Fahrradanhänger

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Dieser Artikel behandelt Anhänger die von einem Fahrrad gezogen werden. Für spezielle Fahrradtransportwagen hinter Omnibussen siehe Busanhänger.
Fahrrad mit kleinem Lastenanhänger
Fahrradanhänger für schwere Lasten

Ein Fahrradanhänger dient zum Transport von Lasten, wie zum Beispiel Kindern oder Gepäck.

Anforderungen an das Fahrrad[Bearbeiten]

Sowohl die statischen als auch die dynamischen Zusatzkräfte durch den Anhänger beanspruchen sowohl den Fahrradrahmen als auch die Laufräder. Insbesondere Fahrradhersteller, welche Aluminium- oder Carbonfaserrahmen verwenden, untersagen daher grundsätzlich den Anhängerbetrieb in deren Betriebsanleitungen.

Kupplung[Bearbeiten]

Kreuzgelenk mit Schnellspanner

Die Kupplung stellt ein sicherheitsrelevantes Bauteil dar. Sie muss sowohl die beim Fahrbetrieb entstehenden Dreh-, Kipp- und Gierwinkel ermöglichen als auch die Beschleunigungs- und Bremskräfte übertragen können.

Ältere Fahrradanhänger-Modelle wurden meistens mit einer Hochdeichsel im Bereich der Klemmung der Sattelstütze mit einer Kugelkopf-Anhängerkupplung, ähnlich der bei Pkw üblichen Kupplung, ans Fahrrad angekoppelt. Heute findet man diese Art der Kupplung nur noch an zweirädrigen Lastenanhängern. Kupplungen und Anhänger können auch an Mofas verwendet werden.

Bei Fahrrädern wird heute meist eine kräftemäßig günstigere Kupplung im Bereich der Hinterradnabe des Fahrrades verwendet. Durch die niedrige Anbindung über dem Boden neigt der Anhänger so weniger zum Schaukeln und Kippen, und der Fahrradrahmen wird statisch gänzlich entlastet. Trotzdem hat der Fahrradrahmen weiterhin dynamische Zusatzkräfte durch den Anhänger aufzunehmen. Moderne Kupplungen lassen sich auch schneller und bequemer öffnen beziehungsweise trennen sowie absperren.

Typen von Fahrradanhängern[Bearbeiten]

Kinderanhänger[Bearbeiten]

Kinderanhänger sind je nach Größe und Qualität für bis zu zwei Kinder im Alter von wenigen Wochen bis zu etwa sechs Jahren gebaut.[1] Neuere Kinderfahrradanhänger sind durch stabile Fahrgastzellen mit tiefem Schwerpunkt und Sicherheitsgurten die sichersten Fahrradtransportmittel.[2][3] Dabei sind diejenigen Anhänger die sichersten, die eine feste Bodenwanne aus Metall oder Kunststoff und eine rundum laufende Stoßstange haben, die den Abstand zwischen Fahrzeuginsassen (Kindern) und Aufprallobjekt (Auto) erhöht und gleichzeitig eine Knautschzone bildet.[4][5] Stabilisierende Polsterungen sowie Liege- und Sitzhilfen und fixierbare Babytragetaschen für Säuglinge und Babys machen die Anhänger für Eltern zudem schon in den ersten Lebensmonaten als mobile Alternative zum Auto oder Kinderwagen interessant.

Darüber hinaus eignen sie sich durch den großen Stauraum auch als Lasten- oder Einkaufstransporter und durch vielfältiges Zubehör auch als Kinderwagenersatz, der durch den tiefen Schwerpunkt und die Spurtreue nicht nur beim langsamen Spazierengehen, sondern auch beim Joggen oder Skaten verwendet werden kann.

Kinderanhänger bis 25 kg

Lastenanhänger[Bearbeiten]

Bei den Lastenanhängern gibt es sowohl zweirädrige Anhänger, die zum Transport von größeren Lasten auf kurzen Strecken (beispielsweise Einkauf oder Tiertransport) geeignet sind, als auch Einradanhänger, die für längere Radreisen mit viel Gepäck genutzt werden. Diese werden zunehmend auch von Fahrradkurieren verwendet. Manche dieser Lastenanhänger eignen sich, um eine Zuladung von bis zu 400 kg zu tragen. Gleichwohl bleibt die Zuladung bei Fahrradbetrieb üblicherweise auf 40 kg limitiert. Grund ist die überwiegend ungebremste Ausführung der Anhänger. Die Zusatzlast muss durch die meist schwach dimensionierten Fahrradbremsen mitgebremst werden. Die jeweilige Fahrrad-Betriebsanleitung bezüglich Anhängerbetrieb ist zu beachten, denn einige Hersteller untersagen für ihre Modelle den Anhängerbetrieb.

