Wettervorhersage

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Die Wettervorhersage wird von staatlichen und privaten Wetterdiensten geleistet. Die Voraussetzung dazu liefert die Meteorologie als Disziplin der Naturwissenschaft.

Ziel der Wettervorhersage ist die Prognose eines Zustandes der Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Gebiet. Dabei sind tatsächlich nicht nur Wettererscheinungen, die sich am Boden auswirken, gemeint, sondern es wird die gesamte Erdatmosphäre betrachtet.

Vorhersage­symbol: „sonnig“
Vorhersage­symbol: „wechselhaft“

Erstellung[Bearbeiten]

Als physikalisches Ereignis lässt sich das Wetter durch entsprechende Naturgesetze beschreiben. Die grundlegende Idee einer Wetterprognose ist es, aus einem bereits vergangenen und dem aktuellen Zustand der Atmosphäre, unter Anwendung der bekannten physikalischen Regeln, einen Zustand in der Zukunft abzuleiten.

Die mathematischen Konstrukte, welche diese physikalischen Regeln beschreiben, sind allerdings sogenannte nichtlineare Gleichungen. Das bedeutet, dass bereits kleine Änderungen im Ausgangszustand zu relativ großen Veränderungen am Ergebnis der Rechnung führen können (siehe auch: Schmetterlingseffekt).

Es wird im Wesentlichen zwischen einer manuellen oder synoptischen Wettervorhersage und einer numerischen Wettervorhersage unterschieden, wobei heute immer noch eine Kombination beider Verfahren zur Anwendung kommt. Dies hängt damit zusammen, dass auch aktuelle numerische Prognosemodelle unzureichende Ergebnisse liefern. Um die lokale Klimatologie von Wetterstationen zu berücksichtigen, werden heutzutage den numerischen Berechnungen noch statistische Verfahren nachgeschaltet, wie z. B. die MOS-Verfahren Model Output Statistics.

Die Daten über den aktuellen Zustand der Atmosphäre kommen von einem Netz von Bodenmessstationen, die Windgeschwindigkeit, Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit sowie Niederschlagsmengen messen. Zusätzlich werden auch Daten von Radiosonden, Wettersatelliten, Verkehrsflugzeugen und Wetterschiffen verwendet. Problematisch ist dabei die unregelmäßige Verteilung dieser Beobachtungen und Messungen, sowie die Tatsache, dass in geringer entwickelten Ländern und über den Ozeanen relativ wenige Messstationen vorhanden sind.

Vorhersage-Meteogramm des norwegischen Wetterdienstes yr.no für Bergen (Hordaland), 25. und 26. Mai 2007
Vorhersage­symbol: „bedeckt
Vorhersage­symbol: „Regen­schauer
Vorhersage­symbol: „Regen
Vorhersage­symbol: „Gewitter
Vorhersage­symbol: „Schneefall

Verlässlichkeit[Bearbeiten]

Heute ist eine Prognose für die kommende Woche ungefähr so zuverlässig, wie sie es vor dreißig Jahren für den nächsten Tag war. Die 24-Stunden-Vorhersage erreicht eine Eintreffgenauigkeit von gut 90 %. Die Treffsicherheit für die kommenden 3 Tage beträgt etwas mehr als 75 %.

Die Zuverlässigkeit schwankt jedoch sehr stark in Abhängigkeit von der Wetterlage. So ist es bei einer stabilen Winterhochdrucklage manchmal problemlos möglich eine Woche mit 90 % Sicherheit zu prognostizieren. Dagegen liegt die Prognosegüte bei einer instabilen Gewitterlage im Sommer oft deutlich unter 70 % für 24 Stunden. Ebenfalls muss man bei der Prognosegüte zwischen Temperatur und Niederschlag unterscheiden. Temperaturen können deutlich genauer als Niederschlag prognostiziert werden.

