Engelbert I. von Köln

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Die Essener Reliquienbüste Engelberts in der Ausstellung Gold vor Schwarz. Westfälische, versilberte und vergoldete Holzschnitzerei, gotisch, Ende 15. Jahrhundert
Das Reiterstandbild des Grafen Engelbert II. zu Berg in Schloss Burg von Paul Wynand, 1929
Denkmal für den ermordeten Erzbischof in Gevelsberg
Siegel von Erzbischof Engelbert

Engelbert von Berg, später genannt der Heilige (* 1185 oder 1186 auf Schloss Burg; † 7. November 1225 bei Gevelsberg), war als Engelbert I. Erzbischof von Köln sowie als Engelbert II. Graf von Berg.

Leben[Bearbeiten]

Engelbert wurde 1185 oder 1186 als Sohn des Grafen Engelbert I. von Berg und dessen zweiter Frau Margarete von Geldern auf Schloss Burg geboren. Er war entweder der jüngste oder einer der jüngeren Söhne. Sein älterer Bruder übernahm als Graf Adolf III. von Berg die weltlichen Güter der damaligen Grafschaft Berg.

Ab 1198 ist Engelbert als Propst von St. Georg in Köln belegt. Von 1199 bis 1216 war er Dompropst zu Köln. Auf Drängen seines Vetters, des Erzbischofs Adolf I. von Altena, gewählt, kam es zu einer Doppelwahl. Mit seinem Gegner, dem späteren Erzbischof Dietrich I. von Hengebach, prozessierte er nun vier Jahre vor der Kurie und reiste hierfür auch zweimal nach Rom. Schließlich kassierte der Papst beide Wahlen und ordnete eine Neuwahl an, aus welcher Engelbert als einhellig gewählter hervorging. Als Dompropst vertrat er die Partei des später abgesetzten Erzbischofs Adolf I. von Altena, dem er auch Güter des Kölner Domstifts zuschanzte. 1203 wurde er zum Bischof von Münster gewählt, allerdings lehnte er, weil er nicht das erforderliche Alter von 30 Jahren hatte, die Wahl ab. 1206 wurde er wegen seiner Unterstützung für seinen Onkel, Erzbischof Adolf I. von Altena, und wegen der von ihm begangenen Verwüstungen im Erzbistum Köln von Papst Innozenz III. gebannt, exkommuniziert und als Dompropst abgesetzt, 1208 aber begnadigt. Letztlich blieb Engelbert der realistische Politiker und kam zu einem guten Einvernehmen mit den Gegnern seines Vetters. Seit 1210 auch Propst von St. Severin zu Köln, verhielt er sich in den kommenden Jahren politisch neutral und legte sich während des deutschen Thronstreits weder auf die staufische noch auf die welfische Seite fest. Im Jahr 1212 nahm er 60 Tage, gemeinsam mit seinem gräflichen Bruder, am Albigenserkreuzzug teil.

Seine politisch neutrale Position ermöglichte ihm schließlich am 29. Februar 1216 die Wahl zum Erzbischof von Köln, wofür man zuvor wohl die Zustimmung des Papstes, wie auch die König Friedrich II. eingeholt hatte. 1217 durch den Erzbischof Dietrich von Trier zum Bischof geweiht, kam es erstaunlicherweise zu keinem Protest der Missachtung des Weiherechtes. Die Bischöfe von Münster, Lüttich und Osnabrück fungierten als Mitkonsekratoren. Papst Honorius III. übersandte Engelbert 1218 das erzbischöfliche Pallium, nachdem er zuvor die dem Domkapitel zugefügten Schäden beglichen hatte.

