Christian Rohlfs

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Selbstbildnis (1918)

Christian Rohlfs (* 22. November 1849 in Groß Niendorf, Kreis Segeberg; † 8. Januar 1938 in Hagen) war ein deutscher Maler der Moderne.

Leben[Bearbeiten]

1851 zog Rohlfs mit seinen Eltern nach Fredesdorf um. 1864 stürzte er von einem Baum und zog sich eine schwere Beinverletzung zu. Der behandelnde Arzt, Dr. Ernst Stolle, ein Schwager Theodor Storms, gab ihm gegen die Langeweile Zeichenmaterial und erkannte kurz darauf das künstlerische Talent des Jungen, den er fortan förderte. Ab 1866 besuchte Rohlfs das Realgymnasium in Segeberg. Auf Empfehlung Storms lernte Rohlfs 1870 in Berlin den Maler und Kunstschriftsteller Ludwig Pietsch kennen, der diesen wiederum an die Großherzogliche Kunstschule in Weimar empfahl, wo er bei Paul Thumann (Historien- und Figurenmalerei) eine Freistelle erhielt. In dieser frühen Phase schuf er vor allem naturalistische Werke. Aufgrund einer erneuten Beinerkrankung (chronische Knochenmarksentzündung) musste 1873 ein Bein amputiert werden, 1874 nahm Rohlfs sein Studium wieder auf.

Ab 1884 war er freischaffender Künstler in Weimar und wendete sich zunehmend dem Impressionismus zu. 1901 zog er auf Einladung von Karl Ernst Osthaus nach Hagen, wo er an der Folkwangschule lehrte. Ab etwa 1910 ist Rohlfs eindeutig den Expressionisten zuzuordnen. Bei seinen Motiven rückten in dieser Zeit Stadtansichten, Landschaften und Architektur in den Mittelpunkt. Ab 1927 war er alljährlich - meist vom Frühjahr bis in den Dezember - in Ascona, wo er sich vor allem Pflanzen-Motiven widmete.[1]

Nach der Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937 in München wurden zahlreiche Rohlfs-Arbeiten konfisziert, darunter aus dem damaligen Christian-Rohlfs-Museum in Hagen (heute Osthaus Museum Hagen) rund 450 Arbeiten. Am 13. September 1937 notierte Joseph Goebbels in seinem Tagebuch: „Mit Vetter Thema entartete Kunst. Er wollte Rohlfs in Schutz nehmen. Aber ich heile ihn.“ Der Künstler erhielt Malverbot und wurde am 7. Januar 1938, einen Tag vor seinem Tod, aus der Preußischen Akademie der Künste in Berlin ausgeschlossen.[2]

Als einer der wichtigen deutschen Maler des Expressionismus entwickelte er diesen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer selbständigen Form und arbeitete eine Zeit lang mit Emil Nolde zusammen. Die Farbe ist der bedeutendste Ausdrucksträger seiner Werke, vor allem Landschaften und Blumenstillleben.

Sein Grabmal in Hagen schmückt ein Abguss der 1931 von Ernst Barlach geschaffenen Plastik Der lehrende Christus.

Einige seiner Werke wurden postum auf der documenta 1 im Jahr 1955 in Kassel gezeigt.

Im Osthaus Museum Hagen ist ein Raum für ihn eingerichtet. Darüber hinaus ist im Hagener Stadtteil Haspe eine Schule, das Christian-Rohlfs-Gymnasium, nach ihm benannt.

Werke[Bearbeiten]