Seit 1968 ist die Qualität der DWD-Modellvorhersagen stetig gestiegen. Neue, größere Rechner und verbesserte Wettermodelle führten oftmals zu einem sprunghaften Anstieg der Genauigkeit in Richtung Optimum (1,0), wie hier am Beispiel der Bodendruckvorhersagen. Ab 1978 konnten statt zwei dann vier Vorhersagetage gerechnet werden, ab 1991 sogar sieben Tage. 2008 war eine Sieben-Tage-Vorhersage besser als die Zwei-Tage-Vorhersage zu Beginn des Computerzeitalters 1968. Eine sehr gute Übersicht über die historische und heutige Genauigkeit von Unwetterwarnungen und Wettervorhersagen ergibt die Broschüre "Wie gut sind Wettervorhersagen?" des Deutschen Wetterdienstes[1].

Gründe für die fehlende Verlässlichkeit[Bearbeiten]

Teilweise ist die Wettervorhersage nicht so verlässlich, wie die Allgemeinheit und verschiedene Fachgebiete es sich wünschen. Dies hängt vor allem mit zwei Ursachen zusammen:

  1. der unvollständigen Kenntnis des tatsächlichen Geschehens in der Erdatmosphäre.
    1. Was geschieht genau in der Atmosphäre? → Grundlagenforschung. Noch unverstandene Wetterphänomene müssen erforscht werden. Beispiel: Wie interagieren Eigenschaften des Bodens (Wärme, Feuchtigkeitsgehalt, Albedo) mit den tieferliegenden Luftschichten?
    2. Wo und wann geschieht etwas in der Atmosphäre? → Nicht alle benötigten Daten werden erhoben, und wo sie erhoben werden, geschieht dies zwangsläufig mit Lücken. Beispiele: Nicht überall stehen Wetterstationen, Gebirgstäler werden von Wetterradars nicht immer abgedeckt, in Süddeutschland werden Wetterballons nur an zwei Orten eingesetzt (Stuttgart und München).
    3. Wie geschieht etwas in der Atmosphäre? → Die tatsächlichen meteorologische Zusammenhänge müssen in ein genügend genaues rechnerisches Modell übersetzt werden. Diese reflektieren die jeweiligen Fortschritte in der Grundlagenforschung wie auch der Computer-Rechenkapazität.
  2. der grundsätzlich nicht vorhersehbare Anteil des Wettergeschehens → Chaosforschung, Schmetterlingseffekt. Unter welchen Umständen resultiert eine kleine Ungenauigkeit im Wettermodell bzw. in den Messwerten in einer sehr ungenauen Prognose?

Aus Gründen der Rechenzeit und der großen anfallenden Datenmengen können die beteiligten Luft- und Wassermassen noch nicht mit zufriedenstellender Genauigkeit berücksichtigt werden. Es spielen zu viele einzelne Faktoren eine Rolle, deren Zusammenspiel man bis dato und auch in näherer Zukunft nicht vollständig analysieren kann. Daher machen lokale Einflüsse wie Gebirge und ihre unregelmäßig geformten Hänge, Effekte unterschiedlicher Einstrahlung durch „falsch“ berechnete Bewölkung, der Bewuchs (Wald zu Acker!) oder das Gestein so viel aus, dass die Treffsicherheit für die nächsten 4 bis 7 Tage erheblich sinkt. Keine der heute verwendeten Methoden reicht über zwanzig Tage in die Zukunft hinaus, so dass längere Vorhersagen z. B. saisonale Wetterprognosen unseriös sind und von den meisten Wetterberichterstattungen im Fernsehen und Radio auch gemieden werden.

Aus den vorhandenen Datenmodellen lassen sich für unterschiedliche Vorhersagebereiche dennoch sehr zuverlässige Vorhersagen für wetterabhängige Branchen erstellen. Der Deutsche Wetterdienst hat ein Vorhersagemodul für die Kornfeuchte bei vollreifem Getreide erstellt. Dieses Modell sagt mit hoher Genauigkeit die Kornfeuchte von Getreide anhand von Bodenfeuchte, Luftfeuchte und Sonneneinstrahlung vorher. Die Vorhersagezeit reicht 5 Tage in die Zukunft. Die Vorhersagen werden nur in der Zeit der Getreideernte im Sommer erstellt.

