Eugen Bolz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eugen Bolz auf einer deutschen Briefmarke von 2006 aus der Serie Aufrechte Demokraten

Eugen Anton Bolz (* 15. Dezember 1881 in Rottenburg am Neckar; † 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Politiker der Zentrumspartei und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime.

Familie[Bearbeiten]

Eugen Bolz wurde als zwölftes Kind von Joseph Bolz, Angehöriger eines alteingesessenen Kaufmannsgeschlechts, und dessen Ehefrau Maria Theresia geb. Huber in Rottenburg am Neckar geboren und am 27. Dezember 1881 in der ehemaligen Stiftskirche St. Moriz getauft.

Er war seit 1920 mit der Ulmerin Maria Hoeneß verheiratet, mit der er eine Tochter hatte. Eugen Bolz war über die Familie seiner Frau der Onkel des Kurienkardinals Paul Augustin Mayer (1911–2010).[1]

Leben[Bearbeiten]

Eugen Bolz vor dem Volksgerichtshof, 1944

Bolz legte 1900 am Karls-Gymnasium in Stuttgart die Reifeprüfung ab.[2] Er engagierte sich im „Windthorstbund“, der Jugendorganisation der Zentrumspartei. Ab 1900 studierte er Rechtswissenschaften an der Eberhard Karls Universität Tübingen sowie in Bonn (1901) und Berlin (1901/02). Er wurde Mitglied der katholischen Studentenverbindungen A.V. Guestfalia Tübingen, der K.D.St.V. Bavaria Bonn und der K.A.V. Suevia Berlin, alle im CV. Bei der K.A.V. Suevia Berlin lernt er den Zentrumspolitiker Felix Porsch kennen, der ihn veranlasst nach dem Studienabschluss Politiker zu werden. 1902 setzte er sein Studium in Tübingen fort und schloss dieses 1905 mit dem ersten juristischen Staatsexamen ab. Anschließend absolvierte er das Referendariat in Rottenburg, Ravensburg und Stuttgart. Nachdem Bolz 1909 das zweite juristische Staatsexamen ablegte, war er zunächst als Hilfsarbeiter bei der Staatsanwaltschaft Ulm tätig. Von 1911 bis 1914 war er als Assessor bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart tätig.

Er trat der Zentrumspartei bei, für die er von 1912 bis 1918 dem Reichstag des Kaiserreichs angehörte. Er vertrat den Wahlkreis Württemberg 13 (Aalen, Gaildorf, Neresheim, Ellwangen).[3] Nach der Novemberrevolution beteiligte er sich 1919 bis 1920 in der Weimarer Nationalversammlung. Ab 1920 bis 1933 war er Mitglied im Reichstag der Weimarer Republik. Zudem gehörte er von 1912 bis 1918 der Zweiten Kammer der Württembergischen Landstände und von 1919 bis 1933 dem Landtag des freien Volksstaates Württemberg an.

1919 wurde er in Württemberg zum Justizminister, 1923 zum Innenminister ernannt. Bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er – als erster Katholik im überwiegend protestantischen Württemberg – als Nachfolger von Wilhelm Bazille seit 1928 Staatspräsident und zugleich weiterhin Innenminister. Da er als Anhänger der katholischen Soziallehre die NSDAP offen ablehnte, galt er als einer der Hauptgegner der neuen Machthaber. Er wurde am 11. März 1933 aus dem Amt gedrängt, nachdem der Landtag unter dem Druck der Nationalsozialisten seinen Nachfolger Wilhelm Murr gewählt hatte. Dem Fraktionszwang der Zentrumsfraktion folgend stimmte Bolz am 23. März 1933 im Reichstag dem Ermächtigungsgesetz trotz heftiger innerer Gewissenskonflikte zu. Am 19. Juni 1933 wurde Eugen Bolz verhaftet und mehrere Wochen in dem frühen Konzentrationslager Festung Hohenasperg interniert.

Nach seiner Entlassung zog er sich nach Beuron zurück. Ende 1941/Anfang 1942 kam Eugen Bolz in Verbindung mit dem Widerstandskreis um Carl Friedrich Goerdeler. Eugen Bolz erklärte sich bereit, nach einem Umsturz ein Ministeramt in einer neuen Regierung zu übernehmen. In Goerdelers Ministerliste wurde er als Innenminister geführt. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler wurde er am 12. August 1944 verhaftet, am 21. Dezember vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Plötzensee erhängt.

