Emine Sevgi Özdamar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Emine Sevgi Özdamar (* 10. August 1946 in Malatya / Türkei) ist eine deutschtürkische Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin kurdischer[1] Herkunft.

Leben[Bearbeiten]

Emine Sevgi Özdamar wuchs in Istanbul und Bursa auf. Bereits mit 12 Jahren stand sie erstmals im Staatstheater von Bursa auf der Bühne (im „Bürger als Edelmann“ von Molière). Als 19-Jährige kam sie 1965 zum ersten Mal nach Deutschland, ohne jegliche Deutschkenntnisse, und arbeitete zwei Jahre lang in einer Elektrofabrik in West-Berlin.

Von 1967 bis 1970 besuchte sie die Schauspielschule in İstanbul und hatte bis 1976 erste professionelle Theaterrollen in der Türkei. Mit dem Militärputsch von 1971 verlor sie als Mitglied der türkischen Arbeiterpartei ihre Zukunftsperspektiven in der Türkei.[2] Inspiriert von Heinrich Heine und Bertolt Brecht - u.a. von den Liedertexten einer Schallplatte, die sie sich während ihres ersten Aufenthalts in West-Berlin gekauft hatte - ging sie 1976 für eine Regieassistenz an die Volksbühne nach Ost-Berlin. Dort arbeitete sie mit Benno Besson und Matthias Langhoff zusammen und schrieb erste Theatertexte wie „Karriere einer Putzfrau. Erinnerungen an Deutschland“. Diese Zeit hat sie später in ihrem Roman Seltsame Sterne starren zur Erde literarisch verarbeitet.

1978 zog sie mit Benno Bessons Brecht-Inszenierung „Der kaukasische Kreidekreis“ für zwei Jahre nach Paris und Avignon. Sie nahm ein Studium an der Pariser Universität VIII Vincennes-Saint Denis auf, das sie mit dem Diplom „Maîtrise de Théâtre“ abschloss.[3]

1979 bis 1984 hatte sie ein Engagement als Schauspielerin am Schauspielhaus Bochum unter der Leitung von Claus Peymann. In dessen Auftrag entstand 1982 ihr erstes Theaterstück Karagöz in Alamania (Schwarzauge in Deutschland), das 1986 am Schauspielhaus Frankfurt unter ihrer Regie uraufgeführt wurde. Im selben Jahr gehörte Özdamar zum Uraufführungsensemble des „bayerischen Requiems“ Der Weihnachtstod (1986) von Franz Xaver Kroetz an den Münchner Kammerspielen.[4], wo sie gemeinsam mit Erdal Merdan ein türkisches Paar darstellte.[5]

Özdamar trat als Schauspielerin auch in Filmen auf, u. a. 1992 in dem als Bester Spielfilm mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichneten „Happy Birthday, Türke!“, der Literaturverfilmung des gleichnamigen Kriminalromans von Jakob Arjouni durch Doris Dörrie, und 1988 in „Yasemin“ (Regie Hark Bohm).

Seit 1986 ist sie freie Schriftstellerin. Sie lebt und arbeitet heute in Berlin.

Literarisches Werk[Bearbeiten]

Neben ihrer Tätigkeit als Schauspielerin schrieb Özdamar von Anfang an auch Theaterstücke, Romane, Gedichte und Erzählungen. Sie ist eine der bekanntesten deutschtürkischen Autorinnen. Zwischen der Gastarbeiterliteratur der 1980er Jahre und der Abgeklärtheit der dritten Generation nimmt sie eine Zwischenstellung ein. Der Schriftsteller Feridun Zaimoğlu, dessen „Kanak-Sprak“-Neuschöpfungen sich von Özdamars Stil beeinflusst zeigen, redet nur in den höchsten Tönen von ihr. Im Mai 2006 allerdings diskutierten die deutschen Feuilletons, ob Zaimoglus Roman „Leyla“ auf Motiven von Özdamars „Karawanserei“ beruht. Den Plagiatsvorwurf vermied Özdamar allerdings, "wohl auch aus Furcht vor einer juristischen Auseinandersetzung".[6]

Für ihre Werke erhielt Özdamar zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis 1991, den Walter-Hasenclever-Preis der Stadt Aachen 1993, den Adelbert-von-Chamisso-Preis 1999 und den Künstlerinnenpreis des Landes NRW 2001. Zudem erhielt sie 1995 die New-York Scholarship des Literaturfonds Darmstadt. 2003 wurde sie Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim. Sie ist auch die Kleist-Preis-Trägerin 2004 und Trägerin der Carl-Zuckmayer-Medaille.

Im Mai 2007 wurde Özdamar in die nunmehr 175 Mitglieder zählende Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen.

Im Jahre 2010 wurde im Rahmen der Veranstaltungen der Kulturhauptstadt Europas Ruhrgebiet (RUHR.2010) Özdamars Theaterstück Perikizi vom Schlosstheater Moers aufgeführt.

Werke[Bearbeiten]

  • Karagöz in Alamania. (Theaterstück, 1982)
  • Mutterzunge. (Erzählungen, 1990, ISBN 3-88022-106-5)
  • Keloğlan in Alamania, die Versöhnung von Schwein und Lamm. (Theaterstück, 1991)
  • Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus. (Roman, 1992, ISBN 3-462-02319-5)
  • Die Brücke vom Goldenen Horn. (Roman, 1998, ISBN 3-7632-4802-1)
  • Der Hof im Spiegel. (Erzählungen, 2001, ISBN 3-462-03001-9)
  • Seltsame Sterne starren zur Erde. Wedding – Pankow 1976/77. (Roman, 2003, ISBN 3-462-03212-7)
  • Araf'takiler – Hayatları Roman olanlardan. von Emine Sevgi Özdamar, Corakli Sahbender, (auf Türkisch), Erschienen in „ADIM“, 2004, Erzurum-Türkei
  • Sonne auf halben Weg: die Istanbul Berlin Trilogie. (enthält "Leben ist eine Karawanserei", "Brücke vom Goldenen Horn" & "Seltsame Sterne starren zur Erde", Kiepenheuer & Witsch, 2006, ISBN 3-462-03752-8)
  • Kendi Kendinim Terzisi Bir Kambur,Ece Ayhan'lı anılar, 1974 Zürih günlüğü, Ece Ayhan'ın makrupları, Istanbul 2007 ISBN 978-975-08-1305-4
  • Perikizi. Ein Traumspiel, in: RUHR.2010, Uwe B. Carstensen, Stefanie von Lieven (Hrsg.): Theater Theater. Odyssee Europa. Aktuelle Stücke 20/10. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 2010 ISBN 978-3-596-18540-5

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=4293
  2. "Özdamar, Emine Sevgi", Kritisches Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
  3. "Özdamar, Emine Sevgi", Kritisches Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
  4. Franz Xaver Kroetz: Stücke I-II, Suhrkamp 1989, S.446
  5. Volker Hage (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit Adolf Fink: Deutsche Literatur 1986. Jahresrückblick, Reclam 1987, S. 132
  6. [1]