Franz Schausberger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Franz Schausberger (2008)

Franz Schausberger (* 5. Februar 1950 in Steyr) ist ein österreichischer Politiker (ÖVP) und Historiker. Er war vom 24. April 1996 bis zum 28. April 2004 Landeshauptmann von Salzburg.

Leben[Bearbeiten]

Franz Schausberger wurde am 5. Februar 1950 als Sohn von Franz und Hermine Schausberger in Steyr, Oberösterreich geboren. Er besuchte dort die Volksschule und das Gymnasium und maturierte 1968 mit Auszeichnung am Bundesgymnasium. Anschließend absolvierte er sein Studium an der Universität Salzburg (Philosophie, Pädagogik, Geschichte). Er ist Mitglied der K.Ö.H.V. Rupertina Salzburg und der Rheno-Juvavia im ÖCV sowie seit 2001 der Almgau Salzburg im MKV. Seit 2013 ist er Mitglied der Bruderschaft von Santa Maria dell’Anima in Rom.

Während der Studienzeit war er von 1969 bis 1971 Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft an der Universität Salzburg. Neben seinem Studium begann er seine journalistische Tätigkeit in der Salzburger Volkszeitung. Daneben war er auch freier Mitarbeiter der Wochenzeitung Die Furche und viele Jahre Verantwortlicher des Salzburg Journals, des Salzburger Ablegers des Monatsmagazins Wiener Journal. Von 1971 bis 1979 war Schausberger ÖVP-Klubsekretär im Salzburger Landtag. 1973 promovierte er an der Universität Salzburg mit einer Arbeit über den Philosophen Nicolai Hartmann zum Dr. phil. Von 1979 bis 1989 war er hauptberuflich Landesparteisekretär (Landesgeschäftsführer) der Salzburger ÖVP. Schon in dieser Zeit publizierte er historische und politikwissenschaftliche Arbeiten.

Von 1989 bis 1996 leitete Schausberger das Werbeunternehmen Industrieteam als hauptberuflicher Geschäftsführer und Verlagsleiter.

Schausberger ist seit 1988 mit Heidi Schausberger-Strobl verheiratet und hat drei Kinder (Martina, Maximilian und Alexander).

Politik[Bearbeiten]

1976 bis 1980 war Franz Schausberger Landesobmann der Jungen ÖVP Salzburg und Bundesobmann-Stellvertreter der Jungen ÖVP, 1979 bis 1996 Abgeordneter zum Salzburger Landtag, 1989 bis 1996 Klubobmann der Salzburger ÖVP, 1996 bis 2004 Landesobmann der Salzburger ÖVP und Mitglied des ÖVP-Bundesparteivorstandes.

Schausberger war vom 24. April 1996 bis zum 28. April 2004 Landeshauptmann von Salzburg. Er übernahm nach dem Rücktritt von Hans Katschthaler am 24. April 1996 das Amt des Landeshauptmanns in der Landesregierung Schausberger I. Nach der erfolgreichen Wahl am 7. März 1999 wählte ihn der Salzburger Landtag am 27. April 1999 erneut zum Landeshauptmann in der Landesregierung Schausberger II.

Er initiierte unter anderem die Errichtung des Fußballstadions Salzburg-Kleßheim, die Errichtung des Museums der Moderne auf dem Mönchsberg, den Neubau des Kleinen Festspielhauses (Haus für Mozart) und betrieb die Errichtung des Museums Carolino Augusteums auf dem Mozartplatz. In Verhandlungen zwischen 1997 und 2001 konnte Schausberger die finanzielle Zusicherung des Bundes für den Umbau des Mozarteums sowie die Errichtung des Uniparks Nonntal erreichen.[1]

Nach dem Verlust der relativen Mehrheit der ÖVP bei den Landtagswahlen 2004 zog er sich aus allen politischen Ämtern auf Landesebene zurück. Im Amt des Landeshauptmannes folgte ihm Gabriele Burgstaller (SPÖ) nach.

Seit 1996 ist er Mitglied im Ausschuss der Regionen der EU (AdR). Von 2004 bis 2006 war er Vorsitzender der Kommission für Konstitutionelle Angelegenheiten und Regieren in Europa des AdR, seit Jänner 2006 ist er Vizepräsident der Europäischen Volkspartei (EVP) im Ausschuss der Regionen.

