Altes Schloss Bensberg

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Altes Schloss Bensberg
Altes Schloss und Rathaus Bensberg 2004

Altes Schloss und Rathaus Bensberg 2004

Alternativname(n): Altes Schloss Bensberg
Entstehungszeit: 1100 bis 1200
Burgentyp: Ortslage
Erhaltungszustand: Wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung: Grafen
Ort: Bergisch-Gladbach
Geographische Lage 50° 57′ 54″ N, 7° 9′ 48″ O50.9657.1633333333333Koordinaten: 50° 57′ 54″ N, 7° 9′ 48″ O
Altes Schloss Bensberg (Nordrhein-Westfalen)
Altes Schloss Bensberg

Das Alte Schloss Bensberg auch Burg Bensberg genannt, ist eine mittelalterliche Burganlage im Stadtteil Bensberg von Bergisch-Gladbach im Rheinisch-Bergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen. In den Jahren 1964–1969 wurde es nach den Plänen des Architekten Gottfried Böhm zum Bensberger Rathaus ausgebaut.

Geschichte[Bearbeiten]

Nordostseite der Burg Bensberg, Ansicht von 1826

Nach den Ausgrabungsergebnissen bzw. den archäologischen Befunden früherer Jahre müssen die ersten Bauten der Burg Bensberg aus der Stauferzeit im 11. Jahrhundert stammen. Die erste schriftliche Erwähnung für Bensberg findet sich im Jahr 1138/39 in einer Urkunde von Erzbischof Arnold I. von Köln, in der Wicherus de Benesbure in der Reihe der Zeugen aufgeführt wird. Darin geht es um die Schenkung eines Gutes zu Braubach an das Kloster Siegburg. In Ermangelung anderer Quellen ist davon auszugehen, dass die Burg Bensberg zu dieser Zeit im Besitz des Landgrafen Ludwig I. aus dem Geschlecht der Landgrafen von Thürigen war. Zwischen 1210 und 1218 erscheint mehrfach Engelbert von Bensberg in den Quellen, der offensichtlich der bergischen Ministerialität oder Ritterschaft angehörte. Der erste schriftliche Nachweis über die Burg in Bensberg stammt von 1230. Der erste Besitz der Burg in bergischer Hand ist für das Jahr 1247 nachgewiesen.[1]

Die Bensberger Burg war von Beginn an als Wehrburg gebaut worden. Zusammen mit einer Ringmauer hatte man bereits im 12. Jahrhundert im südöstlichen und südlichen Teil einen Burggraben angelegt, der von einer Quelle im Osten gespeist wurde. Um in den Innenraum zu gelangen, musste man eine Zugbrücke passieren, die als einfache Brücke noch bis in die 1960er Jahre vorhanden war, wie man auf dem Foto von 1902 sehen kann. Insofern handelte es sich um eine halbe Wasserburg.[2]

Altes Schloss Bensberg aus südwestlicher Sicht 1902
Altes Schloss Bensberg, Innenhof mit der Kapelle des katholischen Krankenhauses 1904

Die Entwicklung der Feuerwaffen am Ende des 14. Jahrhunderts führte dazu, dass die Burg mehr und mehr zu Wohnzwecken ausgebaut wurde. Seit dem Jahr 1413 sprach man nicht mehr von der Burg, sondern vom Schloss und Haus sowie vom Hof Bensberg. Die Erweiterung der Burgverwaltung zur Amtsverwaltung bescherte der Burg durch die neue Bergische Ämterverfassung von 1363 vermehrte öffentliche Aufgaben. Der Burgvorsteher war nicht mehr ritterlicher Burgmann, sondern übernahm jetzt Verwaltungstätigkeiten in Bensberg und hatte dabei den Titel Amtsschultheiß . Sodann hatte der Amtmann des Amtes Porz seinen Wohnsitz auf der Burg in Bensberg. 1446 wurden Schloss, Amt und Kellnerei in Bensberg zusammen erwähnt. Ein Jahr später wurden die Kellnerei Bensberg und die Amtmannschaft Porz getrennt geführt. Gleichzeitig sprach man aber auch vom Amt Porz-Bensberg, weil der Amtmann auf Burg Bensberg saß.[2]

Die Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg führten zu einem langsamen Zerfall der Anlage. Seitdem der Kurfürst Jan Wellem ab 1706 das neue Schloss Bensberg errichtete, wurde das Alte Schloss Bensberg bedeutungslos. 1859 entstand in der Burganlage ein Kloster, 1897 ein katholisches Krankenhaus, das bis in die 1950er Jahre in Betrieb war. Im Jahr 1962 beschloss der Rat der damaligen Stadt Bensberg, die Anlage als neues Rathaus umzubauen.

