Konservative Revolution

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„Konservative Revolution“ ist in der heute verwendeten Form ein 1950 von Armin Mohler eingeführter und bis heute umstrittener Sammelbegriff[1] für eine Gruppe ideologischer Strömungen und der sie tragenden Akteure, die sich im Kontext der Weimarer Republik entwickelten. Gemeinsam war diesen Akteuren, dass ihre Ideologien entschieden antiliberale, antidemokratische und antiegalitäre Züge trugen. Ihr Rechtskonservatismus unterschied sich vom traditionellen Konservatismusbegriff der Deutschen Zentrumspartei oder der Deutschnationalen Volkspartei grundlegend und manifestierte sich nicht in einer politischen Partei. Die Konservative Revolution wird in der Geschichtswissenschaft oft in Verbindung mit dem Nationalsozialismus behandelt.[2] Heute greifen Vertreter der Neuen Rechten auf Ideologiemuster der Konservativen Revolution zurück.[3]

Seltener wird der Begriff in jüngster Zeit auch für verschiedene, meist dem Neokonservatismus oder Neoliberalismus zugeordnete Vorgänge, Personen und Tendenzen der jüngeren Vergangenheit verwendet.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Der Begriff wurde ursprünglich nicht für eine bestimmte Strömung, sondern für ganz verschiedene Sachverhalte verwendet. So schrieb Friedrich Engels 1848 in Bezug auf den polnischen Novemberaufstand von 1830:[4]

„Der Aufstand von 1830 war weder eine nationale […] noch eine soziale oder politische Revolution; er änderte nichts an der inneren Lage des Volkes; das war eine konservative Revolution.“

Charles Maurras benutzte den Begriff in seinem Werk Enquête sur la monarchie (1900). Er beschreibt damit eine radikale Reaktion als Revolution gegen die Revolution, durch eine entschlossene und gut organisierte Minorität.[5]

„In der Praxis wird man eine Revolution, vor allem eine konservative Revolution, eine Restauration, eine Rückkehr zur Ordnung nur mit der Hilfe gewisser Elemente in Verwaltung und Militär erfolgreich durchführen.“[6]

Thomas Mann bezog ihn in seiner Russischen Anthologie (1921) auf Friedrich Nietzsche:[7]

„Seine Synthese ist die von Aufklärung und Glauben, von Freiheit und Gebundenheit, von Geist und Fleisch, ‚Gott‘ und ‚Welt‘. Es ist, künstlerisch ausgedrückt, die von Sinnlichkeit und Kritizismus, politisch ausgedrückt, die von Konservatismus und Revolution. Denn Konservatismus braucht nur Geist zu haben, um revolutionärer zu sein als irgendwelche positivistisch liberalistische Aufklärung, und Nietzsche selbst war von Anbeginn, schon in den ‚Unzeitgemäßen Betrachtungen‘, nichts anderes als konservative Revolution.“

Hugo von Hofmannsthal machte den Begriff mit seiner Rede Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation (1927) populär:[8]

„Der Prozess von dem ich rede, ist nichts anderes als eine konservative Revolution von einem Umfange, wie die europäische Geschichte ihn nicht kennt. Ihr Ziel ist Form, eine neue deutsche Wirklichkeit, an der die ganze Nation teilnehmen könne.“

Er wollte ausgehend von der Literatur ein nationales Traditionsbewusstsein schaffen, das auch durch historische Umwälzungen nicht zerrissen werden könnte. Während Frankreich als Nation durch ein unzerreißbares Gewebe der Sprache und des Geistes zusammengehalten werde, seien die „produktiven Geisteskräfte“ Deutschlands zerrissen; hier sei der Begriff der geistigen Tradition kaum anerkannt. Obwohl der Begriff bei Hofmannsthal noch nicht unmittelbar politisch gemeint war,[9] wurde die Rede von national-konservativer Seite positiv aufgegriffen. Das veranlasste Thomas Mann[10] gegenüber Hofmannsthal kurz darauf zu sorgenvollen Einwänden, wie er 1955 in einem Brief an Willy Haas schrieb:

„Und doch, in was für Mäuler ist das Wort von der Konservativen Revolution dann übergegangen! Es sind mir auch nicht ganz die Rechten, so fein sie sind, die auch heute diese Rede besonders hochhalten.“[11]

Ab etwa 1930 verwendeten der konservative Volkstums-Theoretiker Wilhelm Stapel und der Jurist und Politiker Edgar Julius Jung[12] den Begriff in ihren politischen Schriften. Durch die von Jung verfasste Marburger Rede, die 1934 eine staatsstreichartige Brechung der NSDAP-Herrschaft propagierte, erhielt der Begriff politische Bedeutung.

1941 erschien in den Vereinigten Staaten das Buch The Conservative Revolution (dt.: Die Konservative Revolution – Versuch und Bruch mit Hitler) von Hermann Rauschning. Der ehemalige Senatspräsident Danzigs hatte sich von einem 1939 erschienenen Aufsatz des Germanisten Detlev W. Schumann (1900–1986) über Hofmannsthals Rede inspirieren lassen.[13][14] Darin definiert Rauschning die Konservative Revolution als Gegenkraft gegen die Bewegung, die mit der Französischen Revolution zum Sieg gekommen war, namentlich den Glauben an die Veränderbarkeit des Menschen, die verstandesmäßige Durchschaubarkeit aller Dinge und den Versuch, jeden Gegenstand allein aus sich selbst zu begreifen.[15]

1950 löste Armin Mohlers Buch Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932 eine breite historisch-politische Debatte aus. Mohler bezog den Begriff auf etwa 350 Personen, die er fünf verschiedenen republikfeindlichen, aber nur zum Teil nationalsozialistischen Gruppen zuordnete. Damit stellte er eine eigenständige Strömung der Weimarer Zeit mit einem politischen Profil dar, das sich zum Teil deutlich vom Nationalsozialismus unterschieden habe. Das Buch stieß bei Historikern auf Widerspruch: Mohler habe den Begriff nur als Opposition zur Weimarer Verfassung und zu liberalen Gesellschaftsmodellen, nicht aber positiv definiert. Dies lassen heutige Politikwissenschaftler nicht als Kriterium für eine eigene politische Richtung gelten.

Für Louis Dupeux jedoch war die Konservative Revolution in der Weimarer Republik die dominierende Ideologie, die als deutscher Präfaschismus (préfascisme allemand) anzusehen sei.[16]

Für den Soziologen Stefan Breuer ist der Begriff unzutreffend, aber dennoch historisch wirksam geworden:

„Das Syntagma Konservative Revolution ist eine der erfolgreichsten Schöpfungen der neueren Ideengeschichtsschreibung. […] … ein unhaltbarer Begriff, der mehr Verwirrung als Klarheit stiftet.“[17]

Trotz ähnlicher Denker und Strömungen in anderen europäischen Ländern – etwa Georges Sorel, Maurice Barrès, Julius Evola, Vilfredo Pareto oder Wladimir Zeev Jabotinsky[18] – wird der Begriff im Deutschen meist nur auf die deutsche Fraktion aus der Zeit der Weimarer Republik bezogen.

Bekannte Vertreter[Bearbeiten]

Ein wirkungsmächtiger geistiger Einfluss auf Vertreter dieser Strömung wird nach Mohler dem Dichter Stefan George zugesprochen.[19]

Zu der Richtung oder ihrem Umfeld zählt Mohler mit unterschiedlicher Gewichtung u. a.:[20]

Thomas Mann distanzierte sich ab 1922 zunehmend von seiner konservativ-monarchistischen Einstellung, die er noch in den Betrachtungen eines Unpolitischen und in anderen Publikationen gezeigt hatte, und trat für die Weimarer Republik und ihre Werte ein. In einer Tagebuchnotiz vom 26. September 1933 bezeichnete er den Nationalsozialismus als „politische Wirklichkeit jener konservativen Revolution“, einer geistigen Bewegung, der er aus „Abscheu vor ihrer Realität“ widerstanden habe.[21]

Auch die Zuordnung von Ernst Jünger zur Konservativen Revolution bzw. den Jungkonservativen ist umstritten.[22]

Der konservativ-katholische Staatsrechtler Carl Schmitt kann dieser Strömung nur sehr eingeschränkt zugerechnet werden. Obwohl Schmitt dezidierter Antiliberaler war, richtet er sich scharf gegen eine „politische Romantik“, der wie Othmar Spann oder der Tat-Kreis viele der „konservativen Revolutionäre“ anhingen. Die Zuordnung Schmitts zur Konservativen Revolution geht auf das o.g. Standardwerk seines Schülers Armin Mohler zurück.

Ideenwelt[Bearbeiten]

Die Autoren der Konservativen Revolution bildeten keine feste Gruppe, sondern eher ein verzweigtes publizistisches Geflecht. Sie schufen keine einheitliche Doktrin, bemühten sich jedoch alle, ähnlich dem italienischen Faschismus, die „Phänomene der Moderne“ in eine theoretische Synthese mit einer rechten Weltanschauung zu bringen. Die Konservative Revolution kann auch als Reaktion auf eine als krisenhaft empfundene gesellschaftliche Modernisierung verstanden werden, als eine neokonservative intellektuelle Suchbewegung im Umbruch der sich durchsetzenden Moderne. So interpretiert Rolf Peter Sieferle sie als einen „deutschen antiwestlichen Übermodernismus“ und „den Versuch einer revolutionären Überwindung der Technikkritik“,[23] und Richard Herzinger sieht in ihr „den Versuch der Überbietung des Modernisierungsprozesses“.[24]

Die Konservative Revolution ist anhand ihres Verhältnisses zu und ihrer Definition von wesentlichen Begriffen und Theorien der Geistesgeschichte und Gesellschaftslehre zu charakterisieren. Aufgrund der mangelnden Trennschärfe des Begriffs „Konservative Revolution“ zu anderen rechtsgerichteten, aber auch gänzlich anders orientierten Bestrebungen der Zeit, sowie wegen der Uneinheitlichkeit ihrer Untergruppierungen (nach Mohler) und des ausgeprägten Individualismus ihrer „wichtigsten Vertreter“, sollte dies aber stets als ein eher „andeutender Versuch der gedanklichen Annäherung“ als eine strikte Einordnung betrachtet werden.

