Lehrte

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Stadt Lehrte. Ein Ortsteil der Stadt Haselünne trägt ebenfalls den Namen Lehrte.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lehrte
Lehrte
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lehrte hervorgehoben
52.37259.976944444444462Koordinaten: 52° 22′ N, 9° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Region Hannover
Höhe: 62 m ü. NHN
Fläche: 127 km²
Einwohner: 43.048 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 339 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31275
Vorwahlen: 05132, 05136, 05175
Kfz-Kennzeichen: H
Gemeindeschlüssel: 03 2 41 011
Stadtgliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 1
31275 Lehrte
Webpräsenz: www.lehrte.de
Bürgermeister: Klaus Sidortschuk (SPD)
Lage der Stadt Lehrte in der Region Hannover
Region Hannover Niedersachsen Wedemark Burgwedel Neustadt am Rübenberge Burgdorf Uetze Lehrte Isernhagen Langenhagen Garbsen Wunstorf Seelze Barsinghausen Sehnde Hannover Gehrden Laatzen Wennigsen Ronnenberg Hemmingen Pattensen Springe Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Schaumburg Landkreis Nienburg/Weser Landkreis Heidekreis Landkreis Celle Landkreis Peine Landkreis Gifhorn Landkreis HildesheimKarte
Über dieses Bild

Lehrte ist eine Stadt in der Region Hannover, 17 Kilometer östlich der Landeshauptstadt Hannover in Niedersachsen.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Lehrte grenzt an Hannover, Isernhagen, Burgdorf, Uetze und Sehnde sowie an den Landkreis Peine.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Lehrte besteht aus den Ortsteilen Ahlten (5.410 Einwohner am 31. Dez. 2009), Aligse (1.740), Kolshorn (387), Röddensen (260), Steinwedel (1.845), Immensen (2.530), Arpke (2.962), Hämelerwald (4.645), Sievershausen (2.468) und der Kernstadt Lehrte (22.916).[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Siedlung[Bearbeiten]

Die ältesten Bodenfunde in Lehrte stammen aus der Steinzeit (2000 v. Chr.). Am Westhang des Ramsberges (auch Rhamesberg) fand man in Wohngruben Werkzeuge und Geräte aus Stein. Man fand dort 1845 auch ein Gräberfeld im Zuge des Baus der Eisenbahnstrecke Lehrte–Hildesheim. Die Lage der Wohngruben ist nicht zufällig, sondern vom nachliegenden Bach bestimmt, der Wasser lieferte und gleichzeitig Schutz bot.

Geschichte des Kernorts[Bearbeiten]

Das Dorf Lehrte wurde erstmals 1147 in einer Urkunde erwähnt. Es entstand wie viele germanische Dörfer an einem Hügel und am Wasser. Das Dorf bestand aus drei Wegen die später zur Straßen ausgebaut wurden: Osterstraße, Mühlenstraße (Zum alten Dorf) und Hagenstraße. Die drei Straßen treffen sich heute noch wie damals am Lindenberg. Lehrte war über Jahrhunderte ein relativ unbedeutendes Bauerndorf. Zwischen 1147 und 1302, das genaue Datum ist nicht bekannt, wurde im Ort eine Kapelle als Untergliederung der Kirche in Steinwedel gegründet,[3] die heutige Nikolauskirche. Bereits zu dieser Zeit liegt Lehrte im historischen Siedlungsraum des Großen Freien.

Mit dem Bau der Bahnstrecke Hannover–Braunschweig ab 1843 erlangte Lehrte erstmals Bedeutung, die in den folgenden Jahren mit der Verlängerung der Bahnstrecken nach Celle, Hildesheim und Berlin (Lehrter Bahn mit Lehrter Bahnhof) noch zunahm. Zu Beginn des Eisenbahnbaus hatte der Ort 755 Einwohner, 60 Jahre später etwa zehn Mal so viele. 1898 wurden Lehrte die Stadtrechte verliehen. Mit der Eisenbahn siedelte sich Industrie an, so gab es eine Tonwaren-, Mineraldünger-, Zement-, Konserven- und eine Zuckerfabrik.