Ehrungen[Bearbeiten]

Gedenktafeln am Reichstag

Seit 1992 erinnert im Berliner Ortsteil Tiergarten an der Ecke Scheidemannstraße/Platz der Republik eine der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete an Bolz.

Mahnmal in Stuttgart
  • An Bolz erinnert eine Bronzetafel an seinem Geburtshaus in der Königstraße 53 in seiner Geburtsstadt Rottenburg am Neckar, deren Ehrenbürger er ist.[4]
  • Im baden-württembergischen Landtag ist einer der Sitzungssäle nach ihm benannt.
  • In Stuttgart-Mitte steht in der Bolzstraße am Königsbau ein Mahnmal für Eugen Bolz.
  • Im Jahre 2004 wurde eine neue Glocke seiner Taufkirche, St. Moriz in Rottenburg am Neckar, nach ihm benannt.
  • In Berlin-Rudow ist eine Straße nach ihm benannt, die Eugen-Bolz-Kehre.

Es gibt zahlreiche weitere Einrichtungen, Straßen und Plätze, die mit dem Namen Eugen Bolz verbunden sind.

Die von Bolz besuchte Lateinschule in Rottenburg heißt heute Eugen-Bolz-Gymnasium. Auch Schulen in Bad Waldsee, Ellwangen, Kornwestheim, Meckenbeuren und Wolpertswende wurden nach Bolz benannt.

1994 wurde eine Studienstiftung Eugen Bolz gegründet, die dem Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) nahesteht und eine demokratische und staatsbürgerliche Bildung von Studenten fördert.

Am 9. November 2006 gab die deutsche Post eine 45-Cent-Sondermarke innerhalb der Serie „Aufrechte Demokraten“ heraus.

Siehe auch[Bearbeiten]

Denkmal in Rottenburg

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Kohler: Leben und Martyrium unseres Staatspräsidenten Dr. Eugen Bolz. Ackermann, Schramberg 1947.
  • Alois Dangelmaier: Staatspräsident Dr. Eugen Bolz als Mann u. Staatsmann. Schwabenverlag, Stuttgart 1948.
  • Max Miller: Eugen Bolz. Staatsmann und Bekenner. Schwabenverlag, Stuttgart 1951.
  • Max Miller: Bolz, Eugen Anton. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 437 (Digitalisat).
  • Rudolf Morsey: Eugen Bolz (1881–1945). In: Jürgen Aretz, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Bd. 5. Grünwald, Mainz 1982, ISBN 3-7867-0408-2.
  • Joachim Köhler: Eugen Bolz. Württembergischer Minister und Staatspräsident. In: Michael Bosch, Wolfgang Niess (Hrsg.): Der Widerstand im deutschen Südwesten 1933–1945. Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg, Stuttgart 1984, ISBN 3-17-008365-1.
  • Joachim Sailer: Eugen Bolz und die Krise des politischen Katholizismus in der Weimarer Republik. bibliotheca academica Verlag, Tübingen 1994, ISBN 3-928471-09-0.
  • Joachim Köhler (Hrsg.): Christentum und Politik. Dokumente des Widerstands. Thorbecke-Verlag, Sigmaringen 1996, ISBN 3-7995-4083-0.
  • Frank Raberg: Eugen Bolz. Zwischen Pflicht und Widerstand. DRW-Verlag Weinbrenner, Leinfelden-Echterdingen 2009, ISBN 3-87181-716-3.
  •  Frank Raberg: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815–1933. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 3-17-016604-2, S. 91.
  • Deutscher Wirtschaftsverlag, AG (Hrsg.): Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft. Band 1, Berlin 1931.
  • Ekkart Sauser: Bolz, Eugen. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 19, Bautz, Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1, Sp. 76–78.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige, Band 102, A. Pustet, 1991
  2. Karls-Gymnasium Stuttgart (Hrsg.):125 Jahre Karls-Gymnasium Stuttgart, Stuttgart 2006
  3. Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890–1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Zweiter Halbband. Düsseldorf: Droste Verlag, 2007, S. 1245–1248 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)
  4. Erinnerungstafel an seinem Geburtshaus in Rottenburg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eugen Bolz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien