Doktorfischartige

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Doktorfischartige
Tomini-Borstenzahndoktorfisch (Ctenochaetus tominiensis)

Tomini-Borstenzahndoktorfisch (Ctenochaetus tominiensis)

Systematik
Teilkohorte: Eurypterygia
Ctenosquamata
Acanthomorphata
Stachelflosser (Euacanthomorphacea)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Doktorfischartige
Wissenschaftlicher Name
Acanthuriformes
Jordan, 1923

Die Doktorfischartigen (Acanthuriformes sensu Betancur-R. et al. (Acanthuroidei als Unterordnung der Perciformes in älteren Systematiken)) sind eine Ordnung der Barschverwandten (Percomorphaceae). Sie kommen küstennah in tropischen Regionen des Indopazifik und des Atlantik vor. Es sind meist mehr oder weniger hochrückige, seitlich stark abgeflachte, oft sehr bunte Korallenriffbewohner. Lediglich der hochseebewohnende Dianafisch (Luvarus imperialis) kommt auch in gemäßigten und kühlen Meeren vor.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

Dianafisch (Luvarus imperialis)
Halfterfisch (Zanclus cornutus)

Je nach Art erreichen die Doktorfischartigen Längen zwischen 16 cm und 1,8 m. Ihr Maul ist kaum vorstülpbar (protraktil).[2] Das Posttemporale (der Knochen, durch den der Schultergürtel am Schädel gelenkt) ist hier mit dem Hinterhaupt durch eine Naht verbunden. Die Kiemenmembranen sind am Isthmus, an der Kopfunterseite, breit zusammengewachsen. Frontalia und Supraoccipitale (Schädelknochen) sind bei den meisten Arten schwammartig.[3]

Wiley & Johnson geben für die Doktorfischartigen folgende Synapomorphien an:[4]

Vier oder fünf Branchiostegalstrahlen, der zweite Infraorbitalknochen hat keinen oder nur losen Kontakt zum Tränenbein (Os lacrimale). Die Seitenlinie auf dem Supracleithrum (einem Knochen des Schultergürtels) fehlt, der Hauptstamm der Seitenlinie hat direkte Verbindung mit der Seitenlinie auf dem Posttemporale (Hinterschläfenknochen). Maxillare und Prämaxillare (Zwischenkiefer) sind fest zu einer einzigen funktionalen Einheit verbunden. Das Articulare, ein Knochen des Unterkiefers, ist viel kleiner als das Dentale (nicht bei Luvarus). Das Supraoccipitale hat keinen Kontakt mit der Unterseite der Exoccipitalia. Der Kamm des Supraoccipitale ist (außer bei Zanclus) kurz. Die schmale vierte Schlundzahnplatte ist längs gerichtet, so dass die Zahnreihen parallel statt senkrecht zur Körperachse stehen (nicht bei Luvarus).

Der erste Neuralfortsatz ist mit dem Wirbelkörper verschmolzen, die Supraneuralia (Teile der Wirbel) fehlen (nicht bei Zanclus und Prionurus). Der erste Flossenstrahlenträger (Pterygiophor) der Rückenflosse setzt vor dem zweiten Zwischenraum zwischen den Neuralfortsätzen an. Während der Ontogenese entwickelt sich zuerst der zweite oder (bei Zanclus) dritte Flossenstrahl der Rücken- und Bauchflossen, wird schnell groß und bekommt gesägte Kanten.

Weitere Merkmale sind nur für die Larven charakteristisch:[4]

  • Der Beckengürtel hat eine typische T-förmige Form.
  • Ein dünner, leicht gebogener Stachel an der hinteren Ecke des Angulare (eines Knochens des Unterkiefers). Er ist der Teil des Angulare, der zuerst verknöchert.
  • Eine gesägte, nach unten gerichtete Längsrippe auf dem Angulare. Dies ist auch bei den Larven der Kaiserfische so.
  • Ein niedriger gesägter Grat auf dem Supraoccipitale. Dies auch trifft für die Larven einiger percoider Barsche zu.
  • Zwei gesägte Rippen auf jedem Stirnbein. Dies Merkmal ist bei den Larven von Paracanthurus und Zebrasoma sekundär wieder verloren gegangen und trifft ähnlich auf die Larven der Kaiserfische und weiterer Familien percoider Barsche zu.
  • Das rinnenförmige Nasenbein weist Zacken entlang einer (Siganidae) oder beider Kanten auf. Ähnlich sind die Verhältnisse bei den Larven der Kaiserfische und weiterer Familien percoider Barsche.
  • Ein seitlich gerichteter Grat auf jeder Seitenfläche des Siebbeins (nicht bei Luvarus).

Systematik[Bearbeiten]

Nelson stellt noch sechs Familien in die Doktorfischartigen:[5]

Spatenfische und Argusfische teilen aber nur einen Teil der Synapomorphien mit den übrigen Doktorfischartigen. Bei Wiley & Johnson gehören deshalb nur noch die Kaninchenfische, der Dianafisch, der Halfterfisch und die Doktorfische zu den Acanthuroidei.[4] Die Zugehörigkeit der Kaninchenfische als basale Gruppe wird durch den Vergleich von ribosomalen Genen aus Mitochondrien gestützt,[6] durch den Vergleich proteincodierender Gene aus dem Zellkern aber nicht bestätigt.[7] Betancur-R. und Kollegen beschränken die Doktorfischartigen deshalb in ihrer Revision der Knochenfischsystematik von Anfang 2013 auf die übrigen drei Familien und geben der Gruppe Ordnungsrang, um die Monophylie der Barschartigen (Perciformes) zu erreichen.

Die verwandtschaftlichen Verhältnisse der drei Familien zeigt folgendes Kladogramm:[8]


 Acanthuriformes 

 Dianafisch (Luvaridae)


     

 Halfterfisch (Zanclidae)


     

 Doktorfische (Acanthuridae)




Die Spatenfische sind mit den Sichelfischen[8] verwandt und bilden bei Betancur-R. und Kollegen die neue Ordnung Ephippiformes, während Argusfische und Kaninchenfische vorläufig innerhalb der Percomorphaceae als incertae sedis (‚von unsicherer Stellung‘) eingeordnet werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ricardo Betancur-R., Richard E. Broughton, Edward O. Wiley, Kent Carpenter, J. Andrés López, Chenhong Li, Nancy I. Holcroft, Dahiana Arcila, Millicent Sanciangco, James C Cureton II, Feifei Zhang, Thaddaeus Buser, Matthew A. Campbell, Jesus A Ballesteros, Adela Roa-Varon, Stuart Willis, W. Calvin Borden, Thaine Rowley, Paulette C. Reneau, Daniel J. Hough, Guoqing Lu, Terry Grande, Gloria Arratia, Guillermo Ortí: The Tree of Life and a New Classification of Bony Fishes. PLOS Currents Tree of Life. 2013 Apr 18 [last modified: 2013 Apr 23]. Edition 1. doi:10.1371/currents.tol.53ba26640df0ccaee75bb165c8c26288, PDF
  • Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band II, Teil 2: Fische, Gustav Fischer Verlag Jena, 1991, ISBN 3-334-00339-6
  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  • Rudie H. Kuiter / Helmut Debelius: Atlas der Meeresfische, Kosmos-Verlag, 2006, ISBN 3-440-09562-2
  • Nancy I. Holcroft & E. O. Wiley: Acanthuroid relationships revisited: a new nuclear gene-based analysis that incorporates tetraodontiform representatives. Ichthyol Res (2008) 55, Seite 274–283 doi:10.1007/s10228-007-0026-x
  • E. O. Wiley & G. David Johnson: A teleost classification based on monophyletic groups. in Joseph S. Nelson, Hans-Peter Schultze & Mark V. H. Wilson: Origin and Phylogenetic Interrelationships of Teleosts. 2010, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, ISBN 978-3-89937-107-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Doktorfischartige – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Luvarus imperialis auf Fishbase.org (englisch)
  2. Fiedler (1991), Seite 385.
  3. Nelson (2006), Seite 425.
  4. a b c Wiley & Johnson (2010); Seite 157–158.
  5. Nelson (2006), Seite 425–429.
  6. Tang, Berendzen, Wiley, Morrissey, Winterbottom & Johnson (1999): The phylogenetic relationships of the Suborder Acanthuroidei (Teleostei: Perciformes) based on morphological and molecular evidence. – Molec. Phylogenet. Evol. 11: 415–425.
  7. Holcroft & Wiley (2008).
  8. a b Holcroft & Wiley (2008), Seite 280.