Die Theorie der Meteorologie ist zwar durch die Gasgesetze, die Thermodynamik und die Strömungslehre weitgehend geklärt, kann aber durch kleinräumige Effekte von bis zu Kilometer-Dimensionen nicht alle Luftbewegungen mit ausreichender Genauigkeit berechnen. So kann beispielsweise an einem sonnigen Tag die Temperatur über dunklen und hellen Flächen um mehrere Grad differieren. Ähnliches tritt zwischen Sonnenseite und Schattenseite eines Gebirgskammes auf oder zwischen Gewässern und festem Boden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Abschätzung der zukünftigen Wetterentwicklung interessiert die Menschen seit Jahrtausenden und ist Gegenstand intensiver Erfahrung und zunehmender Forschung.

Versuche, das Wetter vorherzusagen, sind seit dem Altertum überliefert und dürften noch länger zurückreichen, wenn man bedenkt, wie stark Menschen – besonders in der Landwirtschaft – von Niederschlag und Temperatur abhängig waren.

Sogenannte Lostage, als Bauernregel bekannt – sind als Versuch anzusehen, analog den scheinbar immer wieder gleich ablaufenden Jahreszeiten die Zeiten dazwischen weiter in wetterrelevante Abschnitte zu unterteilen. Man ging davon aus, dass an Lostagen – ähnlich einem Knoten in einem Entscheidungsbaum – das Wetter und die Witterung, abhängig vom Zustand an diesem Tag, einen gewissen weiteren Verlauf nehmen würden, der aus Überlieferungen und später Aufzeichnungen ermittelt werden könne. Die wissenschaftlich fundierte Wettervorhersage begann übrigens mit ähnlichen Methoden: Man versuchte in der Zeit vor der Telegraphie, im Wetter kurzfristige Muster zu erkennen und zum Beispiel aus den Niederschlägen, der Temperatur und dem Luftdruck der letzten drei Tage das Wetter von Morgen vorauszusagen.

Technische Fortschritte[Bearbeiten]

Otto von Guericke erkannte im Jahr 1660 erstmals den Zusammenhang zwischen Abfallen des Luftdrucks und Aufzug eines Unwetters. Einfache Hygrometer waren auch früh bekannt - etwa die "Wetterdistel", deren aufgerollte Blütenblätter eine erhöhte Luftfeuchtigkeit anzeigen und somit vor Regen warnten.

Ein europäisches Stationsnetz mit gleichzeitigen Beobachtungen für die synoptische Methode entstand bald nach 1800. Fehlende Kommunikationsmöglichkeiten verhinderten aber ihren Siegeszug: Reiter und Postkutschen waren nämlich mit 60 bis 120 Kilometern pro Tag zu langsam, um die Messdaten in nützlicher Frist zu einer entfernten Großstadt zu befördern - die Geschwindigkeit von Wetterfronten beträgt nämlich etwa 30 bis 60 km/h.

Der erste entscheidende Umbruch in der Wettervorhersage geschah somit durch die flächendeckende Ausbreitung der Telegraphennetze im 19. Jahrhundert. Die kommerzielle Telegraphie entstand 1835, flächendeckende Netze in europäischen Ländern gab um 1855, und die erste Ost-West-Telegraphenverbindung in den USA kam im Jahre 1861 zustande. Dank Telegrammen konnte man die Messdaten je nach Windrichtung dem Wetter "vorausschicken", was erste brauchbare Wetterprognosen ermöglichte: Die Londoner "Times" veröffentlichte 1861 die ersten Wetterprognosen, und erste Wetterkarten wurden im selben Jahr publiziert.

Zwei Briten, Francis Beaufort und Robert FitzRoy sind eng mit der Verbesserung der Wetterprognosen verknüpft. Beaufort entwickelte die nach ihm benannte Wind-Skala, und FitzRoy leitete im Board of Trade eine Abteilung, welche Wettermeldungen von Schiffskapitänen sammelte. Im Jahre 1859 geschah das Unglück des Schiffes Royal Charter, welches in einem schweren Sturm kenterte. Dies veranlasste FitzRoy, Wetterkarten zu zeichnen, und fünfzehn Wetterstationen an Land lieferten Daten für Sturmwarnungen, die dann wiederum per Telegraphen an die Häfen weitergeleitet wurden. In der Industrialisierung, während den 1870er Jahren, wurde das Telegraphennetz schließlich so weit ausgebaut, dass synoptische Wettervorhersagen ermöglicht wurden. In Ergänzung zur Telegraphie mussten auch standardisierte Begriffe für Wetterlagen und Wolkentypen erschaffen werden (1802 erste Klassifizierung durch Luke Howard, 1896 veröffentlichte die World Meteorological Organization den International Cloud Atlas als erstes Standardwerk). Um 1900 entstanden viele nationale Wetterdienste, die in Kooperation eine großräumige synoptische Wettervorhersage entwickelten. Im Jahre 1911 sendete das britische "Met Office" über das Radio erste Sturmwarnungen zu Händen von Seeleuten, und der nordatlantische Eis-Warndienst entstand als Folge des Titanic-Unglück 1912.

