Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

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Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
— BGR —
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Staatliche Ebene Bund
Stellung Bundesoberbehörde
Aufsichtsbehörde Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Gründung 26. November 1958
Hauptsitz Hannover
Behördenleitung Hans-Joachim Kümpel
Bedienstete 786
Website www.bgr.bund.de
Sitz in Hannover

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und fungiert als zentrale geowissenschaftliche Beratungseinrichtung der Bundesregierung. Der Hauptsitz der Bundesanstalt befindet sich in Hannover, darüber hinaus gibt es eine Außenstelle (Dienstbereich) in Berlin. Anfang 2014 beschäftigte die Behörde insgesamt 786 Mitarbeiter.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) bilden das Geozentrum Hannover. Alle drei Institutionen haben eine gemeinsame Verwaltung und Infrastruktur und ergänzen sich durch ihre interdisziplinären Fachkompetenzen.

Aufgaben und Themenfelder[Bearbeiten]

Die BGR berät und informiert als geowissenschaftliches Kompetenzzentrum die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft in allen geowissenschaftlichen und rohstoffwirtschaftlichen Fragen und übernimmt auch gesetzlich festgelegte Aufgaben. Ihre Arbeit dient einer ökonomisch und ökologisch vertretbaren Nutzung und Sicherung natürlicher Ressourcen und somit der Daseinsvorsorge. Als Einrichtung der Ressortforschung ist die BGR Bestandteil der wissenschaftlich-technischen Infrastruktur Deutschlands. Mit der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) berät die BGR seit Oktober 2010 die deutsche Wirtschaft in Fragen der Verfügbarkeit und nachhaltigen Nutzung von Rohstoffen sowie zu aktuellen Marktentwicklungen. Die BGR nimmt als nationaler geologischer Dienst von Deutschland zugleich zahlreiche internationale Aufgaben wahr.

Aus dem Gründungserlass vom 26. November 1958 ergeben sich für die BGR folgende grundlegende Aufgaben:

Rohstoffwirtschaftliche und geowissenschaftliche Beratung der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft[Bearbeiten]

Die BGR berät die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft in allen rohstoffwirtschaftlichen und geowissenschaftlichen Fragen. Diese Beratung dient insbesondere der langfristigen Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung des Industriestandortes Deutschland sowie der Geosicherheit und dem nachhaltigen Georessourcenmanagement. Durch die Beteiligung der BGR am Aufbau von nationalen und internationalen Kartenwerken sowie an Standardisierungen für die Bereitstellung von Geofachdaten werden Voraussetzungen für schnelle, einheitliche und länderübergreifende Abfragemöglichkeiten geschaffen.

Internationale geowissenschaftliche und technische Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Die BGR ist eine der Durchführungsorganisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In den Sektoren Geologie, Rohstoffe und Bergbau, Energie, Grundwasser und Boden sowie Georisiken berät die BGR das BMZ und führt Projekte der Technischen Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern durch. Die BGR beteiligt sich im Auftrag der Bundesressorts und in Abstimmung mit nationalen und internationalen geowissenschaftlichen Institutionen an der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit sowie der europäischen und internationalen Kooperation im Geosektor.

Geowissenschaftliche Forschung und Entwicklung[Bearbeiten]

Die BGR betreibt die zur Beratung der Ressorts notwendige Zweck- und Vorlaufforschung. Sie bilden die Grundlage für die fachgerechte Aufgabenerfüllung der BGR und umfassen methodische und instrumentelle geowissenschaftliche Entwicklungsarbeiten und deren Umsetzung in die Praxis. Hierzu gehört die Beteiligung der BGR an Forschungsvorhaben im Rahmen des Antarktisvertrages zur Polarforschung. Auf dem Gebiet der internationalen Meeresforschung ist sie im Vorfeld industrieller Aktivitäten beteiligt. Die mittelfristige Forschungsplanung der BGR orientiert sich an einer Forschungsleitlinie, die in Forschungs- und Entwicklungsplänen konkretisiert ist.