Lehrte 1896
Die Lage der Kernstadt im Stadtgebiet von Lehrte
Rathaus
Ehemalige Kali-Förderanlagen

1881 gründete Hermann Manske mit anderen Kommanditisten in der Lehrter Feldmark die Zementfabrik Germania. Sie war die zweite Fabrik der Zementindustrie bei Hannover. Manske stiftete 1892 der Stadt Lehrte ein Krankenhaus mit Grundstück, die ihm zu Ehren eine Straße in Manskestraße benannte. 1910 wurde die Zementfabrik stillgelegt. 1911 entstand eine Viehverkaufshalle, und Lehrte wurde zum bedeutendsten Viehumschlagplatz in Norddeutschland. 1912 wurde der Kalischacht Bergmannssegen abgeteuft. In dieser Zeit wurden Schulen und vor allem das Gymnasium gebaut, das lange Zeit das einzige im Landkreis Burgdorf gewesen ist.

Mitte der 1930er Jahre wurde nördlich von Lehrte eine Autobahn, die heutige Bundesautobahn 2, erbaut. Bei der Gewinnung des dafür nötigen Sandes und Kieses entstand der Hohnhorstsee, der damals noch Autobahnsee genannt wurde und nach dem die Autobahnraststätte bei Lehrte in Lehrter See benannt wurde. Die südlich der Autobahn gelegene Raststätte grenzte ursprünglich an den See, wurde jedoch 1987 abgerissen.[4]

Geschichte der neuen Stadt Lehrte[Bearbeiten]

Bis zum Jahre 1974 war Lehrte eine Stadt im Landkreis Burgdorf im Regierungsbezirk Lüneburg. Die Gebietsreform in diesem Jahr vereinigte die Landkreise Burgdorf, Neustadt am Rübenberge, Springe am Deister (nur teilweise) und Hannover zu einem neuen Großkreis Hannover, der dem Regierungsbezirk Hannover zugeordnet wurde. Im Rahmen dieser Gemeindegebietsreform schlossen sich mit Wirkung vom 1. März 1974 die damalige Stadt Lehrte sowie Gemeinden Ahlten, Aligse, Arpke, Hämelerwald (vorher im Landkreis Peine), Immensen, Kolshorn, Röddensen, Sievershausen und Steinwedel mit dem Gebietsänderungsvertrag vom 14. Dezember 1973 zur „neuen Stadt Lehrte“ zusammen.[5] Seit dem 1. November 2001 bilden der ehemalige Landkreis Hannover einschließlich der Stadt Lehrte und die Landeshauptstadt Hannover die Region Hannover. Infolge der Auflösung des Regierungsbezirks Hannover am 31. Dezember 2004 endete die Zugehörigkeit zu diesem.

Seit 1975 hat sich die Stadt städtebaulich gewandelt. Nicht mehr benötigte innerstädtische Gewerbe-Brachflächen wurden neu genutzt (Neues Zentrum). Ehemalige Bahnschrankenübergänge wurden durch kreuzungsfreie Trogbauwerke ersetzt. Industrie- und Gewerbebetriebe wurden schon in den 1970er-Jahren an den Stadtrand in neuen Gewerbegebieten angesiedelt. Die städtebauliche Entwicklung wird seit mehr als 30 Jahren von der Deutschen Bahn stark behindert, sehr große Eisenbahn-Brachflächen liegen noch immer im Lehrter Kernstadtgebiet (Richtersdorf, alter Verschiebebahnhof). Die 2002 mit dem Abriss der ehemaligen Zuckerfabrik freigewordenen circa 115 Hektar umfassenden innerstädtischen Flächen wurden für die Erweiterung des Stadtparks um 28 Hektar sowie für zusätzliche innerörtliche Verkaufsflächen verwendet, was aber gleichzeitig zu einer Zersiedelung des Zentrums führte. Eine weitere Teilfläche des Zuckerfabriksgeländes liegt seit Längerem brach. Im Juni 2009 entschied der Rat der Stadt Lehrte, dass diese Teilfläche im Wesentlichen für einen Baumarkt genutzt werden soll.