Das zukünftige Wetter wird berechnet[Bearbeiten]

Der englische Wissenschaftler Lewis Fry Richardson entwarf 1922 die erste Idee zur Wettervorhersage mittels "Computern". Er stellte sich vor, die gesamte Atmosphäre der Erde könne man in Abteilungen unterteilen; die Grenzen zwischen diesen Abteilungen werden durch die Höhe über Meer sowie durch die Breiten- und Längengrade definiert. In jedem dieser Abteilungen "sitzt" ein Mensch, der bestimmte lineare Gleichungen anwendet. Er berechnet aus dem physikalischen Zustand seines eigenen sowie benachbarter Abteilungen (Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Luftfeuchte, Temperatur...) Vorhersagewerte für sein Abteil, und gibt die Resultate seinen benachbarten Abteilungen weiter, damit diese den nächsten Berechnungsschritt durchführen können. Dieses Grundprinzip - die Unterteilung der Atmosphäre in Kompartimente, die jeweils zu Beginn des Berechnung mit tatsächlichen, gemessenen Startwerten initialisiert werden - wird heute noch angewendet.

Seit den 1950er Jahren wurde sie durch mathematische Rechenmodelle und Daten von meteorologischen Satelliten, ein Netz von Radiowettersonden und Wetterradar sukzessive verbessert. Dabei stieg der relativ zuverlässige Vorhersagezeitraum in mittleren Breiten von etwa 3 Tagen auf 4–5 Tage, was für viele Sparten der Wirtschaft, im Verkehr oder im Bauwesen, sowie für Planungen in der Landwirtschaft eine merkliche Verbesserung bedeutete.

Übersicht über die Entwicklungen[Bearbeiten]

Fortschritte in der Wetterprognose geschahen seit den 1950er Jahren - ohne eine zeitliche Reihenfolge aufzustellen - durch:

  • Messstationen
    • Stationen sind zahlreicher geworden, dichteres Netz
    • Messung zusätzlicher Parameter wie Smogpartikel (die als Kondensationskeime für Niederschlag dienen)
    • automatische Übermittlung der Messwerte
  • Wetterballone
    • heute auch mit GPS
  • Wetterradars
    • für die kurzfristige Prognose
    • um die Regenmengen-Messungen der Wetterstationen zu ergänzen
    • Fähigkeit, zwischen verschiedenen Niederschlagsarten und -Intensitäten zu unterscheiden
  • verbesserte Simulationsmodelle wie z.B. das Non-hydrostatic Mesoscale Model im Rahmen des Weather Research and Forecasting Model
  • spezialisierte Prognosen und Wettermodelle
    • Hurrikanwarnungen, Lawinenwarnungen
    • Einschätzung der Waldbrandgefahr, voraussichtliche Ausbreitung von Waldbränden
    • Flutwarnungen, indem die vorausgesagte Niederschlagsmenge mit der Abfluss-Kapazität von Flüssen kombiniert wird (siehe Hydrologie)
    • Vegetationsprognosen z.B. für Landwirte und Pollen-Allergiker
  • Fernerkundung durch Satelliten
    • nicht nur das sichtbare Licht, sondern auch das Infrarotspektrum wird nun ausgewertet
    • Vegetationsanalysen - der unterschiedliche Pflanzenbewuchs beeinflusst die Erwärmung des Bodens und die Verdunstung von Wasser, beides Faktoren, welche wiederum das Wetter beeinflussen
    • verbesserte topographische Modelle (SRTM), um Wind und Steigungsregen besser zu modellieren
  • leistungsfähigere Computer
    • für mehr Modellläufe innerhalb derselben Zeit: Stimmen die Prognosen überein, auch wenn man die Startwerte leicht verändert? (→ Ensemble-Modelle)
    • ermöglicht eine Verkleinerung des Rasters bei den Rechenmodellen, um die Zuverlässigkeit der Modelle zu erhöhen
      • Beispiele: Global Forecasting System der NOAA: weltweit 28 x 28 km bzw. 70 x 70 km[2], europaweit 3 x 3 km bei bestimmten Modellen der Firma meteoblue[3], COSMO-DE des Deutschen Wetterdienstes 2.8 x 2.8 km mit 50 Höhenschichten[4], MeteoSchweiz mit 2 x 2 km[5])
  • (Online-)Wetterdienste
    • Lokale Wetterprognosen, z.B. durch die Anpassung einer großräumigen Prognose an die lokalen Begebenheiten mittels Erfahrungswerten
    • Entstehung privater Wetterdienste; Konkurrenzkämpfe
    • verändertes Freizeitverhalten der Bevölkerung (Outdoorsport zum Beispiel) bedingt genauere Prognosen: Die Menschen möchten schon am Montag wissen, ob das Wochenendwetter gut ist