Umbau zum Bensberger Rathaus[Bearbeiten]

Rathaus Bensberg, Blick auf Treppenturm

Ende der 1950er Jahre wuchs in Bensberg der Wunsch nach einem neuen und zweckmäßigen Rathausgebäude.[3] Die Wahl des Standortes fiel auf das Alte Schloss Bensberg. Zunächst wurde eine Bestandsaufnahme und Sicherung der vorhandenen Burgreste durchgeführt. Die aus der Zeit vor 1850 stammenden Bauteile wurden in die Planung einbezogen. Dazu gehörten der aus dem 12. Jahrhundert stammende fünfeckige Bergfried, der Engelsturm, die dazwischen liegende Außenmauer sowie die ehemaligen Burgportale, ein Gewölbekeller sowie ein weiterer kleinerer Turm. Diese Elemente bildeten gemeinsam mit der alten Burgmauer in ihrer ringförmigen Anordnung die Grundfläche der Neubebauung.

Eine Integration der alten Burgreste und der damit verknüpften Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart wurde Bestandteil der Ausschreibung, die zugunsten eines Entwurfes des Architektenbüros Gottfried Böhm ausfiel. Ausschlaggebend war dabei auch die Abkehr des Böhmschen Modells von der Eintönigkeit der Architektur der 1960er Jahre.

Das Preisgericht sah in dem Entwurf Böhms eine künstlerische Antwort auf die gestellte städtebauliche Aufgabe. Hervorgehoben wurde die Marktplatzkonzeption nebst der Kontrapunkte Treppenturm und kleiner Innenhof. Im Innenbereich erlaube das Konzept der zusammenhängenden Flure mit angehängten Räumen eine markante Orientierung, welche eine zentrale Halle verzichtbar mache.[4]

Das Gebäude polarisierte anfänglich sehr stark. Die FAZ sah in ihm eine begehbare Plastik, der Kunsthistoriker Jürgen Paul den kristallinisch gefrorenen Barock, in dem die hochgespannten Visionen des Expressionismus wiederauferstehen.[5] Der Kölner Stadt Anzeiger taufte das Gebäude Bensberger Akropolis.

Auch international wurde der Bau wahrgenommen:[6] Die Londoner Times berichtete in Wort und Bild über die ungewöhnliche Form, die Hongkonger China Mail über die Zementburg und das Genueser Blatt „Il Nuevo Cittadino“ erkannte das modernste Rathaus Deutschlands.

Auf der anderen Seite erschrak der Bensberger Bürgermeister Müller-Frank nach Abnahme des Gerüstes und assoziierte den Turm mit einem zerschossenen Minarett. Zahllose Protestschreiben an Zeitungen und Ratsherren wünschten das Schießschartenungeheuer auf den Mond geschossen. Der damalige Bundesinnenminister Paul Lücke - Anrainer des Rathauses - empfahl seinen Mitbewohnern mit dem Beamtenbunker zu leben. Im Volksmund hatte der zackige Betonturm schon bald den Namen Aapefelse (Affenfelsen).

Umsetzung[Bearbeiten]

Um einen nach Süden abfallenden Platz herum verschmelzen heute die Reste der Burganlage mit dem von Böhm in Sichtbeton gestalteten Rathausbau. Von Außen betrachtet fällt zunächst die hohe Ringmauer mit ihren ehemals vermauerten zwei- und dreibogigen Fenster aus dem frühen 13. Jahrhundert auf, die eine Fortsetzung aus Beton erfährt. Der Zutritt zu dem Rathausplatz erfolgt durch den Bereich zwischen den beiden Türmen.

Im linken Bereich des Innenhofes befindet sich der Ratssaal, dessen Rückwand aus den Resten des alten Ringwalls besteht, und dessen Innenhofseite mit einer von der Decke bis zum Boden reichenden Verglasung gestaltet wurde. Der Ringform folgend steigert das Gebäude seine Geschosszahl bis zum Treppenturm, der durch seine skulpturale Erscheinung das markanteste Element des Rathauses darstellt und zu dessen Fuße sich der Haupteingang befindet.

