Die Halbstarken

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Die Halbstarken ist ein deutsches Filmdrama aus dem Jahre 1956. Das Drehbuch stammte von Will Tremper und dem Regisseur Georg Tressler nach einer Erzählung von Will Tremper. Der von Wenzel Lüdecke produzierte Schwarzweißfilm wurde im Juli und August 1956 in West-Berlin gedreht. Die Uraufführung erfolgte am 27. September des gleichen Jahres im Essener Ufa-Palast.

Inhaltsverzeichnis

Handlung [Bearbeiten]

Die von dem 19-jährigen Freddy Borchert geführte Bande Halbstarker versammelt sich zum Test der Wasserdichte ihrer neuen Armbanduhren im Hallenbad und verprügelt wahllos einen sie zurechtweisenden Schwimmmeister. Freddy, der sein Elternhaus bereits verlassen hat, ist mit der lebensfrohen, aber gewissenlosen Sissy befreundet, die ihn zu allerlei Gaunereien anstiftet. Im Hallenbad trifft Freddy seinen Bruder Jan, den er seit einiger Zeit nicht mehr gesehen hat. Deren Vater, ein gewissenhafter Beamter, hatte für seinen Schwager eine Finanzbürgschaft übernommen. Da der Schwager bankrottging, muss der Vater zahlen. Deswegen tyrannisiert er die Familie und macht vor allem der Mutter der beiden Brüder das Leben schwer. Freddy stellt seinem Bruder die Bande vor und schenkt ihm eine Armbanduhr, um ihm zu zeigen, dass er ein gemachter Mann ist. Außerdem will er sich am kommenden Tag bei der Tankstelle, in der er selbst arbeitet, einen Buick kaufen. In dieser Bande herrscht – von Freddy ausgehend – ein hartes Regiment: Alle müssen auch bei kriminellen Aktivitäten mitmachen.

Als Jan zu Hause während einer Auseinandersetzung seiner Eltern wieder einmal erlebt, wie sehr die finanziellen Probleme seine Familie belasten, beschließt er, seinen Bruder um die noch zurückzuzahlenden 3000 Mark zu bitten, die der Mutter wieder Frieden bringen würden.

Die Bande entschließt sich nun kurzerhand, in einer italienischen Bar, die am kommenden Abend eröffnet werden soll, Jan die 3000 Mark zu beschaffen. Hierfür überfallen sie ein Postauto und verstauen das Diebesgut (Postsäcke und eine Kassette) im Wäsche-Transporter eines Bandenmitglieds. Bei dem Überfall benötigen sie den Buick, den sich Jan unter einem Vorwand an der Tankstelle holt. Trotz dilettantischer Vorbereitungen schaffen es die Jungs bis zu einem Bootshaus, in dem schon Sissy mit anderen Mädchen wartet und eine kleine Überfall-Party organisiert. Die Enttäuschung ist groß, als Freddy statt Geld nur wertlose Postanweisungen aus der erbeuteten Kassette holt. Vor seinen Gefolgsleuten hat Freddy das Gesicht verloren, und als diese rebellieren, greift er zur für den Überfall erstandenen Pistole, und nur Jan kann ihn noch einmal bändigen. In dieser Situation versucht Sissy sich als femme fatale und empfiehlt erst Jan und dann Freddy einen Einbruch in die Villa des Besitzers der gerade eröffneten Bar Garezzo. Freddy greift die Idee auf und zieht mit den Resten seiner Bande los. Jan hatte sich ihm vorher in den Weg gestellt und wurde niedergeschlagen. Mit dem Transporter folgt er seinem Bruder zum Tatort.

Als Jan in der Villa ankommt, sieht er sich nicht nur Freddy und Sissy gegenüber, sondern auch noch dem Vater Garezzos, der über Telefon die Polizei alarmiert. Sissy versucht Freddy dazu zu bringen, den wehrlosen alten Mann zu erschießen, aber Freddy kann dies nicht. Da schnappt sich Sissy die Waffe und feuert erst auf den alten Mann und schießt dann Freddy in den Bauch. Vor der Villa sieht der zusammen mit der Polizei angekommene Vater Borchert seine Söhne, von denen Freddy gerade verhaftet wird. Ironie der Schlussszene: Eine Gruppe passierender Motorradfahrer wird Zeuge der Verhaftung und die Fahrer rufen von ihren Maschinen aus: „… Seht mal … mal wieder Halbstarke …“

Kritiken [Bearbeiten]