Mit den vier Fachabteilungen

  • Energierohstoffe, Mineralische Rohstoffe
  • Grundwasser und Boden
  • Unterirdischer Speicher- und Wirtschaftsraum
  • Geowissenschaftliche Informationen, Internationale Zusammenarbeit

nimmt die BGR ihre Aufgaben auf unterschiedlichen Themenfeldern wahr.

Energierohstoffe[Bearbeiten]

Zur Beratung der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft analysiert und bewertet die BGR kontinuierlich die weltweiten Entwicklungen von Reserven, Ressourcen, Exploration und Marktentwicklungen der Energierohstoffe Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran. Die BGR forscht im Vorfeld industrieller Aktivitäten und entwickelt neue Explorationsmethoden und -strategien, insbesondere in marinen Frontiergebieten sowie für nicht-konventionelle Energierohstoffe. Weiterhin erarbeitet sie insbesondere für entwicklungspolitische Maßnahmen Konzepte zur Gewinnung von Energierohstoffen unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ökonomischer Kriterien.

Mineralische Rohstoffe[Bearbeiten]

Zur Beratung der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft führt die BGR kontinuierlich Analysen und Bewertungen der weltweiten Potenziale und Märkte mineralischer Rohstoffe – Metalle, Industrieminerale sowie Steine und Erden – durch. Die BGR forscht im Vorfeld industrieller Aktivitäten und entwickelt neue Explorationsmethoden und -strategien, insbesondere für Hochtechnologiemetalle, sogenannte „kritische Rohstoffe“ und spezifische Industrieminerale. Sie entwickelt rohstoff- und entwicklungspolitische Instrumente und erarbeitet Konzepte zur Nutzung von mineralischen Rohstoffen unter ökologischen, sozialen und ökonomischen Kriterien.

Grundwasser[Bearbeiten]

Die BGR entwickelt fachliche Methoden zur Verbesserung des Grundwassermanagements. Gemeinsam mit Institutionen in Deutschland, Europa und weltweit arbeitet sie an besseren Informationsgrundlagen über die regionalen Grundwasserressourcen. Sie unterstützt damit national und international gesetzgeberische und entwicklungspolitische Maßnahmen zur Sicherung der Ressource Grundwasser und trägt zum integrierten Wasserressourcen-Management bei.

Boden[Bearbeiten]

Auf der Grundlage angewandter Forschung entwickelt die BGR Werkzeuge und Standards zur Bereitstellung bodenbezogener Informationen. Mit dem Ziel der nachhaltigen Nutzung und des Schutzes des Bodens unterstützt sie normative und gesetzgeberische Aktivitäten im nationalen und internationalen Rahmen. Dabei kooperiert sie mit den bodenkundlichen Diensten der Bundesländer und Europas.

Endlagerung radioaktiver Abfälle[Bearbeiten]

Für die Errichtung von Anlagen des Bundes zur Endlagerung radioaktiver Abfälle nutzt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) das Fachwissen der BGR für die Bearbeitung geowissenschaftlicher und geotechnischer Fragenkomplexe und arbeitet mit ihr zusammen. Darüber hinaus führt die BGR im Rahmen der Ressortforschung des BMWi auch eigene grundlagenorientierte Forschung zur Endlagerung durch. Die Aufgaben umfassen insbesondere die geologische Erkundung der Standorte, die gesteinsphysikalische Charakterisierung des Wirtsgesteins, den Nachweis der Stabilität von Endlagerbergwerken und die Analyse von Szenarien für die Langzeitsicherheit.

Nutzung des tieferen Untergrundes; geologische CO2-Speicherung[Bearbeiten]

Die BGR berät die Bundesregierung in allen geowissenschaftlichen und geotechnischen Fragen zur Nutzung des tieferen Untergrundes. Das gilt für die geotechnische Sicherheit von untertägigen Bauwerken und Hohlräumen ebenso wie für Fragen einer dauerhaften untertägigen Speicherung von Kohlendioxid (CO2) in geologischen Formationen. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der BGR ist die Erkundung und Erschließung von tiefen geothermischen Ressourcen (Geothermie).