  • 1887: Sternbrücke in Weimar
  • 1888: Der Wilde Graben neben der Chaussee Webicht bei Weimar (Öl auf Leinwand, 59 x 76,5 cm)
  • 1889: Straße in Weimar
  • 1889: Waldweg im Winter
  • 1889: Chaussee nach Tiefurt im Webicht bei Weimar
  • 1893: Weg nach Gelmeroda
  • 1897: Wiesenabhang (Öl auf Leinwand, 65 cm x 85 cm)
  • 1898: Weimarer Graben (Öl auf Rupfen, 60,5 x 78,5 cm)
  • 1899: Baumlandschaft vor Stadtsilhouette (Pastell auf Zeichenpapier, 23 x 29,4 cm)
  • 1899: Landschaft an der Lübecker Bucht (Pastell und Kreide auf Pappe, 31,3 x 34 cm)
  • 1902: Weizenfeld (Öl auf Leinwand, 50 x 78 cm)
  • 1903: Sonnenblumen (im Stil Vincent van Goghs)
  • 1904: Porträt eines Mannes (Öl auf Leinwand, 61 x 49 cm)
  • 1904: Kieferngruppe (Öl auf Leinwand)
  • 1905: Bauernhaus in Soest (skizzenhaftes Aquarell)
  • 1906: St. Patrokli in Soest (Öl/Lwd., 115 x 75 cm, Folkwang Essen)
  • 1906: Männlicher Rückenakt (Tuschpinsel u. Aquarell, 61,8 x 46,2 cm)
  • 1907: Birkenwald (Öl auf Leinwand, 110 x 75 cm)
  • 1907: Kornfeld
  • 1910: Die Heiligen drei Könige (Holzschnitt, 39,1 x 26,4 cm)
  • 1910: Herbstwald (Öl auf Leinwand, 60,8 x 98,8 cm)
  • 1910: Traubenesser (Öl auf Leinwand, 64,5 x 50,4 cm)
  • 1911: Straße in Soest (Linolschnitt, 39,7 x 29,3 cm)
  • 1911: Mädchenkopf (Holzschnitt, in Weiß und Schwarz überarbeitet, 31,8 x 26,0 cm)
  • 1911: Wettersteingebirge (Öl auf Leinwand, 50 x 80 cm)
  • 1912: Amazone, reitend mit dahinjagendem Hund
  • 1912: Der blaue Berg
  • 1912: Elias in der Wüste (Holzschnitt, 14,4 x 11,8 cm)
  • 1912: Gespräch zwischen zwei Clowns (Tempera auf Papier, 61 x 80 cm)
  • 1912: Katze und Maus (Farblinolschnitt, 18 x 39,1 cm)
  • 1912: Rote Dächer (Tempera, 48,0 x 64,0 cm)
  • 1912: Haus mit rotem Dach (Öl auf Leinwand 80 x 100 cm)
  • 1912: Visionäre Landschaft (Öl auf Leinwand, 60 x 105 cm)
  • 1913: Beratung (Aquarellierter Holzschnitt, 58,3 x 48,0 cm)
  • 1913: Die Froschprinzessin (Öl auf Leinwand), Niedersächsisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
  • 1913: Zwei Tanzende oder Tanzendes Paar (Linolschnitt auf Papier, 31,3 x 28,9 cm)
  • 1914: Rückkehr des verlorenen Sohnes (Tempera auf Leinwand)
  • 1914: Versuchung Christi (Öl auf Leinwand, 100,5 x 60,5 cm)
  • 1915: Austreibung aus dem Paradies (Farbholzschnitt, 13 x 39,2 cm)
  • 1916: Auferstehung
  • 1916: Der verlorene Sohn bei den Dirnen[3]
  • 1916: Die Akrobaten
  • 1916: Tänzerin (Farbholzschnitt, 22 x 37 cm)
  • 1916: Gethsemane (Holzschnitt auf Leinen, 32,0 x 26,8 cm)
  • 1916: Rückkehr des verlorenen Sohnes (Holzschnitt, 50,2 x 36,4 cm)
  • 1917: Sonnenuntergang (Zarathustra) (Öl auf Leinwand), Niedersächsisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
  • 1917: Der Prophet (Öl auf Leinwand, 100,5 x 61,5 cm)
  • 1918: Blumenstilleben und blaue Schale (Wassertempera, 55,7 x 38,4 cm)
  • 1918: Der Gefangene (Holzschnitt)
  • 1918: Gauner (Tempera auf Leinwand, 100 x 61 cm)
  • 1918: Gewitter (Tempera und Öl auf Leinwand, 79,5 x 86,5 cm)
  • 1919: Azaleentopf und Vase (Tempera und Kohlezeichnung, 52,4 x 42,5 cm)
  • 1919: Zirkusreiterin (Tempera auf Papier, 67 x 49 cm)
  • 1920: Berg mit Gebüsch (Aquarell und Tuschfederzeichnung, 35,8 x 49,7 cm)
  • 1920: Frauenschuh mit roter Calla im Glas (Tempera auf strukturiertem Karton. 50 x 67,5 cm)
  • 1920: Sonnenblumen (Tempera, 56 x 39,5 cm)
  • 1920: Kartoffelesser (Wassertempera auf Papier, 65 x 48 cm), beendet 1921
  • 1921: Hagar in der Wüste (Öl auf Leinwand)
  • 1921: Herbstlandschaft (Tempera auf Papier, 50 x 68 cm)
  • 1921: Türme von Soest
  • 1922: Bildnis der Mutter
  • 1922: Boxer (Holzschnitt, 20,6 x 11,9 cm)
  • 1922: Singvogel (Holzschnitt)
  • 1922: Sommerfrische (Ölgemälde)
  • 1923: Gouache auf Papier (35,5 x 51 cm)
  • 1923: Prophet (Temperabild)
  • 1924: Amaryllis (Wassertempera, 70 x 51 cm)
  • 1924: Dom und Severikirche in Erfurt (Tempera auf Papier, 51,8 x 72,3 cm)
  • 1925: Alte mit Stecken (Farbiger Holzschnitt, 34,4 x 18,3 cm)
  • 1925: Mondänes Paar (Farblinolschnitt, 23,8 x 24,1 cm)
  • 1925: Rosen und Nelken (Tempera auf Leinwand, 76 x 100 cm)
  • 1925: Tanzversuch (Öl auf Leinwand), Niedersächsisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
  • 1926: Bäume an der Ostsee (Kreide auf Büttenpapier, 12,3 x 17,5 cm)
  • 1926: Rote Tulpen (Deckfarben, 71,3 x 51,3 cm)
  • 1927: Caritas (Wassertempera, 66,5 x 51,0 cm)
  • 1927: Große Magnolie (Farbige Kreide auf braunem Papier, 50 x 70 cm)
  • 1928: Bunter Tulpenstrauß (Temperabild)
  • 1928: Die Heiligen drei Könige
  • 1929: Der Prophet (Öl auf Leinwand)
  • 1929: Sonnenblumen in blauer Vase
  • 1929: Mohnblumen, Öl auf Leinwand, Osthaus Museum Hagen
  • 1931: Der gelbe Berg (Wassertempera auf Bütten, 56,8 x 78,8 cm)
  • 1931: Russisches Volkslied Elegie V des Tatjana-Zyklus (Kreide)
  • 1931: Tanz mit Maske II Tatjana-Zyklus (Wassertempera und Kreide, 58,6 x 44,3 cm)
  • 1932: Früchte (Tempera auf Papier, 54,4 x 74,8 cm)
  • 1932: Haus in Losone (Tempera auf genarbtem Aquarellpapier, 66,0 x 48,0 cm)
  • 1933: Datura Japonica (Wassertempera und Kreide auf Papier)
  • 1933: Die Italienerin (Aquarell und Tempera auf Aquarellpapier, 72 x 50,9 cm)
  • 1933: Haus im Maggiatal (Wassertempera auf Papier)
  • 1933: Schwertlilien (Aquarell auf Aquarellpapier, 56 x 78cm)
  • 1934: Ascona See (Tempera auf Papier, 97,0 x 74,0 cm)
  • 1934: Berg im Schnee bei Lugano (Tempera auf Papier, 51,5 x 65,5 cm)
  • 1934: Rote Canna (Tempera auf Papier)
  • 1935: Mann mit Zylinder
  • 1935: Sonnenblumen
  • 1936: Abendlicht am Lago Maggiore
  • 1936: Castell von Locarno (Tempera auf Leinwand, 76 x 90 cm)
  • 1936: Funkienblüten vor dunklem Grund (Aquarell, 54,5 x 76,8 cm)
  • 1936: Weiße Wolke über dem See (Tempera auf Karton, 67 x 48 cm)
  • 1937: Anturie (Wassertempera, 67,5 x 48,7 cm)
  • 1937: Blasse Nebellandschaft (Wassertempera auf Papier, 39,2 x 57,8 cm)
  • 1937: Glühende Gewitterwolke (Tempera auf Bütten, 78,5 x 57,8 cm)
  • 1937: Magnolie von San Materno (Wassertempera und Kreide, 79,0 x 57,5 cm)
  • 1937: Rote Amaryllis auf blau
  • 1937: Sonnenblume mit Krug (Wassertempera und Kreide auf Büttenpapier, 61 x 50 cm)
  • 1938: Letzte Chrysanthemen (unvollendet)

Ausstellungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Werkverzeichnisse:

  • Paul Vogt (Hrsg.): Christian Rohlfs: Oeuvre-Katalog der Gemälde. Verlag Aurel Bongers, Recklinghausen 1978, ISBN 3-7647-0306-7.

Ausstellungskataloge:

  • Birgit Schulte (Hrsg.): Christian Rohlfs, Musik der Farben: Sammlungskatalog der Werke im Osthaus Museum Hagen. Neuer Folkwang Verlag, Hagen 2009, ISBN 978-3-926242-59-0 (formal falsche ISBN).
  • Anette Hüsch, Annette Weisner und Peter Thurmann (Hrsg.): Überwältigend kühn: Der ganze Rohlfs in Kiel. Hirmer, München 2012, ISBN 978-3-7774-5881-6.

Monographien:

  • Paul Vogt: Christian Rohlfs: Aquarelle und Wassertempera. Verlag Aurel Bongers, Recklinghausen 1988, ISBN 3-7647-0391-1.

Lexikonartikel:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christian Rohlfs – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian Rohlfs: Blätter aus Ascona. Mit einem Geleitwort von Helene Rohlfs. Piper Verl. München 1955.
  2. Datum laut Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 494.
  3. im Großformat zugänglich bei Norbert Berghof (Red.): Bildmappe Kunst in der Verfolgung: Entartete Kunst (Ausstellung) 1937 in München. 18 Beispiele, ferner Beiheft: Lebensdaten und Selbstzeugnisse, beides Neckar, Villingen 1998, ohne ISBN
  4. FAZ vom 19. November 2010, Seite 46: Leuchtende Landschaften