Emílio Garrastazu Médici

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Emílio G. Médici 1971

Emílio Garrastazu Médici (* 4. Dezember 1905 in Bajé, Rio Grande do Sul; † 9. Oktober 1985 in Rio de Janeiro) war Präsident Brasiliens während der Militärdiktatur.

Leben[Bearbeiten]

Garrastazu Médici war Nachfahre einer Familie mit italienischen und baskischen Wurzeln. Er erhielt seine militärische Ausbildung in den Militärakademien von Porto Alegre und Rio de Janeiro; im Jahre 1929 hatte er es schon zum Ersten Leutnant gebracht. Beim Umsturz des Jahres 1930 vermittelte er zwischen dem Militär und zivilen Verschwörern; bei der Unterdrückung der Revolution von São Paulo 1932 wirkte er ebenfalls mit. Médici erfreute sich einer stetigen Karriere und bekleidete hohe Posten in der Militärverwaltung von General Artur da Costa e Silva, dessen enger Freund er auch wurde.

Im Jahr 1961 stieg er zum Brigadegeneral auf und wurde 1964 Militärattaché an der Botschaft in den USA.

Nachdem General Artur da Costa e Silva Präsident geworden war, wurde Médici zum Chef des Geheimdienstes Serviço Nacional de Informações, SNI, ernannt. Als die Regierung Costa e Silvas in eine Regierungskrise kam, weil der Präsident ernsthaft erkrankte, suchte das Militär drei Kandidaten aus seinen eigenen Reihen zur Nachfolge. Dies waren Médici, Antônio Carlos Murici und Ernesto Geisel.

Am 25. Oktober 1969 wählte der Nationalkongress Médici zum Präsidenten; am 30. Oktober, dem Tag seiner Vereidigung, trat auch eine neue Verfassung der Föderativen Republik Brasilien in Kraft, die den Präsidenten mit einer sehr hohen Macht ausstattete. Mit der Hilfe des Geheimdienstes kontrollierte Médici in der Folge, welche Kandidaten zu Kommunalwahlen antraten und regierte auch sonst oft mit Hilfe von Dekreten. So bestätigte er die Zensur und machte Oppositionelle zu unwählbaren Personen. Viele der repressiven Aktionen wurden mit dem Kampf gegen die wachsende Gewalt von Seiten der Stadtguerillas und Linksextremisten legitimiert; diese hatten u.a. auch ausländische Diplomaten entführt. Die weit verbreitete Folter wurde von der internationalen Gemeinschaft verurteilt. Eine der beseitigten Stadtguerillas war die, die von Carlos Marighela und Carlos Lamarcageggrndet worden war. Diese Guerilla wurde zerschlagen und beide getötet[1].

2008 wurde ein als streng geheim eingestuftes Dokument der CIA veröffentlicht, das belegte, dass Medici 1971 gemeinsam mit dem US-Präsidenten Richard Nixon und dessen Sicherheitsberater Henry Kissinger darüber diskutierte, den kubanischen Diktator Fidel Castro sowie den demokratisch gewählten Präsidenten Chiles Salvador Allende zu beseitigen.[2][2]

Während der Herrschaft Médicis wuchs die brasilianische Wirtschaft sehr schnell und die Inflation ging zurück. Dies wird als das „brasilianische Wirtschaftswunder“ bezeichnet.

Nach dem Ende seiner Amtszeit schied Médici freiwillig aus der Politik aus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Torcuato di Tella: History of Political Parties in Twentieth-Century Latin America. Transaction, 2004.
  2. a b Memo: Nixon, Brazil Dictator Discussed Bid to Overthrow Castro, Allende von Juan O. Tamayo, The Miami Herald, 18. August 2009 (engl.)
Vorgänger Amt Nachfolger
Márcio de Souza Mello Präsidenten Brasiliens
1969–1974
Ernesto Geisel