Wissenschaftliche Tätigkeit[Bearbeiten]

1992 gründete er das Forschungsinstitut für politisch-historische Studien Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek in Salzburg und ist seit 1992 mit Ausnahme der Jahre 1996 - 2004 dessen Präsident.

1996 habilitierte er sich an der Universität Salzburg zum Universitätsdozenten für Neuere Österreichische Geschichte mit einer Arbeit über das Agieren der Nationalsozialisten in den österreichischen Landtagen. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten vor allem über die Erste Republik versucht Schausberger, „zum Bewusstsein beizutragen, dass der Bestand unserer parlamentarischen Demokratie nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder von überzeugten Demokraten verteidigt werden muss“.[2] Er untersucht dabei vor allem die Zeit des Erstarkens des Nationalsozialismus vor der Machtübernahme und die Frage: „Wie konnte es so weit kommen?“[3] In seiner Habilitationsschrift kommt er zum Ergebnis: „Die ‚partielle Kollaboration’ mit bzw. die ‚partielle Assimilation’ von staats- und demokratiebejahenden Parteien gegenüber politischen Gruppierungen, die die parlamentarische Demokratie oder einen Staat ablehnen und bekämpfen, geht immer zum Schaden des Staates bzw. der Demokratie aus. Dies sei eine immer wieder geltende Lehre aus der Geschichte, nicht zuletzt auch für jüngste Entwicklungen in verschiedenen europäischen Staaten.“[4] Es gebe „in der Geschichte Wendepunkte, an denen die politisch Verantwortlichen mit ihrer Entscheidung für einen von mehreren Wegen die weitere Entwicklung schicksalhaft beeinflussen. An solchen Wendepunkten – und das ist der immer aktuelle Bezug – haben alle demokratischen Kräfte ihre parteipolitischen Eigeninteressen dem Wohl des Staates und der Sicherung der Demokratie unterzuordnen.“[5]

Im Jahr 2004 gründete Schausberger das Institut der Regionen Europas (IRE) in Salzburg und ist seither Vorsitzender des Vorstands.[6]

Schausberger, der Lehrveranstaltungen an der Universität Salzburg und verschiedenen europäischen Universitäten hält, veröffentlichte bisher 12 Bücher und rund 150 weitere wissenschaftliche Publikationen zur Geschichte und Politik Österreichs und der Europäischen Union.

Am 1. Juli 2008 verlieh ihm die Westungarische Universität in Sopron den Titel Universitätsprofessor.

Nach seinem Ausscheiden aus der Landespolitik machte er sich selbständig und leitet heute das Unternehmen European Project Analysis & Conception GmbH (EPAC).

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Kriechbaumer: Umstritten und Prägend. Kultur- und Wissenschaftsbauten in der Stadt Salzburg 1986–2011. Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2012, ISBN 978-3-205-78860-7, S. 215.
  2. Franz Schausberger: Ins Parlament, um es zu zerstören. Das „parlamentarische“ Agi(ti)eren der Nationalsozialisten in den Landtagen von Wien, Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg nach den Landtagswahlen 1932. Wien, Köln, Weimar 1995. S. 6.
  3. Franz Schausberger: Alle an den Galgen! Der politische „Takeoff“ der „Hitlerbewegung“ bei den Salzburger Gemeindewahlen 1931. Wien, Köln, Weimar 2005. S. 8.
  4. Franz Schausberger: Ins Parlament, um es zu zerstören. A. a. O. S. 391.
  5. Franz Schausberger: Letzte Chance für die Demokratie. Die Bildung der Regierung Dollfuß I im Mai 1932. Bruch der österreichischen Proporzdemokratie. Wien, Köln, Weimar 1993. S. 140.
  6. http://www.institut-ire.eu/
  7. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF-Datei; 6,59 MB)
  8. Salzburger Nachrichten. 11. September 2012. S. 18
  9. Salzburger Volkszeitung. 12. September 2012. S. 19.
  10. Salzburger Nachrichten. 26. Juni 2013. S. 15