Rechts vom Treppenturm aus reduziert sich die Etagenzahl wieder der Hofkontur folgend von fünf auf ein Geschoss und endet vor dem rechten der beiden Türme am Ausgangspunkt. Mit diesem verschmolzen erfolgt noch eine kleinere Fortsetzung der Bebauung außerhalb des Innenhofes in Form einer Hausmeisterwohnung und weiteren Nebenräumen.

Auf der Rückseite des Gebäudekomplexes befindet sich hinter dem rechten Flügel ein kleinerer Treppenaufgang, der – wie der Treppenturm – durch eine unterbrechungsfreie Verglasung in Außenrichtung einen permanenten Blick beim Begehen der Treppe ermöglicht. Anders als im Treppenturm, dessen Verglasung mit der Fassade bündig ausgeführt ist, sind die Fenster hier – wie im gesamten Rest des Gebäudekomplexes – hinter die Fassade versetzt. Auch sind die Glasflächen – anders als im Treppenturm – aus rechtwinklig geformten und montierten Glaselementen gestaltet. So wird dem Betrachter der Eindruck suggeriert, die Glaselemente hätten die Last der wuchtigen Betonelemente zu tragen. Die Flachdächer sind aus gefalztem Zinkblech erstellt, die Wasserableitung erfolgt u.a. über zahlreiche Wasserspeier.

Der Innenbereich des Gebäudes wird durch die Ästhetik des Sichtbetons geprägt, aus dem sämtliche Wände und Decken bestehen. Innerhalb der Betonelemente befinden sich verschiedene Öffnungen und Nischen. Die Decken im Bereich der Gänge zu den Amtsräumen sind mit hellbraunen, matten Holzpanelen verblendet. Alle Böden und Treppen bestehen ausnahmslos aus roten Ziegelsteinen. In dieser Kombination entwickelt das Gebäude eine fast sakrale Atmosphäre.

Das Erdgeschoss ist auf der Länge zwischen Ratssaal und Treppenturm vom Innenhof ausschließlich durch vollflächige Glaselemente getrennt. Diese Front ist mit mehreren an Ausluchten erinnernde Elementen versehen, die bis zum zweiten Obergeschoss ragen.

Der Treppenturm bietet einen besonderen Effekt: Durch die dem Lauf der Wendeltreppe spiralförmig folgende, rahmenlose Verglasung kann der Benutzer während des Begehens der Treppe einen permanenten Blick auf die von Etage zu Etage besser werdende Sicht in Richtung Kölner Bucht erleben.

Auch die Beleuchtung des Gebäudes ist unveränderbarer Bestandteil der Architektur. In der Betondecke befinden sich flächig verteilt und im Randbereich der Treppen kleine Einbuchtungen, die aus spitzem Winkel betrachtet kaum sichtbar - mit kleinen kugelförmigen Glühlampen bestückt sind. Im Bereich der Gänge zu den Amtsräumen besteht die Beleuchtung aus oberhalb der Türen in der Holzdecke eingelassenen Leuchtstoffröhren.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Bis zur Zusammenlegung der beiden ehemaligen Städte Bergisch Gladbach und Bensberg zu einer Stadt im Jahre 1975 befand sich im Rathaus die Stadtverwaltung der Stadt Bensberg. Nach der kommunalen Neugliederung wurde die Stadtverwaltung in andere Gebäude in Bergisch Gladbach ausgegliedert. Im Bensberger Rathaus befindet sich heute das technische Dezernat der Stadtverwaltung. Auch finden hier Tagungen des Rates und der Ausschüsse statt. Ferner werden der Rathaussaal sowie der Innenhof für Konzerte und Veranstaltungen unterschiedlichster Art genutzt.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lothar Speer: „Die ersten schriftlichen Belege auf der Suche nach den Anfängen der Orte im Raum Bergisch Gladbach“ in: Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte, Stadtarchiv Bergisch Gladbach 2006, ISBN 3-9804448-6-4 S. 63 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lothar Speer: „Wem gehörte die Burg Bensberg im 12. Jahrhundert?“ in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn, Heft 20, 2014, S. 5 ff.
  2. a b Kurt Kluxen: Geschichte von Bensberg. Paderborn 1976, ISBN 3-506-74590-5., S.50 ff.
  3. Rathaus Bensberg, Broschüre, Presseabteilung Stadt Bergisch Gladbach
  4. Schaukasten im Gebäude
  5.  Ausgeburten kommunalen Größenwahns. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1980 (online).
  6.  Dat Dingen. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1966 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Bensberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien