Malatya

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Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt; die Provinz siehe Malatya (Provinz), die Statistikregion Malatya (NUTS-Region).

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Malatya
Wappen fehlt
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Malatya (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Malatya
Koordinaten: 38° 21′ N, 38° 19′ O38.34861111111138.319444444444954Koordinaten: 38° 20′ 55″ N, 38° 19′ 10″ O
Höhe: 954 m
Einwohner: 426.381[1] (2012)
Telefonvorwahl: (+90) 422
Postleitzahl: 44 000
Kfz-Kennzeichen: 44
Struktur und Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Ahmet Çakır (AKP)
Webpräsenz:
Landkreis Malatya
Einwohner: 494.918[1] (2012)
Fläche: 922 km²
Bevölkerungsdichte: 537 Einwohner je km²

Malatya ist mit 426.381 Einwohnern (Stand 2012) die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Ostanatolien.

Der Name Malatya[Bearbeiten]

Der Name Malatya beruht auf dem hethitischen Melid für Honig, was wohl für die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt stand. In assyrischen Quellen heißt die Stadt Meliddu, Melide, Melid, Milid oder Milidia. Die Urartäer nannten sie Melitea. Bei Strabon hieß die Stadt Melitene. Die Araber nannten sie Malatiyye, wovon die Türken die heutige Form Malatya ableiteten. Bei den Lateinern war der Name Melatia gebräuchlich. Die Zazas nennen die Stadt Meletiye und die Kurden nennen sie Meledi.

Geschichte[Bearbeiten]

Hethiter und Assyrer[Bearbeiten]

Malatya bestand als Melid (heute Arslantepe) bereits in hethitischer Zeit. Nach dem Fall des Großreichs wurde es von den Nachkommen Kuzi-Teššups von Karkemiš, eines Enkels von Šuppiluliuma II., dem letzten Herrscher des hethitischen Großreichs regiert.

Das Territorium umfasste die Ebene von Malatya am westlichen Euphratufer bis nach Elbistan. Es grenzte im Osten an Išuwa. Assyrische Feldzüge sind unter Salmanasser III. (844, 836, 835) belegt. Um 800 wurde das Assyrerreich von Urartu bedrängt. Unter Tukulti-apil-Ešarra III. wurde die Stadt tributpflichtig, bis Sargon II. die Stadt an den König von Kummuh übergab. Nach 708 wurde eine direkte assyrische Herrschaft eingerichtet, die aber nur bis 705 Bestand hatte. Unter Sanherib und Assurhaddon sind Feldzüge gegen Melid überliefert. Schließlich wurde das alte Melid von den Assyrern niedergebrannt. Die Überreste sind heute als Arslantepe bekannt. Später wurde die Stadt an anderer Stelle wieder errichtet.

Antike und Mittelalter[Bearbeiten]

Später kam die Stadt unter persische, seleukidische und römische Herrschaft. In römischer Zeit war sie der Sitz der Legio XII Fulminata. 358 fand hier die Synode von Melitene statt, auf der Eustathius von Sebaste abgesetzt wurde. 575 war sie Schauplatz der Schlacht bei Melitene, in der der byzantinische Feldherr Justinian den persischen Großkönig Chosrau I. besiegte. Die kurzfristige Herrschaft von Melias dem Großen zur Zeit von Johannes Tzimiskes endete mit der Schlacht von Amida und der Hinrichtung von Melias 973. 1069 fiel Melitene erstmals an die Seldschuken. Nach der Schlacht von Manzikert 1071 gelangte Melitene in den Machtbereich des byzantinischen Generals Philaretos Brachamios; nach dessen Tod um 1090 wurde die Stadt von einem armenischen Herrscher namens Gabriel regiert, der Beziehungen zu den entstehenden Kreuzfahrerstaaten aufnahm. 1103 wurde Melitene von den Danischmenden erobert und Gabriel getötet.

Nach dem Tod des Danischmenden-Herrschers Gümüştekin Danischmend Ghazi fiel die Stadt an dessen jüngeren Sohn Sangur, der sich jedoch nicht gegen den Seldschukenfürsten Kılıç Arslan I. halten konnte, der Melitene im Herbst 1106 eroberte. Infolge des Todes von Kılıç Arslan 1107 und der Gefangenschaft seines ältesten Sohnes Malik Schahs I. geriet die Stadt an den jüngeren Sohn Toghrul Arslan, dessen Mutter und deren neuen Mann, den Ortoqiden Balak ibn Bahram. 1124 starb Balak in der Schlacht und Melitene wurde von Emir Ghazi für die Danischmenden zurückerobert, zur Freude der einheimischen Christen, da Emir Ghazi als milder und gerechter Herrscher galt.