Wie Mohler beschreibt, können viele Widersprüche dieser angeblichen Bewegung verstanden werden, wenn man ihre Ziele analysiert. So habe sie versucht, die gegensätzlichen (antagonistischen) – aus ihrer Sicht nur scheinbaren und „Deutschland spaltenden“ – Begriffe des politischen Spektrums wie „rechtslinks“, „konservativrevolutionär“, „nationalistischsozialistisch“, „individualistischkollektivistisch“ u. a. zu überwinden und in Gebilden wie einer unklar definierten „Mitte“ bzw. einem „dritten Weg“ (Drittes Reich) aufzulösen bzw. zu integrieren.[25]

Speziell das wissenschaftlich umstrittene, weltanschaulich sehr widersprüchliche Verhältnis der Konservativen Revolution zum Nationalsozialismus lässt sich nach Kurt Sontheimer nur beschreiben, wenn die gemeinsamen Wurzeln, aber auch Unterschiede zwischen beiden berücksichtigt werden. Die inneren Widersprüche der Konservativen Revolution und des Nationalsozialismus, sowie die internen Machtkämpfe zu Beginn der nationalsozialistischen Bewegung und „Machtergreifung“ sollten dabei nicht übersehen werden.[26]

Kritik politischer Vernunft[Bearbeiten]

Der „neue Konservatismus“ heftet sich nicht an angeblich „bloß Historisches“ sowie Formen und Typen politischer Gestaltung. Er lehnt eine rein zweckgerichtete, politische Vernunftordnung ab.[27] Er ist in wesentlichen Teilen bewusst irrational und beruft sich stattdessen auf vorgeblich ewig gültige Werte und Ideale als Basis der Gesellschaft.[28] Er ist nach Gustav Steinbömer orientiert an der ewigen „ordre de cœur“ [Ordnung des Herzens], nicht an den wechselnden Idealen der Ratio.[29] Einer ihrer Vertreter, Edgar Julius Jung, drückte dies 1932 in folgenden Worten aus:

„Konservative Revolution nennen wir die Wiedereinsetzung aller jener elementaren Gesetze und Werte, ohne welche der Mensch den Zusammenhang mit der Natur und mit Gott verliert und keine wahre Ordnung aufbauen kann. An Stelle der Gleichheit tritt die innere Wertigkeit, an Stelle der sozialen Gesinnung der gerechte Einbau in die gestufte Gesellschaft, …“[30]

Hans Mommsens Analyse geht in eine ähnliche Richtung. Ein antibürgerlicher Affekt großer Teile der Kriegs- und Nachkriegsgeneration habe sich in einer emotionalen Abkehr von interessenorientierter Politik ausgedrückt. Diese Einstellung habe Ernst von Salomon auf die autobiographisch geprägte Formel gebracht: „Was wir als politisch erkannten, das war schicksalsmäßig bedingt. Jenseits unserer Welt war die Politik interessenmäßig bedingt.“[31] Dieses Bekenntnis zum politischen Irrationalismus finde sich auch in einer Wendung Ernst Jüngers, der Instinkt sei der Intelligenz überlegen. Beide Autoren seien nicht nur für neokonservative Strömungen repräsentativ, sondern für die Angehörigen ihrer Altersgruppe, weil sie aus gesinnungsethischen Gründen das „unheroische Tagesgeschehen“ als „politischen Kuhhandel“ abtaten.[32]

Einzelne Autoren erkennen in den Zielen, Idealen und Ideologien der Konservativen Revolution sogar eine starke Politikfremdheit.[33] Carl von Ossietzky bezeichnete Moellers Drittes Reich als ein „politikfremdes Lamento von monotoner Melancholie“.[34]

Konservatismus[Bearbeiten]

Der Begriff Konservatismus bzw. konservativ bezeichnete zunächst im Sinne des Strukturkonservatismus eine Haltung, die eine gewachsene Gesellschaftsordnung bewahren will und sich positiv auf deren konstituierende Wertvorstellungen bezieht. Die konservative Revolution sei in diesem klassischen Sinne nicht mehr konservativ. Sie wolle nicht Tradiertes bewahren, sondern neue „lebendige Werte“ setzen. Arthur Moeller van den Bruck, Vertreter der Konservativen Revolution schreibt dazu:

„Der konservative Mensch […] sucht heute wieder die Stelle, die Anfang ist. Er ist jetzt notwendiger Erhalter und Empörer zugleich. Er wirft die Frage auf: was ist erhaltenswert?“[35]

Dies „zu Erhaltende“ gilt es nach Auffassung des revolutionären Konservatismus erst noch zu schaffen. In diesem Sinne formulierte Moeller van den Bruck eine neue Definition, die noch heute von Konservativen und Neuen Rechten aufgegriffen wird:

„Konservativ ist, Dinge zu schaffen, die zu erhalten sich lohnt.“[36]

Tatsächlich traten viele Autoren der Konservativen Revolution nicht für eine konservative Restaurierung, sondern für eine radikale Erneuerung der Gesellschaft ein. Ihre Gedanken waren nicht antimodern, zielten aber auf eine „andere, eine deutsche Moderne“. Die Konservative Revolution grenzte sich dabei ebenso von den alten, als reaktionär begriffenen Konservativen wie vom Liberalismus ab. Sie trat dabei als eine vornehmlich literarisch-publizistische Bewegung in Erscheinung, die innerhalb eines sehr viel breiteren konservativen Spektrums zunehmende intellektuelle Anziehungskraft entfaltete.

Scheinbarer Begriffswiderspruch[Bearbeiten]

Aus diesem Selbstverständnis wird auch der aus heutiger Sicht schwer verständliche und unüberbrückbar erscheinende Widerspruch zwischen den scheinbar einander ausschließenden Begriffen „konservativ“ als „bewahrend“ und „Revolution“ als „Veränderung“ leichter begreiflich. So meinte der französische Neurechte Alain de Benoist in einem Interview:

„Was den Ausdruck ‚Konservative Revolution‘ betrifft, scheiden sich an ihm die Geister, vor allem weil er als ein Oxymoron erscheint, ein paradoxer oder widersprüchlicher Begriff.“[37]

Er habe also nicht zwangsläufig, wie der herkömmliche Konservatismus, die Bewahrung eines aktuellen, für gut erachteten gesellschaftlich oder kulturellen Status quo, sondern die Bewahrung bzw. Wiederherstellung eines fiktiven, vorgeblich schon immer gegebenen „natürlichen Idealzustandes“ zum Ziel.[38] Da er sich an außerhalb der Historie festgemachten Werten und einer angeblich existenziellen Substanz, der genannten Ordre de coeur, orientiert, kann er also situativ ebenso revolutionär schaffend und zerstörend, wie konservativ erhaltend, als auch reaktionär orientiert sein.[28] Dass er sich in der damaligen Zeit eher als revolutionär begriff, liegt alleine an den aus seiner Sicht „momentan zugeschütteten Ewigkeitswerten“. So schreibt Gustav Steinbömer (Gustav Hillard) im Jahr 1932:

„Um die Verknüpfung der Welt mit einer höheren Ordnung zu erhalten, muß der Konservatismus heute zerstören und kann gegenüber dem rechnerisch und nihilistischen Werteempfinden und dessen politisch-konstitutioneller Entsprechung in der Demoplutokratie nur revolutionär sein.“[39]

Verhältnis zum Liberalismus[Bearbeiten]

Die durchgehende Ablehnung des Liberalismus und der auf ihm beruhenden Institutionen war ein wesentliches, aber kein alleiniges Merkmal annähernd aller Vertreter der Konservativen Revolution, das sie mit einem Großteil der damaligen Bevölkerung und Parteien – unabhängig von deren politischer Ausrichtung – verband.[40]

„Der Liberalismus war der Prügelknabe der Weimarer Republik, von links wie von rechts. Er galt als Inbegriff und Wurzel aller negativen Entwicklungen und Erscheinungen. Aus seiner Ideenwelt stammt der Parlamentarismus, und mit ihm die Einrichtung von politischen Parteien.“[41]

Als historischen Ausgangspunkt der aus ihrer Sicht „verhängnisvollen Entwicklung“ verortet die Konservative Revolution die Aufklärung und speziell die Französische Revolution.[42] Der Liberalismus und seine Auswirkungen werden in den Schriften ihrer Vertreter durch Gleichsetzung mit Formulierungen wie „seelenloser Mechanismus“, „Atomismus“, „krankhafter Individualismus“, „Nihilismus“, „Wertelosigkeit“, oder „kultureller Verfall“ polemisch diskreditiert. So schreibt Moeller van den Bruck in Das Dritte Reich:

„Der Liberalismus hat Kulturen untergraben. Er hat Religionen vernichtet. Er hat Vaterländer zerstört. Er war die Selbstauflösung der Menschheit.“[43]

Als Gegenmodell zu einer Gesellschaft, die letztendlich nur auf einer „Summierung von Einzelinteressen“ beruhen würde, wurden in Weiterentwicklung des auf Ferdinand Tönnies beruhenden Modells (Gemeinschaft und Gesellschaft) diverse Gemeinschaftsmodelle propagiert.

Die Kritik beschäftigte sich dabei gleichermaßen mit konkreten und aktuellen Erscheinungsformen des Parlamentarismus, wie mit einer grundsätzlichen und nicht nur ephemeren Kritik an dessen Axiomen.

So bemerkt z. B. der in seinen Grundprinzipien antiliberale Carl Schmitt,[44] dass es ihm im Prinzip darum gehe den letzten Kern der Institution des Parlamentarismus zu treffen.[45] Auch manche damalige Schriften des sich selber allerdings als „unpolitischen Sensor“ sehenden Ernst Jünger sind von einem starken Antiliberalismus geprägt.[46] So schreibt Jünger 1926 über den zukünftigen Staat:

„Er wird national sein. Er wird sozial sein. Er wird wehrhaft sein. Er wird autoritativ gegliedert sein.“[47]

Liberales Gedankengut und Demokratie wurde von Vertretern der Konservativen Revolution, wie dem TAT-Kreis mitunter in folgenden Worten abgelehnt:

„… Man suche sich die Formen und Gestaltungen heraus, die der Liberalismus hervorgebracht hat und die seine ureigensten Produkte sind. Man kann heute an jede von ihm ein Kreuz machen. Sie ist dem Untergang geweiht.“[48]

Dem Gedanken des Liberalismus entspringende Ideen wie Demokratie, Parlamentarismus, Repräsentation, Parteien, u. a. wurden als einfache Folgeerscheinungen des Liberalismus entweder abgelehnt, oder in „entkernender Weise“ umgedeutet. Demokratische Vordenker wie Jean-Jacques Rousseau wurden von Vertretern der Konservativen Revolution in vager Berufung auf die Volonté générale beliebig uminterpretiert.

„Wer Individualist ist, Mechanisierung und Gleichheit wirklich will, kann Demokrat sein, wer aber den Kulturstaat will, wer etwas Geistiges vom Staate verlangt, kann nicht mehr Demokrat sein.“[49]

Ein treffendes Beispiel für eine vollkommene Umdeutung des heutigen Demokratiebegriffs von Vertretern der Konservativen Revolution ist dabei folgender Satz:

„Der Ruf nach einer demokratischen Diktatur wird verständlich, weil sie geeignet erscheint, die Berührung zwischen Führer und Volk erneut herzustellen.“[50]

Staatsgedanke und Gesellschaftsmodelle[Bearbeiten]

Mit der Ablehnung des modernen, demokratischen Staatsgedankens der Weimarer Republik standen die Vertreter der Konservativen Revolution nicht allein da. Einflussreiche Denker wie Alfred Weber oder Carl Schmitt formulierten ähnliche Kritik an Theorie und Praxis von Staat und Gesellschaft.