Internationale geowissenschaftliche Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Entsprechend einer Vereinbarung zwischen BMWi und BMZ ist die BGR als deutsche Durchführungsorganisation der Technischen Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern (TZ) tätig. Sie führt TZ-Projekte in den Bereichen Bergbau, Rohstoffe, Grundwasser, Boden, Georisiken, Geologie sowie Umwelt- und Ressourcenschutz durch. Sie unterstützt damit die Bundesregierung bei der Erreichung ihrer außenwirtschaftlichen und stabilitätspolitischen Ziele.

Geowissenschaftliche Informationen und Grundlagen[Bearbeiten]

Die BGR beteiligt sich auf nationaler und internationaler Ebene an der Erarbeitung geologischer Grundlagen. In Zusammenarbeit mit den Geologischen Diensten der Bundesländer und Europas stellt sie geologische Fachinformationen, Kartenwerke, Standards und Methoden bereit. Im Rahmen nationaler, europäischer (EuroGeoSurveys) und internationaler Initiativen leistet die BGR Beiträge zum Aufbau der Geodaten-Infrastruktur (Kommission für Geoinformationswirtschaft).

Die BGR erforscht die Festlandsgeologie der Antarktis und trägt damit dazu bei, die Verpflichtungen zum Erhalt des Konsultativstatus Deutschlands im Rahmen des Antarktisvertrages zu erfüllen.

Kernwaffenteststopp; Gefährdungsanalysen[Bearbeiten]

Die BGR erfüllt im Auftrag der Bundesregierung die Verpflichtungen Deutschlands zum internationalen Kernwaffenteststoppabkommen (CTBT). Sie betreibt dazu das nationale CTBT-Datenzentrum, in dem die Explosionswellen potenzieller Kernwaffentests auch über größere Entfernungen hinweg registriert werden. Außerdem überwacht die BGR mit dem Seismologischen Zentralobservatorium der Bundesrepublik Deutschland die weltweiten Erdbebenaktivitäten.

Zur Früherkennung und Gefährdungsabschätzung von weiteren geogenen Naturkatastrophen, wie z.B. Vulkanausbrüchen, Hangrutschungen, Tsunamis oder Landabsenkungen, entwickelt die BGR Methoden, die helfen, geologische Schadensrisiken zu reduzieren und damit dem Schutz der menschlichen Lebensgrundlagen dienen. Die BGR beteiligt sich aktiv an der Beratung von Ländern und Regionen im angewandten Naturkatastrophenmanagement.

Eine moderne wissenschaftlich-technische Infrastruktur unterstützt die fachlichen Arbeiten der BGR. Labore, Sammlungen, Geräte und technisches Know-how werden bedarfsgerecht für die Durchführung der Projekte entwickelt und bereitgestellt. Daneben gewährleisten zentrale Fachdienste wie Bibliothek, Öffentlichkeitsarbeit und Informationstechnologie die Dokumentation und zielgruppengerechte Bereitstellung von Daten, Informationen und Publikationen.

Geschichte[Bearbeiten]

1945 wurden in der Zweigstelle Hannover des Reichsamtes für Bodenforschung Versuche zur Neuorganisation und Entflechtung des staatlichen Geologischen Dienstes in Deutschland unternommen. Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wurde die Staatliche Geologische Kommission - später Zentrales Geologisches Institut (ZGI) - mit Sitz im Dienstgebäude des ehemaligen Reichsamtes für Bodenforschung in der Invalidenstraße gegründet.

Mit den Höchster Vereinbarungen 1948 und dem Königsteiner Staatsabkommen 1949 übertrugen die geologischen Landesämter des Vereinigten Wirtschaftsgebietes der Dienststelle in Hannover überregionale Aufgaben (Gemeinschaftsaufgaben). 1950 wurde aus dem Deutschen Geologischen Forschungsinstitut der geologischen Landesämter des Vereinigten Wirtschaftsgebietes in Hannover das Amt für Bodenforschung gegründet. Dieses war als Körperschaft des öffentlichen Rechts durch Beschluss des Niedersächsischen Landesministeriums vom 21. März 1950 als Landeseinrichtung mit Wirkung vom 1. April 1950 und durch einen Vertrag der Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vom 1. April/17. Mai 1950 (Amtsblatt Niedersachsens, S. 225 f.) als gemeinsames Amt konstituiert. Das Ausscheiden des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Vertrag zum 31. März 1957 machte eine Neuregelung erforderlich.