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Geschichte der Ortsteile[Bearbeiten]

  • Sievershausen
In der Schlacht bei Sievershausen standen sich am 9. Juli 1553 insgesamt rund 25.000 Mann der Heere des Kurfürsten Moritz von Sachsen und des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach gegenüber.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Lehrte Einwohnerentwicklung 1638-2006.png
  • 1000: 64
  • 1350: 200
  • 1638: 350
  • 1800: 565
  • 1850: 800
  • 1900: 6.554
  • 1914: 9.843
  • 1939: 11.729 (Volkszählung)
  • 1950: 19.172 (30. Juni)
  • 1961: 21.257 (Volkszählung am 6. Juni)
  • 1970: 21.974 (Volkszählung am 27. Mai)
  • 1974: 37.861 (Gebietsreform)
  • 1981: 38.371 (30. Juni)
  • 1987: 39.577 (Volkszählung am 25. Mai)
  • 1990: 40.086 (30. Juni)
  • 1995: 41.728 (30. Juni)
  • 2000: 43.683 (30. Juni)
  • 2005: 44.149 (31. Dezember)
  • 2006: 43.925 (31. Dezember)
  • 2011: 43.248 (31. Dezember)

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2011
Wahlbeteiligung: 54,7 %
 %
40
30
20
10
0
39,4 %
35,0 %
18,2 %
1,8 %
1,7 %
2,2 %
1,7 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-3,2 %p
-2,5 %p
+10,7 %p
-4,0 %p
+0,1 %p
-0,1 %p
+1,7 %p
-2,6 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
f 2006: DAS LINKSBÜNDNIS

Rat der Stadt[Bearbeiten]

Der Rat der Stadt besteht aus 40 Ratsmitgliedern und dem Bürgermeister. Der Rat teilt sich folgendermaßen auf:

Lehrte wird von 2011 an, wie schon von 2006 bis 2009, von einer Ratskoalition aus SPD und Grünen regiert.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Klaus Sidortschuk von der SPD wurde bei den Kommunalwahlen am 11. September 2011 zum Bürgermeister gewählt und übt dieses Amt seit dem 1. November 2011 aus.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Partnerstädte der Stadt Lehrte sind Staßfurt, Mönsterås in Schweden, Trzcianka (früher Schönlanke) in Polen, Vanves in Frankreich und Ypern in Belgien.[6]

Außerdem bestehen kirchliche Partnerschaften in die Departamentos Valle und Cauca in Kolumbien sowie zu Borna in Sachsen und Johannesburg in Südafrika.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das kulturelle Zentrum der Stadt ist das Kurt-Hirschfeld-Forum, in dem Veranstaltungen des Theaters für Niedersachsen (frühere Landesbühne Hannover) und von Wanderbühnen stattfinden. Dem Forum angeschlossen sind die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv.

Im Fachwerkhaus im Stadtpark finden Lesungen, Konzerte, Kabaretts und Ähnliches statt. Seit 1984 findet im Lehrter Stadtpark auch einmal im Jahr das Musikfestival Blues in Lehrte statt, bei dem neben regionalen Bands auch internationale Musiker auftreten.[7] Künstlerische Ausstellungen sind in der Galerie Alte Schlosserei auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik und in der Nikolauskirche zu besichtigen.

Ein Programmkino (Das Andere Kino) bietet Kino im Rahmen einer offenen Jugendarbeit.[8]

Außerdem befindet sich in Lehrte das älteste und größte mechanische Stellwerk Norddeutschlands, das Stellwerk Lpf ist heute ein Museum.

Lehrter Wasserturm (Lage)52.374239.98248

Der Wasserturm ist das von Lehrter Bürgern gewählte Wahrzeichen der Stadt. Er wurde 1912 von der Firma Robert Grastorf GmbH aus Hannover errichtet, misst vom Boden bis zur Spitze des Daches (ohne Wetterfahne) 44,57 Meter und fasst 250 Kubikmeter Wasser. Im Frühjahr 2003 ging der Turm außer Betrieb.[9] In einem Gemeinschaftsprojekt der Stadtwerke mit dem Arbeitskreis Stadtgeschichte des Stadtmarketingvereins hat der Lehrter Wasserturm eine Außenbeleuchtung erhalten.

