Oberkochen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Oberkochen
Oberkochen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Oberkochen hervorgehoben
48.78388888888910.105277777778496Koordinaten: 48° 47′ N, 10° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Ostalbkreis
Höhe: 496 m ü. NHN
Fläche: 23,57 km²
Einwohner: 7749 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 329 Einwohner je km²
Postleitzahl: 73447
Vorwahl: 07364
Kfz-Kennzeichen: AA, GD
Gemeindeschlüssel: 08 1 36 050
Adresse der
Stadtverwaltung:
Eugen-Bolz-Platz 1
73447 Oberkochen
Webpräsenz: www.oberkochen.de
Bürgermeister: Peter Traub (Freie Wähler Ostalbkreis)
Lage der Stadt Oberkochen im Ostalbkreis
Schwäbisch Gmünd Landkreis Heidenheim Landkreis Schwäbisch Hall Rems-Murr-Kreis Landkreis Göppingen Aalen Abtsgmünd Adelmannsfelden Bartholomä Böbingen an der Rems Bopfingen Durlangen Ellenberg (Württemberg) Ellwangen (Jagst) Eschach (bei Schwäbisch Gmünd) Essingen (Württemberg) Göggingen (Württemberg) Gschwend Heubach Heuchlingen Hüttlingen (Württemberg) Hüttlingen (Württemberg) Iggingen Jagstzell Kirchheim am Ries Lauchheim Leinzell Lorch (Württemberg) Mögglingen Mutlangen Neresheim Neuler Obergröningen Oberkochen Rainau Riesbürg Riesbürg Rosenberg (Württemberg) Ruppertshofen (Ostalbkreis) Schechingen Schwäbisch Gmünd Spraitbach Stödtlen Täferrot Tannhausen Tannhausen Unterschneidheim Waldstetten (Ostalbkreis) Waldstetten (Ostalbkreis) Westhausen (Württemberg) Wört BayernKarte
Über dieses Bild
Blick auf Oberkochen

Oberkochen ist eine Stadt im Ostalbkreis in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Oberkochen liegt in und über den Tälern des Schwarzen Kochers und des hier in ihn mündenden Langertbaches zwischen Albuch im Westen und Norden und Härtsfeld im Osten. Der höchste Punkt der Markung befindet sich auf dem Gipfel des Volkmarsbergs (743 m ü. NN). Wenig südlich der Stadt entspringt der Kocher auf 499,2 m ü. NN aus einer kräftigen Karstquelle.

Die Stadt besteht wesentlich aus zwei separaten Siedlungsteilen: aus der Innenstadt, mit der die Siedlungsgebiete Spitztal, Lenzhalde und Brunnenhalde verwachsen sind, und aus dem ca. 100 m höher gelegenen, nordöstlichen Stadtteil Heide.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Oberkochen gehören der Ort Heide und der Weiler Kreuzmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Zwerenberg, Kreutzheim, Echmannsweiler, Tiefentalhäuschen, Schlackenwäsche, Schleifmühle und Ziegelhütte.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die älteste nachgewiesene urkundliche Erwähnung stellen zwei Urkunden aus dem Ellwanger Lagerbuch vom 17. Januar 1335 dar.[3]

Oberkochen gehörte in Württemberg zunächst zum Oberamt Aalen und später zum Landkreis Aalen, mit dem es durch die Kreisreform 1973 im neuen Ostalbkreis aufging.

Im Jahr 1968 wurde Oberkochen zur Stadt erhoben.

Religionen[Bearbeiten]

Oberkochen war ab dem 14. Jahrhundert herrschaftlich geteilt; der größere Teil gehörte zum Kloster Ellwangen, der kleinere zum Kloster Königsbronn. Aus diesem Grund wurde in der Reformationszeit zwischen 1536 und 1553 der Königsbronner Teil des Ortes mit Württemberg evangelisch, während der Ellwanger Teil katholisch blieb. Die Teilung des Ortes führte in der Folge immer wieder zu rechtlichen Problemen und Streitigkeiten, die im Jahr 1749 im sogenannten Aalener Protokoll geklärt wurden, einem Vertrag zwischen Ellwangen und Württemberg.[4]

Die heutige römisch-katholische St.-Peter-und-Paul-Kirche wurde am 25. Oktober 1900 geweiht. Sie ersetzte eine Barockkirche, die zu klein und baufällig geworden war.[5]

