Clemens Heni

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Clemens Heni (* 1970) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Publizist.

Leben[Bearbeiten]

Clemens Heni studierte Philosophie, Geschichte, Empirische Kulturwissenschaft und Politikwissenschaft an den Universitäten Tübingen, Bremen sowie der Freien Universität Berlin (FU). Seine Promotion erfolgte 2006 im Fach Politikwissenschaft an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Die Gutachter der Dissertation über „Ein völkischer Beobachter in der BRD. Die Salonfähigkeit neu-rechter Ideologeme am Beispiel Henning Eichberg“ waren Anton Pelinka und Andrei S. Markovits.

Die Dissertation, die von verschiedenen Stiftungen gefördert wurde[1], wurde Anfang 2007 unter dem Titel „Salonfähigkeit der Neuen Rechten. ‚Nationale Identität‘, Antisemitismus und Antiamerikanismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1970–2005: Henning Eichberg als Exempel“ publiziert.[2] Darin wird der Einfluss neu-rechter Ideologie auf die politische Kultur in Deutschland seit den 1970er Jahren untersucht. Heni erarbeitet ein 10-Punkte-Schema zur Frage „Was heißt Neue Rechte“? 1) Antiuniversalismus, 2) Nationale Identität, 3) Die Parole „Volk statt Staat“, 4) Ethnopluralismus, 5) Antiamerikanismus, 6) Antisemitismus, 7) Nationaler Sozialismus, 8) Die Neue Rechte steht fürs Neuheidnische, 9) Die Rehabilitation der „guten Seiten“ des Nationalsozialismus, 10) Konservativ-Revolutionäre etc.[3] 2008/2009 war Heni als Post-Doktorand („Post-Doctorate Associate“) an der Yale Initiative for the Interdisciplinary Study of Antisemitism (YIISA)[4] der Yale University in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut (CT) angestellt[5]

Im August 2011 publizierte er die Studie „Schadenfreude. Islamforschung und Antisemitismus in Deutschland nach 9/11“. Die Studie wurde in Kooperation mit dem Arabisten und Historiker Wolfgang G. Schwanitz und als Teil eines vom Middle East Forum (MEF) und seinem Präsidenten Daniel Pipes in Philadelphia unterstützten Projektes erarbeitet.[6] 2011 publizierte Heni im weltweit ersten Almanach über Islamismus („World Almanac of Islamism“), herausgegeben von der Denkfabrik American Foreign Policy Council (AFP) in Washington D.C., den Eintrag über Islamismus in Deutschland.[7]

Positionen und Kontroversen[Bearbeiten]

Die jüdische Wochenzeitung Jewish Ledger aus den USA zitierte Heni in einem biografischen Artikel über ihn im Jahr 2010 mit der Aussage, bei vielen seiner (ehemaligen) Studienkollegen und deutschen Forschern gehe eine Analyse des Nationalsozialismus und des Holocaust häufig einher mit antizionistischen Positionen. Dazu komme vor allem nach dem islamistisch motivierten Massenmord vom 11. September 2001 ein salonfähiger Antiamerikanismus.[8]

Mit einem Beitrag in der Jerusalem Post am 3. Dezember 2008 war er Mitinitiator einer intensiven Debatte über Islamophobie und Antisemitismus, die sich anlässlich einer kontroversen Konferenz des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin im Dezember 2008 mit dem Titel „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ entwickelte.[9] Scharfe Kritik an Henis Aussagen kam dabei von Micha Brumlik, der Heni und den Mitautoren Henryk M. Broder und Matthias Küntzel vorwarf, durch eine „publizistische Kampagne“ Wolfgang Benz, den Leiter des ZfA, in die Nähe des Antisemitismus zu rücken und sich dabei selbst „ebenso fundamentalistisch“ zu verhalten „wie die radikalen Islamisten“. Auch der israelische Holocaustforscher Yehuda Bauer nahm Benz und das ZfA gegen die Vorwürfe in Schutz.[10][11] Auch Mathias Brodkorb teilte die Kritik an Henis Einschätzungen und sprach von „Philosemitismus – de[m] wohlmeinenden, aber in umgekehrter Richtung ebenfalls falsch verallgemeinernden Bruder des Antisemitismus“.[12]