Lehrter Klärteiche (Lage)52.37416210.004732

Im Osten der Stadt finden sich im Thönser Bruch die Klärteiche der ehemaligen Zuckerfabrik. Deren Gesamtfläche beträgt 38 Hektar. Die mit Schließung der Zuckerfabrik 1998 überflüssig gewordene biologische Kläranlage hat sich seit ihrer Außerbetriebnahme zu einem Biotop gewandelt. Die der schlechten Erschließung mit Wegen geschuldete Ruhe begünstigt vor allem den Artenreichtum an Vögeln. So wurden hier von Ornithologen bis 2008 mehr als 260 Vogelarten gezählt. Die Klärteiche befinden sich im Besitz der Stiftung Kulturlandpflege. Das durch Verdunstung und Versickerung entweichende Wasser wird durch Tiefgrundwasser und durch vorhandene, neu angeschlossene Vorfluter nachgeführt.[10][11]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Gut Adolphshof

Traditionell ist die Landwirtschaft ein starker Wirtschaftszweig. Daher war Lehrte seit 1883 Sitz der Lehrter Zucker AG, die durch Fusion etwa 1990 in der Nordzucker AG aufgegangen ist. In der Lehrter Innenstadt befand sich eine große Zuckerfabrik, die Ende 1998 im Zuge der Konzentration in der Zuckerindustrie geschlossen wurde. Auf einem Teil des Geländes der ehemaligen Zuckerfabrik wurde am 23. November 2005 das „Einkaufszentrum Zuckerfabrik“ eröffnet, ein anderer Teil diente der Erweiterung des Stadtparks.

Seit 1965 betreibt der Haushaltsgeräte-Hersteller Miele aus Gütersloh in Lehrte ein Werk, das u.a. gewerblichen Wasch- und Bügelmaschinen herstellt.

Auch in Lehrte gibt es in der Landwirtschaft eine Diversifikation. Neben konventionellem Anbau sind alternative Wirtschaftsweisen immer stärker vertreten, ein Beispiel hierfür ist das Gut Adolphshof. Neue Erwerbsquellen für Landwirte liegen in Anlagen für Erneuerbare Energien wie Biogas und Photovoltaik.

Von 1910 bis 1994 bestand das Salzbergwerk Bergmannssegen Hugo, mit dessen Flutung 1998 begonnen wurde. Erhalten geblieben ist das Blockfördergerüst.

Aufgrund der zentralen Lage im Schnittpunkt der Bundesautobahnen 2 und 7 hat Lehrte zunehmende Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt und Logistikzentrum. So finden sich in Lehrte unter anderem Umschlaglager des Discounters Aldi-Nord, des Lebensmittelkonzerns Rewe Group, des Reifenhändlers Delticom, des Baumarkts Hornbach, der Spedition Hellmann sowie des Paketdienstes DPD. Die Produktion der Großbäckerei Schäfers Brot erfolgt vor allem in einer Brotfabrik in Lehrte. Die Fabrik wurde Oktober 1999 fertiggestellt und beliefert etwa 250 Filialen.

Lehrte ist Standort eines THW-Ortsverbandes. Hier sind ein Technischer Zug sowie die Fachgruppen „Infrastruktur“ und „Führung und Kommunikation“ beheimatet.

Bildung[Bearbeiten]

Gebäude der Mittelstufe des Gymnasiums in der Friedrichstraße

In der Stadt Lehrte gibt es elf Grundschulen, sieben davon in Ortschaften:

  • Grundschule Lehrte I
  • Grundschule Lehrte-Süd
  • St.-Bernward-Schule (katholisch)
  • Albert-Schweitzer-Schule
  • Grundschule Ahlten
  • Aueschule Aligse
  • Aueschule Steinwedel
  • Grundschule im Hainhoop
  • Grundschule Hämelerwald
  • Heinrich-Bokemeyer-Grundschule Immensen
  • Grundschule im Kleegarten

Als weiterführende Schulen existieren eine Haupt-, eine Real- sowie eine Integrierte Gesamtschule. Das Gymnasium ist das älteste im ehemaligen Landkreis Burgdorf. Daneben existiert eine Förderschule (Lernbehinderungen).

  • Gymnasium Lehrte
  • Realschule Lehrte
  • Hauptschule Lehrte
  • Förderschule Lehrte
  • IGS Lehrte
  • HRS Lehrte

An der ehemaligen Orientierungsstufe Lehrte Süd startete 2001 erstmals das Gesundheits-Präventionsprojekt „Lehrter Modell“.[12]

Energie[Bearbeiten]

Im Ortsteil Ahlten befindet sich seit den 1920er Jahren ein großes Umspannwerk. Von diesem Umspannwerk erfolgte 1944 der Aufbau einer Versuchsanlage zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung nach Misburg.[13]

Verkehr[Bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Ehemaliges Stellwerk, an dem sich die Strecken nach Hannover (links) und Celle (rechts) trennen
Bahnstromumformerwerk Lehrte

Lehrte entwickelte sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt der Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen und wurde zu einer typischen sogenannten Eisenbahnerstadt. 1843 wurde die Eisenbahnstrecke Hannover–Peine über Lehrte gebaut, die in den folgenden Jahren nach Braunschweig verlängert und mit Seitenlinien von Lehrte nach Celle (1845) und nach Hildesheim (1846) verlängert wurde. 1844 entstand auch das Empfangsgebäude des Bahnhofes im klassizistischen Stil nach Plänen von Eduard Ferdinand Schwarz.