Man verachtete die Weimarer Republik als einen schwachen (von den Siegermächten mit Absicht so entworfenen) Nachtwächterstaat ohne wirkliche äußere Souveränität.[51] Er sei der Austragung von Interessengegensätzen von Parteien, Verbänden und Einzelnen ausgesetzt und werde daran zugrunde gehen. Hierbei wurde besonders das Vordringen wirtschaftlicher Mächte in die Politik kritisiert und abgelehnt. Dieses Interessenkampfes sollte er enthoben werden, um die Nation als eine über allen Parteiungen stehende machtvolle Instanz wieder in Zucht und Ordnung zu halten.[52] Der jungkonservative Publizist Heinrich von Gleichen-Rußwurm formulierte dies folgendermaßen:

„Im Weimarer Staat machten sich die Machtansprüche der Parteien geltend. Hier mußte ein Ende gemacht werden. Man hatte endlich begriffen, daß ein Staat Staat sein muß, d. h. um der staatlichen Hoheit willen.“[53]

Speziell der individualistische Ausgangspunkt des auf Thomas Hobbes, John Locke und Jean-Jacques Rousseau zurückgehenden staatstheoretischen Vertragsdenkens wurde als „typisch britisch“ abgelehnt. Es würde dem „deutschen Wesen“ diametral entgegenstehen und die Bildung einer wahren Volksgemeinschaft verhindern. Oswald Spengler drückte dies 1919 in folgenden Worten aus:

„Im Politischen gibt es keine Wahl; jede Kultur und jedes einzelne Volk einer Kultur führt seine Geschäfte und erfüllt sein Schicksal in Formen, die mit ihm geboren und die dem Wesen nach unabänderlich sind. […] Wir brauchen die Befreiung von den Formen der englisch-französischen Demokratie. Wir haben eine eigene.“[54]

Die Demokratie sah er als „Formlosigkeit in jedem Sinne als Prinzip“, den Parlamentarismus als „verfassungsmäßige Anarchie“, und die Republik als „Verneinung jeder Art von Autorität“.[55]

Stattdessen wurde ein starker, autoritärer und keiner innerweltlichen oder transzendenten Legitimation von außen mehr bedürfender Staat angestrebt. Dieser wird damit in Nachfolge des hegelschen Staatsgedankens[56] fast zu einem höchstens noch vagen „Volkswillen oder Wohl“ verpflichteten Selbstzweck bzw. zu einem „Staat um seiner selbst willen“. Julius Binder beschrieb diesen 1933 als eine „ursprüngliche, selbstherrliche, nicht von den Bürgern abgeleitete Herrschaft, eine autoritäre Gewalt,“[57] und Friedrich Gogarten meinte 1932: „Die Hoheit des Staates bedarf keiner weiteren Sanktionierung, auch nicht durch die Kirche.“[58]

Von vielen Vertretern der Konservativen Revolution wurden ständische, korporative Modelle als Organisationsformen der Gesellschaft angestrebt. Diese seien organische Staatsauffassungen, die aus der Betonung der Ungleichheit der Menschen die Notwendigkeit einer – vorgeblich in der Natur begründeten – hierarchischen Ordnung in an die Ständeordnung des Mittelalters angelehnten Stufen ableiten.[59] Wegweisend war hierfür Othmar Spanns Schrift Der wahre Staat aus dem Jahr 1921, in dem er ausführt,

„daß jeder niedere Stand geistig vom jeweils höheren nach dem geistigen Lebensgesetz aller Gemeinschaft und Gemeinschaftsverbindung Unterordnung des Niedern unter das Höhere geführt wird.“[60]

Ständestaatlichen Ideen ist somit eine Elitevorstellung zu eigen, die auch einen autoritären oder totalen Staat – trotz der Bedeutung von Dezentralisierung und Selbstverwaltung im Ständestaat – und das Führerprinzip als durchaus damit vereinbar und sich ergänzend erscheinen lässt. Dennoch ist zu erwähnen, dass sich zumindest der TAT-Kreis um Hans Zehrer gleichermaßen gegen die Versuche der Errichtung eines autoritären Staates durch Franz von Papen als auch die Absolutsetzung einer Partei im Nationalsozialismus wandte.[61]

Nationaler Sozialismus der Konservativen Revolution[Bearbeiten]

Verschiedene Vertreter der Konservativen Revolution, wie Spengler, Sombart, Niekisch und die Lensch-Cunow-Haenisch-Gruppe standen auch dem Sozialismus nahe und strebten einen nationalen Sozialismus an. Ein dem marxistischen Impuls verwandter antikapitalistischer und antibürgerlicher Grundzug ist durchaus festzustellen.[62] So schreibt Kurt Sontheimer:

„Freilich war auch hier der Übergang von einem marxistisch-sozialistischen Entwurf eines neuen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems der Nation zum Gedanken der als deutscher Sozialismus ausgegebenen Volksgemeinschaft, die im selbstlosen Dienst für den Staat wirkt, durchaus fließend. Darum erhielt der für die antikapitalistische, antibürgerliche und pronationale Haltung zutreffende Doppelbegriff des nationalen Sozialismus nie eine eindeutig Kontur.“[62]

Der Sozialismusbegriff unterschied sich insofern von dem der „traditionell Linken“ als die soziale Frage gegenüber dem Willen, einen starken Staat zu bilden, stärker in den Hintergrund trat.

Der dem Sozialismus unentbehrliche Fortschrittsgedanke und Glaube an die Möglichkeit eines nach Rousseau zum „Besseren und Guten“ befähigten und durch pädagogische Bemühungen dazu „umzuwandelnden“ Menschen ist den meisten Vertreten der Konservativen Revolution eher fremd.[63]

Der Sozialismus der Konservativen Revolution lehnt ebenfalls das für den traditionellen Sozialismus fundamentale Postulat eines anzustrebenden Egalitarismus zugunsten einer gestuften, „natürlichen Rangordnung“, die sich z. B. in korporativen oder ständischen Strukturen verwirklichen lasse, ab. So sieht Othmar Spann in Der wahre Staat die Forderung nach Gleichheit als degenerationsfördernd:

„Sofern dabei durchgängig die große Menge die Höheren herabzieht und beherrscht, in der großen Menge jedoch abermals der Abschaum zur Herrschaft drängt, drängt Gleichheit zuletzt gar auf Herrschaft des Lumpenproletariats hin.“[64]

Ein wesentlicher Unterschied zum Marxismus und Sozialismus war die durchgehende Ablehnung des Internationalismus und „Fremden“.[65] Dies zeigt sich schon an den verwandten bzw. neu geschaffenen Begriffen „nationaler Sozialismus“, „deutscher Sozialismus“ und „preußischer Sozialismus“ (bei Spengler).

Ein weiterer wichtiger Unterschied zum traditionellen Sozialismus besteht in der Außerachtlassung ökonomischer Gesichtspunkte. Genaue Begriffe, Forderungen und Analysen wie z. B. die Erlangung der Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel, eine gerechtere Verteilung des Sozialprodukts und eine Theorie des Klassenkampfes sucht man hier vergebens. Sozialismus wird meist als eine vage, volkshafte, durch die Autorität des Staates zusammengehaltene Ordnung verstanden, in welcher der Einzelne seine egoistischen Interessen zugunsten des Dienstes an der Gemeinschaft aufgibt.[66] Die Klassengegensätze sollten in einer homogenen Volksgemeinschaft aufgehoben werden, und die Stärkung der Arbeiterschaft wurde als Mittel zur Stärkung der Nation begriffen.

Der Nationale Sozialismus versteht sich dabei auch als Weiterentwicklung bzw. verbesserte Fortentwicklung und Überwindung des Marxismus. So schreibt Moeller van den Bruck:

„Wo Marxismus endet, dort beginnt Sozialismus: ein deutscher Sozialismus, der berufen ist, in der Geistesgeschichte der Menschheit allen Liberalismus abzulösen.“[67]

Das Spektrum der sozialistischen Vorstellungen ist in sich dennoch vielfältig. Es reicht von einem traditionellen Sozialismus in nationalem Rahmen, wie im TAT-Kreis, bis zur völligen Umbiegung des Sozialismus-Begriffs in Richtung auf einen nationalen Einheitsstaat.[67] Dabei ist die Konservative Revolution – auch aufgrund mancher inhaltlicher Berührungspunkte – bemüht, sich von damals populären nationalbolschewistischen Vorstellungen und Modellen abzugrenzen.[68] Die Übernahme, Umdeutung und Besetzung von Begriffen der sozialistischen Arbeiterbewegung der 1920er Jahre bildet einen weiteren Baustein der Konservativen Revolution.[69]

Rassismus und Antisemitismus[Bearbeiten]

Das Verhältnis von der Konservativen Revolution zugeordneten beziehungsweise dieser nahestehenden Vertretern zum Rassismus und Antisemitismus ist unterschiedlich. Viele Personen wie Ernst Jünger, Edgar Julius Jung, Jörg Lanz von Liebenfels, Wilhelm Stapel, Theodor Fritsch, August Winnig, Willibald Hentschel oder Carl Schmitt bekannten sich zumindest in einer Phase ihres Wirkens mehr oder weniger offen zu rassistischem und/oder antisemitischem Gedankengut und förderten dies teilweise auch.

