wurde EU-weit ein verbindliches neues Bio-Siegel eingeführt (auch als EU-Bio-Logo bezeichnet).[2] Ein Produkt kann das europäische Bio-Siegel erhalten, wenn[3]

  • höchstens 0,9 % gentechnisch verändertes Material enthalten ist und
  • mindestens 95 % der Inhaltsstoffe aus Öko-Anbau kommen.

Lebensmittel mit Bio-Siegel gehören zu den Produkten mit dem höchsten gesetzlich gesicherten lebensmittelrechtlichen Standard. Durch die Einheitlichkeit wird ein breiter Markt gesichert – auch Nicht-EU-Länder richten ihre Verordnungen mittlerweile nach dem Lebensmittelrecht des europäischen Biosiegels aus.

Die nicht-staatlichen Bio-Siegel erfüllen die staatlichen Vorgaben als Mindestwert. Traditionelle Bio-Siegel (Demeter, Bioland, Naturland etc.) sichern weitere höhere Standards wie einen hundertprozentigen Ökoanbau.

In vielen Mitgliedsstaaten der EU hat sich das EU-Biosiegel durchgesetzt. In Deutschland wurde es bisher wegen des größeren Bekanntheitsgrades des staatlichen deutschen Siegels und der Logos der Anbauverbände relativ wenig verwendet, bzw. in Kombination mit dem deutschen Logo. Ab 1. Juli 2012 ist es nunmehr verpflichtend.

Vorläufer[Bearbeiten]

Bio-Siegel der Europäischen Union
deutsche Version
2000 bis Juni 2010

Im März 2000 nahm die Europäische Kommission ein Logo mit der Aufschrift Ökologischer Landbau – EG-Kontrollsystem nach der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 bzw. (EG) 834/2007 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen an, welches Erzeuger auf freiwilliger Basis verwenden können, wenn Kontrollen ergeben haben, dass ihre Wirtschaftsweise und ihre Erzeugnisse den einschlägigen EU-Vorschriften entsprechen.

In der Verordnung (EWG) Nr. 2092/92 der Europäischen Kommission wird die Verwendung des Gemeinschaftsemblems geregelt. Das ‚EU-Biosiegel‘ wird in allen EU-Amtssprachen und in verschiedenen Versionen herausgegeben; in deutscher Sprache sind die Bezeichnungen Biologische Landwirtschaft und Ökologischer Landbau zulässig.

Deutschland[Bearbeiten]

Deutsches staatliches Bio-Siegel[Bearbeiten]

Das deutsche staatliche Bio-Siegel
Einführung im September 2001

Im September 2001 wurde das deutsche staatliche Bio-Siegel eingeführt. Es ist ein sechseckiges, grün-schwarz-weißes Symbol, mit dem in Deutschland Lebensmittel und andere Produkte gekennzeichnet werden können, die den Kriterien der EG-Öko-Verordnung genügen.

Demnach dürfen mit dem Siegel gekennzeichnete Lebensmittel

  • zur Konservierung nicht ionisierender Strahlung ausgesetzt werden
  • nicht durch und mit gentechnisch veränderte/n Organismen erzeugt werden
  • nicht mit Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln erzeugt werden
  • nicht mit Hilfe von leicht löslichen mineralischen Düngern erzeugt werden
  • nicht mehr als 5 % konventionell erzeugte Bestandteile enthalten (begrenzt auf in der Verordnung im Anhang VI c gelistete Rohstoffe)
  • keine Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farbstoffe und Emulgatoren enthalten
  • nur die Zusatz- und Hilfsstoffe, die in Anhang VI a und b vorgegeben werden, enthalten

Weitere Forderungen:

  • Die Einfuhr von Rohwaren und Produkten aus Drittländern ist geregelt und wird streng, chargenbezogen kontrolliert.
  • Fruchtfolgen (Zwei-, Drei- und Vierfelderwirtschaft) sind abwechslungsreich zu gestalten.
  • Es werden Mindeststall- und -freiflächen vorgegeben.
  • Tiere sind mit ökologisch produzierten Futtermitteln ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsförderern zu füttern.