Ausblick in die Zukunft:

  • Die Verkleinerung des Gitters bei den Wettermodellen erlaubt noch genauere und noch langfristigere Prognosen
  • Die heutigen Rastergrößen sind oftmals größer als typische Gewitterzellen. Mit verkleinerten Gittern (z.B. 1 x 1 km) lassen sich kleinräumige Phänomene wie die Konvektion von Luftmassen überhaupt modellieren, und somit der Entstehungsort und -zeitpunkt von Gewittern[4]
  • Noch besseres Verständnis meteorologischer Effekte, insbesondere das Zusammenspiel des Bodens mit den untersten Schichten der Atmosphäre

Prognosen durch Laien[Bearbeiten]

Thermometer, Barometer und Beobachtungen[Bearbeiten]

Bis zu einem gewissen Maß kann auch ein Laie eine Prognose für seine Umgebung erstellen. Dazu finden sich im Buchhandel kurzgefasste Anleitungen zur Deutung von Temperatur und Luftdruck und zur Beobachtung von Wind und Wolken – die viel über die horizontalen und vertikalen Luftbewegungen erkennen lassen. Neben Thermometer und Barometer benötigt man kaum irgendwelche Hilfsmittel. Doch auch einfache Wetterstationen für den Schreibtisch plus Außenfühler können programmierte Prognosen mit 60 bis 75 % Trefferwahrscheinlichkeit abgeben.

Für die nächsten ein bis drei Stunden kann man bei der Frage nach örtlichem Regen, klarem Sternenhimmel oder Eintreten von Frost auf 80 bis 90 % kommen. Selbst die einfachste aller Prognosen – „heute wird's so wie gestern“ (sogenannte "Persistenz") – trifft in Mitteleuropa zu 50 bis 70 % zu. Eine Nachfrage etwa bei einem Landwirt oder bei einer sonstigen erfahrenen, ortsansässigen Person ergibt nicht selten eine genauere Kurzfrist-Wetterprognose als das "Fernsehwetter", wo oft für ein ganzes Bundesland eine einheitliche Vorhersage angezeigt wird.

Anstelle Barometer eignen sich auch barometrische Höhenmesser: Bergsteiger stellen zu Beginn der Tour ihren Höhenmesser korrekt ein. Während der Tour vergleichen sie die angezeigte Höhe mit der tatsächlichen Höhe, wie sie auf der Landkarte, auf Wegweisern vom GPS-Gerät angegeben wird; der Höhenmesser wird während der Tour aber nicht nachjustiert, sondern man prägt sich die jeweilige Abweichung ein. Zeigt der Höhenmesser zum Beispiel eine um 100 m zu große Höhe an, ist der Luftdruck um 12 mbar gefallen, und umgekehrt.