So schrieb Jung 1930, obwohl er eine Abstufung staatsbürgerlicher Rechte nach rassenmäßigen Gesichtspunkten ablehnte und Antisemitismus als Politik des Ressentiments kritisierte, von der „Tatsache wertvoller und minderwertiger Rassen“, die „den Niedergang der antiken Kulturen durch rassische Zersetzung mitverschuldet“ habe, und forderte die Emanzipation der Juden als Staatsbürger durch die „Hebung rassisch wertvoller Bestandteile des deutschen Volkes“ und die „Verhinderung minderwertigen Zustromes“ zu revidieren. August Winnig schrieb in Befreiung 1926 und in Das Reich als Republik 1928: „Blut und Boden sind das Schicksal der Völker.“[70] Willibald Hentschel entwickelte Projekte einer arischen Rassenzüchtung; Jörg Lanz von Liebenfels sprach vom „reingezüchteten und verklärten weißen Mensch der Zukunft“ und Carl Schmitt betonte 1936:

„Mit einem nur gefühlsmäßigen Antisemitismus ist es nicht getan; es bedarf einer erkenntnismäßig begründeten Sicherheit. […] Wir müssen den deutschen Geist von allen Fälschungen befreien, Fälschungen des Begriffes Geist, die es ermöglicht haben, dass jüdische Emigranten den großartigen Kampf des Gauleiters Julius Streicher als etwas ‚Ungeistiges’ bezeichnen konnten.“[71]

Ernst von Salomon schrieb das Drehbuch für den 1941 rassistisch-antisemitisch gefärbten gleichnamigen Spielfilm über den deutschen Afrikaforscher Carl Peters. Ernst Jünger distanzierte sich zwar von biologisch-rassisch begründeter Judenfeindschaft und half an der Ostfront verfolgten Juden, trat aber vor dem Krieg für eine politische und kulturelle Trennung von Deutschtum und Judentum ein, und kritisierte 1930 den vorhandenen Antisemitismus als „zu wenig wirksam und effizient“. Im Jahr 1925 schrieb Jünger:

„Im gleichen Maße jedoch, in dem der deutsche Wille an Schärfe und Gestalt gewinnt, wird für den Juden auch der leiseste Wahn, in Deutschland Deutscher zu sein, unvollziehbarer werden und er wird sich vor seiner letzten Alternative sehen, die lautet: in Deutschland entweder Jude zu sein oder nicht zu sein.“[72]

Der Stand der Forschung zu einem eventuell untergründigen Antisemitismus des allerdings nur von Mohler der Konservativen Revolution zugerechneten Thomas Mann ist nicht eindeutig.[73]

Wenige wie Oswald Spengler oder Othmar Spann distanzierten sich mehr oder minder eindeutig von Rassismus und Antisemitismus.

In den Theorien Spanns ist eine antisemitische Diskriminierung nicht erforderlich, und die nationalsozialistischen Rassentheorien werden von ihm abgelehnt.[74]

Oswald Spengler, der sich in Jahre der Entscheidung – Deutschland und die weltgeschichtliche Entwicklung 1933 ausdrücklich von der nationalsozialistischen Rassenideologie distanzierte, lehnte schon in Der Untergang des Abendlandes 1918 den Begriff der Rasse als unwissenschaftlich ab:

„Eine feste Einteilung der Rassen, der Ehrgeiz aller Völkerkundler, ist unmöglich. Der bloße Versuch widerspricht schon dem Wesen des Rassemäßigen, und jeder überhaupt denkbare systematische Entwurf ist eine unvermeidbare Fälschung und Verkennung dess, worauf es ankommt. Rasse ist im Gegensatz zu Sprache, durch und durch unsystematisch.“[75]

Verhältnis zum Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Die Konservativen Revolutionäre waren in der Regel keine aktiven Nationalsozialisten, die sich in der NSDAP betätigten und Adolf Hitler als Führer verherrlichten, standen aber ebenso wenig nationalsozialistischen Ideen in fundamentaler Ablehnung gegenüber.[76] Die Bewegung wird unter anderem von Kurt Sontheimer als einer der „intellektuellen Wegbereiter“ des Nationalsozialismus gesehen.[77] Eine heutzutage populäre historische Betrachtung und moralische Wertung der einzelnen Vertreter allein anhand ihrer Einstellung zur NSDAP oder der Person Hitlers hält Sontheimer für zu kurz gegriffen.[78]

Armin Mohler konstatiert, dass der Nationalsozialismus wie von anderen Gruppen so auch bei der Konservativen Revolution – speziell bei den Völkischen und den Nationalrevolutionären – Anleihen aufgenommen habe und somit als ein vergröbernder Verwirklichungsversuch ihrer Ideen aufgefasst werden könne.[79]

Trotz dieser Differenzierungen sei darauf hingewiesen, dass einige Autoren wie Zeev Sternhell „Konservative Revolution“ und „deutschen Faschismus“ mitunter relativ eng miteinander in eins setzen:

„Die konservative Revolution, das war der deutsche Faschismus, gleichzeitig entstand hier der Nationalsozialismus. Das liegt an der verhängnisvollen Relevanz der völkischen Definition der Nation.“[80]

Thomas Mann bezeichnete in einer Tagebuchnotiz vom 26. September 1933 den Nationalsozialismus als „politische Wirklichkeit jener konservativen Revolution“.[81]

Das unmittelbare Verhältnis zwischen der volkstümlich-populistischen nationalsozialistischen Bewegung und der elitären Konservativen Revolution blieb eher ambivalent bis angespannt bzw. feindselig, obgleich in der Publizistik der Bewegung oft Elemente späterer nationalsozialistischer Herrschaftsentfaltung vorweggenommen und propagiert wurden (z. B. das Dritte Reich) und ihr antidemokratischer Kampf gegen die Weimarer Republik dem Nationalsozialismus den Weg ebnete. Der Massencharakter des Nationalsozialismus, der von den konservativen „Revolutionären“ auch als „zu demokratischer Teil des Parteiensystems“ diffamiert wurde, war nur schwer vereinbar mit ihrer individualistischen, intellektuellen Bohème-Attitüde. Wegen des Elitedünkels, den sie kultivierten, fühlten sie sich vom proletarischen Gestus der nationalsozialistischen Massenbewegung nicht angesprochen. Diese Ambivalenz zwischen Bewunderung und „intellektueller Distanz“ wird an folgendem Text von Edgar Julius Jung recht deutlich:

„Die geistigen Voraussetzungen für die deutsche Revolution wurden außerhalb des Nationalsozialismus geschaffen. Der Nationalsozialismus hat gewissermaßen das „Referat Volksbewegung“ in dieser großen Werksgemeinschaft übernommen. Er hat es grandios ausgebaut und ist zu einer sozialen Macht geworden. […] Ich habe Achtung vor der Primitivität einer Volksbewegung, vor der Kämpferkraft siegreicher Gauleiter und Sturmführer. Aber ihre Arriviertheit gibt ihnen nicht das Recht, sich als das Salz der Erde zu betrachten und den geistigen Vorkämpfer geringzuachten …“[82]

Der Nationalsozialismus wurde von vielen Vertretern der Konservativen Revolution als eine prinzipiell zu begrüßende, ihre Vorstellungen vorbereitende und teilweise realisierende Entwicklung begrüßt, die noch „zu verbessern“ und/oder „zu überwinden“ sei.[83] Er wird als ein nützliches, später aber entbehrliches und selber zu beseitigendes Werkzeug zur praktischen Umsetzung der Vorstellungen der Konservativen Revolution betrachtet. So schreibt Hans Bogner 1932:

„Es kommt nicht auf das Programm an, nicht auf den Führer; bei einem Gefäß der Wahl und Werkzeug der Geschichte soll man nicht nach dem Eigenwert fragen. Aber man darf nicht hoffen, daß der konservative Glaube je in besserer Form solche Mengen erfaßt.[84] Die kleine Schar des konservativen Gedankens, die schon um die Ausgestaltung nach-demokratischer Herrschaftsformen ringt, kann erst dann tätig werden, wenn er [der Nationalsozialismus] ihr den Boden bereitet hat.“[85]

Die Einordnung der Opposition und des Widerstands von Vertretern der Konservativen Revolution gegenüber dem Nationalsozialismus sowie die Verfolgung ihrer Ideen und Vertreter durch selbigen muss besonders unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses zweier sich in Weltanschauung und manchen Einzelvorstellungen nahestehenden und trotzdem in Konkurrenz zueinander befindlichen Gruppierungen betrachtet werden. Mohler beschreibt das Verhältnis beider zueinander als das einer „relativ unbeweglichen Massenpartei“ zu einem „geistig regeren kleineren Kreise“. Er charakterisiert die Konservative Revolution in Analogie zur russischen Revolution als „Trotzkisten des Nationalsozialismus“, die nach der „Machtergreifung“ der „Partei“ meist besonders harter Verfolgung als „Häretiker“ ausgesetzt seien.[86]

Die Reaktion von Vertretern der Konservativen Revolution auf die Machtübernahme und das Regime reichen von mehr oder minder ausgeprägter Zustimmung und/oder Mitarbeit, über „Rückzug ins Privatleben“ (Friedrich Hielscher), vorsichtige Distanzierung und/oder passiven, verdeckten Protest (Spengler, Friedrich Georg Jünger in seinem Gedicht Der Mohn,[87] Ernst Jünger in seiner Erzählung Auf den Marmorklippen), Emigration (Otto Strasser, Hans Ebeling) bis zu offenem Widerstand (Niekisch, Niemöller, Stauffenberg, Harro Schulze-Boysen, Jung[88]). Die Repressionen seitens des Nationalsozialismus reichen von Behinderung der Wirkungsmöglichkeiten (Albrecht Erich Günter, Ernst Jünger) bis zu Verhaftung und Ermordung in Konzentrationslagern (Niemöller, Othmar Spann, Harro Schulze-Boysen, Albrecht Haushofer und Ernst Niekisch).[89]

Die direkte Zuordnung einiger Vertreter der Konservativen Revolution zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus[90] ist sehr problematisch, da diese Personen entweder nur von Armin Mohler dieser zugerechnet werden (Niemöller, Schulze-Boysen) oder nur sehr eingeschränkt als Widerständler zu bezeichnen sind (Niekisch). So schreibt Hans Mommsen:

„Dem nationalkonservativen Widerstand gehörten in der Regel Persönlichkeiten an, die ursprünglich die nationalsozialistische Politik teilweise gutgeheißen, und dem Regime loyal gegenübergestanden hatten. […] Die vom Liberalismus repräsentierte aufklärerische Tradition wurde von den Verschwörern, die in dieser Hinsicht den konservativen und neokonservativen Strömungen der Weimarar Zeit verpflichtet waren, entschieden abgelehnt.“[91]

Verhältnis zum Christentum[Bearbeiten]

Auch wenn das Christentum – besonders in seiner kirchlichen Form und vielen seiner Repräsentanten – und der Konservativismus im heutigen und noch stärker im „Weimarer“ Alltagsverständnis meist in vielen Punkten als eng verwandt empfunden werden (was in Blick auf die „Altkonservativen“ zum Teil auch gerechtfertigt erscheint), sind die Unterschiede zwischen den fundamentalen Positionen der meisten Vertreter der Konservativen Revolution und des Christentums dennoch größer als die Gemeinsamkeiten.[92]

Als ein fundamentaler Unterschied ist die gänzlich andere Auffassung von „Sinn und Ziel der Geschichte“ zu begreifen. Während die Konservative Revolution diese meist als einen „im Werden“ begriffenen, von Risiken und Zwischenstufen begleiteten (manchmal wie bei Spengler auch zirkulären) Vorgang ohne exakt absehbares Endergebnis begreift, betont das christliche Geschichtsbild eher den „linearen, aufwärtsgerichteten“ und „vorherbestimmten Gang“ der Entwicklung vom Tod Christi bis zum Jüngsten Gericht.[93]

Ein weiterer fundamentaler Unterschied ist die Antwort auf die Frage nach dem „absoluten Wert des Individuums“. Die christliche Lehre betont, auch in den Schriften vieler Denker wie z. B. Romano Guardini, explizit den „Wert und die unteilbare Würde des Individuums“ gegenüber den Interessen jeglicher Gemeinschaft, Gesellschaft oder Assoziation.