Im Jahre 1218 starb sein Bruder, Graf Adolf III. von Berg, ohne männlichen Nachkommen. Herzog Walram IV. von Limburg fühlte sich in Bezug auf die Grafschaft Berg erbberechtigt, da sein Sohn Heinrich (später Herzog Heinrich IV. von Limburg) mit Irmgard von Berg, der einzigen Tochter Adolfs von Berg, verheiratet war. Obwohl auch nach damaligem Recht die Tochter seines Bruders erbberechtigt war, stritt Engelbert um die Erbschaft seines Bruders. Er gewann den Streit nicht in einem gerichtlichen Verfahren, sondern in zwei Fehden durch Gewalt, obwohl sich der Herzog von Limburg mit dem Herzog von Kleve verbündete, gegen die Engelbert 1217 wiederum ein Bündnis mit Brabant einging. Im Jahr 1220 wurde Frieden geschlossen und Walram III. von Limburg durch eine Jahresrente abgefunden, solange Engelbert I. von Köln die Grafschaft Berg verwaltete. Nach dem Tod des Erzbischofs ging die Grafschaft Berg auf Heinrich von Limburg über.

Engelbert stand in enger Verbindung zu Kaiser Friedrich II. 1220 wurde er von Friedrich II. zum Reichsprovisor (Reichsverweser) und Vormund von dessen Sohn Heinrich ernannt, den Engelbert im Jahr 1222 in Aachen zum König Heinrich VII. krönte. Engelbert behielt diese Ämter bis zu seinem Tod und war damit die politisch stärkste Person des Reiches. Bestätigt wird dies durch die 1220 erlassene Confoederatio cum principibus ecclesiasticis, an deren Abfassung Engelbert als „Gubernator Regni Teutonici“ federführenden Anteil hatte und in deren Folge fast alle vorherigen Königsrechte („Regalien“) wie etwa Markt-, Münz- und Befestigungsrecht auf die erstmals so genannten Landesherren übergingen. Engelbert hatte damit wie sein Onkel und Amtsvorgänger Adolf I. von Altena starken Anteil an der Ausprägung des kurfürstlichen Wahl-Königtums sowie der territorialen Landesherrschaft in Deutschland.

Engelberts Anteil am Landesausbau kommt durch die Rechtsbewidmung bzw. Stadtrechtsverleihung für mindestens 11, wahrscheinlich 13 Stadtburgen zum Ausdruck, darunter Wipperfürth, Attendorn, Brilon, Siegen, Werl und Herford. Er gilt als eigentlicher Begründer des erzkölnischen Territoriums zwischen Maas und Weser („Herzogtum Westfalen“).

Ermordung Engelberts[Bearbeiten]

Am 7. November 1225 wurde Engelbert auf der Rückreise von Soest über Schwelm, wo er die Kirche weihen wollte, nach Köln in einem Hohlweg im heutigen Gevelsberg überfallen und ermordet. Der Überfall wurde von seinem Neffen zweiten Grades, dem Grafen Friedrich von Isenberg (fälschlich auch als Isenburger bezeichnet) geleitet. Neben Friedrich waren über 20 bewaffnete Komplizen beteiligt. Die Geschichtswissenschaft geht heute davon aus, dass die Ermordung Engelberts nicht geplant war, sondern ursprünglich die Gefangennahme des Erzbischofs beabsichtigt wurde, was besser zu den Gepflogenheiten der Zeit passt.[1]

Als Drahtzieher hinter dem Überfall werden Walram IV. von Limburg und andere Grafen vermutet. Ein Hinweis auf die Beteiligung Walrams ist die Einnahme einer kurkölnischen Burg durch ein limburgisches Heer zwei Tage nach Engelberts Tod, für deren Planung und Vorbereitung deutlich mehr als zwei Tage erforderlich gewesen sein dürften. Graf Friedrich II. und andere Adelige in Westfalen und im Rheinland standen in Opposition zu Engelbert, der seine Macht weiter ausbauen wollte und deshalb u.a. Anspruch auf einige lukrative Vogteien erhob, die bis dahin den genannten Adeligen gehört hatten. Die Einwohner der Stadt Soest nutzten die Gelegenheit und entfestigten unmittelbar nach Engelberts Ermordung die bischöfliche Zwingburg im Stadtgebiet, das bischöfliche Palatium.

Der Versuch, Engelberts Leiche auf den Stammsitz Schloss Burg zu bringen, scheiterte, da dem Leichenzug der Zutritt verwehrt wurde. Sein Leichnam wurde nach Köln verbracht, durch Kochen wurden die Knochen vom Fleisch gelöst, das Fleisch im Turm des alten Doms zu Köln bestattet, sein Herz bei den von den Bergischen Grafen angesiedelten Zisterziensermönchen in Altenberg. Die Knochen wurden nach mittelalterlichem Rechtsbrauch zur Klageerhebung benötigt und deshalb in einen Schrein gelegt, um sie vorzeigen zu können.