Als Laie Wetterprognosen zu erstellen ist oftmals Erfahrungssache. Anfänger können sich zunächst an professionellen Wetterprognosen orientieren und dann selbst beobachten, welche Wetterphänomene (Wolkentypen, Windstärke, Temperaturschwankungen, ...) welcher Wetterlage vorausgehen. Die Beobachtung von bestimmten Naturphänomenen kann ebenfalls Hinweise geben:

  • Kondensstreifen von Verkehrsflugzeugen (zeigen die Feuchtigkeit in hohen Luftschichten an)
  • Die Weise, wie Rauch bzw. Dampf an Fabrikkaminen und Kühltürmen aufsteigt
  • Pflanzen: Farbton von Baumblättern (Poren verschließen sich bei trockener Luft, damit die Pflanze weniger Wasser verliert), "Tannzapfen-Hygrometer"
  • Tiere: Tief fliegende Schwalben, absteigendes Bergwild, Honigbienen, die ihre Sammelflüge einstellen

Art der Bewölkung[Bearbeiten]

Nach[6][7] lassen sich einige Wettertendenzen anhand der Bewölkung feststellen. Bei fehlender Aussicht auf die Bewölkung - zum Beispiel, wenn man sich auf dem Südhang eines Berges befindet, und das Wetter von Nordwesten heranzieht - sind natürlich nur sehr kurzfristige Beobachtungen möglich.

Anzeichen Wetteränderung Bild
Cirrostratuswolken bilden einen Halo um die Sonne bzw. den Mond Typisches Schlechtwetterzeichen. Niederschlag innert zwei Tagen wahrscheinlich. Ist der Halo unterbrochen und bildet keinen deutlichen Kreis, tritt der Niederschlag eher später ein.
Sonne mit Halo
Dichter werdende, sich nach unten verlagernde Bewölkung

Wolkentyp ändert sich: CirriCirrocumulusCirrostratusAltostratus
Warmfront oder Okklusion wahrscheinlich innert den nächsten 12 bis 24 Stunden; eher schwache, dafür länger anhaltende Niederschläge,
Altostratus-Wolke
Wolkenfahnen auf der Leeseite von Berggipfeln Die Luft ist sehr feucht.
Niederschlag innert den nächsten ein bis vier Tagen ist zu erwarten. Sich verkleinernde Wolkenfahnen weisen auf eine Wetterbesserung hin.
Matterhorn mit deutlicher Wolkenfahne
Lücken in der Bewölkung schließen sich, eine "Wolkenwand" nähert sich
Wolkentyp: grösser und dichter werdende Cumulus- und Cumulonimbus-Wolken
Kaltfront innert den nächsten 12 Stunden; eher heftige, dafür kurz anhaltende Niederschläge, starker Temperaturabfall, Gewitter möglich.
Kaltfront mit Wolkenwand und heftigem Niederschlag
Quellwolken, die klein bleiben (Cumulus humilis) Stabile Wetterlage, keine Verschlechterung. Bergwanderer/Bergsteiger erleben diese Wolke oft als plötzlich entstehenden Nebel, die Orientierung wird erschwert.
Cumulus humilis, die Schönwetterwolke
Sich vergrößernde Quellwolken (Cumulus congestus), die zu Türmen aufwachsen (Cumulus castellanus) und in einer Gewitterwolke (Cumulonimbus) münden Gefahr von Gewittern und Regenschauern in den nächsten Stunden bzw. im Laufe des Tages.
Cumulus congestus
Ortsfeste Lenticularis-Wolken ("Föhnfische"), Leewellen Warmes Föhn-Wetter. Zerfasern sie sich oder bilden sich an deren Rändern Wellen, verschlechtert sich das Wetter.
Lenticularis-Wolke
Föhnmauer: Scharf abgegrenzter Wolkenwall direkt über einem Gebirge; darüber blauer Himmel, das sogenannte Föhnfenster Werden die Wolken grösser und das Föhnfenster verschwindet: Markante Wetterverschlechterung in den nächsten Stunden. Die Föhnmauer ist allerdings nur erkennbar, wenn man sich auf der dem Wind abgewandten Seite der Berge befindet.
Föhnmauer
Geschlossene Nebeldecke in den Niederungen (Inversionslage, "Nebelmeer") Ein Absinken der Nebeldecke zeigt oft einen Zustrom von kalter, trockener Luft an, was weiterhin schönes Wetter verheißt. Ein Ansteigen der Nebeldecke zeigt jedoch ein heranziehendes Tief und damit schlechteres Wetter an
Nebel in den Niederungen

Internet[Bearbeiten]