Diese christlichen „Wertschätzung des Individuums“ scheinen mit Äußerungen mancher Vertreter der Konservativen Revolution, die ein wie auch immer gestaltetes Kollektiv dem Einzelnen vorordnen, unvereinbar. Ein Beispiel für das angestrebte „organische Gemeinschaft“ mag dabei folgendes, in theologischem Duktus gehaltene Zitat von Herbert Ullmann aus dem Jahr 1929 sein:

„Ich gebe, damit du gebest: dies ist die auf einen Individualismus gegründete Gesellschaft. Ich gebe mich ganz, um aus der Gemeinschaft mein Ich gesteigert zurückzuempfangen: dies das eigentliche innerliche Erlebnis der Gemeinschaft.“[94]

Trotz dieser grundsätzlichen Unterschiede ist festzustellen, dass manche der Konservativen Revolution zugeordnete Menschen, wie Hermann Ullmann, August Winnig, Martin Niemöller, Friedrich Gogarten, Hans Althaus, mit ihren „in die Nähe jungkonservativer Lehren führenden Bemühungen“, überzeugte Christen waren, die der Meinung waren, christliche Glaubensgrundsätze mit den Zielen der Konservativen Revolution in Übereinstimmung bringen zu können.[95]

Untergruppierungen nach Mohler[Bearbeiten]

Armin Mohler fasste Nationalrevolutionäre, Jungkonservative, Völkische, Bündische und Landvolkbewegung als die fünf Hauptgruppen einer Konservativen Revolution, die es allerdings unter diesen Sammelbezeichnungen im Untersuchungszeitraum des Autors, den zwanziger und dreißiger Jahren, nicht gab. Er gliedert die Vertreter der in fünf Untergruppen (bei ihm Leitbilder), wobei er die Unterschiede innerhalb der Untergruppen dabei für geringer als innerhalb der Obergruppe erachtet. Widersprüche zwischen Unter- und Obergruppen bezüglich einzelner Aussagen schließt Mohler nicht aus.[96]

Völkische[Bearbeiten]

Die auf die wilhelminische Zeit zurückgehende, radikal judenfeindliche völkische Bewegung vereinigte synkretistisch verschiedenste Ansätze. Sie berief sich auf Begriffe wie „Rasse“, „Nordische Rasse“, das „Germanentum“ oder auf den Gegensatz zwischen einer „hellen Lichtrasse“ und ihrem Gegenpart. Dabei werde der Begriff der Rasse nicht nur biologisch, sondern auch kultürlich, z. B. als „gemeinsame Sprache“[97] oder „Ausdruck einer Landschaftsseele“,[98] aufgefasst. Das Christentum wurde teilweise, z. B. in Germanisierung des Christentums von Arthur Bonus oder in Ein arischer Christus? von Jakob Wilhelm Hauer, im „arischen Sinn“ umgedeutet. Die Gruppe steht ferner diversen esoterischen, spiristischen, und neopaganistischen Lehren und Theorien – wie z. B. der „Suche nach Atlantis[99] oder Lehren der sogenannten „Theozoologie“[100] – nahe. Diese würden teilweise dazu verwandt, die rassistischen Ideen zu untermauern.[101] Obgleich sich einzelne völkische Organisationen und Personen dem Nationalsozialismus in unterschiedlich enger Form anschlossen und die „Machtergreifung“ Hitlers von völkischer Seite mehrheitlich begrüßt wurde, verloren die nach 1933 fortbestehenden völkischen Organisationen rasch an Bedeutung. Den Völkischen werden unter anderem Theodor Fritsch, Willibald Hentschel, Otto Ammon, Houston Stewart Chamberlain, Guido von List, Jörg Lanz von Liebenfels, Herman Wirth, Ernst Graf zu Reventlow, Erich Ludendorff, Ludwig Woltmann und Jakob Wilhelm Hauer zugeordnet.[102]

Seitens der Völkischen Bewegung bestanden weniger ideologische als vielmehr politisch-praktische und machtpolitische Widersprüche zum Nationalsozialismus. So entwickelten die Vertreter der Völkischen keine zum Nationalsozialismus vergleichbaren Sozialprogramme (wiewohl es auch einige völkische Gewerkschaften wie z.B. den Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband gab). Viele ihrer Anführer machten sich in Konkurrenz zu Hitler Hoffnungen, „Führer“ einer „Deutschen Revolution“ zu werden.[103]

Nationalrevolutionäre[Bearbeiten]

Die Vertreter der Nationalrevolutionären Bewegung waren im Allgemeinen jünger und von den Fronterlebnissen des Ersten Weltkriegs und der Niederlage von 1918 entscheidend geprägt. Bei ihnen sei der „revolutionäre Wille“ am stärksten ausgeprägt. Das konservative, bewahrende Element trete demgegenüber stark in den Hintergrund. Sie seien von allen Gruppen am ehesten bereit gewesen, Fortschritt und Technik zur Erreichung ihrer Ziele – allerdings nicht als Ziel an sich – zu akzeptieren.[104] So schreibt Franz Schauwecker 1931:

„Denn diese Zeit ist nur wert vernichtet zu werden. Aber um sie zu vernichten, muss man sie zuerst kennen. […] Man mußte die Technik völlig sich unterwerfen, indem man sie bis ins letzte durchformte. […] Die Bewunderung des Apparates – das war das Gefährliche. Er verdiente keine Bewunderung, er musste nur benutzt werden.“[105]

Bei ihnen sei als einziger Gruppe eine starke Affinität zu sozialen Fragen und zum Sozialismus vorhanden. Eine Aufteilung in die üblichen Schemata von „Rechts und Links“ lehnten sie ab. Eine unkapitalistische Ordnung sei aus ihrer Sicht wünschenswert, könne aber nur auf der Basis der Nation geschaffen werden.[106] Sie stehen damit dem Nationalbolschewismus am nächsten und betrachten den sowjetrussischen Versuch durchaus mit Sympathie. Der TAT-Kreis um Hans Zehrer steht nach Mohler zwischen Nationalrevolutionären und Jungkonservativen. Vertreter dieser Gruppe sind unter anderem Ernst Jünger, Friedrich Georg Jünger, Friedrich Hielscher, Ernst von Salomon, Hartmut Plaas, Franz Schauwecker, Harro Schulze-Boysen und die Kreise um Otto Strasser und Ernst Niekisch.

Jungkonservative[Bearbeiten]

Der Name Jungkonservative hat sich für eine Anzahl von Personen eingebürgert, die sich ab 1918 unter der geistigen Führung von Moeller van den Bruck gebildet hat. Der Wortbestandteil „Jung“ deutet dabei auf die Abgrenzung zum bloß bewahrenden bzw. auch reaktionären Konservatismus hin. Von den Gruppen der Völkischen und der Nationalrevolutionäre würden sie sich dadurch unterscheiden, dass der „revolutionäre Wille“ bei ihnen weit weniger ausgeprägt erscheine. Ihre Vorstellungen seien konkreter ausgearbeitet und betonten die Bedeutung einer klaren gesellschaftlichen Gliederung. Ihre Idealvorstellung verweise auf eine überstaatliche im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation am ehesten verwirklichte Form. Den auf einem einheitlichen Volk beruhenden geschlossenen Nationalstaat lehnten sie als zu eng gefasste Lösung ebenso ab wie ein imperialistisches, auf verschiedenen Volksgruppen basierendes staatliches Gebilde. Der Staatsentwurf Bismarcks wird daher ebenso wie der Hitlers verworfen. Außerdem fände sich bei den Jungkonservativen als einziger der fünf Gruppen ein deutlicher inhaltlicher sowie personeller Bezug zum Christentum.[107] Edgar Julius Jung drückte dies 1933 wie folgt aus:

„Der Nationalstaatsgedanke ist die Übertragung individualistischer Lehren vom Einzelmenschen auf den Einzelstaat. Seine Gefahr ist die Ausrottung fremden Volkstums. […] Staat und Volkstum sind nur im nationaldemokratischen Denken gleichbedeutend. […] Der Überstaat (Reich) ist eine Herrschaftsform, die sich über den Volkstümern erhebt, und sie deshalb unangetastet lassen kann. Nur darf er nicht total sein wollen, er muß Autonomien und Eigenständigkeiten anerkennen.“[108]

Als Vertreter der Jungkonservativen sieht Mohler unter anderem Arthur Moeller van den Bruck, den frühen Thomas Mann, Heinrich Freiherr von Gleichen, Edgar Julius Jung, Hans Bogner, August Winnig, Hermann Ullmann, Wilhelm Stapel, Ulrich von Brockdorff-Rantzau, Hans von Seeckt, Friedrich Gogarten, Georg Quabbe, Paul Althaus, Othmar Spann und mit Einschränkungen Carl Schmitt.

Bündische und Landvolk[Bearbeiten]

Die beiden Gruppen der Bündischen Jugend und der Landvolkbewegung unterscheiden sich nach Mohler von den anderen drei dadurch, dass sie mehr handlungsorientiert und weniger theoriefixiert sind, und Ansätze zu eigenen Theorien meist aus dem Gedankenfundus der drei anderen Gruppen synthetisieren.

Bündische Jugend[Bearbeiten]

Bei der Bündischen Jugend, die sich eher als elitären Lebensbund empfand, erlangten symbolische Handlungen und feierlich-mythische Formen Bedeutung. Teile der bündischen Jugend waren bis 1933 in ihren politischen Ansichten so weit in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt, dass sie sich als Teil der „nationalen Erhebung“ verstehen konnten.[109] Eine zeitweilige Wirkung konnten diese Gruppen dadurch entfalten, dass viele ihrer Vertreter zwischen 1933 und 1935 mittlere Führungsaufgaben in der Hitlerjugend übernahmen.

Landvolkbewegung[Bearbeiten]

Die Landvolkbewegung – eine politische Kraft aus Schleswig-Holstein (später auch in anderen Reichsgebieten) –, die gegen Ende der 1920er Jahre meist passiven Widerstand in Form von Demonstrationen, Steuerboykotten (allerdings auch bis zu Anschlägen) zur Durchsetzung materieller und ideeller „agrarischer Interessen“ leistete, wird von Mohler ebenfalls der Konservativen Revolution zugerechnet.[110]

Nach 1945[Bearbeiten]

Nach 1945 wurde und wird der Begriff erweitert verwandt. Er dient einerseits zur Klassifizierung sich auf die Konservative Revolution berufender „neurechter Ideen“. Darüber hinaus wird er ebenso in öffentlichen Debatten über die Formulierung gesellschaftlich kontrovers diskutierter Äußerungen einzelner Autoren sowie zur Kennzeichnung diverser internationaler neokonservativer Strömungen verwandt.