Schwenker[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu anderen Fahrradanhängern laufen Schwenker (auch Fahrradseitenwagen oder Beiwagen) an der Seite des Fahrrades. Ein Schwenker hat nur ein Laufrad. Durch die nicht starre Befestigung am Fahrrad ist er über die Längsachse parallel zum Fahrrad drehbar. Dadurch kann sich das Fahrrad in der Kurve neigen,[6] während sich der Schwenker und die darin befindliche Last nicht neigen. Diese Art der Fahrradanhänger ist besonders für lange Lasten (zum Beispiel Bretter und Rohre) geeignet, da die Last sowohl nach vorne als auch nach hinten über das Gespann hinausragen kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Last vom Radfahrer einfacher beobachtet werden kann, was zum Beispiel beim Transport von Hunden ein Vorteil ist.[7] Ein Nachteil von Schwenkern gegenüber anderen Anhängertypen kann die gegenüber diesen größere Breite des Gespanns sein.

Rechtliche Situation[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In § 5 der Fahrradverordnung[8] ist geregelt, wie ein Fahrradanhänger, der in Verkehr gebracht wird oder verwendet wird, beschaffen sein muss.

Die Erneuerung der deutschen Straßenverkehrsordnung, die zum 1. April 2013 in Kraft getreten ist, beinhaltet auch die Schließung der bisher bestehenden Regelungslücke, wer in Fahrradanhängern transportiert werden darf.[9] Laut § 21 Abs. 3 StVO ist es mindestens 16 Jahre alten Personen erlaubt, bis zu zwei Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr in Anhängern, die zur Beförderung von Kindern eingerichtet sind, mitzunehmen; bei einem behinderten Kind entfällt die Altersbegrenzung.

Da StVZO weder Abmessungen noch Gesamtgewicht für Fahrradanhänger ausdrücklich festlegt, gelten gemäß § 63 StVZO die entsprechenden Regelungen für Kraftfahrzeuge nach § 32 StVZO. Damit ist die Länge über alles auf 12 m und die Höhe auf 4 m begrenzt. Die maximale Breite beträgt wie bei Krafträdern 1 m. Die zulässige Anhängelast errechnet sich bei Anhängern ohne eigene ausreichende Bremse nach der Formel

\text{Zulässige Anhängelast} = \frac{Leergewicht + 75 kg}{2}.

Als Leergewicht zählt das Gesamtgewicht des Fahrrades zuzüglich pauschal 75 kg für den Fahrer. Das „Merkblatt für das Mitführen von Anhängern hinter Fahrrädern“ (Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, 6. November 1999) macht abweichende Angaben. Ihm zufolge sollte der Anhänger höchstens 2,00 m lang sein. Eine Ausnahme bilden Spezialanhänger zum Transport von Sportgeräten, die bis 4,00 m lang sein können. Die Höhe sollte laut Merkblatt 1,40 m nicht übersteigen. Darüber hinaus werden eine zulässige Gesamtmasse für ungebremste Anhänger von 40 kg und für gebremste Anhänger von 80 kg genannt. Das „Merkblatt“ versteht sich als Hilfe zur Orientierung über den Stand der Technik und Handhabung von Fahrradanhängern für Hersteller und Nutzer von Fahrradanhängern. Es wurde unter anderem bei den Fahrradclubs kontrovers diskutiert.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich sind die gesetzlichen Erfordernisse an Fahrradanhänger, sowohl für den Lasten- als auch für den Personentransport, in den §§ 5 und 7 der Fahrradverordnung geregelt. Der verkehrsrechtliche Teil über das Befahren der Radfahranlagen und der allgemeinen Fahrbahn, ist im § 68 StVO festgeschrieben. Am Tag eine Lichtanlage (montiert zu haben) ist wegen der Gesetzgebung am Fahrradanhänger noch immer Pflicht, während Fahrräder selbst seit etwa 2000 davon befreit sind. Unklar ist, ob ein um 90° seitlich weg-gewinkelter Einradanhänger (wie etwa Bob Yak), der das Gespann stabil stehen lässt, als am Zugfahrrad vorgeschriebener Ständer gewertet wird.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter de Leuw: Fahrräder Richtig auswählen, sicher fahren. 1. Auflage, Beuth Verlag GmbH, Berlin-Wien-Zürich, 2006, ISBN 3-410-16487-1
  • Michael Gressmann, Franz Beck, Rüdiger Bellersheim: Fachkunde Fahrradtechnik. 1. Auflage, Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten, 2006, ISBN 3-8085-2291-7

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fahrradanhänger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Trekkingbike-Test: Kinderkutschen, PDF-Dokument, März 2007
  2. ADAC-Test mit Aufprallvideo Auto gegen Kindersitz bzw. Auto gegen Fahrradanhänger
  3. ADAC: Kurze Übersicht der Vor- und Nachteile von Fahrradanhänger und Kindersitz
  4. Stiftung Warentest: Test Fahrradanhänger für Kinder, In: test Mai 2003
  5. Öko-Test: Mit Hängen und Würgen, interessante Ergebnisse zu Schadstoffen in Kinderanhängern, teils kritisierte (weil übertriebene) Belastungstests, April 2006
  6. http://www.clipfish.de/video/3182053/fahrradseitenwagen/
  7. Fahrradbeiwagen-Hersteller Velotrade: Infotext und Bilder zu Fahrradbeiwagen
  8. Fahrradverordnung vom 1. Mai 2001
  9. Information des Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zur Erneuerung der StVO