Die Berlin-Lehrter Eisenbahn wurde von der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft (MHE) gebaut und 1871 durchgängig eröffnet. Sie stand in Konkurrenz zu der bereits bestehenden Bahnlinie über Magdeburg und Braunschweig. Endpunkt der Bahn war in Berlin der Lehrter Bahnhof, der 1958 abgerissen wurde. Der nahe dieser Stelle befindliche neue Berliner Hauptbahnhof erinnert mit dem Namenszusatz „Lehrter Bahnhof“ noch daran. Von Lehrte führten weitere Strecken über Celle nach Hamburg, nach Hildesheim und nach Hannover.

Die Bahnstrecke nach Hildesheim, die die südliche Kernstadt in eine westliche und östliche Hälfte teilte, wurde 1990 umgelegt und östlich von Lehrte an das Streckennetz wieder angeschlossen. Hierdurch ergab sie eine lang erwünschte Verkehrsentlastung im Bereich des Stadtkerns. Der alte Bahndamm wurde als innerstädtischer Grünzug neu gestaltet. Die für Lehrte typischen Bahnschranken waren damit in der Kernstadt verschwunden.

1998 wurde die Schnellfahrstrecke von Hannover über Lehrte an der alten Berlin-Lehrter Eisenbahn entlang über Meinersen, Gifhorn, Wolfsburg, Oebisfelde, Stendal und Spandau nach Berlin eröffnet. Lehrte ist heute reine Nahverkehrsstation, da die ICE und IC in Richtung Berlin und die IC in Richtung Leipzig durchfahren.

Für den Personennahverkehr ist Lehrte ein wichtiger Knotenpunkt im Großraum-Verkehr Hannover (GVH) mit Anschluss an die S-Bahn Hannover. Unter anderem halten oder enden Zugverbindungen verschiedener Kategorien von/nach Bielefeld, Braunschweig, Celle, Hannover, Hildesheim, Rheine und Wolfsburg in Lehrte.

Der ehemalige Rangierbahnhof am Schnittpunkt der Nord-Süd- und Ost-West-Güterstrecken wurde nach seiner Stilllegung 1960 bis 1964 um die Hälfte seiner bisherigen Anlagen verkleinert. Seine Reste sollen in einen Containerbahnhof umgebaut werden, in dem Güterwaggons nicht mehr rangiert werden müssen. Die Einrichtung soll die Bezeichnung „Megahub Lehrte“ tragen. Der geplante Baubeginn ist 2012.[14]

Im Ortsteil Ahlten befindet sich ein Bahnstromumformerwerk mit Unterwerk.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Bundesautobahn 2 in Höhe der Raststätte Lehrter See

Lehrte liegt an der von Dortmund über Hannover, Braunschweig und Magdeburg bis nach Berlin führenden Bundesautobahn 2 und ist durch drei Anschlussstellen (Lehrte, Lehrte-Ost, Lehrte-Hämelerwald) angebunden.

Etwa sieben Kilometer westlich von Lehrte verläuft die von Norden nach Süden führende Bundesautobahn 7 von Hamburg über Hannover weiter nach Hildesheim, Göttingen, Kassel und Ulm und kreuzt die A 2 im Autobahnkreuz Hannover-Ost, das in der Gemarkung Ahlten auf Lehrter Stadtgebiet liegt. Lehrte ist an die A 7 über eine weitere Anschlussstelle (Hannover-Anderten) angebunden.

Durch Lehrte verläuft in Nord-Süd-Richtung die Bundesstraße 443. Diese führt nach Norden über Burgdorf zur Bundesautobahn 37 beziehungsweise Bundesstraße 3 nach Celle und nach Süden über Sehnde in Pattensen zur Bundesstraße 6. Die B 443 kreuzt südlich von Lehrte die Bundesstraße 65 von Hannover nach Peine.