Bei biologischen Tierprodukten darf in Ausnahmefällen ein GVO-Anteil über dem Schwellenwert von 0,9 % verwendet werden, wenn zu dem Zeitpunkt, zu dem der Bauer Futter kaufen muss, am Markt kein Futter angeboten wird, das komplett gentechnikfrei ist.[4]

Im Dezember 2010 nutzten 3.803 Unternehmen das Bio-Siegel auf 61.744 Produkten. Im Januar 2012 waren es inzwischen 3.992 Unternehmen auf 63.633 Produkten.[5]

Das Bio-Siegel ist bei den Konsumenten heute nahezu durchgängig bekannt. Laut einer im Mai 2013 durchgeführten Studie kennen 95,3% der Befragten das Bio-Siegel. Allerdings schätzen sich, trotz der hohen Bekanntheit, nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (57,2%) als sicher bei der Kenntnis des Bewertungsinhaltes (Kriterien und Forderungen) des Bio-Siegels ein, (12,9% gaben an, sie seien unsicher). Das Vertrauen in das Bio-Siegel liegt nach derselben Studie auf eher "niedrigem Niveau". Im Durchschnitt bewerteten die Befragten, die das Siegel kennen, das Bio-Siegel mit 51,7 von 100 Skalenpunkten.[6]

Deutsche Verbandssiegel[Bearbeiten]

Biosiegel der Produktionsverbände kennzeichnen Produkte, die über die Mindeststandards der EU-Öko-Verordnung hinaus den strengeren Bestimmungen des jeweiligen Verbandes genügen.

Vergleich der Biosiegel[Bearbeiten]

Kriterium
Organic-Logo.svg
EU-Bio-Siegel [7]
Bioland Logo 2012.svg
Bioland [7]
Demeter Logo.svg
Demeter [7]
Naturland Logo.svg
Naturland[8][9]
Zusammensetzung Produkte 95 % der Zutaten ökologischer Herkunft 100 % der Zutaten ökologischer Herkunft

Der Einsatz von Zutaten aus konventioneller Erzeugung ist grundsätzlich nicht zulässig. Bei nachweislicher Nichtverfügbarkeit von Zutaten aus ökologischer Erzeugung können im Ausnahmefall entsprechende konventionelle Zutaten bis zu einem Anteil von höchstens 5 % verwendet werden, sofern diese in der Verordnung (EG) Nr. 889/2008, Anhang IX, aufgeführt sind. Ein Bioland-Produkt darf jedoch nicht zugleich eine ökologisch erzeugte Zutat und eine gleiche konventionell erzeugte Zutat enthalten.

