Bogislaw von Bonin

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Dieser Artikel behandelt den Offizier und Publizisten; zu dem Politiker und Landrat siehe Bogislav von Bonin (1842–1929).

Bogislaw von Bonin (* 17. Januar 1908 in Potsdam; † 13. August 1980 in Lehrte) war ein deutscher Offizier und Publizist.

Militärkarriere bis 1945 in Reichswehr und Wehrmacht[Bearbeiten]

Bogislaw von Bonin trat 1926 als Fahnenjunker des 4. Reiterregiments in Potsdam in den Militärdienst der deutschen Reichswehr. 1930 wurde er zum Leutnant befördert. 1937–1938 besuchte er die Kriegsakademie in Berlin. 1938–1940 diente Bonin als Generalstabsoffizier beim Oberkommando des Heeres. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nahm er als Erster Generalstabsoffizier der 17. Panzer-Division am Westfeldzug, Russlandfeldzug und in gleicher Funktion bei der Deutsch-Italienischen Panzerarmee am Afrikafeldzug teil. Nach der Beförderung zum Oberst wurde er 1943 Chef des Stabes des XIV. Panzerkorps in Sizilien. 1944 fungierte Bonin nacheinander kurzzeitig als Chef des Generalstabs des LVI. Panzerkorps, als Chef des Stabes der 1. Ungarischen Armee und als Chef der Operationsabteilung im Generalstab des Heeres. Gemeinsam mit Heinz Guderian verweigerte er im Januar 1945 einen Führerbefehl Adolf Hitlers und entwarf eine Anordnung, die der Heeresgruppe A volle Handlungsfreiheit und damit auch den Rückzug gestattete. Infolgedessen wurde er von der Gestapo im KZ Flossenbürg als Sonderhäftling inhaftiert.

Befreiung der Sonderhäftlinge[Bearbeiten]

von Bonin nach geglückter Befreiung Mai 1945

Mit Herannahen des Frontverlaufs im April 1945 wurden Sonderhäftlinge aus den Konzentrationslagern Flossenbürg und Dachau von der SS in den Süden des Reichs verlegt. Ende April waren alle militärischen Befehlsstrukturen soweit zusammengebrochen, dass es von Bonin gelingen konnte, in Niederdorf (Südtirol) heimlich über eine Wehrmachtsfunkstelle mit der Heeresgruppe C in Bozen zu telefonieren. Von hier konnte eine Wehrmachtseinheit unter Kommando des Hauptmannes Wichard von Alvensleben das Begleitkommando der SS und des SD entwaffnen. [1] Zu den Sonder- und Sippenhäftlingen gehörten neben britischen RAF-Piloten (Jimmy James und Harry "Wings" Day) der Italiener Sante Garibaldi, die Familien von Goerdeler, von Schröder, von Kurt Schuschnigg, Léon Blum, Hjalmar Schacht, Franz Halder und Fritz Thyssen. Durch seine couragierte Initiative verdanken ihm letztendlich 139 politische Häftlinge[2] aus 17 Ländern ihre Befreiung aus den Händen der SS auf dem Weg in die legendäre Alpenfestung.

Militärkarriere nach 1945 im Amt Blank[Bearbeiten]

Nach zweijähriger Haft in amerikanischer Kriegsgefangenschaft war Bonin als privater Transportarbeiter und kurzzeitig bei Daimler-Benz tätig. 1952 wurde er als militärischer Experte in das neue Amt Blank berufen, in dem er die Leitung der Unterabteilung „Militärische Planung“ übernahm und die Planungen zur Vorbereitung des deutschen Beitrags für die Europäische Verteidigungsgemeinschaft bzw. später die NATO vorzubereiten hatte. Da er jedoch bereits 1953 Zweifel an der Realisierbarkeit einer 500.000 Mann starken Bundeswehr innerhalb von nur vier Jahren äußerte, wurde er erst von seiner Position abgelöst. 1954 entwickelte er eine eigenständige Verteidigungsplanung für die Bundesrepublik, deren Hauptziel die grenznahe Verteidigung eines neutralen Westdeutschlands ohne Gefährdung einer möglichen Wiedervereinigung war. Als er diese im Widerspruch zur offiziellen Politik der Westintegration stehenden Pläne auch außerhalb des Amtes verbreitete, wurde er zum 30. September 1955 wegen illoyalen Verhaltens aus der Bundeswehr entlassen.

Bonins Verteidigungskonzept als militärpolitische Alternative[Bearbeiten]

Bonin gilt als erster militärpolitischer Rebell der Bundesrepublik Deutschland. Da er befürchtete, dass eine Konfrontation der beiden Machtblöcke Deutschland zu einem atomaren Schlachtfeld werden lasse, forderte er in mehreren internen Denkschriften die Forcierung konventioneller nationalstaatlicher Abwehrstrategien. Dabei schwebte ihm vor allem ein gut ausgebauter Sperrgürtel von Panzerabwehrwaffen nach dem Vorbild der sowjetischen Defensivstrategie bei der Panzerschlacht von Kursk vor. Weder im Amt Blank, noch in den verbündeten westeuropäischen Armeen fand er allerdings hiermit Unterstützung. Hierbei überwog offensichtlich die Angst vor einem erneuten deutschen Sonderweg.

Bonin als neutralistischer Publizist[Bearbeiten]

Obwohl der Fall Bonin Mitte der Fünfziger Jahre für Aufregung in der Presse sorgte, fand Bonin lediglich im sehr isolierten Spektrum diverser neutralistischer Organisationen Sympathisanten. Seine militärstrategischen Ziele, die immer mehr durch konkrete Appelle zur schnellen Wiedervereinigung beider deutschen Staaten ergänzt wurden, veröffentlichte er beispielsweise in den neutralistischen Blättern für deutsche und internationale Politik.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ARTE 2015: Wir, Geiseln der SS 1/2ARTE 2015: Wir, Geiseln der SS 2/2, zweiteilige Doku-Verfilmung durch ARTE, ZDF und ORF im April 2015. Frankfurter Rundschau 7. April 2015
  2. Namensliste der Sippen- und Sonderhäftlinge