Die erste evangelische Kirche wurde 1583 fertiggestellt. Im Jahr 1875 trat an ihre Stelle ein Neubau, der heute die Stadtbibliothek beherbergt. Als nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche evangelische Christen zuzogen, wurde nämlich auch diese Kirche zu klein. Die evangelische Kirchengemeinde Oberkochen erbaute deshalb die 1968 eingeweihte Versöhnungskirche in der Bürgermeister-Bosch-Straße.[6]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Obwohl es weder historische Gründe dafür gab, noch der Ort damals die dafür eigentlich erforderliche Einwohnerzahl von 10.000 Einwohnern überschritten hatte, wurde er 1968 zur Stadt erhoben. Voraus ging dem ein starker Bevölkerungszuwachs des Dorfes nach Ende des Zweiten Weltkrieges, von etwas mehr als 3000 auf beinahe 8000 Einwohner im Jahre 1961, verursacht durch die Zwangsansiedlung des Konzerns Carl Zeiss durch die amerikanische Besatzungsmacht. Der damalige Bürgermeister Bosch, wie auch die zuständige Behörde erwarteten ein weiteres Wachstum bis über die notwendige Marke von 10.000 Einwohnern, deshalb wurde die Erhebung zur Stadt schon davor beantragt und gewährt. Die 10.000 Einwohner wurden jedoch nie erreicht. Nach der Erhebung zur Stadt war die Einwohnerzahl stetig leicht rückläufig und ist inzwischen wieder unter 8.000 Einwohner gefallen.

Besonders viele der Neubürger nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren mit ihrer Firma aus Jena hergezogen. Darüber hinaus gab es auch einen starken Zuzug von Arbeitern, denn Carl Zeiss expandierte schnell zu einem der größten Optik-Konzerne der Welt.

Jahr Einwohner
1880 1202
1925 1512
1939 2002
1950 3681
1961 7979
1970 8648
1980 8118
1990 8446
2000 8271
2005 8206
2008 8040
2009 7915
2010 7816
2011 7755
2012 7815
2013 7833[7]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergab folgende Verhältnisse (in Klammern die Veränderungen zur vorherigen Wahl im Jahr 2004):

Partei Stimmen % Sitze
CDU 37,1 (+0,1) 7 (±0)
SPD 33,4 (+0,5) 6 (±0)
FBO 16,7 (−2,0) 3 (±0)
GRÜNE 12,8 (+1,4) 2 (±0)

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Blau drei (2:1) goldene Rosen.“

Das Wappen wurde 1968 eingeführt und beruht auf dem des Görig von Kochen von 1404. Er besaß mehrere Grundstücke in Oberkochen. Die Farben wurden willkürlich gewählt, weil keine historischen Farben bekannt waren.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Oberkochen liegt an der, auf langer Strecke kreuzungsfrei ausgebauten, Bundesstraße 19, die die natürliche Verkehrsachse des Kocher-Brenz-Durchbruchstales durch die Ostalb hindurch zwischen Aalen im Norden und Heidenheim im Süden nutzt. Die nächste Autobahnanschlussstelle Aalen-Oberkochen an der Bundesautobahn 7 (FlensburgFüssen) erreicht man nördlich und dann östlich über die B 19 und die L 1084 nach etwa 11 km Fahrt bei Ebnat. Im genannten Tal verläuft auch die Brenzbahn (AalenUlm).

Oberkochen hatte als einzige deutsche Stadt, die keine einzige Verkehrsampel hat, einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.[8]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Carl Zeiss ist mit rund 4.000 Arbeitsplätzen größter Arbeitgeber der Stadt. Das Unternehmen fertigt in Oberkochen optische Komponenten für inzwischen ausschließlich zivile Zwecke. Der ehemalige Geschäftszweig Optronics gehört seit 2012 zu Cassidian. Große Spiegel für Teleskope und Satelliten werden ebenfalls hier hergestellt.[9] In einer neuen Fabrikanlage im Süden der Stadt produziert die Carl Zeiss SMT GmbH (Semiconductor Manufacturing Technology) hochkomplizierte optische Systeme für die Halbleiterherstellung. Seit April 2013 ist hier auch die Carl Zeiss Meditec angesiedelt. Sehenswert ist das Optische Museum in der Carl-Zeiss-Straße, in welchem optische Geräte von mittelalterlichen Brillen bis zur Weltraumoptik zu sehen sind. Im Sommer 2014 wird das Museum nach erfolgter Renovierung wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Darüber hinaus gibt es mehrere Unternehmen, die Werkzeuge herstellen. So zum Beispiel die Firma Leitz, die insbesondere im Bereich der Holzbearbeitung tätig ist und ihr Tochterunternehmen LMT als Spezialist für Werkzeuge zur Metallbearbeitung.

Oberkochen hat mehr Arbeitsplätze als arbeitsfähige Bewohner, ist also eine Einpendlerstadt.

Behörden[Bearbeiten]

In Oberkochen befindet sich die Güteprüfstelle Bundeswehr Ulm.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Auf dem Ernst-Abbe-Gymnasium, einem Naturwissenschaftlichen Gymnasium, das auch Zentrumsschule für Molekularbiologie ist, kann das Abitur abgelegt werden. Daneben bestehen mit der Dreißentalschule eine Grund- und Hauptschule, mit der Tiersteinschule eine reine Grundschule und mit der Sonnenbergschule eine Förderschule.