Für die Laienprognosen sind zwei Darstellungen von Wetterdaten besonderer praktischer Bedeutung. Das Regenradar und die Ensemble-Prognose:

  • Das Regenradar liefert für die nächsten Stunden (also z. B. für die Entscheidung zu einem Spaziergang, einer kurzen Fahrradtour oder dem Besuch einer Open-Air-Veranstaltung) häufig einen sehr zuverlässigen Hinweis darüber, ob es Niederschlag geben wird oder nicht.[8]
  • Die Ensemble-Prognose gibt gute Hinweise für die mittelfristige Wetterentwicklung und die zeitliche Zuverlässigkeit der regionalen Wetterprognose in der jeweils aktuellen Wetterlage. Die Ensemble-Darstellung ist im Grunde ein professionelles Meteorologie-Werkzeug, ihre Nutzung lässt sich aber auch vom Laien für ein paar wesentliche Aussagen recht schnell lernen. Für einen ausgewählten Ort sind üblicherweise drei Ensemble-Darstellungen verfügbar:[9]
    • 850 hPa Temperatur / Niederschlag: In dieser Darstellung lässt sich insbesondere die zeitliche Entwicklung der Zuverlässigkeit von Wetterprognosen in der aktuellen Wetterlage ablesen. Der Wert der „850 hPa Temperatur“ ist dabei im Grunde zweitrangig und für den Laien meist auch völlig uninteressant (es handelt sich um die Lufttemperatur in ca. 1300 m Höhe). Wesentlich ist die Übereinstimmung der dargestellten unterschiedlichen Rechenläufe (verschieden farbige Graphen). Solange diese Graphen dicht beieinander liegen, ist die Wetterprognose in der Regel von hoher Güte, sobald die Graphen auseinander laufen, ist die Wetterprognose eher ein „Glücksspiel“.
    • Temperatur 2 m / Wind: Aus dieser Darstellung lässt sich insbesondere die wahrscheinliche Temperaturentwicklung über die nächsten Tage ablesen.
    • Bodendruck / 500 hPa Geopotential: Für den Laien keine wichtigen Hinweise.

Anhang[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Oeffentlichkeit/KU/KUPK/Wir__ueber__uns/Broschueren/pdf/Wie__gut__sind__Wettervorhersagen,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Wie_gut_sind_Wettervorhersagen.pdf (abgerufen am 9. Juli 2014)
  2. http://www.ncdc.noaa.gov/data-access/model-data/model-datasets/global-forcast-system-gfs (abgerufen am 8. Juli 2014)
  3. http://content.meteoblue.com/de/forschung-und-entwicklung (abgerufen am 8. Juli 2014)
  4. a b http://www.dwd.de/bvbw/appmanager/bvbw/dwdwwwDesktop?_nfpb=true&_pageLabel=dwdwww_result_page&portletMasterPortlet_i1gsbDocumentPath=Navigation%2FOeffentlichkeit%2FAufgabenspektrum%2FNumerische__Modellierung%2FAS__NM__LMK__node.html%3F__nnn%3Dtrue (abgerufen am 8. Juli 2014
  5. http://www.meteoschweiz.admin.ch/web/de/wetter/modelle/cosmo.html (abgerufen am 8. Juli 2014)
  6. Steven M. Cox, Kris Fulsaas (Hrsg., 7. Auflage 2003): Mountaineering - The Freedom of the Hills
  7. Andreas Walker und Schweizerischer Alpenclub: Bergwetter - Sprache der Wolken" (Broschüre)
  8. N.N.: Niederschlagsradar, Bilder vom DWD, bereitgestellt durch Niederschlagsradar.de zuletzt abgerufen am 26. April 2013
  9. N.N.: Ensemble-Prognose auf Wetteronline.de , zuletzt abgerufen am 26. April 2013

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans von Storch: Das Klimasystem und seine Modellierung: eine Einführung Springer Verlag, 1999, ISBN 978-3-540-65830-6. (Kapitel 6.1 Wettervorhersagemodelle)
  • Utecht Burkhard: Witterung und Klima Teubner B.G., 2005, ISBN 978-3519102083

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wettervorhersagesymbole – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wettervorhersagen deutschsprachiger nationaler Wetterdienste:

Siehe auch[Bearbeiten]

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