1958 führte ein Verwaltungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Niedersachsen zur Errichtung der Bundesanstalt für Bodenforschung (BfB) aus dem Bestand des Amtes für Bodenforschung in Hannover (zum 1. Dezember 1958). Letzteres wurde zum 31. März 1959 aufgelöst und das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung (NLfB) zum 1. April 1959 neu errichtet. BGR und NLfB waren durch das Verwaltungsabkommen bis zur Auflösung des NLfB im Jahr 2005 unter eine gemeinsame Leitung gestellt und organisatorisch eng miteinander verknüpft.

1971 wurde das Seismologische Zentralobservatorium Gräfenberg in Erlangen der Bundesanstalt als Außenstelle zugeordnet. Nach dessen Auflösung am 1. August 2008 werden seine Aufgaben von der BGR in Hannover wahrgenommen.

1972 kam es zu einer Affäre um den von Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller als Präsidenten eingesetzten Eberhard Machens, der nach wenigen Tagen im Amt bei vollen Bezügen beurlaubt wurde, da es infolge seiner verwandtschaftlichen Beziehungen zum Bundeswirtschaftsminister an der Bundesanstalt heftige Proteste gegen seine Ernennung gab.[1][2]. Nach einer Klage von Machens wurde er 1975 Sonderbeauftragter des Bundes bei der OECD für Lagerstättenforschung in Entwicklungsländern.[3]

1975 wurde die Bundesanstalt für Bodenforschung in Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe umbenannt. 1990 wurde eine Außenstelle in Berlin gegründet, die das abgewickelte - zwischenzeitlich in Anstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (AGR) umbenannte - ZGI übernahm. Seit 2012 ist diese Außenstelle Sitz der 2010 gegründeten und von der BGR betriebenen Deutschen Rohstoffagentur (DERA).[4][5][6][7][8][9]

Präsidenten der BGR (vormals BfB)[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BGR Präsidenten
  2. Der Spiegel, Nr. 11, 1972
  3. Der Spiegel, Nr. 23, 1975
  4. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den geologischen Landesämtern in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (1974): 100 Jahre Preußische Geologische Landesanstalt. − Geologisches Jahrbuch, Reihe A, Heft 15: 213 Seiten; Hannover (Schweizerbart). [1]
  5. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den geologischen Landesämtern in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (1984): 25 Jahre Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung. − Geologisches Jahrbuch, Reihe A, Heft 73: 418 Seiten; Hannover (Schweizerbart). [2]
  6. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den geologischen Landesämtern in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (1987): Geologische Forschungen in Nordwestdeutschland unter der britischen Militärregierung 1945 bis 1947. − Geologisches Jahrbuch, Reihe A, Heft 102: 44 Seiten; Hannover (Schweizerbart). [3]
  7. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den geologischen Landesämtern in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (1988): 40 Jahre Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben im Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung. − Geologisches Jahrbuch, Reihe A, Heft 109: 312 Seiten; Hannover (Schweizerbart).
  8. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den Staatlichen Geologischen Diensten in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (2003): 125 Jahre Preußische Geologische Landesanstalt und ihre Nachfolger − Geschichte und Gegenwart. − Geologisches Jahrbuch, Reihe G, Heft 10: 261 Seiten; Hannover (Schweizerbart). [4]
  9. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den Staatlichen Geologischen Diensten in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (2004): Die Staatlichen Geologischen Dienste − Strategien, Persönlichkeiten, Geschichte. − Geologisches Jahrbuch, Reihe G, Heft 11: 100 Seiten; Hannover (Schweizerbart). [5]

Weblinks[Bearbeiten]