Paul Lücke
Paul Lücke (* 13. November 1914 in Schöneborn bei Marienheide; † 10. August 1976 in Erlangen) war ein deutscher Politiker (CDU). Er war von 1957 bis 1965 Minister für Wohnungsbau und von 1965 bis 1968 Bundesminister des Innern.
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Ausbildung und Beruf [Bearbeiten]
Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Lücke von 1928 bis 1931 eine Schlosserlehre und leistete 1935 seinen Wehrdienst ab. Im Zweiten Weltkrieg studierte er neben seinem Dienst bei der Wehrmacht in Berlin Maschinenbau. 1944 verlor er bei einem Angriff der Résistance ein Bein und erblindete vorübergehend. Nach dem Krieg war er als Kommunalbeamter im Oberbergischen Kreis, zuletzt ab 1947 als Amtsdirektor in Engelskirchen tätig. Von 1954 bis 1966 war er Präsident des Deutschen Gemeindetages. 1962 war Lücke Präsident des 79. Deutschen Katholikentages in Hannover. Von 1969 bis zu seinem Tode war er Leiter der Deutschen Wohnungsbaugesellschaft in Köln. Seine letzte Ruhe fand er in Bensberg.
1963 wurde Lücke Ehrenmitglied der Katholischen Studentenverbindung Urach Freiburg im KV.
Lücke war verheiratet und hatte sechs Kinder. Seine Tochter Maria Theresia Opladen (*1948) wurde Mitglied im Landtag von Nordrhein-Westfalen und Bürgermeisterin von Bergisch Gladbach.
Partei [Bearbeiten]
Lücke hatte sich in der katholischen Jugend engagiert und gehörte 1945 zu den Mitbegründern der CDU im Oberbergischen Kreis. Nach dem Rücktritt der FDP-Minister aufgrund der Spiegel-Affäre sondierte er ab dem 26. November 1962 mit Billigung von Bundeskanzler Konrad Adenauer gemeinsam mit Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg (CSU) bei Herbert Wehner (SPD) die Möglichkeiten für eine Große Koalition. Diese Sondierungen gingen am 1. Dezember 1962 in offizielle Koalitionsverhandlungen über. Sie scheiterten jedoch am 5. Dezember, weil die CDU nicht bereit war, über eine weitere Kanzlerschaft Adenauers zu reden. Von 1966 bis 1969 war er stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei.
Abgeordneter [Bearbeiten]
Von 1949 bis 1972 war Lücke Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er vom 14. März 1950 bis 1957 Vorsitzender des Ausschusses für Wiederaufbau und Wohnungswesen. Als Ausschußvorsitzender setzte er die Schaffung des Wohnungseigentumsgesetzes durch, mit dem der Bau von Eigentumswohnungen möglich wurde. Auch die Einführung der Wohnungsbauprämie im Bausparrecht ist von ihm initiiert worden. 1952 und 1955 gehörte Lücke zu einer Gruppe von Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion, die einen Gesetzentwurf zur Einführung des relativen Mehrheitswahlrechts in den Bundestag einbrachten. Diese Gesetzesentwürfe wurden jedoch im Wahlrechtsausschuß des Deutschen Bundestag nicht weiter verfolgt.
Paul Lücke ist stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Rheinisch-Bergischer Kreis in den Bundestag eingezogen.
Öffentliche Ämter [Bearbeiten]
Seit 1947 war Lücke Amtsdirektor in der Gemeinde Engelskirchen.
Am 29. Oktober 1957 wurde Lücke als Bundesminister für Wohnungsbau in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung berufen. Ab dem 14. November 1961 führte er sein Amt dann unter der Bezeichnung Bundesministerium für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung weiter und leitete es zunächst auch unter Bundeskanzler Ludwig Erhard. In seiner Amtszeit wurde das Gesetz über den Abbau der Wohnungszwangswirtschaft und über ein soziales Miet- und Wohnrecht verabschiedet. Es trat 1960 in Kraft, brachte eine deutliche Einschränkung der öffentlichen Wohnraumbewirtschaftung, eine stufenweise Freigabe der Wohnraummieten und führte das Wohngeld ein.
Nach der Bundestagswahl 1965 wurde er am 26. Oktober 1965 zum Bundesminister des Innern ernannt. Diese Amt behielt er auch im von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger geführten Kabinett der Großen Koalition. In diese Amtszeit fällt die Verabschiedung der Notstandsverfassung. Als Bundesinnenminister setzte er sich erneut für die Einführung des relativen Mehrheitswahlrechts ein. Dieser Plan wurde insbesondere von Bundeskanzler Ludwig Erhard abgelehnt. Auch in der SPD gab es erheblichen Widerstand, nachdem Modellrechnungen gezeigt hatten, dass nach allen damals diskutierten Modellen (Einer-, Dreier- und Viererwahlkreise) auf längere Sicht mit absoluten Mandatsmehrheiten der CDU/CSU zu rechnen war. Nachdem der SPD-Parteitag sich gegen den Willen des Parteivorstandes für eine Vertagung des Themas bis nach der Bundestagswahl 1969 ausgesprochen hatte, musste das Projekt als gescheitert angesehen werden. Lücke trat am 2. April 1968 zurück.
Ehrungen [Bearbeiten]
In Schöneborn und Herkenrath wurde eine Straße nach Lücke benannt.
Veröffentlichungen [Bearbeiten]
- Paul Lücke: Ist Bonn doch Weimar? Der Kampf um das Mehrheitswahlrecht. Frankfurt am Main 1968
Literatur [Bearbeiten]
- Jürgen Aretz: Paul Lücke (1914–1976), in: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern: Bd. 11. Aschendorff, Münster 2004, ISBN 3-402-06123-6, S. 195–212
- Reinhard Frommelt: Lücke, Paul. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 15, Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 449 (Digitalisat).
Siehe auch [Bearbeiten]
Kabinett Adenauer III - Kabinett Adenauer IV - Kabinett Adenauer V - Kabinett Erhard I - Kabinett Erhard II - Kabinett Kiesinger
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Paul Lücke im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Paul Lücke im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
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siehe auch: Amtsinhaber seit 1879
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lücke, Paul |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bauminister und Innenminister |
| GEBURTSDATUM | 13. November 1914 |
| GEBURTSORT | Schöneborn |
| STERBEDATUM | 10. August 1976 |
| STERBEORT | Erlangen |
- Bauminister (Deutschland)
- Innenminister (Bundesrepublik Deutschland)
- Bundestagsabgeordneter (Nordrhein-Westfalen)
- CDU-Mitglied
- Träger des Bundesverdienstkreuzes (Großkreuz)
- Ritter (Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem)
- Militärperson im Nationalsozialismus
- Person (Oberbergischer Kreis)
- Person (Rheinisch-Bergischer Kreis)
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