Dorothee Sölle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Dorothee Steffensky-Sölle (* 30. September 1929 in Köln; † 27. April 2003 in Göppingen) war eine deutsche evangelische Theologin und eine der weltweit bekanntesten und umstrittensten Theologinnen des 20. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biografisches und theologischer Werdegang

Dorothee Sölle studierte Theologie, Philosophie und Literaturwissenschaft in Köln, Freiburg und Göttingen. Im Jahre 1971 wurde sie habilitiert. In Deutschland blieb ihr jedoch ein Lehrstuhl verwehrt. Erst 1994 erhielt sie eine Ehrenprofessur an der Universität Hamburg. Zunächst arbeitete sie als Lehrerin im höheren Schuldienst in Köln. Seit 1960 war sie auch als Schriftstellerin und freie Mitarbeiterin beim Rundfunk und Privatdozentin für neuere deutsche Literaturgeschichte tätig. Sie veröffentlichte zahlreiche Gedichte über religiöse und politische Themen, auch Liebesgedichte. Ihr poetisches Werk ist zwischen 1969 und 2000 in sieben Ausgaben erschienen. 1982 erhielt sie für ihre Gedichte den Droste-Preis der Stadt Meersburg. Von 1975 bis 1987 lehrte sie auf einer Professur für systematische Theologie am Union Theological Seminary in New York.

Sie wirkte in der Friedensbewegung und in zahlreichen kirchlichen linken und ökumenischen Organisationen mit. Sie war Mitbegründerin des so genannten Politischen Nachtgebets von 1968 bis 1972 in Köln. 1968 wurde sie eine der Gründerinnen der Kölner Journalistenschule. Wegen Sitzblockaden vor den NATO-Mittelstreckenraketen in Mutlangen oder dem Giftgasdepot in Fischbach wurde sie „wegen versuchter Nötigung“ verurteilt. Diese Urteile wurden zum Teil später höchstrichterlich aufgehoben. Ihre für die Landeskirchen provokante Theologie und ihr engagiertes Eintreten für soziale Gerechtigkeit sorgten auch in nichtkirchlichen Kreisen oft für Kontroversen. Ein halbes Jahr vor ihrem Tod, am 26. Oktober 2002, hielt sie die Rede zur Friedensdemonstration in Hamburg.[1]

[Bearbeiten] Familie

Sölle heiratete 1969 in zweiter Ehe den ehemaligen Benediktinermönch Fulbert Steffensky, der in Hamburg Professor für Religionspädagogik war. Sie war vierfache Mutter und Großmutter und lebte zuletzt in Hamburg. Ihr Bruder war der Historiker Thomas Nipperdey, ihr Vater war der Arbeitsrechtler und erste Präsident des Bundesarbeitsgerichts Hans Carl Nipperdey.

[Bearbeiten] Lehre

Ihr Glaube war nach eigenen Aussagen „geprägt von dem Bewusstsein [...] nach Auschwitz zu leben“. Die Lehre von der Allmacht Gottes wurde so für sie zum Gegenstand kritischen Nachdenkens. Sie war der Meinung, dass Gottes Wirken in dieser Welt abhängig ist von unserem Handeln („Gott hat keine anderen Hände als unsere.“). Sölle vertrat eine politische Theologie, die sich durch eine radikale Diesseitigkeit und eine Entmythologisierung der Bibel auszeichnete. Weiterhin bestimmend war eine durch den Feminismus geprägte Mystik, die ohne die Vorstellung eines persönlichen Gottes auskam. Viele Ideen Sölles waren von der Befreiungstheologie Lateinamerikas geprägt, die durch Sölle in Deutschland erst bekannt wurde, sowie durch die Bücher Das Prinzip Hoffnung im Jahr 1959 und Atheismus im Christentum des Philosophen Ernst Bloch im Jahr 1968.