Für die Bemühungen um eine Verbesserung der Fahrradweg-Infrastruktur, zum Beispiel durch die Umgestaltung einer ehemaligen Bahntrasse zu einem Radweg, wurde die Kommune 2009 mit dem Titel „Niedersachsens fahrradfreundlichste Kommune“ geehrt.[15][16]

Busverkehr[Bearbeiten]

In Lehrte gibt es sieben Buslinien, drei davon verkehren ausschließlich in der Kernstadt. Eine Nachtbuslinie fährt Freitag und Samstag. Mit dem Bus sind von Lehrte aus alle Ortschaften sowie die weiter entlegenen Orte Burgdorf, Sehnde und Wassel direkt erreichbar.

Religionen[Bearbeiten]

Zur Matthäusgemeinde gehört die gleichnamige Kirche am Marktplatz von 1876 sowie die ältere Nikolauskirche an der Osterstraße. Die moderne Markuskirche, Am Distelborn gelegen und nach dem Evangelisten Markus benannt, wurde 1961–63 von der gleichnamigen Kirchengemeinde erbaut. Beide Gemeinden gehören zum evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Burgdorf.

Die katholische St. Bernward-Kirche befindet sich an der Feldstraße, sie wurde 1894/95 erbaut und 1935/36 erheblich erweitert. Ihre gleichnamige Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Hannover im Bistum Hildesheim, zu ihr gehört auch eine Filialkirche in Ahlten.

Zur evangelisch-freikirchlichen Johannesgemeinde (Baptisten) gehört das Gemeindehaus an der Köhlerheide, die evangelische Freikirche Ecclesia gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden und hat ihren Sitz an der Gartenstraße. Die neuapostolische Gemeinde verfügt über eine Kirche an der Everner Straße. Die Landeskirchliche Gemeinschaft Lehrte wurde 1986 der Gemeinschaft in Burgdorf angeschlossen.

Weitere Kirchengemeinden befinden sich in den zu Lehrte eingemeindeten Ortschaften.