Konservative Revolution und Neue Rechte[Bearbeiten]

Etliche Vertreter der Neuen Rechten beziehen sich ausdrücklich auf Gedanken und Strategien der Konservativen Revolution. So schreibt Armin Pfahl-Traughber:

„Die neue Rechte bezieht sich unmittelbar auf die Theoretiker der Konservativen Revolution und kann von daher als ihr geistiger Erbe in der Gegenwart bezeichnet werden. Obwohl sie mit ähnlichen Positionen und Strategien arbeitet wie ihr Vorbild, konnte sie bislang weder eine ähnliche Bedeutung noch ähnliche Wirkung entfalten.“[111]

Die Neue Rechte stellt dabei nach Uwe Backes und Eckhard Jesse eine „intellektuell vergleichsweise anspruchsvolle Strömung des Rechtsextremismus dar, welche sich am Vorbild der Konservativen Revolution der Weimarer Republik orientiert und mit einer metapolitischen Strategie in erster Linie auf die Umwertung bestehender Werte zielt.“[112] Der Historiker und Mitbegründer des Instituts für Staatspolitik, Karlheinz Weißmann, betont ebenso den Zusammenhang beider Strömungen:

„Die neue Rechte ist insofern alt, als ihre „postmodernen“ Gedanken sich teilweise in der Konservativen Revolution finden.“[113]

Die Wiederbelebung der Ideen der Konservativen Revolution ging nach dem Krieg zuerst nicht von Deutschland, sondern von Frankreich aus, wo sich die Intellektuellengruppe Groupement de recherche et d’études pour la civilisation européenne (GRECE) herausbildete.[114] Bei der Nouvelle Droite gibt es einen starken Bezug zu den deutschen Denkern der Konservativen Revolution. Alain de Benoist verfasste ein Buch über Arthur Moeller van den Bruck,[115] forderte eine „Kulturrevolution von rechts“ und gibt seit 1990 eine Buchreihe mit dem Titel Konservative Revolution heraus.[116]

Die von verschiedenen Politologen als Sprachrohr der Neuen Rechten bezeichnete Wochenzeitung Junge Freiheit und manche ihrer Autoren beziehen sich auf die Tradition der Konservativen Revolution und verweisen auf „die Wurzeln einer heutigen intellektuellen Rechten, die ja nicht im luftleeren Raum stehe“.[117] 1993 warb die Zeitung Abonnenten mit dem Slogan „Jedes Abo eine konservative Revolution“.[118]

Auch Denker der russischen nationalistischen Rechten, wie zum Beispiel Alexander Dugin, der Mitbegründer der Nationalbolschewistischen Partei Russlands, beziehen sich auf Gedanken der Konservativen Revolution.[119]

Öffentliche Diskussionen[Bearbeiten]

Auch in öffentlichen Diskussionen über extrem kontrovers diskutierte Äußerungen von Autoren wie Peter Sloterdijk (Regeln für den Menschenpark), Ernst Nolte (Historikerstreit), Botho Strauß,[120][121] Peter Handke oder Martin Walser wird gelegentlich der Vorwurf einer Repopularisierung der Konservativen Revolution erhoben.[122] So verortet Die Berliner Literaturkritik einige zeitgenössische Autoren in einer irrationalen, antiaufklärerischen Tradition der Konservativen Revolution:

„Walsers in den letzten zwanzig Jahren stetig wachsender Hang zum Irrationalen und zum ‚Schicksal‘ wiederholt, wie auch bei Strauß und Handke, sattsam bekannte Motive der ‚Konservativen Revolution‘. Auch die versprengten Akteure dieses Antirationalismus – zu denen neben echten Obskurantisten wie Ludwig Klages oder Ernst Niekisch immerhin auch Thomas Mann und Gottfried Benn gehörten – waren der ‚Zivilisation‘ und der Aufklärung müde.“[123]

Ein weiteres Beispiel dafür ist die Kritik an Uwe Tellkamps Roman Der Eisvogel aus dem Tagesspiegel:

„Der Eisvogel ist das Plädoyer für eine konservative Revolution, und zwar für eine, wie sie Hugo von Hofmannsthal 1927 in seiner Münchner Rede über ‚Das Schrifttum als geistigen Raum der Nation‘ forderte, lange bevor der Begriff von der Neuen Rechten politisch okkupiert wurde.“[124]

Verwendung für neokonservative Strömungen[Bearbeiten]

Seit den 1980er Jahren werden auch diverse neokonservative Bestrebungen in der Publizistik und vereinzelt in der Literatur[125] als „Konservative Revolution“ (bzw. in teilweise anderer Begriffsdefinition als „New Conservative Revolution“) bezeichnet. So wurden und werden der Thatcherismus,[126] Bestrebungen in der Republikanischen Partei um Barry Goldwater, Ronald Reagan[127] und George W. Bush sowie konservative Tendenzen in Frankreich[128] unter Nicolas Sarkozy in der Presse trotz aller Unterschiede häufig unter dem Begriff „Konservative Revolution“ subsumiert. Zum Beispiel überschrieb der Genfer Le Temps einen Artikel über Christoph Blocher mit dem Titel La révolution conservatrice.[129]

Der Soziologe Pierre Bourdieu sieht Gemeinsamkeiten zwischen aktuellen neoliberalen Strömungen in Deutschland und den Vereinigten Staaten sowie der Konservativen Revolution der Weimarer Republik.[130] Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie verwendet den Begriff der Konservativen Revolution für die Religiöse Rechte in den USA:

„Die konservative Revolution steht weiterhin auf der Tagesordnung. […] Die Christian Coalition verkörpert den Aufstieg der christlichen Rechten und ist heute ‚das stärkste und mobilste Bataillon der konservativen Revolution‘.“[131]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

zur Weimarer Zeit

  • Stefan Breuer: Anatomie der Konservativen Revolution. [1993], 2. durchgesehene und korrigierte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995 (begriffskritisch).
  • Louis Dupeux: La révolution conservatrice allemande sous la république de Weimar – coll. Histoire des idées, théorie politique et recherches en sciences sociales. Kimé, Paris 1992, ISBN 2-908212-18-8.
  • Richard Faber: Roma aeterna. Zur Kritik der konservativen Revolution. Cornelsen Verlag, 1991, ISBN 3-589-20599-7.
  • Marie-Luise Heuser: Was Grün begann endete blutigrot. Von der Naturromantik zu den Reagrarisierungs- und Entvölkerungsplänen der SA und SS. In: Dieter Hassenpflug (Hrsg.): Industrialismus und Ökoromantik. Geschichte und Perspektiven der Ökologisierung. Deutscher Universitätsverlag Sozialwissenschaft, Wiesbaden 1991, S. 43–62.
  • Milan Horňáček: Konservative Revolution – ein Desiderat der Literatursoziologie? (PDF; 247 kB) In: LiTheS Zeitschrift für Literatur- und Theatersoziologie 2 (2009), S. 31–53.
  • Jahrbuch zur Konservativen Revolution. Köln 1994, ISBN 3-928415-15-8 (div. Artikel heutiger Autoren, Rez. Breuer, Dokumentationen, umfangreiche Bibliographie S. 361–399).
  • Klemens von Klemperer, Marianne Schön: Konservative Bewegungen zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. Oldenbourg, München 1962.
  • Ilse Korotin, Volker Eickhoff (Hrsg.): Sehnsucht nach Schicksal und Tiefe. Der Geist der Konservativen Revolution, Picus-Verlag, Wien 1997.
  • Armin Mohler: Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Ein Handbuch. (1. Auflage 1950, erweiterte 6. Auflage, hrsg. von Karlheinz Weißmann), Leopold Stocker Verlag, Graz 2005, ISBN 3-902475-02-1 (affirmativ).
  • Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. (1. Auflage 1962), dtv, München 2000, ISBN 3-423-04312-1 (ideen- und begriffsgeschichtlich).

zu Einzelvertretern

  • Alexander Bahar: Sozialrevolutionärer Nationalismus zwischen Konservativer Revolution und Sozialismus: Harro Schulze-Boysen und der „Gegner“-Kreis. Fölbach 1992, ISBN 3-923532-18-0.
  • Claudia Bruns: Ricarda Huch und die Konservative Revolution, WerkstattGeschichte 25, Ergebnisse Verlag, Hamburg 2000.
  • Christopher Hausmann: August Winnig und die „konservative Revolution“: ein Beitrag zur ideengeschichtlichen Debatte über die Weimarer Republik. In: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Nr. 32/1996, S. 23–46, ISSN 0046-8428.
  • Rolf Peter Sieferle: Die konservative Revolution. Fünf biographische Skizzen. Frankfurt a. Main 1995. (biographischer Zugang, fünf Exponenten: Lensch, Sombart, Spengler, Jünger, Freyer).
  • Michael Thöndl: Oswald Spengler in Italien. Kulturexport politischer Ideen der „Konservativen Revolution“. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2010.
  • Friedrich Walz: Ricarda Huch und das „Dritte Reich“. Braunschweig 2014.

zur Neuen Rechten

  • Siegfried Jäger, Jobst Paul: Diese Rechte ist immer noch Bestandteil dieser Welt – Aspekte einer neuen Konservativen Revolution. Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, 2001, ISBN 3-927388-78-5.
  • Helmut Kellershohn: Zwischen Wissenschaft und Mythos. Einige Anmerkungen zu Armin Mohlers „Konservative Revolution“. In: Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hrsg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analysen rechter Ideologie. Münster 2005, ISBN 3-89771-737-9 (kritisch).
  • Armin Pfahl-Traughber: Konservative Revolution und Neue Rechte. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat. Leske + Budrich, Opladen 1998, ISBN 3-8100-1888-0.