  • Lexikon des internationalen Films: „Durch das milieukundige Drehbuch des Journalisten Tremper und besondere Sorgfalt der Regie und Kameraführung überragt der Film die zeitgenössische Massenproduktion.“[1]
  • Thomas Kramer: Lexikon des deutschen Films: „Angeregt durch Erfolge amerikanischer Vorbilder wie Rebel without a cause (USA 1955, Ray; … denn sie wissen nicht, was sie tun) zeichnet sich der Film durch Aufnahmen an Originalschauplätzen und kompromißlose Darstellung der Verhaltensweisen rebellierender Jugendlicher aus. Keine der folgenden Imitationen erreichte den Ernst und die Qualität dieses Films, der seinen Erfolg auch bis dahin unbekannten Amateurdarstellern wie Karin Baal verdankt.“ [2]
  • Die Zeit, 29. November 1956: „Freilich entspricht die Handlung nicht ganz der realen Bedeutung des Titels. Aber die gut gezeichneten Typen (hervorragend ist hier Buchholz) und die realistische Regie deuten manches von dem eigentlichen Urgrund des Problems an.“[3]

Auszeichnungen [Bearbeiten]

Wissenswertes [Bearbeiten]

EP vom Soundtrack des Films Die Halbstarken von Martin Böttcher, 1956
  • Karin Baal bewarb sich zusammen mit 700 anderen Mädchen für diesen Film. Sie erhielt die Hauptrolle und einen dreijährigen Ausbildungsvertrag.
  • Der Film wurde bei Jugendlichen, die sich darin wiedererkannten, rasch zu einem Kultfilm. Wiederholt demolierten Halbstarke nach der Vorführung die Kinos und belästigten Gäste.
  • Obwohl der Name der Stadt nicht genannt wird, zeigen die Kennzeichen der Autos, dass der Film in Berlin gedreht wurde. Der gestohlene Opel Kapitän hat das Kennzeichen KB 020-403, das Postauto KB 086-054 . Außerdem sieht man auf dem Bus, der mit dem Postauto zusammenstößt, das Logo der BVG mit dem Berliner Bären an der Seite; als Theo seinen Buick sucht, gehen er und Herr Borchert zur Polizeiinspektion Wilmersdorf; und das Polizei-Auto hat das Berliner Kennzeichen: B-Z 423.
  • Einige der jugendlichen Darsteller, die zum Teil noch nie vor einer Kamera gestanden hatten, wurden später von professionellen Schauspielern nachsynchronisiert. So sprach Brigitte Grothum für Karin Baal, Lutz Moik für Kalle Gaffkus.
  • In den USA wurde der Film unter dem Titel Teenage Wolfpack gezeigt. Horst Buchholz wurde im Vorspann der amerikanischen Fassung, die nur eine Laufzeit von etwa 89 Minuten hatte, als "Henry Bookholt" angekündigt.

Remakes [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Christa Bandmann und Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms 1930–1960. München 1980, Seite 175–176
  • Robert Buchschwenter/Lukas Maurer (Hrsg.): HALBSTARK. Georg Tressler: Zwischen Auftrag und Autor. Filmarchiv Austria, Wien 2003, ISBN 3-901932-16-X.
  • Deutsches Filmmuseum Frankfurt am Main: Zwischen Gestern und Morgen. Westdeutscher Nachkriegsfilm 1946–1963. Frankfurt am Main 1989, Seite 387
  • Norbert Grob: „Es gibt keine bessere Kulisse als die Straße …“ Berlin-Filme von Gerhard Oswald und Georg Tressler in den fünfziger Jahren. In: Zwischen Gestern und Morgen. Westdeutscher Nachkriegsfilm 1946–1963. Frankfurt am Main 1989, Seite 206–222
  • Will Tremper: Die Halbstarken. Ein packender Zeitroman. Mit zahlreichen Abbildungen, Drehbuchauszügen und einem Vorwort der Hrsg. (E-Book) Kassel: MEDIA Net-Edition 2012. ISBN 978-3-939988-13-7 (E-Pub/Mobi); ISBN 978-3-939988-14-4 (PDF)
  • Will Tremper: Die Halbstarken. Ein packender Zeitroman. (Hörbuch) Kassel: MEDIA Net-Edition 2012. ISBN 978-3-939988-12-0
  • Will Temper (sic): Die Halbstarken. Der bunte Toxi-Film-Roman Nr. 1. Langhelm, Hannover 1957, 54 S.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Die Halbstarken im Lexikon des Internationalen Films
  2. Thomas Kramer: Lexikon des deutschen Films, Seite 131
  3. Neu und sehenswert. In: Die Zeit, Nr. 48/1956
  4. Vgl. Label der Columbia EP SEGW 21-7819: Filmmusik Die Halbstarken: Originalmusik aus dem gleichnamigen Interwest Union Film