Ferdinand Karl von Österreich (1868–1915)

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Erzherzog Ferdinand Karl (1908)

Ferdinand Karl Ludwig Joseph Johann Maria (* 27. Dezember 1868 in Wien; † 10. März 1915 in München) war bis 1911 Erzherzog von Österreich, danach nannte er sich „Ferdinand Burg".

Leben[Bearbeiten]

Ferdinand Karl Ludwig war ein Sohn von Erzherzog Karl Ludwig von Österreich und Prinzessin Maria Annunziata von Neapel-Sizilien und ein Bruder des Thronfolgers Franz Ferdinand.

Zu seinem älteren Bruder Franz Ferdinand hegte er guten Kontakt, umso verwunderlicher ist es, dass er so sehr gegen dessen morganatische Ehe mit der aus uraltem Adel stammenden Sophie Chotek war, dass er sich weigerte, an deren Hochzeit teilzunehmen. Zu dem Zeitpunkt hatte er allerdings noch nicht seine zukünftige Frau kennengelernt.

Berta Czuber[Bearbeiten]

Er traf Berta Czuber (* 5. Dezember 1879 in Prag; † 5. Juli 1979 auf Schloss Rottenstein bei Meran) erstmals 1902 auf dem Wiener Technikerball und verliebte sich Hals über Kopf. Die schöne junge Frau war zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt und hatte bereits eine heftige Affäre mit einem Diplomaten hinter sich. Bereits in ihrer Tanzstundenzeit hatte sich Robert Musil in sie verliebt. Ihr Vater Emanuel Czuber war ein renommierter Mathematikprofessor an der Universität Prag und keineswegs von der Affäre seiner Tochter mit dem Erzherzog entzückt, da er nicht nur um den guten Ruf seiner Tochter fürchtete, sondern auch um seine Stellung als kaiserlicher Hofrat. Als Gerüchte über eine feste Beziehung bis zum Kaiser Franz Joseph vordrangen, verlangte dieser von seinem Neffen, dass er sich von seiner Geliebten trennen solle. Um Zeit zu gewinnen willigte der in sämtliche Forderungen ein, heiratete allerdings am 15. August 1909 bei Chur heimlich seine Geliebte. Die Neuvermählten waren ständig auf Reisen, sodass die Heirat vorerst geheim blieb und auch Familie und Freundeskreis keinen Verdacht schöpften. Allerdings bat der Erzherzog selber zwei Jahre nach der Vermählung um Audienz beim Kaiser und bat nach seinem Geständnis um Verzeihung. Wegen der unstandesgemäßen Heirat mit Berta Czuber veranlasste der Kaiser 1911 seinen Austritt aus dem Haus Habsburg, er wurde allerdings von ihm weiterhin mit 44.000 Kronen unterstützt. Zu diesem Zeitpunkt war der Erzherzog bereits ein von Fieber- und Schwächeanfällen leidgeplagter Mensch, der von seiner Frau liebevoll gepflegt wurde. Der Kaiser versuchte einen Skandal ob der Eheschließung mit allen Mitteln zu vermeiden und ließ den Namen Ferdinand Karls aus allen offiziellen Urkunden des Kaiserhauses streichen. Außerdem musste er auf alle Titel im Erzhaus und in der Armee verzichten. Nach dem Reisepseudonym seines Vaters Karl Ludwig nannte er sich seither Ferdinand Burg und lebte auf ererbten Gütern im heutigen Südtirol.

Interessen und Karriere[Bearbeiten]

Seine militärische Ausbildung in der kaiserlichen Armee betrieb er ernsthaft, fühlte sich jedoch seit frühester Jugend zum Theater hingezogen und wünschte sich nichts mehr als Burgtheaterintendant zu werden. Als Erzherzog kam für den literarisch und musikalisch interessierten Mann allerdings dieser bürgerliche Beruf nicht infrage - genauso wenig wie eine bürgerliche Gemahlin. Wie sein Bruder Ferdinand hatte auch er von der Mutter ein Lungenleiden geerbt und musste daher im Oktober 1904 seine militärische Karriere aus Gesundheitsgründen beenden. Er führte zuletzt als Generalmajor das Kommando der 18. Infanterie-Brigade.[1] Er erhielt allerdings vom Kaiser jährlich 231.000 Kronen, sodass er auch weiterhin finanziell abgesichert war.

Wien betrat er nur noch ein einziges Mal, als er die Erlaubnis erhielt, an den Trauerfeierlichkeiten für das ermordete Thronfolgerpaar, Franz Ferdinand und Sophie, teilzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits vom Tode gezeichnet.

Seine Gattin überlebte ihn um 64 Jahre, sie verstarb im Jahr 1979 im Alter von 99 Jahren. Die Ehe war kinderlos geblieben.

Die Grabstätte befindet sich in der Untermaiser Maria-Trost-Kirche in Meran[2].

Weblinks und Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Militär-Zeitung Nr. 38 vom 29.Oktober 1904, Seite 1
  2. website Kurverwaltung Meran