Am 14. November 1226 wurde Friedrich von Isenberg nach seiner Rückkehr von einer Rom-Reise, wo er offenbar erfolgreich[2] versucht hatte, den Papst von seiner Unschuld zu überzeugen, in Lüttich ergriffen. Er wurde von dem Grafen von Geldern ausgeliefert und anschließend in Köln gerädert. Seine Besitzungen Nienbrügge, Befestigungsanlagen um die Siedlung, Burg und Brücke sowie die Burg Isenberg bei Hattingen wurden durch den Grafen Adolf I. von der Mark geschleift. Die Bürger von Nienbrügge wurden von Adolf zwischen Lippe und Ahse auf dem „Ham“ angesiedelt, wo er am Aschermittwoch 1226 die Stadt Hamm gründete.

Mit Engelberts I. gewaltsamem Tod endete auch die von ihm im Jahre 1218 begonnene Umbauphase von Schloss Burg an der Wupper, wo ihm zu Ehren 1929 ein Reiterstandbild des Bildhauers Paul Wynand errichtet wurde. Im Rittersaal der Burg ist die Ermordung in einem Wandgemälde von Claus Meyer (1856–1919) dargestellt.

Walther von der Vogelweide, im Dienste des Stauferkaisers Friedrich II., dichtet im so genannten Engelbrechtston:

„swes leben ich lobe, des tot den wil ich iemer klagen
so wê im der den werden fûrsten habe erslagen von Kôlne
owe des duz in diu erde mac getragen!
i ne kan im nach siner schulde keine marter vinden:
im wære alze senfte ein eichîn wit umb sînen kragen.
in wil sin ouch niht brennen noch zerliden noch schinden
noch mit dem rade zerbrechen noch ouch dar uf binden:
ich warte allez ob diu helle in lebende welle slinden.“
„Wes’ Leben ich lobe, dessen Tod will ich immer beklagen
So wehe ihm, der den edlen Fürsten von Köln erschlagen hat!
Wehe darüber, dass die Erde ihn noch tragen mag!
Ich kann, gemessen an seiner Schuld, keine passende Marter finden:
Für ihn wäre allzu sanft eine Schlinge aus Eichenseil anzulegen um seinen Hals.
Ihn auch nicht verbrennen, weder an Gliedern zerstückeln noch ihm die Haut abziehen,
weder mit dem Rade zerbrechen noch ihn darauf binden:
Ich warte bloß darauf, ob die Hölle ihn nicht bei lebendigem Leibe verschlingen will.“

Ruhestätte und Verehrung[Bearbeiten]

Seine Gebeine werden heute in einem barocken Schrein, den Erzbischof Ferdinand von Bayern fertigen ließ, in der Schatzkammer des Kölner Doms aufbewahrt. Das separat bestattete „Herz des Heiligen“ wird als Reliquie heute in einem modernen Reliquiar im Altenberger Dom aufbewahrt und gezeigt. Eine Fingerreliquie befindet sich in der katholischen Pfarrkirche St. Engelbert in Solingen-Mitte. Ein Teil des Unterarmes wird in der früheren St.-Engelbert-Pfarrgemeinde in Gevelsberg aufbewahrt. Im Domschatz zu Essen ist ein Engelbert-Reliquiar erhalten, das dem Essener Damenstift gehörte. Obwohl er bald eine volkstümliche Verehrung als Heiliger erfuhr, wurde er nie offiziell heiliggesprochen. Sein Nachfolger Heinrich von Müllenark beauftragte den Mönch Caesarius von Heisterbach, eine Hagiographie zu verfassen, wahrscheinlich um die Heiligsprechung vorzubereiten. Nicht zuletzt durch die von Heisterbach verbreiteten Wundergeschichten wurde am Ort der Tat das Kloster Gevelsberg gegründet. Dieses wurde ein Zentrum der Verehrung Engelberts.

