Frühstücksfernsehen

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Frühstücksfernsehen ist die Bezeichnung für ein Programmformat von Fernsehsendungen, die je nach Tag und Sender vorwiegend auf dem Sendeplatz zwischen 5 und 10 Uhr am Morgen ausgestrahlt werden, drei bis vier Stunden dauern und kein festes Thema behandeln.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorbilder waren die als Morning show (USA und Kanada) oder als Breakfast television (Großbritannien, Australien, Irland, Neuseeland) bezeichneten Programmformate des Infotainment. Als erstes national ausgestrahltes Frühstücksfernsehen gilt die US-amerikanische Sendung Today, die am 14. Januar 1952 bei der NBC auf Sendung ging. Regional ausgestrahlte Sendungen dieses Typs hatte es in den USA bereits seit 1950 gegeben. Die BBC startete ihre Sendung Breakfast Time am 17. Januar 1983, gefolgt von einem auf Frühstücksfernsehen spezialisierten Spartensender TV-am, dessen Programme Daybreak und Good Morning Britain zwei Wochen später am 1. Februar 1983 auf Sendung gingen.

Deutschland[Bearbeiten]

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat mit seinem Frühstücksfernsehen erst spät auf dieses vom deutschen Privatfernsehen für Deutschland entdeckte Programmformat reagiert.

Privatfernsehen[Bearbeiten]

Vorreiter des Frühstücksfernsehens im deutschsprachigen Raum war der Privatsender RTLplus. Dessen Konkurrent Sat.1 plante den Beginn des eigenen Frühstücksfernsehens unter dem Titel Guten Morgen mit Sat.1 für den 1. Oktober 1987 und wäre damit der erste deutsche Fernsehsender geworden, der dieses Programmformat des Infotainment in Deutschland präsentiert hätte. Als direktes Vorbild griff RTL auf die gleichnamige Frühstückssendung von RTL Radio zurück. Eine großangelegte Werbekampagne von Sat.1 mit dem hierin angekündigten Sendebeginn 1. Oktober 1987 für das Sat.1-Frühstücksfernsehen zwang die RTL-Verantwortlichen, die eigenen Sendeanstrengungen des für den 5. Oktober 1987 vorgesehenen Sendebeginns zu beschleunigen, um dem Konkurrenten zuvorzukommen. Das gelang, denn genau eine Woche früher als Sat.1 ging RTLplus mit dem eigenen Frühstücksfernsehen unter dem Titel Guten Morgen Deutschland am 23. September 1987 auf Sendung.[1] Damit konnte RTL dieses „medienhistorische Ereignis“ für sich verbuchen.[2] RTLplus verfolgte hingegen eine eher defensive Medienpolitik und informierte die Presse und selbst die meisten Mitarbeiter erst einen Tag vor Sendebeginn mit einer Meldung in den 06:00-Uhr-Nachrichten von Radio Luxemburg: „Dies ist der Startpunkt des ersten deutschen Frühstücksfernsehens“.

Sat.1 strahlte wie geplant ab 1. Oktober 1987 zwischen 06:00 und 09:00 Uhr die Sendung Guten Morgen mit SAT.1 aus. Die Sendung war und ist eher unterhaltungs- und ratgeberorientiert, brachte dementsprechend aktuelle Musik-Videoclips, Spiele wie den Superball und Experten zu den verschiedensten Themen des täglichen Lebens im Studio. Der Anteil an aktuellen Informationen wurde in einer Studie im Jahr 2000 mit 28,3 Prozent bemessen. Moderiert wurde die Sendung u.a. von Wolf-Dieter Herrmann, Sabrina Fox, Armin Halle, Rita Werner und Susanne Holst.

Öffentlich-rechtliches Fernsehen[Bearbeiten]

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF stiegen erst am 13. Juli 1992 mit ihrem Morgenmagazin offiziell in das Frühstücksfernsehen ein.[3] Bis dahin gab es frühe Informationsprogramme lediglich auf Zeit, so bei der ARD 1984 anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Los Angeles oder 1990 zu Beginn des so genannten Zweiten Golfkrieges.

Eines der ersten regelmäßigen öffentlich-rechtlichen Formate war das Frühprogramm des Berliner Senders RIAS-TV (moderiert von Nina Ruge und Günther Neufeldt), das von ARD und ZDF Ende der 1980er Jahre übernommen wurde. Aufgrund des sich ändernden Zuschauerverhaltens in Deutschland am Morgen und aufgrund entsprechend guter Erfahrungen mit dem Sonderfrühprogramm während des Golfkriegs entschlossen sich ARD und ZDF, ab Juli 1992 ein regelmäßiges Frühformat zu produzieren. Aus wirtschaftlichen Gründen vereinbarten damals ARD und ZDF, sich wöchentlich abzuwechseln und beide Formate, das ARD-Morgenmagazin und das ZDF-Morgenmagazin auf beiden Kanälen auszustrahlen. Der Anteil an harter Information ist mit 68,1 Prozent bei den öffentlich-rechtlichen Magazinen wesentlich höher als bei den kommerziell ausgerichteten Privatsendern.

In den 1990er Jahren gab es somit in der deutschen TV-Landschaft drei lange Frühformate von ARD bzw. ZDF, Sat.1 und RTL. Allerdings gab RTL sein Frühstücksfernsehen Ende der 1990er Jahre vorerst auf und sendete nur noch kurze Frühnachrichten zwischen Wiederholungen von Unterhaltungsprogramm. Seit 2013 ist RTL nun wieder mit seinem eigenen Frühstücksfernsehen vertreten.

Inhalte[Bearbeiten]

Die Inhalte sind je nach Sender unterschiedlich, enthalten aber häufig:

Die Inhalte sind in der Regel zu kurzen Beiträgen aufbereitet, so dass den Fernsehgewohnheiten des Zielpublikums, welches am Morgen meist nur wenige Minuten die Sendung verfolgt, gerecht wird: Nachrichten und Wetter wiederholen sich oft im halbstündigen Rhythmus, die anderen Themen belegen meist feste Sendezeiten und bestimmte Beiträge werden während der Sendung mehrfach gesendet. Bei den kommerziellen Privatsendern wird das Frühstücksfernsehen durch – ebenfalls recht kurze, dafür häufige – Werbeblöcke unterbrochen.

Derzeitige Formate[Bearbeiten]

Ein Frühstücksfernsehen strahlen im deutschsprachigen Raum heutzutage unter anderem aus:

Deutschland
Österreich

Rezeption[Bearbeiten]

Das wöchentlich wechselnde Morgenmagazin von ARD und ZDF erreicht 630.000 Zuschauer und führt mit einem Marktanteil von 19,5 %. Das Sat.1 Frühstücksfernsehen wird von 530.000 Zuschauern verfolgt (15,4 Prozent).[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hohlfeld, Ralf: Das Nebenbei-Fernsehen. Inhalte, Themen und Gestaltung des Frühstücksfernsehens. In: Fernseh-Informationen, 5 / 2000, S. 21 – 26.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Tagesspiegel vom 24. September 2012, Guten Morgen, Deutschland!
  2. Michael Reufsteck/Stefan Niggemeier:: Fernsehlexikon, November 2005
  3. 20 Jahre Morgenmagazin - Eine Wundertüte zum Frühstück, Stuttgarter Nachrichten, 12. Juli 2012
  4. Der Tagesspiegel vom 24. September 2012, Guten Morgen, Deutschland!