Zudem gibt es drei städtische Kindergärten und einen römisch-katholischen Kindergarten.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Freizeitbad „aquafit“
  • Carl-Zeiss-Stadion (zwei Rasenplätze sowie ein Kunstrasenplatz)
  • Drei Sporthallen und eine Turn- und Festhalle
  • Minigolfanlage (im Stadtteil Heide)
  • Tennisplätze
  • Skilift auf dem Volkmarsberg

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Der Kocherursprung
Naturschutzgebiet Volkmarsberg mit Aussichtsturm

Mit einer Höhe von 743 m ist der Volkmarsberg der „Hausberg“ der Stadt Oberkochen. Inmitten herrlicher Heidelandschaft thront der Volkmarsbergturm, ein Aussichtsturm des Schwäbischen Albvereins, von wo der Besteiger bei guter Sicht die Alpenkette betrachten kann. Rundwanderwege und am Wochenende bewirtschaftete Vereinsheime säumen den Talkessel. Aussichtsflecken wie der Rodstein (695 m) und der Märzenbuckel hoch über der Brunnenebene laden zum Verweilen ein.

Karstquellenweg Oberkochen–Königsbronn

Zwischen den beiden Nachbargemeinden ist ein Wanderweg besonderer Art ausgeschildert worden. Der Karstquellenweg verbindet über 15 Stationen die wichtigsten Wasseraufbrüche des oberen Brenz- und Kochertales diesseits und jenseits der europäischen Wasserscheide. Drei Ringstrecken sind ausgeschildert.

Der Ursprung des „Schwarzen Kochers

Mehrere Quellen, die sich fortlaufend tiefer in den Berghang einschneiden, entspringen südlich der Stadt auf der Albuchseite des Urbrenztales. Dieser Kocherursprung ist mit einer mittleren Schüttung von 680 l/s die größte von mehreren Karstquellen in Oberkochen. Zwischen 1551 und 1634 stand an der Stelle ein Eisenhüttenwerk des Herzogs von Württemberg. Vor der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde dort eine Schlackenwäsche betrieben, deren dunkle Schlackenreste im Flussbett den Namen des Kocher-Hauptquellarms „Schwarzer Kocher“ motivierten. Der schwächer schüttende Ursprung des Weißen Kochers liegt in Luftlinie etwa 7 km nordöstlich bei Unterkochen.

Bauwerke und Ruinen[Bearbeiten]

Das Bilzhaus
  • Der Römerkeller
    Beim Wanderparkplatz nördlich von Oberkochen (Lage: 48° 47′ 9″ N, 10° 7′ 36″ O48.78597222222210.12675) gruben Schüler des örtlichen Gymnasiums Anfang der 1970er Jahre unter fachlicher Anleitung die Grundmauern eines römischen Gutshofes (Villa Rustica) aus.
  • Bilzhaus
    Seit dem 14. Jahrhundert ist die Siedlung „Bilz“ ca. 2,5 km westlich von Oberkochen (Lage: 48° 46′ 47″ N, 10° 4′ 6″ O48.77963888888910.068222222222) belegt. Im 17. Jahrhundert wurde die Siedlung aufgegeben, das Haupthaus jedoch noch bis 1830 genutzt. Die Fundamente sind ab 1989 vom Heimatverein Oberkochen, Schülern und Mitgliedern der ijgd ausgegraben worden.
  • Katholische Pfarrkirche Sankt Peter und Paul (1900)

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Jährlich stattfindendes Stadtfest mit kulturellen Veranstaltungen, einem Palio-Wagenrennen und einem Straßenfest mit internationalen Köstlichkeiten
  • Von der Freiwilligen Feuerwehr veranstaltetes Heidefest
  • Internationale Jazzlights

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Stadt Oberkochen, Bürgermeister Harald Gentsch (Hrsg.): Oberkochen – Geschichte, Landschaft, Alltag. ISBN 3-9801376-1-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberkochen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 769–770.
  3. Dietrich Bantel: Oberkochen ist 2 Jahre älter. In: Bürger und Gemeinde. Amtsblatt der Stadt Oberkochen. 55. Jahrg., Nr. 45, 7. November 2008, S. 869–870.
  4. Christhard Schrenk: 400 Jahre 1583–1983 Evangelische Kirchengemeinde Oberkochen. Südd. Zeitungsdienst, Aalen 1983 (Herausgeber: Ev. Kirchengemeinde Oberkochen).
  5. http://www.kath-kirche-oberkochen.de/Kirche.html Stand: 3. Oktober 2008.
  6. http://www.oberkochen-evangelisch.de/cms/startseite/kirche-und-gemeinderaeume/versoehnungskirche/ Stand: 3. Oktober 2008.
  7. Jahresbericht 2013 in Zahlen. In: Bürger und Gemeinde. Amtsblatt der Stadt Oberkochen. 60. Jahrg., Nr. 51/52, 20. Dezember 2013, S. 961. (online)
  8. www.swr.de.
  9. GREGOR Teleskop, größtes Sonnenteleskop Europas (Stand 2012), abgerufen 4. Dezember 2013.