zu anderen Ländern

  • Hans-Wilhelm Eckert: Konservative Revolution in Frankreich? – Die Nonkonformisten der Jeune Droite und des Ordre Nouveau in der Krise der 30er Jahre. Oldenbourg-Verlag, München 2000, ISBN 978-3-486-56441-9.
  • Dominik Geppert: Thatchers konservative Revolution. Oldenbourg, 2002, ISBN 3-486-56661-X.
  • Claus Leggewie: America first? Der Fall einer konservativen Revolution. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-13496-X.
  • Michael Thöndl: Oswald Spengler in Italien. Kulturexport politischer Ideen der „Konservativen Revolution“. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86583-492-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stefan Breuer: Die „Konservative Revolution“ – Kritik eines Mythos.“ In: Politische Vierteljahresschrift, Jahrgang 31, 1990, Heft 4, S. 606 ff.
  2. Werner Weidenfeld und Karl-Rudolf Korte: Handbuch zur deutschen Einheit, Campus Verlag, 1996, S. 291. Kurt Lenk, Henrique Ricardo Otten, Günter Meuter: Vordenker der Neuen Rechten, Campus Verlag, 1997, S. 11. Günter Rohrmoser und Michael Grimminger: Deutschlands Tragödie – Der geistige Weg in den Nationalsozialismus, Olzog, 2002, S. 86f. Hans Joachim Hahn: German Thought and Culture – From the Holy Roman Empire to the Present Day, Manchester University Press, 1995, S. 126, 196. Jan Herman Brinks: Germay’s New right. In: Jan Herman Brinks, Edward Timms, Stella Rock: National Myths and the modern media – contested identities in the age of globalisation, I.B.Tauris, 2006, S. 125. Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Walter de Gruyter, 1999, S. 539. Henry Stuart Hughes: Oswald Spengler, Transaction Publishers, 1991, S. 132f.
  3. Armin Pfahl-Traughber: Konservative Revolution und Neue Rechte. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat, Leske + Budrich, Opladen 1998, S. 13.
  4. Karl Marx, Friedrich Engels: Reden auf der Gedenkfeier in Brüssel am 22. Februar 1848 zum 2. Jahrestag des Krakauer Aufstandes von 1846.
  5. Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche – Action française, Italianischer Faschismus, Nationialsozialismus. Piper Verlag, 1964, S. 179.
  6. Original: «En pratique, on ne réussira jamais une Révolution, surtout une Révolution conservatrice, une Restauration, un retour à l’Ordre qu’avec le concours de certains éléments administratifs et militaires.» Charles Maurras: Enquête sur la monarchie. S. 509–510.
  7. Thomas Mann: Große kommentierte Frankfurter Ausgabe. Frankfurt 2002, Band 15, S. 341.
  8. Hugo von Hofmannsthal: Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation. S. 31.
  9. Walther Killy: Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache, Band 14: Weimarer Republik. Bertelsmann, Gütersloh 1993, S. 488–499
  10. Thomas Mann hielt in einer Tagebuchnotiz vom 26. September 1933 fest, dass Hofmannsthal sich zur „konservativen Revolution“ zwar positiv verhalten habe, „unbekümmert um die Gestalt, in der die wildgewordenen Untermittelstandsmassen sie in Deutschland verwirklichen würden“. Vielleicht habe man allerdings die Realität dieser Bewegung in Deutschland leichter voraussehen können als in Wien. Vermutlich würde auch Hofmannsthal dem widerstehen. Quelle: Thomas Mann: Tagebücher 1933–1934. Frankfurt am Main 1997, Hrsg. Peter de Mendelssohn.
  11. Zitiert nach Ulrich Weinzierl: Hofmannsthal, Skizzen zu seinem Bild. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 44.
  12. „Konservative Revolution nennen wir die Wiederinachtsetzung all jener elementaren Gesetze und Werte, ohne welche der Mensch den Zusammenhang mit der Natur und mit Gott verliert und keine wahre Ordnung aufbauen kann. An Stelle der Gleichheit tritt die innere Wertigkeit, an Stelle der sozialen Gesinnung der gerechte Einbau in die gestufte Gesellschaft, an Stelle der mechanischen Wahl das organische Führerwachstum, an Stelle […] des Massenglücks das Recht der Volkspersönlichkeit“ Aus Edgar Julius Jung: Deutschland und die konservative Revolution. In: Deutsche über Deutschland. Die Stimme des unbekannten Politikers. München 1932, S. 380; zitiert nach Assheuer/Sarkowicz 1992, S. 149.
  13. Detlev W. Schumann: Gedanken zu Hofmannsthals Begriff der ‚Konservativen Revolution‘. In: Publications of the Modern Language Association of America 54, Nr. 3 (1939), S. 853–899.
  14. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Ein Handbuch. Dritte, um einen Ergänzungsband erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, S. 10.
  15. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Ein Handbuch. Dritte, um einen Ergänzungsband erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, S. 10 f.
  16. Louis Dupeux: La révolution conservatrice allemande sous la république de Weimar.
  17. Stefan Breuer: Anatomie der Konservativen Revolution. S. 4, 9.
  18. Bernhard Dietz: Gab es eine „Konservative Revolution“ in Großbritannien? – Rechtsintellektuelle am Rande der Konservativen Partei 1929–1933. Vgl. Marcello Veneziani: La rivoluzione conservatrice in Italia; sowie Armin Mohler: George Sorel – Erzvater der Konservativen Revolution. Edition Antaios, 2002.
  19. Peter Gay: Die Republik der Außenseiter – Geist und Kultur in der Weimarar Zeit 1918–1933. S. 71–93; vgl. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland, S. 73, 132.
  20. Armin Mohler, Karlheinz Weissmann: Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932 – Ein Handbuch. 6. überarbeitete Auflage. Graz 2005, S. 379 f (Spengler, Mann, Schmitt); S. 467 ff (Jung, Spann); S. 472 (Hans Freyer); S. 479 (Niemöller); S. 62 (Lensch-Cunow-Henisch-Gruppe); S. 372 (Hofmannsthal, George); S. 470 (Winnig); S. 110 ff, 415 (Quabbe [5. Aufl. 1999]); S. 465 (Stapel).
  21. Thomas Mann: Tagebücher 1933–1934. Hrsg. Peter de Mendelsohn, Fischer, Frankfurt am Main 1997, S. 194
  22. Matthias Schloßberger: Ernst Jünger und die „Konservative Revolution“ – Überlegungen aus Anlass der Edition seiner politischen Schriften. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur Online (IASL).
  23. Rolf Peter Sieferle: Die konservative Revolution – Fünf biographische Skizzen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt, 1995, S. 86, 25.
  24. Richard Herzinger: Feldzeichen des Nichts – Die Gewaltphilosophie der Konservativen Revolution und der Chiliasmus der deutschen Übermoderne. In: Frauke Meyer-Gosau und Wolfgang Emmerich: Gewalt, Faszination und Furcht; Jahrbuch für Literatur und Politik in Deutschland 1. Reclam, Leipzig, 1994, S. 74, 75.
  25. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Grundriß ihrer Weltanschauungen. Friedrich Vorwerk Verlag, Stuttgart 1950, S. 90.
  26. Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. S. 201–207 und 279 ff.
  27. Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik, Kapitel 3 Die Politisierung des Irrationalismus. S. 54–63.
  28. a b Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. S. 119.
  29. Gustav Steinbömer: Betrachtungen über den Konservatismus in Deutsches Volkstum. 1932, S. 26.
  30. Edgar Jung: Deutschland und die konservative Revolution. 1932, S. 380.
  31. Zit. nach Hans Mommsen: Die verspielte Freiheit – Der Weg der Republik von Weimar in den Untergang 1918 bis 1933, Die Auflösung des parlamentarischen Systems. Propyläen, Geschichte Deutschlands, Berlin 1989, S. 313.
  32. Hans Mommsen: Die verspielte Freiheit – Der Weg der Republik von Weimar in den Untergang 1918 bis 1933, Die Auflösung des parlamentarischen Systems. Propyläen, Geschichte Deutschlands, Berlin 1989, S. 313.
  33. Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. S. 123.
  34. Carl von Ossietzky: „Antisemiten“, Die Weltbühne vom 19. Juli 1932, S. 89.
  35. Arthur Moeller van den Bruck: Das dritte Reich. 3. Aufl. Hrsg. von Hans Schwarz, Hamburg 1931, S. 189.
  36. Arthur Moeller van den Bruck: Das dritte Reich. 3. Aufl. Hrsg. von Hans Schwarz, Hamburg 1931, S. 202.
  37. Interview von Peter Bossdorf mit dem französischen Schriftsteller und Philosophen Alain de Benoist auf www.zinnober.net. (PDF; 109 kB)
  38. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Grundriß ihrer Weltanschauungen. Friedrich Vorwerk Verlag, Stuttgart 1950, S. 146–151.
  39. Gustav Steinbömer: Betrachtungen über den Konservatismusm in Deutsches Volkstum. 1932, S. 26.
  40. Sontheimer, S. 144.
  41. Sontheimer, S. 142.
  42. Keith Bullivant: The Conservative Revolution. In: Anthony Phelan: The Weimar Dilemma – Intellectuals in the Weimar Republic. Manchester University Press, 1985, S. 52; zitiert nach John King: Writing and Rewriting the First World War – Ernst Jünger and the Crisis of the conservative Imagination 1914–25. S. 249, auf www.juenger.org (PDF; 2,3 MB).
  43. Moeller van den Bruck: Das Dritte Reich. S. 119.
  44. „Er war zwar in seinen Grundpositionen zutiefst antidemokratisch, antiparlamentarisch und antiliberal, aber sein Ziel war es, die gleichsam ‚aristokratische‘ Diktatur des Reichspräsidenten zu legitimieren und zu stärken. Es ging […] letztlich darum, ein präsidial-autoritäres System mit plebiszitären Elementen zu errichten, zu Lasten der Rolle des Parlaments“; Rezension von Erwin von Beckeraths „Wesen und Werden des faschistischen Staates“ (zitiert nach Positionen und Begriffe, S. 125).
  45. Sontheimer, S. 153.
  46. Harro Segeberg: Ernst Jünger im 20. Jahrhundert. S. 81, 129 ff.
  47. Ernst Jünger: „Schließt Euch zusammen!“ In: Standarte, 1. Jahrgang, Heft 10 vom 3. Juni 1926, S. 223; zitiert nach: Tobias Wimbauer: Ernst Jünger – Leben und Schreiben in Diktatur und Demokratie im 20. Jahrhundert. Auf www.studienzentrum-weikersheim.de.
  48. Hans Zehrer: Das Ende der Parteien. In: Die TAT, 24, S. 68, im Jahr 1932.
  49. Othmar Spann: Der Wahre Staat. S. 110–118.
  50. Edgar Julius Jung: Die Herrschaft der Minderwertigen – Ihr Zerfall und ihre Ablösung durch ein neues Reich. S. 333.
  51. Alfred Weber: Die Krise des modernen Staatsgedankens in Europa. Stuttgart 1925.
  52. Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. S. 193.
  53. Heinrich von Gleichen-Rußwurm: Reich und Reichsführung. In: Europäische Revue 8, 1932, S. 770.
