Etel Adnan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Etel Adnan (2008)

Etel Adnan (* 24. Februar 1925 in Beirut) ist eine libanesische Schriftstellerin und Malerin.

Leben[Bearbeiten]

Etel Adnan ist die Tochter einer Griechin und eines Syrers, der Offizier in der Osmanischen Armee in Smyrna gewesen war, und wuchs mit griechischer und türkischer Muttersprache in einer arabisch sprechenden Umwelt auf. In dem seinerzeit französisch kontrollierten Libanon besuchte sie die katholische französische Mädchenschule, und ihre erste literarische Sprache war das Französische. Später schrieb sie auch in der englischen Sprache. Im sprachlichen Widerstreit fand sie in der abstrakten Malerei eine weitere Ausdrucksform.

Adnan verließ mit sechzehn Jahren die Schule und arbeitete als Hilfskraft bei der französischen Armee.[1] Ihr Bürochef war Jean Gaulmier, der es ihr ermöglichte, nebenher das Baccalauréat abzulegen. Sie begann 1945 ein Literaturstudium bei Gabriel Bounoure[2] an der neugegründeten „École Supérieure des Lettres de Beyrouth“, an der auch Georges Schehadé tätig war, arbeitete als Lehrerin und ging dann 1949 nach Paris an die Sorbonne, wo sie einen ersten Abschluss in Philosophie machte. Ihr Studium setzte sie 1955 an der University of California, Berkeley und an der Harvard University fort, was sie in die Lage versetzte, Geisteswissenschaften und Philosophie an der Dominican University of California in San Rafael zu lehren. Sie wurde auch an andere US-amerikanische Colleges als Gastdozentin eingeladen. Nach siebzehn Jahren kehrte sie 1972 in den Libanon zurück, um dort als Feuilletonredakteurin der französischsprachigen Zeitungen Al Safa und L’Orient-Le Jour zu arbeiten, musste aber wegen des Bürgerkriegs im Libanon diesen 1976 erneut verlassen. Sie ging nach Paris, wo sie 1978 ihren Antikriegsroman Sitt Marie Rose schrieb, in dem sie das Schicksal ihrer durch die Kata’ib ermordeten Freundin aufgriff. Von Frankreich ging sie wieder nach Kalifornien, wo sie sich in Sausalito niederließ. Anfang der 1980er Jahre schrieb sie einen Beitrag für Robert Wilsons Oper The CIVIL warS. Danach verfasste sie eine Reihe von Theaterstücken. Das Stück Irgendwann in der Nacht hatte 2013 seine deutsche Erstaufführung am Staatstheater Karlsruhe. Poesie von ihr sowie ein Gespräch, daß Klaudia Ruschkowski mit ihr über ihre Lyrik führte, erschienen in der Ausgabe 104 der Kulturzeitschrift Lettre International. Am 3. Juni 2014 hat die 90-jährige Gisela May für den RBB ein Radio-Feature von Jean Claude Kuner unter dem Titel : "Express Beirut - Die Schriftstellerin Ethel Adnan" aufgenommen.

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • Im Jahr 2012 wurde Adnan zur dOCUMENTA (13) eingeladen,[3] wo sie neben ihrem Beitrag in dem Documenta-Buch eine Retrospektive erhielt.[4] Von Adnan wurden dort 87 Werke, zwei Tapeten, ein Buch und ihr erster Film gezeigt.
  • 2013: Etel Adnan, Galleria continua, San Gimignano, Toskana, Italien.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Durch Nacht zum Licht, Gespräch mit Klaudia Ruschkowski/Gespräche mit meiner Seele, Poesie, in: Lettre International, Ausgabe 104, Frühjahr 2014
  • Geboren in Beirut, Gespräch mit Frank Berberich, in: Lettre International, Ausgabe 99, Winter 2012
  • Arabische Apokalypse, Aus dem Franz. übertr. von Ulrike Stoltz, Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42276-2.
  • Jahreszeiten, Aus dem Engl. übers. von Klaudia Ruschkowski, Edition Nautilus, Hamburg 2012, ISBN 978-3-89401-753-8.
  • The cost for love we are not willing to pay, Übers. Christel Dormagen, 100 notes - 100 thoughts; No. 006; Hatje Cantz, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7757-2855-3.
  • Der Herr der Finsternis: Erzählungen, Aus dem Engl. von Christel Dormagen, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-42073-7. [Mit Bildern und einem Nachwort der Künstlerin].
  • Das deutsche Wunder, in: Theater der Zeit, Heft 7/8, 2009, S. 174–177
  • Reise zum Mount Tamalpais, Aus dem Engl. übers. und mit einem Nachw. vers. von Klaudia Ruschkowski, Edition Nautilus, Hamburg 2008, ISBN 3-89401-572-1.
  • Von Frauen und Städten, Aus dem Engl. übers. und mit einem Nachw. vers. von Klaudia Ruschkowski, Ed. Nautilus, Hamburg 2006, ISBN 3-89401-477-6.
  • Im Herzen des Herzens eines anderen Landes, Aus dem Engl. von Christel Dormagen, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-41649-9.
  • An Einar denkend, in: Einar Schleef: Arbeitsbuch, Theater der Zeit: Arbeitsbuch 11, 2002, S. 170
  • Paris, Paris, Aus dem Engl. von Nicolaus Bornhorn, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-518-39484-3.
  • Gavin Bryars (Komponist): The Adnan songbook: for soprano and ensemble, Schott, Mainz 1996.
  • Sitt Marie-Rose, eine libanesische Geschichte; mit einem autobiographischen Nachwort. Aus dem Franz. von Eva Moldenhauer. Umschlagmotiv Etel Adnan, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-38051-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Etel Adnan. Drucksache N.F. Nr. 7, hrsg. von Wolfgang Storch im Auftrag der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft, Edition Nautilus, Hamburg 2005
  • Lisa Suhair Majaj; Amal Amireh (Hrsg.): Etel Adnan: critical essays on the Arab-American writer and artist, McFarland & Co., Jefferson N.C. 2002, ISBN 0-7864-1072-8.
  • verschiedene Dissertationen, siehe WorldCat

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Etel Adnan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Etel Adnan: Aufwachsen im Libanon, Schriftstellerin werden, Vortrag 1986, als Nachwort zu Sitt Marie-Rose, S. 97–123, Aus dem Amerik. Hans-Ulrich Müller-Schwefe
  2. Gabriel Bounoure, siehe französischsprachige Wikipedia fr:Gabriel Bounoure
  3. Etel Adnan bei documenta
  4. 100 days, 100 notes, 100 thoughts, in: The Daily Star Lebanon, 24. April 2012