Als 1243 die Mongolen einfielen, versuchten viele Einwohner, nach Syrien zu fliehen, wurden aber von den Mongolen gefangen genommen. Dem syrischen Metropoliten Dionysios gelang es, einen Frieden mit den Mongolen auszuhandeln, die Stadt wurde übergeben, ohne geplündert zu werden. 1273 litt die Stadt sehr unter arabischen Angriffen, zahlreiche Einwohner umliegender Ortschaften wurden als Sklaven verkauft. 1516 fiel Malatya an die Osmanen. Im 19. Jahrhundert zog die Stadt quasi ein paar Kilometer weiter.

Das heutige Malatya ist also die dritte Stadt neben dem antiken Melid bzw. Arslantepe der Hethiter und dem mittelalterlichen Melitene mit dem Namen Malatya. Das Malatya aus der früheren Zeit heißt heute Battalgazi und wird im Volksmund auch noch Alt-Malatya (Eskimalatya) genannt.

Verfolgung der armenischen Bevölkerung[Bearbeiten]

Während der Hamidischen Massaker von 1895-1896 wurden allein in Malatya 7.500 armenische Zivilisten von fanatischen Muslimen und türkisch-kurdischen Einheiten getötet. Im Anschluss darauf fand ein nach Malatya gesandtes und von Julian B. Hubbell geleitetes Rettungsteam des Roten Kreuzes heraus, dass 1.500 armenische Häuser ausgeplündert und 375 komplett niedergebrannt wurden.[2]

Gemäß der Catholic Encyclopedia von 1913 war die Stadt Malatya zu dem Zeitpunkt von 30.000 Personen bevölkert, mit einer klaren türkischen Mehrheit und einer armenischen Bevölkerung von 3.000, von denen 800 Katholiken waren.[3] Eine neuere Quelle allerdings konstatiert, dass Malatyas Bevölkerung etwa 40.000 betrug, von denen die Hälfte (20.000) Armenier waren.[4] Von den fünf Kirchen in der Stadt gehörten drei zu den Armeniern. Sie waren federführend im Handel, der Seidenraupenzucht, Seidenhandel und Landwirtschaft tätig. Im Frühjahr 1915 wurden die Armenier der Stadt von osmanischen Autoritäten verhaftet und in die Syrische Wüste geschickt - Todesmärsche, die zum Völkermord an den Armeniern kulminierten. Die Überlebenden siedelten sich in verschiedenen Ländern an.[4]

Die überlebenden, nach Armenien geflohenen Armenier gründeten in Jerewan das Stadtviertel Malatya-Sebastia.

Morde im Zirve-Verlag[Bearbeiten]

Im April 2007 fanden hier die gewalttätigen Morde im Zirve-Verlag gegen drei Christen, die zur Minderheit der Türkei gehören, in Malatya statt.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Seldschukische Madrasa, erbaut durch den armenischen Architekten Tagavour Sohn des Stepan[6]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Hauptsächlich Landwirtschaft, darunter Aprikosenanbau (ca. 90 % der weltweiten Produktion getrockneter Aprikosen), Nahrungsmittel- und Bekleidungsindustrie.

Bildung[Bearbeiten]

Die İnönü-Universität besteht seit 1975.

Sport[Bearbeiten]

Bekanntester Sportverein ist der Fußballklub Malatyaspor.

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Nöldeke: Sketches from eastern history, A. and C. Black, London und Edinburgh 1892.
  • Gerhard Rexin: Melitene. In: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage, Bd. 7, 1998, Sp. 85.
  • Bernd Andreas Vest: Geschichte der Stadt Melitene und der umliegenden Gebiete. Vom Vorabend der arabischen bis zum Abschluß der türkischen Eroberung (um 600–1124). 3 Teilbände, Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2007, ISBN 978-3-8300-2575-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malatya – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 17. September 2013
  2. Peter Balakian: The Burning Tigris: The Armenian Genocide and America's Response. HarperCollins, New York 2003, ISBN 0-06-055870-9.
  3. Catholic Encyclopedia: Melitene. Abgerufen am 2. Mai 2007.
  4. a b Hakobyan, Tadevos Kh. «Մալաթիա» (Malatya), Armenian Soviet Encyclopedia. vol. vii. Jerewan: Armenische Akademie der Wissenschaften, 1981, S. 145
  5. Mord an Christen: Angeklagte kommen vorerst frei vom 10. März 2014 auf dtj-online.de
  6. Maxim Yevadian: Les Seldjouks et les architectes arméniens, Les Nouvelles d’Arménie Magazine, Nr. 156, Oktober 2009, Seite 73 f.