  54. Oswald Spengler: Preußentum und Sozialismus. 1919, S. 56–57, 103.
  55. Oswald Spengler: Jahre der Entscheidung. 1933, dtv, 1961, S. 52.
  56. Georg Wilhelm Friedrich Hegel in Grundlinien der Philosophie des Rechts. Naturrecht und Staatswissenschaft: „§ 258 Der Staat ist als die Wirklichkeit des substantiellen Willens, die er in dem zu seiner Allgemeinheit erhobenen besonderen Selbstbewußtsein hat, das an und für sich Vernünftige. Diese substantielle Einheit ist absoluter unbewegter Selbstzweck, in welchem die Freiheit zu ihrem höchsten Recht kommt, sowie dieser Endzweck das höchste Recht gegen die Einzelnen hat, deren höchste Pflicht es ist, Mitglieder des Staats zu sein.“
  57. Julius Binder: Der autoritäre Staat. Logos 22, 1933, S. 157.
  58. Friedrich Gogarten: Politische Ethik. Jena 1932.
  59. Stefan Breuer: Anatomie der Konservativen Revolution. S. 115 ff.
  60. Othmar Spann: Der wahre Staat – Vorlesungen über Abbruch und Neubau des Staates. 1921, S. 176.
  61. Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. S. 201–207.
  62. a b Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. S. 271.
  63. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Grundriß ihrer Weltanschauungen. Friedrich Vorwerk Verlag, Stuttgart 1950, S. 148.
  64. Othmar Spann: Der wahre Staat. Fischer, Jena, 1938, S. 44.
  65. Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. S. 275.
  66. Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. S. 276, 277.
  67. a b Moeller van den Bruck: Das Dritte Reich. S. 68.
  68. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Grundriß ihrer Weltanschauungen. Friedrich Vorwerk Verlag, Stuttgart 1950, S. 59–65.
  69. Stefan Breuer: Anatomie der Konservativen Revolution. Darmstadt 1993, S. 59 ff.
  70. Eröffnungssätze seiner Schriften Befreiung von 1926 und Das Reich als Republik von 1928.
  71. Das Judentum in der deutschen Rechtswissenschaft. Ansprachen, Vorträge und Ergebnisse der Tagung der Reichsgruppe Hochschullehrer im NRSB am 3. und 4. Oktober 1936, Heft 1, Berlin 1936, S. 29 ff.
  72. Ernst Jünger: Unsere Politiker. In: Die Standarte, 6. September 1925.
  73. http://iasl.uni-muenchen.de/
  74. Klaus-Jörg Siegfried: Universalismus und Faschismus – Das Gesellschaftsbild Othmar Spanns. Baulino Verlag GmbH, 1984, S. 72, zitiert nach http://www.contextxxi.at/context/content/view/165/93/ www.contextxxi.at
  75. Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes. S. 712.
  76. Thomas Pfeiffer: Die Neue Rechte in Deutschland. S. 38; auf www.extremismus.com www.extremismus.com.
  77. Armin Mohler in: Die konservative Revolution in Deutschland. S. 17: „Als Ganzes ist diese Bewegung in Deutschland nur Teil einer in fast allen europäischen Ländern seit Beginn des 19. Jahrhunderts feststellbaren und auf allen Lebensgebieten sich auswirkenden Strömung. Der Nationalsozialismus aber ist ein Verwirklichungsversuch unter vielen, wenn auch der hervorstechendste, und dem unvoreingenommenen Betrachter entgeht nicht, daß neben diesem Antrieb noch manche andere in ihm wirksam sind.“
  78. Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. S. 282, 283.
  79. Armin Mohler: Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. S. 187.
  80. http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_2001/14/28a.htm
  81. Siehe Friedrich Walz: Ricarda Huch und das „Dritte Reich“. Braunschweig 2014, S. 9.
  82. Edgar Julius Jung: Neubelebung von Weimar? In: Deutsche Rundschau, 1932, S. 153.
  83. Sontheimer, S. 279 ff.
  84. Hans Bogner: Das Ende der aufgeklärten Demokratie. In: Deutsche Rundschau, 1932, S. 13.
  85. Hans Bogner: Die Bildung der politischen Elite. Oldenburg, 1932, Schriften an die Nation, Nr. 6, S. 31.
  86. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Grundriß ihrer Weltanschauungen. Friedrich Vorwerk Verlag, Stuttgart 1950, S. 12, 13.
  87. Heidrun Rotermund-Ehrke, Erwin Rotermund: Zwischenreiche und Gegenwelten – Texte und Vorstudien zur „Verdeckten Schreibweise“ im Dritten Reich. S. 513–520.
  88. Wolfgang Benz, Walter Pehle: Lexikon des deutschen Widerstandes, Edgar-Jung Kreis. S. 204–207.
  89. Mohler, S. 14, 15.
  90. Armin Mohler: Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. 1950, S. 12–18.
  91. Hans Mommsen: Bürgerlicher (nationalkonservativer) Widerstand. In Wolfgang Benz und Walter Pehle: Lexikon des deutschen Widerstandes. S. 56, 57.
  92. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Grundriß ihrer Weltanschauungen. Friedrich Vorwerk Verlag, Stuttgart, 1950, S. 151.
  93. Armin Mohler, S. 152. Vgl. Oscar Cullmann: Christus und die Zeit – Die urchristliche Zeit- und Geschichtsauffassung, zitiert nach Armin Mohler, S. 152.
  94. Herbert Ulmann: Das werdende Volk – Gegen Liberalismus und Reaktion. Hamburg 1929, S. 81.
  95. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Grundriß ihrer Weltanschauungen. Friedrich Vorwerk Verlag, Stuttgart 1950, S. 83, 84, 151.
  96. Armin Mohler: Die Konservative Revolution. S. 165.
  97. Georg Schmidt-Rohr: Die Sprache als Bildnerin. 1932.
  98. Ewald Banse: Landschaft und Seele. München 1928, S. 469.
  99. Franz Wegener: Das atlantidische Weltbild. Kulturförderverein Ruhrgebiet, 2003, ISBN 3-931300-04-8, S. 10: Im Ergebnis findet sich eine bislang unbekannte verbindungslinie zwischen Theosophen, Ariosophen, Anthroposophen, Vertreten der Konservativen Revolution, Welteislehre-Anhängern, Nationalsozialisten, und Neuen Rechten in Deutschland und Frankreich: Die populärwissenschaftliche Umsetzung des Atlantismythos in einer nordisch-rassistischen Variante.
  100. Lanz von Liebenfels Buch Theozoologie oder die Kunde von den Sodomsäfflingen und dem Götter-Elektron.
  101. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. S. 166–172.
  102. Armin Mohler: Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. S. 166–172, 81–83.
  103. George L. Mosse: Die völkische Revolution. Über die geistigen Wurzeln des Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-445-04765-0.
  104. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. S. 176–181.
  105. Franz Schauwecker: Deutsche allein – Schnitt durch die Zeit. S. 162.
  106. Franz Schauwecker: Deutsche allein – Schnitt durch die Zeit. S. 276.
  107. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. S. 172–176.
  108. Edgar Julius Jung: Sinndeutung der deutschen Revolution. In: Schriften an die Nation, Band 55. Oldenburg 1933, S. 78, 95; zitiert nach Armin Mohler: Die Konservative Revolution. S. 174.
  109. Arno Klönne: Jugend im Dritten Reich – Die Hitlerjugend und ihre Gegner. Papyrossa Verlagsgesellschaft, 2003, S. 125.
  110. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. S. 198–203.
  111. Armin Pfahl-Traughber: Konservative Revolution und Neue Rechte. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat. Leske + Budrich, Opladen 1998, S. 13.
  112. Uwe Backes und Eckhard Jesse: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland, Band 1. Köln 1989, S. 136.
  113. Interview mit Karlheinz Weißmann über seine neueste historische Studie, über die Rechte in Deutschland und über einen neuen rechten Stil – „Der nationale Sozialismus war eine genuin linke Idee“; auf www.jf-archiv.de.
  114. Armin Pfahl-Traughber: Die „Neue Rechte“ in Frankreich und Deutschland – Zur Entwicklung einer rechtsextremistischen Intellektuellenszene.
  115. Alain de Benoist: Arthur Moeller van den Bruck; auf www.alaindebenoist.com. (PDF; 411 kB)
  116. Neue Rechte: Vordenker der europäischen Selbstfindung – Der französische Philosoph und Publizist Alain de Benoist feiert seinen 60. Geburtstag.
  117. Jürgen Hatzenbichler: Querdenker – Konservative Revolutionäre. 1995, S. 13.
  118. Wolfgang Gessenharter: Der Schmittismus der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und seine Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz (Manuskript zur Anhörung „Junge Freiheit“ am 17. November 2006 der SPD-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg). Auf www.hsu-hh.de.
  119. Alexandre Dougine: Panorama de la «Révolution Conservatrice» en Russie.
  120. Diese Art von „Alarmismus“ setzte Michael Schweizer fort, als er den Verfasser des „Bocksgesangs“ mit den Kollaborateuren der Konservativen Revolution verglich und in die Nähe einer antidemokratischen Rechten rückte: „Auch Botho Strauß wird nie dafür sein, irgend etwas anzuzünden; aber wenn die Verhältnisse ihm die leichte Übung nahelegen, […] wird er Gedicht bei Fuß stehen – nicht als Umfaller, sondern indem er konsequent weiterdenkt, was er jetzt schon vertritt.“; auf http://public.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/inst_germanistik/tauss.rtf
  121. Nadja Thomas: Der Aufstand gegen die sekundäre Welt – Botho Strauss und die „Konservative Revolution“. Königshausen & Neumann, 2003.
  122. Detlev Hartmann: Wo sind die Barbaren des 21. Jahrhunderts? – Die Philosophie rüstet auf. (PDF; 72 kB) Vgl. www.tu-darmstadt.de.
  123. http://www.berlinerliteraturkritik.de/index.cfm?id=548 Der „Fall Walser“ im Rückblick – Martin Walsers irrationalistischer Rollback. Auf www.berlinerliteraturkritik.de.
  124. Gregor Dotzauer: Töte, was du liebst – Sehnsucht nach einer konservativen Revolution – Uwe Tellkamps Roman „Der Eisvogel“. In: Tagesspiegel vom 16. März 2005; auf www.single-generation.de.
  125. Guy Sorman: La révolution conservatrice américaine. Fayard, Paris 1983.
  126. Dominik Geppert: Thatchers konservative Revolution. Oldenburg 2002.
  127. Jordan Mejias: Amerika – Wie Bush das konservative Erbe von Reagan verrät. Auf www.faz.net.
  128. Winfried Veit: Konservative Revolution à la française. Auf der Bibliotheksseite der Friedrich-Ebert-Stiftung (PDF; 125 kB).
  129. Bundesratswahlen: „Konservative Revolution“. Auf www.swissinfo.org.
  130. Alles seitenverkehrt – Zivilisiert endlich den Kapitalismus! Günter Grass im Gespräch mit Pierre Bourdieu.
  131. Claus Leggewie: America first? Der Fall einer konservativen Revolution. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1997, S. 286, 211.