Frühhelladikum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Frühhelladikum bezeichnet man die früheste Phase der Bronzezeit auf dem griechischen Festland. Da mit ihr die Einführung der Kenntnis um die Metallverarbeitung einherging, markiert sie den Übergang vom Neolithikum in die Metallzeit. In Bezug auf die Geographie umfasst der Begriff "helladisch" die Gebiete Zentralgriechenlands (Phokis, Böotien, Attika), die nördliche Peloponnes (Korinth, Argolis) sowie Thessalien. Die Epoche entspricht zeitlich in etwa dem Alten Königreich Ägyptens. Traditionell wird der Beginn der Bronzezeit um 2600 v. Chr. angesetzt, nach neueren Ergebnissen ist der Beginn aber bereits auf ca. 3000 v. Chr. zu datieren. Das Frühhelladikum endet gegen 2000 v. Chr.

Chronologie[Bearbeiten]

Nach der 1918 entwickelten Chronologie von Alan Wace und Carl Blegen werden drei Hauptphasen unterschieden:[1]

  • Frühhelladikum I (FH I) ca. 3000/2600-2500/2400 v. Chr.
  • Frühhelladikum II (FH II) ca. 2500/2400-2200 v. Chr.
  • Frühhelladikum III (FH III) ca. 2200-2000 v. Chr.

Bis zu den britischen Ausgrabungen unter Leitung John L. Caskeys von 1952 bis 1958 in Lerna war die genaue zeitliche Abgrenzung von FH II und der nachfolgenden Phase FH III nicht bekannt. Ebenso war es bis zu Caskeys Grabungsarbeiten in Eutresis 1958 unmöglich, der Periode FH I absolute Daten zuzuordnen. [2] Infolge weiterer archäologischer Arbeiten Mitte der 1960er-Jahre in Lefkandi auf der Insel Euböa, einer Siedlung, bei der man zunächst davon ausging, sie sei parallel zur FH III-Periode auf dem griechischen Festland einzuordnen, entwickelte Colin Renfrew ein neues chronologisches System. Er klassifizierte die frühhelladische Periode daraufhin - statt wie zuvor Wace und Blegen nach zeitlichen Abschnitten - gemäß den Namen der einzelnen Kulturgemeinschaften, die in FH I, II oder II existierten. FH I entsprach bei ihm der Eutresis-Kultur, FH II nannte er Korakou-Kultur und FH III Tyrins - Kultur. Diesem Schema zufolge entsprach „Lefkanti I“ gleichzeitig auch der "Tyrins - Kultur", eine Ansicht, die 1979 von Jeremy Rutter widerlegt wurde. Er fand heraus, dass die Lefkanti-Kultur in Wahrheit vielmehr der FH II Periode, d.h. Renfrews Korakou-Kultur entspräche. Seit der Mitte der 1970er - Jahre wuchs der Widerstand gegen Renfrews Modell. Dennoch sind sowohl die lokal als auch zeitlich bezogenen Chronologien durchaus gebräuchlich. [3]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kenntnis um die Metallverarbeitung ist nach vorherrschender Meinung aus (West-) Anatolien[4] nach Griechenland gekommen. Obwohl die Neuerung in der Ägäis bereits im späten 4. Jahrtausend aufkam, also im auslaufenden Neolithikum, setzt man den wirklichen Beginn der Bronzezeit erst um die Jahrtausendwende an.[5] Im FH I wurde Kupfer bzw. verschiedene Kupferlegierungen verarbeitet, darunter auch sog. Arsenbronze, eine natürlich vorkommende Legierung aus Kupfer und Arsen, die in einigen Regionen auftritt. Daneben fanden auch weiterhin Steine und Knochen als Werkstoff Verwendung.[6] Spätestens für den Beginn von FH II ist (Zinn)-Bronze nachgewiesen. Das Aufkommen der Metallverarbeitung sorgte in Griechenland für einen Aufschwung. In der Landwirtschaft entstanden neue Geräte, darunter als bedeutendstes der Pflug. Durch die dadurch erreichten größeren Erträge verbesserten sich schnell die Lebensumstände und die Bevölkerung wuchs an.

Ab FM II entstanden Siedlungen mit bereits städtischem Charakter. Mit dieser Entwicklung ging - zumindest teilweise - eine soziale Differenzierung einher.[7] Stellenweise waren die Siedlungen befestigt, so etwa in Lerna oder Ägina.[6] Bedeutende Fundplätze sind u. a. Lerna, die frühbronzezeitlichen Schichten von Tiryns, Eutresis und Zygouries. Rund- und Ovalbauten wurden als Originalgebäude und auch Modelle in Form von Schieferpyxiden gefunden. Ein Originalgebäude von monumentaler Größe stand in Tiryns, zu dessen Bau u.a. gebrannte Ziegel verwendet wurden.[8] Die Verwendung dieses Materials findet sich auch im megaronartigen Haus der Ziegel[6] in Lerna oder dem Weißen Haus in Ägina.[8]

Gegen Ende von FH II gibt es an vielen Orten Zerstörungen und Brüche. Man hat dies immer mit dem Vordringen der Indogermanen nach Griechenland in Verbindung gebracht. Allerdings wird ein Zusammenhang jetzt auch bezweifelt, da nicht ganz Griechenland von den Zerstörungen heimgesucht wurde.