[Bearbeiten] Werke

  • Stellvertretung. Ein Kapitel Theologie nach dem 'Tode Gottes', Stuttgart 1965, erweiterte Neuauflage 1982
  • Die Wahrheit ist konkret, Olten und Freiburg 1967
  • Atheistisch an Gott glauben. Beiträge zur Theologie, Olten und Freiburg, 1968
  • Phantasie und Gehorsam. Überlegungen zu einer künftigen christlichen Ethik, Stuttgart, 1968
  • Meditationen & Gebrauchstexte. Gedichte, Berlin, 1969, ISBN 978-3-87352-016-5
  • Politisches Nachtgebet in Köln 1, herausgegeben von Dorothee Sölle und F. Steffensky, Stuttgart, Berlin und Mainz, 1969
  • Politisches Nachtgebet in Köln 2, herausgegeben von Dorothee Sölle und F. Steffensky, Stuttgart, Berlin und Mainz, ohne Jahresangabe
  • Politische Theologie, Stuttgart, 1971, erweiterte Neuausgabe Stuttgart 1982
  • Leiden, Stuttgart, 1973
  • Die revolutionäre Geduld. Gedichte, Berlin, 1974, ISBN 978-3-87352-026-4
  • Die Hinreise. Zur religiösen Erfahrung. Texte und Überlegungen, Stuttgart, 1975
  • Sympathie. Theologisch-politische Traktate, Stuttgart, 1978
  • Fliegen lernen. Gedichte, Berlin, 1979, ISBN 978-3-87352-501-6
  • Wählt das Leben, Stuttgart, 1980
  • Das Recht ein anderer zu werden. Theologische Texte, Stuttgart, 1981
  • Spiel doch von Brot und Rosen. Gedichte, Berlin, 1981, ISBN 978-3-87352-502-3
  • Aufrüstung tötet auch ohne Krieg, Stuttgart, 1982
  • Verrückt nach Licht. Gedichte, Berlin, 1984, ISBN 978-3-87352-503-0
  • Lieben und arbeiten. Eine Theologie der Schöpfung, Stuttgart, 1985
  • Ein Volk ohne Vision geht zugrunde. Anmerkungen zur deutschen Gegenwart und zur nationalen Identität, Wuppertal, 1986
  • Das Fenster der Verwundbarkeit. Theologisch-politische Texte, Stuttgart, 1987
  • Und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Stationen feministischer Theologie, DTV, München, 1987, ISBN 3-423-10835-5
  • Zivil und ungehorsam. Gedichte, Berlin, 1990, ISBN 978-3-87352-504-7
  • Gott denken. Einführung in die Theologie, Stuttgart, 1990
  • Es muss doch mehr als alles geben. Nachdenken über Gott, Hamburg, 1992
  • Mutanfälle, 1993
  • Gegenwind. Erinnerungen, Hamburg, 1995
  • Das Eis der Seele spalten. Theologie und Literatur in sprachloser Zeit, Mainz, 1996
  • Mystik und Widerstand - »Du stilles Geschrei«, Hamburg, 1997, ISBN 3-455-08583-0
  • Loben ohne Lügen. Gedichte, Berlin, 2000, ISBN 978-3-87352-505-4
  • Maria. Eine Begegnung mit der Muttergottes, Freiburg u.a., 2005
  • Das Lied der Erde singen - in einer Welt der Gewalt, Hörbuch, Musik von Grupo Sal, 2003
  • Verrückt nach Licht, Hörbuch, Musik von Grupo Sal, Christophorus Verlag 1999

[Bearbeiten] Literatur

  • Reinhold Boschki/Ekkehard Schuster: Zur Umkehr fähig. Mit Dorothee Sölle im Gespräch. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1999
  • Ralph Ludwig: Die Prophetin. Wie Dorothee Sölle Mystikerin wurde, wichern porträts, Berlin 2008
  • Renate Wind: Dorothee Sölle - Rebellin und Mystikerin, Kreuz Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-7831-3137-6

[Bearbeiten] Referenzen

  1. Rede von Dorothee Sölle zur Demonstration am 26. Oktober 2002 in Hamburg

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen
Andere Sprachen