Eberhard Gothein
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Eberhard Gothein (* 29. Oktober 1853 in Neumarkt; † 13. November 1923 in Berlin) war ein deutscher Nationalökonom, Kultur- und Wirtschaftshistoriker.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Biographie
Eberhard Gothein war Schüler des Maria-Magdalenen-Gymnasiums in Breslau und legte dort zusammen mit Paul Ehrlich im Jahre 1872 die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er an den Universitäten Breslau und Heidelberg mit den Schwerpunkten Geschichte und Kunstgeschichte. 1877 wurde er zum Dr. phil. promoviert und 1878 habilitierte er sich an der Universität Breslau. Als Professor der Volkswirtschaftslehre lehrte Gothein seit 1885 an der Universität Karlsruhe, seit 1890 an der Universität Bonn und von 1904 bis 1923 an der Universität Heidelberg, wo er den Lehrstuhl Max Webers für Nationalökonomie übernahm.
Als Rektor der Universität Heidelberg registrierte er 1914 mit großer Sorge die deutsche Mobilmachung und den Kriegsbeginn. Auf einer Informationsreise ins Ruhrgebiet konferiert er mit den Industriellen Klöckner und Stinnes und später auch mit Thyssen. 1919 wurde er für die Deutsche Demokratische Partei Mitglied des badischen Landtags und arbeitete an der Verfassung des Landes Baden mit. Mit seinem ehemaligen Breslauer Schulfreund Heinrich Rosin, Professor an der Universität Freiburg, setzte er sich für die Erwachsenenbildung ein. Und 1922 nahm er noch den Ruf des Auswärtigen Amtes in Berlin an, die Ausbildung künftiger Diplomaten zu reformieren.
Gothein vertrat in der Nachfolge Jacob Burckhardts das Recht der Kulturgeschichte auf Eigenständigkeit. Unter seinen Schriften sind vor allem die Darstellungen zur Geschichte des südwestdeutschen Raumes von großer Bedeutung. Im Jahr 1924 wurden seine zweibändigen „Schriften zur Kulturgeschichte der Renaissance, Reformation und Gegenreformation“ posthum veröffentlicht.
Gothein setzte sich als Nationalökonom für die Umsetzung von theoretischem Wissen in die Praxis ein. So kämpfte er für die Gründung einer Handelshochschule in Köln, an der er ab 1901 auch lehrte. 1905 war er stark beteiligt an der Gründung der Handelshochschule Mannheim. Die berufsbildende Schule im Bereich der kaufmännischen Aus- und Weiterbildung in Mannheim trägt seinen Namen: Eberhard-Gothein-Schule.[1]
Seine Frau Marie Luise, geb. Schroeter (1863-1931) war eine deutsche Kunsthistorikerin, die vor allem im Bereich der Gartenkunst publizierte. Sohn Percy (* 22. Mai 1896) stand zeitweise Stefan George und seinem Kreis nahe. Er floh 1943 nach Amsterdam, wo er sich der Emigrantengruppe um Wolfgang Frommel im Castrum Peregrini anschloss.[2] 1944 wurde er im KZ Neuengamme ermordet. Gotheins jüngerer Bruder Georg war Reichsschatzminister im Kabinett Scheidemann.
[Bearbeiten] Literatur
- Michael Maurer: Eberhard Gothein (1853-1923). Leben und Werk zwischen Kulturgeschichte und Nationalökonomie. Böhlau, Köln u.a. 2007, ISBN 978-3-412-22606-0
- Michael Maurer, Johanna Sänger und Editha Ulrich (Hrsg.): „Im Schaffen geniessen.“ Der Briefwechsel der Kulturwissenschaftler Eberhard und Maria Luise Gothein (1883-1923). Böhlau, Köln u.a. 2006, ISBN 978-3-412-34705-5
- Andreas Cser: Eberhard Gothein (1853-1923). Max Webers Nachfolger auf dem Heidelberger Lehrstuhl [für Nationalökonomie]. Aspekte seiner Wissenschaftsbiographie, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 11, 2006/07, S. 57-82. ISSN 1432-6116
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Eberhard-Gothein-Schule, Stadt Mannheim
- ↑ „The pilgrim's castle“ und der „Frommel-Kreis“ (engl.), siehe Abschnitt: „Percy Gothein and Vincent Weyand“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gothein, Eberhard |
| KURZBESCHREIBUNG | Nationalökonom, Kultur- und Wirtschaftshistoriker |
| GEBURTSDATUM | 29. Oktober 1853 |
| GEBURTSORT | Neumarkt |
| STERBEDATUM | 13. November 1923 |
| STERBEORT | Berlin |