Keramik[Bearbeiten]

Der vorherrschende Keramikstil des frühbronzezeitlichen Griechenlands war die sogenannte Urfirniskeramik. Daneben gab es noch eine rote, polierte Ware.[6] Die Töpferscheibe wurde noch nicht verwendet, sie wurde erst im Mittelhelladikum entwickelt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Bengtson: Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die römische Kaiserzeit (= Handbuch der Altertumswissenschaften. Abteilung, 3, Teil 4). 4., durchgesehene und ergänzte Auflage. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München 1969.
  • Hans-Günter Buchholz (Hrsg.): Ägäische Bronzezeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1987, ISBN 3-534-07028-3.
  • Eric H. Cline (Hrsg.): The Oxford Handbook of the Bronze age Aegean (ca. 3000–1000 BC). Oxford University Press, Oxford u. a. 2010, ISBN 978-0-1953-6550-4.
  • Kurt Müller: Die Urfirniskeramik (= Tiryns. Bd. 4, ZDB-ID 800564-3). Bruckmann, München 1938 (Nachdruck von Zabern, Mainz 1976, ISBN 3-8053-0014-X).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. dazu http://www.dartmouth.edu/~prehistory/aegean/?page_id=519 (Lesson 3): „In 1918 Wace and Blegen, in imitation of Evans’ tripartite scheme for Crete, divided the Mainland Greek Bronze Age into Early, Middle, and Late, and then subdivided each of these into I, II, and III.“
  2. Vgl. dazu http://www.dartmouth.edu/~prehistory/aegean/?page_id=519 (Lesson 3): „Until the excavations of Caskey at Lerna between 1952 and 1958, the distinction between the cultures of the Early Helladic (EH) II and III chronological periods was not very clear. Likewise, it was not until Caskey’s supplementary excavations at Eutresis in 1958 that EH I culture became easily distinguishable from those of the preceding FN and the succeeding EH II periods. “
  3. Vgl. dazu http://www.dartmouth.edu/~prehistory/aegean/?page_id=519 (Lesson 3)
  4. Vgl. Wolfgang Schiering: Griechenland, II. Vorgeschichtliche Kulturen,[3] Frühe Bronzezeit. In: Lexikon der alten Welt, Artemis-Verlag, Zürich-München 1990, Unveränderter Nachdruck der einbändigen Originalausgabe von 1965, ISBN 3-7608-1034-9, S. 1142: „Das Frühhelladikum [...] unterscheidet sich von der vorangegangenen Epoche auch kulturell durch eine neue Lebensweise, die sich des aus Westanatolien gekommenen Metalls bediente [...]“
  5. Vgl. Olaf Höckmann: Frühbronzezeitliche Kulturbeziehungen im Mittelmeergebiet unter besonderer Berücksichtigung der Kykladen. In: Hans-Günter Buchholz (Hrsg.), Ägäische Bronzezeit, 1987. S. 65.
  6. a b c d Vgl. Schiering, Wolfgang: Griechenland, II. Vorgeschichtliche Kulturen,[3] Frühe Bronzezeit. In: Lexikon der alten Welt, Artemis-Verlag, Zürich-München 1990, Unveränderter Nachdruck der einbändigen Originalausgabe von 1965, ISBN 3-7608-1034-9, S. 1142.
  7. Vgl. Olaf Höckmann: Frühbronzezeitliche Kulturbeziehungen im Mittelmeergebiet unter besonderer Berücksichtigung der Kykladen. In: Hans-Günter Buchholz (Hrsg.), Ägäische Bronzezeit, 1987. S. 81: „Ähnlich wie in Palästina und Syrienerfolgte in der Ägäis während der Frühbronzezeit - hier in Stufe II - der Übergang zu einer Lebensweise, die im Ansatz als städtisch bezeichnet werden kann. Die Siedlungen wurden größer. Zumindest stellenweise zeichnete sich eine soziale Differenzierung ab, der vermutlich eine gewerbliche Spezialisierung entsprach. [...]“.
  8. a b Vgl. Olaf Höckmann: Frühbronzezeitliche Kulturbeziehungen im Mittelmeergebiet unter besonderer Berücksichtigung der Kykladen. In: Hans-Günter Buchholz (Hrsg.), Ägäische Bronzezeit, 1987. S. 84.

Weblinks[Bearbeiten]