Ein kritischer wissenschaftlicher Artikel von Heni über die Forschungen am ZfA im Oktober 2009 in dem amerikanischen Journal for the Study of Antisemitism (JSA)[13] führte aufgrund Rücktrittsdrohungen mehrerer Boardmitglieder, die die Kritik Henis am ZfA nicht teilten, zu seiner vorübergehenden Suspendierung aus dem „Board“, wie die Jerusalem Post berichtete. Andere Board-Mitglieder von JSA protestierten gegen Henis Suspendierung und stellten sich öffentlich hinter Heni, darunter waren die Professoren Paul Lawrence Rose, Robert S. Wistrich, Milton Shain, Alvin H. Rosenfeld, Sander L. Gilman.[14]

Mit zwei Artikeln auf dem Weblog „Achse des Guten“ vom 15. Januar und 27. Januar 2010 über den Doktorvater des Leiters des ZfA Wolfgang Benz, Karl Bosl, wies Heni darauf hin, dass Bosl ein ehemaliger Nationalsozialist war und Benz ihn noch in den 1980er Jahren gewürdigt hatte.[15] Bosl war u.a. Mitglied bei der NSDAP und der SA und wurde aufgrund eines Forschungsantrages im Jahr 1938 von der Schutzstaffel (SS) in einem wissenschaftlichen Projekt bezahlt. Noch nach 1945 war Bosl in antisemitischen Kreisen aktiv und hielt 1964 einen Vortrag beim Witikobund, worin er die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten mit dem Holocaust gleichsetzte.[16] Die Mittelbayerische Zeitung berichtete im Oktober 2011 über Henis Kritik an Bosls Aktivitäten im Nationalsozialismus.[17] Im November 2011 wurde ein 2008 nach Bosl benannter Platz in der bayerischen Stadt Cham wieder umbenannt und weitere Ehrungen Bosls zurückgenommen.[18]

2013 kritisierte Heni erneut Micha Brumlik, der sich für eine Änderung der israelischen Einwanderungspolitik ausgesprochen hatte und unterstellte ihm eine „langfristig angelegte Delegitimationskampagne gegen den jüdischen Staat Israel“. Die Redaktion der Zeitschrift konkret charakterisierte Heni daraufhin, aufgrund von dessen „böswilliger Interpretation“ von Brumliks Aussagen, als „Beklopppten“.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Für einen Artikel[20] über Antisemitismus, den Holocaust und die Rolle von Viktors Arājs bei der Ermordung der Juden in Lettland während der Shoah erhielt Heni im Oktober 2010 in New York City einen Preis für den „best original essay“ der Zeitschrift Journal for the Study of Antisemitism.[21]

Bücher[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clemens Heni: Salonfähigkeit der Neuen Rechten. ›Nationale Identität‹, Antisemitismus und Antiamerikanismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1970 – 2005: Henning Eichberg als Exempel, Marburg 2007, S. XV–XVI.; http://www.fondationshoah.org/FMS/DocPdfUS/Rapportactivite/RA%20anglais2005.pdf (eingesehen am 31. Dezember 2011)
  2. Salonfähigkeit (wie oben zitiert), xvii + 509 Seiten, ISBN 978-3-8288-9216-3. Rezensionen gab es unter anderem von der Landeszentrale für politische Bildung Brandenburg, den Zeitschriften Neue Politische Literatur 1/2008, Zeitschrift für Politikwissenschaft 4/2007, Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums 4/2008, dem Jahrbuch Demokratie & Extremismus 2008, der Wochenzeitung jungle world, dem Infobrief des DGB-Bildungswerkes Bayern, dem studentischen Magazin www.eisbergonline.de an der Universität Hannover, und den online-Zeitschriften www.hagalil.com, www.juedische.at, Angaben nach der Verlagshomepage http://www.tectum-verlag.de/9216_Clemens_Heni_Salonf%E4higkeit_der_Neuen_Rechten_Nationale_Identi
  3. Vgl. „Salonfähigkeit der Neuen Rechten“, S. 23–27.
  4. http://www.isgap.org/understanding-facets-of-contemporary-antisemitism-conference/ (eingesehen am 3. Januar 2012).
  5. Cindy Mindell, Former Yale Antisemitism Scholar, One Year Later (Clemens Heni), The Jewish Ledger, 17. November 2010, http://www.campus-watch.org/article/id/10430 (eingesehen am 1. Januar 2012).
  6. Schadenfreude. Islamforschung und Antisemitismus in Deutschland nach 9/11, Berlin 2011, S. 395.
  7. http://almanac.afpc.org/Germany (eingesehen am 31. Dezember 2011); der Eintrag dieses Almanachs ist online verfügbar sowie in American Foreign Policy Council (Hg.), World Almanac of Islamism, Lanham 2011, S. 437–449.
  8. http://www.campus-watch.org/article/id/10430 Cindy Mindell: Former Yale Antisemitism Scholar, One Year Later, The Jewish Ledger, 17. November 2010, (eingesehen am 1. Januar 2012).
  9. Antisemitism is not the same as Islamophobia, in: Jerusalem Post, 3. Dezember 2008, http://www.jpost.com/Opinion/Op-EdContributors/Article.aspx?id=122938 (eingesehen am 1. Januar 2012).
  10. Micha Brumlik: Vergleichen heißt nicht gleichsetzen . taz, 21. März 2009
  11. Yehuda Bauer: Berlin conference didn't lump Islamophobia with anti-Semitism. Jerusalem Post, 4. März 2009
  12. Mathias Brodkorb: Im Zweifel für den Krieg - Warum Rechtsextremismusforscher Clemens Heni Wahlwerbung für John McCain machte. Blick nach rechts, 6. April 2009
  13. “Antisemitism as a Specific phenomenon” (PDF; 754 kB), in: Journal for the Study of Antisemitism, Vol. 1, No. 1 (2009), S. 29–38.
  14. Jerusalem Post, 7. März 2010, http://www.jpost.com/International/Article.aspx?id=170355 (eingesehen am 1. Januar 2012).
  15. Ein Nazi und sein Schüler: Karl Bosl und Wolfgang Benz, 15. Januar 2010, http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ein_nazi_und_sein_schueler_karl_bosl_und_wolfgang_benz/; Mitgliedsnummer 1884319, 27. Januar 2010, http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/mitgliedsnummer/ (eingesehen am 2. Januar 2012).
  16. Bosl, Karl: Nürnberg – Böhmen – Prag. Vortrag vor dem Witikobund, gehalten am 12. Mai 1964 in Nürnberg im Rahmen des Sudetendeutschen Tages, in: ders., Nürnberg Böhmen Prag, München, S. 5-18, hier S. 6.
  17. Der Fall Bosl: Dunkle Flecken aus der Nazi-Zeit. Wie geht Cham mit dem Andenken an seinen verstorbenen Ehrenbürger um? Der Stadtrat entscheidet nichtöffentlich, Mittelbayerische Zeitung, 24. Oktober 2011, http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10059&pk=719226&p=1 (eingesehen am 1. Januar 2012).
  18. Mittelbayerische Zeitung, 25. November 2011, http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10059&pk=730426&p=1 (eingesehen am 2. Januar 2012).
  19. Jens Renner: Linksdeutsche Nahostdebatten. ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis, Nr. 588, 19. November 2013
  20. Riga and Remembering, in: Journal for the Study of Antisemitism (PDF; 3,2 MB), Vol. 2 (2010), No. 1, S. 157–162.
  21. http://www.jsantisemitism.org/conferences/2010/2010conference.html (eingesehen am 1. Januar 2012).