100 % der Zutaten ökologischer Herkunft 95 % der Zutaten ökologischer Herkunft, 5% erlaubt, vorausgesetzt Ökoherkünfte nicht verfügbar und Zutaten sind nicht gentechnisch verändert
verbotene Zusatzstoffe Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe etc. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe, so weit wie möglich Verzicht auf konventionelle Aromaextrakte bzw. natürliche Aromastoffe,[10] Nitritpökelsalz,[11] Jodierung (Jodgabe an Milchvieh erlaubt[12]) Zusätzliche verbotene Zusatzstoffe zur EG-Öko-Verordnung: Annatto, Bixin, Norbixin (E160b), Natriumnitrit (E250), Kaliumnitrat (E252), Milchsäure (E270), Äpfelsäure (E296), teilw. Ascorbinsäure (E300), Natriumascorbat (E301), Stark tocopherolhaltige Extrakte (E306), Weinsäure (E334), Monocalciumphosphat (E341i), Alginsäure (E400), Natriumalginat (E401), Kaliumalginat (E402), Carrageen (E407), Gummi arabicum (E414), Xanthan (E415), Glycerin (E422), Hydroxypropylmethylcellulose (E464), Magnesiumcarbonat (E504), Calciumchlorid (E509), Calciumsulfat (E516), Siliciumdioxid (E551), Talkum (E553b), Argon (E938), Helium (E939), Sauerstoff (E948) [13] Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe, Jodierung, Nitritpökelsalz, keine „unnatürlichen Aromen“ (z. B. Erdbeeraroma aus mikrobieller Erzeugung auf Sägemehl) Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe, Nitritpökelsalz
erlaubte Zusatzstoffe Von insgesamt über 300 Zusatzstoffen (konventionell) sind 47 erlaubt, darunter z.B. Sauerstoff, Lecithine, Milch-, Äpfel- und Ascorbinsäure, aber auch Natriumnitrit Calciumchlorid und Kaliummetabisulfit.[14] 22 Zusatzstoffe erlaubt, Nitritpökelsalz ist nicht erlaubt, Enzyme sind nur produktspezifisch zugelassen 13 Zusatzstoffe erlaubt, für jedes Lebensmittel nur explizit erlaubte Zusatzstoffe, Nitritpökelsalz und Enzyme sind nicht erlaubt, Aromen: Es sind nur Aromaextrakte der namensgebenden Pflanze erlaubt, wie z. B. reine ätherische Öle oder reine Extrakte mit Rohstoffidentität[15] 21 Zuschlagstoffe zulässig,[16][17] Nitritpökelsalz begrenzt (max. 2% bei Rohwurst), Enzyme produktspezifisch zugelassen, natürliche Aromen produktspezifisch erlaubt, Hefeextrakt
Schweinehaltung Stallfläche 0,8 - 1,5m2, Außenfläche 0,6 - 1,2m2 [18]
maximal 14 Mastschweine pro Hektar bewirtschafteter Grundfläche und Jahr;
max. 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr max. 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr max. 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr
Kuhhaltung Stallfläche 6m2, Außenfläche 8m2 [18]
maximal 2 Milchkühe pro bewirtschafteten Hektar und Jahr
maximal 2 Milchkühe pro Hektar und Jahr Maximal zwei Milchkühe pro Hektar und Jahr, Enthornung ist nicht zulässig, hörnertragende Rassen sind für Milchvieh vorgeschrieben, genetisch hornloses Milchvieh ist nicht erlaubt maximal 2 Milchkühe pro Hektar und Jahr
Kuhtrainer erlaubt (nicht geregelt) verboten verboten verboten
Hühnerhaltung bis zu 16 Tiere pro m2 [18]
max. 230 Legehennen und 580 Masthühner pro bewirtschafteter Hektar und Jahr
maximal 140 Legehennen und 280 Masthühner pro Hektar und Jahr maximal 140 Legehennen und 280 Masthühner pro Hektar und Jahr maximal 140 Legehennen und 280 Masthühner pro Hektar und Jahr
Gentechnisch verändertes Futter verboten nach Art.4+9 (Eg)Vo 834/2007 verboten (Erzeugnisse müssen ohne Verwendung von GVO und/oder GVO-Derivaten hergestellt werden) verboten verboten
konventionelles Mischfutter erlaubt, Schweinen und Geflügel bis max. 10 %, Rindern, Ziegen und Schafen 0 %, zugelassen sind z.B. konventionelles Soja und Trester aus Zitrusfrüchten verboten verboten  ?
Futterzukauf erlaubt erlaubt, aber max. 50% erlaubt, aber max. 50% erlaubt, aber max. 50%
Tiertransporte Tiertransporte sollten mit wenig Stress einhergehen, Tiere dürfen weder mit Stromstößen getrieben werden noch mit allopathischen Beruhigungsmitteln behandelt werden Kurze Transportwege sowie der Transport von Schlachtkörpern sind anzustreben. Max. Transport jedoch nur 4 Stunden und max. 200 km Entfernung. Kurze Transportwege sowie der Transport von Schlachtkörpern sind anzustreben, Entfernung zur Schlachtstätte nicht mehr als 200 km Kurze Transportwege sowie der Transport von Schlachtkörpern sind anzustreben. Max. Transportdauer jedoch nur 4 Stunden bei max. 200 km Entfernung.
Stickstoff-Dünger erlaubt, allgemein nicht begrenzt, Dünger aus Tierhaltung max. 170kg/ha u. Jahr erlaubt, Dünger aus Tierhaltung max. 112kg/ha u. Jahr; Gemüse 110kg/ha u. Jahr; Hopfen 70kg/ha u. Jahr; Weinbau 150kg/ha u. Jahr; Obstbau 90kg/ha u. Jahr erlaubt, Dünger aus Tierhaltung max. 112kg/ha u. Jahr; Gemüse, Hopfen und Weinbau max. 112kg/ha u.Jahr; Obstbau 90kg/ha u. Jahr erlaubt, aber begrenzt auf 110kg Stickstoff/ha u. Jahr
Organische Handelsdünger erlaubt (Blut-, Fleisch- und Knochenmehle sowie Guano) verboten (Blut-, Fleisch- und Knochenmehle sowie Guano) verboten (Blut-, Fleisch- und Knochenmehle sowie Guano) verboten (Blut-, Fleisch- und Knochenmehle)
synthetische Pflanzenschutzmittel verboten verboten verboten verboten
Pflanzenschutzmittel auf Kupferbasis erlaubt max. 6 kg/ha u. Jahr nur im Gartenbau und Dauerkulturen
max. 3 kg/ha u. Jahr erlaubt,
Hopfenbau max. 4 kg/ha u. Jahr,
Kartoffelanbau nur mit Ausnahmegenehmigung
erlaubt max. 3 kg/ha u. Jahr nur in Dauerkulturen (Weinbau, Obstbau, Hopfenbau), Kupfereinsatz bei Kartoffeln und Tomaten nicht erlaubt erlaubt max. 3 kg/ha u. Jahr (auch Kartoffeln); im Hopfenanbau max. 4 kg/ha u. Jahr
Pflanzenschutzmittel auf Schwefelbasis (Netzschwefel) erlaubt erlaubt erlaubt erlaubt
Bewirtschaftungsform Teilumstellung und damit ökologische und konventionelle Bewirtschaftung in einem Betrieb möglich Gesamtbetriebsumstellung, ausschließlich ökologische Bewirtschaftung aller Betriebszweige vorgeschrieben Gesamtbetriebsumstellung, ausschließlich biologisch dynamische Bewirtschaftung für den gesamten Betrieb. Für landwirtschaftliche Betriebe ist Tierhaltung obligatorisch. Gesamtbetriebsumstellung vorgeschrieben