Die muslimische Gemeinde verfügt über eine Moschee im alten Dorf.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Axel Saipa (* 1943), Stadtdirektor von 1980 bis 1992.
  • Hermann Manske (1839–1918), errichtete die Portland-Cementfabrik Germania und stiftete das Lehrter Krankenhaus
  • Friedrich Schulze-Langendorf (1886–1970), Politiker (NSDAP), verstarb in Lehrte.
  • Alfred Schlemm (1894–1986), Offizier während des Ersten und Zweiten Weltkriegs, lebte in der Nachkriegszeit bis zu seinen Tode auf dem Schlemmschen Gut in Ahlten.
  • August Tünnermann (1896–1982), Politiker (KPD), 1946 Vizepräsident des ernannten Hannoverschen Landtages, verstarb in Lehrte.
  • Bogislaw von Bonin (1908–1980), Offizier und Publizist, verstarb in Lehrte.
  • Fritz Linde (1917–1967), Politiker (FDP) und Mitglied des Niedersächsischen Landtages, verstarb in Lehrte.
  • Helmut Schmezko (1939–2013), Politiker (SPD), Ehrenbürgermeister von Lehrte.
  • Reinhard Mey (* 1942), Musiker, gehört zu den ehemaligen Bewohnern Ahltens.
  • Gerhard Schröder (* 1944), Politiker (SPD), ehem. Ministerpräsident von Niedersachsen und ehem. Bundeskanzler, lebte während seiner Ehe mit Hiltrud Hensen von 1984 bis 1997 in Immensen. Die Ehe wurde in Lehrte geschlossen und dort geschieden.
  • Werner Lampe (* 1952), Gewinner nationaler und internationaler Schwimmwettbewerbe und Olympiateilnehmer, lebt in Arpke.
  • Ursula von der Leyen (* 1958), Politikerin (CDU), amtierende Bundesverteidigungsministerin, besuchte das Gymnasium Lehrte.
  • Ronald M. Schernikau (1960–1991), Schriftsteller, wuchs in Lehrte auf, besuchte das Gymnasium Lehrte.
  • Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (* 1961), Politiker (CDU), Mitglied des Niedersächsischen Landtages und des Stadtrates in Lehrte.
  • Hubertus Heil (* 1972), Politiker, SPD-Generalsekretär von 2005 bis 2009, wuchs in der Lehrter Ortschaft Hämelerwald auf.
  • Tatjana Steinhauer (* 1991), Wasserball-Nationalspielerin und EM-Teilnehmerin, wuchs in Lehrte auf.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Behre: Lehrte in alten Ansichten. Europaeische Bibliothek: Zaltbommel/Niederlande 1980, 116 Seiten, ISBN 90-288-1203-2.
  • Paul Bode: Urkundliches zur Geschichte der Stadt Lehrte. Stadtverwaltung Lehrte (Hrsg.): Lehrte 1954, 216 Seiten.
  • Ernst Bödeker: Dorf- und Stadtgeschichte Lehrte. Stadtverwaltung Lehrte (Hrsg.): Lehrte 1948, 34 Seiten.
  • Hans H. Götting, Ernst Bödeker, Paul Bode: Von den Anfängen bis zur Stadtwerdung des Dorfes Lehrte. Verlag der Bücherstube Jens Veenhuis, Lehrte 1996.
  • Lothar Rolf Luhm: Auch im Großen Freien hat so manches alte Haus sein kleines Geheimnis. Volksbank-Lehrte-Stiftung (Hrsg.): Lehrte 2009, 87 Seiten.
  • Lehrter Land & Leute: Magazin zur Geschichte, Kultur und Heimatkunde. Hübner, Lehrte (seit 1994 erscheinende Fachzeitschrift).
  • Werner Mikus: Die Auswirkungen eines Eisenbahnknotenpunktes auf die geographische Struktur einer Siedlung: am speziellen Beispiel von Lehrte und ein Vergleich mit Bebra und Olten/Schweiz. Freiburger Geographische Hefte, H. 3. (Zugl.: Diss. Univ. Freiburg 1966): Freiburg 1966.
  • Gerhard K. Schmidt: 1898–1998 Einhundert Jahre Stadt Lehrte. Hrsg.: Stadt Lehrte 1998, ISBN 3-00-002634-7.
  • Hans Veit: Lehrte vor dem Ersten Weltkrieg – Eine bebilderte Chronik der Jahre 1901 bis 1914. Verlag August Lax, Hildesheim 1987, ISBN 3-7848-4038-8.
  • Hans Veit: Lehrte im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik : 1914 - 1932. Verlag der Lehrter Bücherstube, Lehrte 1989.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lehrte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. Stadt Lehrte: Einwohnerzahlen und Fläche
  3. Paul Bode: Urkundliches zur Geschichte der Stadt Lehrte. Hrsg.: Stadtverwaltung Lehrte, Lehrte 1954, S. 93, 2. Absatz
  4. Infotafeln zwischen Hohnhorstsee und Bundesautobahn 2, abgelesen am 15. Mai 2010
  5. Stadt Lehrte/Ortsrechttexte (PDF; 17 kB)
  6. Lehrte.de: Partnerstädte
  7. Lehrter Blues Festival Blues in Lehrte
  8. Das Andere Kino
  9. Hans-Wilhelm Möblitz: „Der Lehrter Wasserturm“, in: Lehrter Land & Leute, Heft 34, Herbst 2010, S. 1 ff, ISSN 0946-0365, ISBN 978-3-927359-17-8
  10. Einbecker Morgenpost vom 17. September 2005, Stiftung übernimmt Lehrte Zuckerteich, PDF-Datei: 71,53 kB [1] (PDF; 73 kB)
  11. Lothar R. Luhm: Natur hat die Klärteiche erobert, Anzeiger für Burgdorf/Lehrte vom 30. April 2008, PDF-Datei: 152,75 kB [2] (PDF; 156 kB)
  12. Weltdiabetikertag 14. November 2001 – Diabetes verhindern (PDF; 25 kB)
  13. Dietrich Oeding, Bernd R. Oswald: Elektrische Kraftwerke und Netze. Verlag Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-00863-2, S. 838 (Auszug in der Google-Buchsuche).
  14. Deutsche Verkehrszeitung: „Bau von Mega-Hub in Lehrte kann 2012 starten
  15. Bild.de: Lehrte als fahrradfreundlichste Kommune ausgezeichnet
  16. Lehrte.de: Lehrte ist Niedersachsens fahrradfreundlichste Kommune 2009