Eine Gedenktafel für ihn fand Aufnahme in die Walhalla bei Regensburg.

Gerichtsmedizinische Untersuchung 1978[Bearbeiten]

Gerichtsmediziner untersuchten im Jahr 1978 seine Gebeine und konnten fast 50 Verletzungen durch Hiebe und Stiche unterschiedlicher Waffen millimetergenau nachweisen. Die hohe Zahl der tiefen Verletzungen wird als Zeichen heftiger Gegenwehr Engelberts und panischer Reaktion der Angreifer interpretiert, da bereits wenige dieser Hiebe sicher tödlich gewesen sind. Seine Körpergröße betrug 1,80 m, was für die damalige Zeit sehr groß war.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Bautz: Engelbert I. von Köln. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1510–1511.
  • Caesarius von Heisterbach: Leben, Leiden und Wunder des hl. Erzbischofs Engelbert von Köln, übersetzt von Karl Langosch, Band 100 der Reihe Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit, Münster/Köln 1955.
  • Julius Ficker: Engelbert der Heilige, Erzbischof von Köln und Reichsverweser. Köln 1853, Nachdruck: Aalen 1985.
  • Hans Foerster: Engelbert von Berg, der Heilige. Elberfeld 1925.
  • Josef Lothmann: Erzbischof Engelbert I. von Köln (1216–1225), Graf von Berg, Erzbischof und Herzog, Reichsverweser. Dissertation, Band 38 der Veröffentlichungen des Kölnischen Geschichtsvereins e.V., Köln 1993.
  • Wido Meister: Der Hohlweg, in dem der Erzbischof Engelbert von Berg überfallen wurde. In: Romerike Berge, Heft 4/2003, S. 2–6.
  • Eduard Winkelmann: Engelbert, Erzbischof von Köln. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 121–124.
  • Erich Wisplinghoff: Engelbert I. Graf von Berg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 508 f. (Digitalisat).
  • Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio: Engelbert der Heilige, Graf von Berg, Erzbischof von Köln und Wiederhersteller der deutschen Reichs-Einheit, Ein Vortrag, Opladen 1875.
  • Verschiedene Autoren in: Ritter, Burgen und Intrigen. Aufruhr 1225! Das Mittelalter an Rhein und Ruhr. Ausstellungskatalog, hrsg. vom LWL-Museum für Archäologie - Westfälisches Landesmuseum Herne, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2010. Mit Beiträgen von Heinz Finger (Der gewaltsame Tod des Kölner Erzbischofs Engelbert und die Vorgeschichte. S. 21−33), Ulrich Andermann (Die Verschwörung gegen Engelbert I. von Köln am 7. November 1225 und ihre Folgen. Versuch einer rechtsgeschichtlichen Rekonstruktion und Bewertung. S. 35−46) und Wilhelm Janssen (Adelsherrschaft und Herzogsgewalt. Politische Strukturen und Entwicklungen zwischen Ruhr und Lippe 1180−1300. S. 47−58).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Engelbert I. von Köln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Stürner: Dreizehntes Jahrhundert, 1198–1273. In: Gebhardt: Handbuch zur deutschen Geschichte, Bd. 6, Stuttgart 2007, S. 222
  2. So in Anlehnung an Wolfgang Kleist (Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Köln. Eine kritische Studie. In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 75 (1917), S. 182−249) neuerdings bestätigt von Ulrich Andermann: Die Verschwörung gegen Engelbert I. von Köln am 7. November 1225 und ihre Folgen. Versuch einer rechtsgeschichtlichen Rekonstruktion und Bewertung. In: Ritter, Burgen und Intrigen. Aufruhr 1225! Das Mittelalter an Rhein und Ruhr. Ausstellungskatalog, hrsg. vom LWL-Museum für Archäologie - Westfälisches Landesmuseum Herne, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2010. S. 44 u. Anm. 56.
Vorgänger Amt Nachfolger
Dietrich I. von Hengebach Erzbischof von Köln
1216–1225
Heinrich I. von Müllenark
Adolf III. Graf von Berg
1218–1225
Heinrich IV. von Limburg