Österreich[Bearbeiten]

Das staatliche österreichische AMA-Biosiegel ist ein Markenzeichen der Agrarmarkt Austria. Es wird von ihr verwaltet und kontrolliert. Seit 1. Januar 2014 gilt die neue AMA-Biosiegel-Richtlinie, die das frühere AMA-Biozeichen zu einem Bio-Gütesiegel weiterentwickelt hat. Es ist ein geschütztes, unabhängiges Gütesiegel, mit dem biologisch erzeugte Lebensmittel ausgezeichnet werden, die qualitativ die gesetzlichen Vorgaben übertreffen. Die Marke ist beim Österreichischen Patentamt unter der Registriernummer AM 6259/98 als Wort-Bild-Marke eingetragen. Das AMA-Biosiegel gibt es in zwei Ausprägungen, mit und ohne Ursprungsangabe. Das rot-weiß-rote AMA-Biosiegel mit Ursprungsangabe „Austria“ steht für ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte aus Österreich bzw. für Lebensmittel, die aus ökologisch erzeugten österreichischen Zutaten hergestellt werden. Beim schwarz-weißen AMA-Biosiegel ohne Ursprungsangabe wird die Herkunft der biologischen landwirtschaftlichen Rohstoffe nicht eingeschränkt. Die Siegel werden jeweils in Verbindung mit einem Lizenzvertrag vergeben.

Aufbau und Verantwortlichkeit[Bearbeiten]

Siegelträger ist die Republik Österreich, vertreten durch die Agrarmarkt Austria Marketing. Lizenznehmer sind Erzeuger, Verarbeitungsbetriebe und Vermarkter von ökologisch erzeugten Produkten.

Basisanforderungen[Bearbeiten]

Vergeben wird das rot-weiß-rote AMA-Biosiegel in Verbindung mit einem Lizenzvertrag ausschließlich an Lebensmittel, die den Bestimmungen und Qualitätsanforderungen der AMA-Biosiegel-Richtlinie in der jeweils aktuell geltenden Fassung entsprechen.

Eingehalten werden müssen folgende Basisanforderungen (laut EU-Bio-Verordnung über die Produktion und die Kennzeichnung von biologischen Erzeugnissen) – Auszug aus der Verordnung (EG) Nr. 834/2007:

  • Verbot der Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO)

Keine Verwendung von GVO und von mit GVO hergestellten Erzeugnissen.

  • Verbot der Verwendung von ionisierender Strahlung zur Behandlung biologischer Lebensmittel oder der in biologischen Lebensmitteln verwendeten Ausgangsstoffe.
  • Keine Verwendung von leicht löslichen mineralischen Düngern.
  • Synthetische Pflanzenschutzmittel dürfen nicht eingesetzt werden.
  • Der Einsatz von Wachstumsförderern (z. B. Hormone) und synthetischen Aminosäuren ist untersagt.
  • Das Produkt muss zumindest aus 95 % biologischen landwirtschaftlichen Rohstoffen bestehen.
  • Geschmacksverstärker, künstliche Aromen (naturidente Aromen, synthetische Aromen) und Farbstoffe sind für die Produktion von biologischen Lebensmitteln nicht erlaubt.
  • Zusätzlich ist laut der Durchführungsverordnung (EG) Nr. 889/2008 (Stand September 2012) der Einsatz von Zusatzstoffen eingeschränkt.

Mit dem AMA-Biosiegel gekennzeichnete Lebensmittel erfüllen nicht nur die Kriterien der EU-Bio-Verordnung (EG) Nr. 834/2007 idgF. und der Durchführungsverordnung (EG) 889/2008 idgF., sondern die zu erfüllenden Anforderungen gehen über diese rechtlichen Bestimmungen hinaus.

Anforderungen der AMA-Biosiegel-Richtlinie[Bearbeiten]

Biologischer Ursprung der Rohstoffe: Die Grundstandards erlauben bei zusammengesetzten Lebensmitteln eine Bio-Kennzeichnung, wenn 95 Prozent der Zutaten aus biologischer Landwirtschaft stammen. Die AMA verlangt mit Einführung der neuen Richtlinie mehr Bio, nämlich 100 Prozent biologische Zutaten bei landwirtschaftlichen Rohstoffen. Monoprodukte (also Fleisch, Milch, Eier oder Obst und Gemüse) mit dem AMA-Biosiegel müssen zu hundert Prozent biologischen Ursprungs sein.

Mit konkreten Qualitätskriterien und Anforderungen an die „gute Herstellungspraxis“ und an hohe Hygienestandards wird die Produktqualität abgesichert. Werden Lebensmittel mit dem AMA-Biosiegel ausgezeichnet, müssen ihre chemischen, mikrobiologischen und sensorischen Eigenschaften höchsten Vorgaben entsprechen. Beispielsweise ist eine garantierte Rindfleischreifung von mindestens neun Tagen bei Edelteilen vorgeschrieben. Bei Milchprodukten werden die jeweils höchste Qualitätsstufe laut dem Österreichischen Lebensmittelbuch sowie die erste Güteklasse nach dem AMA-Gütebewertungsschemata gefordert. Das wird durch regelmäßige Produktanalysen überprüft.

Regelung für Zusatzstoffe und Verpackung[Bearbeiten]

Das AMA-Biosiegel sieht Einschränkungen bei den Zusatzstoffen vor. Rund ein Viertel der Zusatzstoffe, deren Verwendung die EU-Bio-Verordnung erlaubt, ist bei AMA-Biosiegel-Produkten verboten. Langfristiges Ziel der AMA ist eine weitere Reduzierung der erlaubten Zusatzstoffe. Auch bei den Verpackungen gibt es Anforderungen: So darf kein chlorhaltiges Verpackungsmaterial verwendet werden, wenn es mit Bio-Lebensmittel in Kontakt kommen könnte.

Wo ist was geregelt?[Bearbeiten]

Für die landwirtschaftliche Erzeugung gelten die Vorschriften der EU-Bio-Verordnungen sowie eventuell weiterführende Kriterien von Bioverbänden. Die AMA-Biosiegel-Richtlinie setzt auf Ebene der Verarbeitung und des Handels an. Sie legt Anforderungen für die Be- und Verarbeitung, für Schlacht- und Zerlegebetriebe, Packstellen, Direktvermarkter und den Lebensmittelhandel fest.

Produktgruppen, die mit dem AMA-Biosiegel ausgezeichnet werden können: Das AMA-Biosiegel wird ausschließlich für Bio-Lebensmittel vergeben. Der Schwerpunkt liegt auf Frischeprodukten wie Milch und Milchprodukte, Obst und Gemüse, Eier, Fleisch und Fleischwaren inkl. Geflügel sowie Brot und Gebäck.

Rot-weiß-rotes AMA-Biosiegel mit Ursprungsangabe[Bearbeiten]

Rot-weiß-rotes AMA-Biosiegel

Beim rot-weißen AMA-Biosiegel mit der Herkunftsangabe "Austria" stammen alle wertbestimmenden landwirtschaftlichen Bio-Rohstoffe ausschließlich aus Österreich. Das gilt auch für verarbeitete Lebensmittel, die aus mehr als einer Zutat bestehen. Nur ausnahmsweise dürfen Bio-Zutaten bei solchen biologischen Lebensmitteln aus einem anderen Land stammen - etwa, wenn eine Bio-Zutat in Österreich nicht oder nicht in marktrelevanten Mengen erzeugt wird. Selbst dann dürfen diese Bio-Zutaten maximal ein Drittel des Produktes ausmachen. "Klassiker" sind Bio-Bananen oder Bio-Erdbeeren im Bio-Fruchtjoghurt oder der Bio-Pfeffer in der Bio-Wurst. Wird von dieser Ausnahme Gebrauch gemacht, muss die Herkunft gekennzeichnet werden.

Schwarz-weißes AMA-Biosiegel ohne Ursprungsangabe[Bearbeiten]

Schwarz-weißes AMA-Biosiegel

Das AMA-Biosiegel ohne Herkunftsangabe garantiert die kontrollierte Bio-Qualität der Lebensmittel gemäß der AMA-Biosiegel-Richtlinie. Der Ort der Be- und Verarbeitung sowie die Herkunft der Bio-Rohstoffe werden nicht eingeschränkt.

Kontrollsystem[Bearbeiten]

In der Landwirtschaft wird mindestens einmal jährlich durch Bio-Kontrollstellen kontrolliert. Bei den Verarbeitern erfolgen: laufende Eigenkontrollen und Dokumentation durch den Betrieb (Produktanalysen, HACCP, gute Herstellungspraxis) mindestens einmal jährlich externe Kontrollen durch unabhängige Bio-Kontrollstellen Überkontrollen durch die AMA (Kontrolle der Kontrolle)

Beispiel Biomilch Landwirt: Bio-Futtermittel (landwirtschaftliche biologische Bewirtschaftung der Futterflächen), Haltungsbedingungen (Gruppenhaltung, etc.), Stallkontrolle Transport: Trennung Bio-Milch von konventioneller Milch (getrennte Kammern) Molkerei: Trennung zwischen konventioneller und biologischer Milch, Hygiene, HACCP, Laboruntersuchungen, ordnungsgemäße Kennzeichnung

Andere Staaten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Öko-Siegel Teil 2: Das EU-Bio-Siegel – pragmatische Europa-Lösung, biobay.de, abgerufen am 9. Juni 2014.
  2. [1], oekolandbau.de, abgerufen am 9. Juni 2014.
  3. nano, 3sat, 1. Juli 2010 (Weblink)
  4. Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e. V.: Bio-Lebensmittel ohne Gentechnik, Stand: Jänner 2011
  5. bio-siegel.de
  6. Dr. Grieger & Cie - "Bekanntheit, Vertrauen und Kenntnis über das Bio-Siegel"
  7. a b c Unterschiede EG-Bio-Verordnung, Bioland, Demeter-Richtlinien (PDF; 123 kB) 13. Juli 2009. Abgerufen am 31. Mai 2013.
  8. Naturland Richtlinien Erzeugung (PDF; 366 kB) 2012. Abgerufen am 31. Mai 2013.
  9. Fehler beim Aufruf der Vorlage:cite web: Die Parameter url und title müssen vorhanden sein. (PDF; 562 kB) 2012. Abgerufen am 31. Mai 2013.
  10. http://www.bioland.de/fileadmin/bioland/file/bioland/qualitaet_richtlinien/Merkblatt_Einsatz_von_Aromen_in_Biolandprodukten_neues_Logo.pdf
  11. http://www.bioland.de/fileadmin/bioland/file/wissen/Kompakt/Bioland_informmiert_Wurstwaren.pdf
  12. http://www.bioland.de/fileadmin/bioland/file/wissen/Kompakt/jod.pdf
  13. http://www.bioland.de/fileadmin/bioland/file/wissen/Kompakt/Zusatzstoffevergleich-BL-EG_Jul09_final.pdf
  14. Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde: Lebensmittel-Zusatzstoffe zur Herstellung von verarbeiteten Bio-Lebensmitteln.
  15. http://www.demeter.de/verbraucher/ueber_uns/unterschiede_bio_demeter
  16. http://www.naturland.de/fileadmin/MDB/documents/Verbraucher/Richtlinienvergl_01-2011_web-1.pdf
  17. http://www.naturland.de/fileadmin/MDB/documents/Verbraucher/Kundeninfos/KI_Zusatzstoffe_14_04_10_1_.pdf
  18. a b c [2]DURCHFÜHRUNGSBESTIMMUNGEN VERORDNUNG (EG) Nr. 889/2008 DER KOMMISSION vom 5. September 2008, Anhang 3, Seite 118
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