Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz

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Zum Sieg durch das Kreuz; lateinischer Wahlspruch der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz (FFSC).

Die 1862 gegründete katholische Ordensgemeinschaft Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz (Ordenskürzel: FFSC) ist eine deutsche Brüdergemeinschaft, die ihr Mutterhaus in Hausen (Wied) hat, weshalb sie regional auch Hausener Franziskanerbrüder genannt werden.

Entstehung und Wirken[Bearbeiten]

Bruder Jakobus (Peter Wirth, 1830–1871), Gründer der Kongregation der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz (FFSC) / Institutum Fratrum Franciscanium an Sancta Cruce loci Waldbreitbach (FFSC)

Die Ordenstracht besteht aus einem braunen Habit mit Hemdskragen, einem Strick und einem Skapulier. Die Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz verstehen sich als Mitglied der franziskanischen Familie und werden den Regulierten Dritten Orden zugerechnet.

Die Kongregation entstand am 12. Juni 1862 als Kongregation päpstlichen Rechts mit Hilfe des Waldbreitbacher Pfarrers Gomm, weiteren Gefährten und der Erlaubnis des Trierer Bischofs, aus der von Bruder Jakobus (Peter Wirth) 1852 gegründeten Wohngemeinschaft Frommer Handwerker. Gomm infizierte sich bei der Pflege von Pockenkranken und verstarb am 28. März 1871. Zwischen ihr und dem Priesterorden der Franziskaner (OFM) bestand keine Verbindung.[1] Sie erhielt 1910 das päpstliche Belobigungsdekret und wurde 1923 endgültig durch die Religiosenkongregation in Rom anerkannt. [1]

Sie sind Mitglied der INFAG, der Interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft. Bis heute betreiben die Franziskanerbrüder sozial-karitative Einrichtungen für alte und kranke, behinderte und arme Menschen. 2002 hatte der Orden 43 Mitglieder in Niederlassungen in Deutschland, den Vereinigten Staaten von Amerika und den Niederlanden.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

1936 gehörten der Waldbreitenbacher Kongregation 480 Brüder und 60 Novizen an. Sie unterhielt 31 Häuser, davon 20 in Deutschland. In fünf Anstalten mit ca. 1870 Betten wurden geistesschwache und -kranke Männer betreut; hinzu kamen Anstalten für Fürsorgezöglinge, Krankenhäuser und ambulante Krankenpflege.[1]

Zum Aufbau ihrer Werke liehen sich die Franziskanerbrüder Geld bei ausländischen Banken. Auf die in Devisen zu bezahlenden Zinsen verlangte das Deutsche Reich mit besonderen Steuern "gegen den Kapitalabfluss", welche unter den Nationalsozialisten massiv erhöht wurden. Durch systematische Kontrollen wurden alle, auch versehentlichen, Fehler bei der Abrechnung zur Anklage gebracht und mit hohen Geldbußen belegt. Durch diese sogenannten Devisenprozesse versuchte das nationalsozialistische Regime die Kirche und kirchliche Organisationen finanziell auszubluten. Als die staatlichen Einweisungsstellen daraufhin noch alle Versorgungsaufträge mit den Behinderteneinrichtungen fristlos kündigten, mussten die Brüder im Dezember 1936 ein Konkursverfahren eröffnen.[2] In diesem Verfahren übernahmen die Nationalsozialisten unter anderem das Behindertenheim St. Josefs-Heim in Waldniel für rund einen Drittel es effektiven Werts und nutzte es später als KFA Waldniel-Hostert für das Euthanasie-Programm.[3]

Im April 1935 kam nach es nach einer Anzeige zu Ermittlungen wegen Vergehen nach § 175, Unzucht zwischen Männern. [4] Die Ermittlungen wurden im Herbst 1935 ausgedehnt. In der Folge gingen die Strafverfolgungsbehörden mit dem im Juni 1935 verschärften § 175 auch gegen andere Laienorganisationen sowie Geistliche und Priester in außerhalb von Klöstern vor. Zudem wurde die Strafverfolgung teilweise nach § 174, Unzucht mit Zöglingen, geführt bzw. Anklage erhoben.[5]

Von den 2500 Ermittlungsverfahren[6] wurden 292 gegen Waldbreitenbacher geführt. Die meisten Ermittlungen wurden wegen Geringfügigkeit, Verjährung oder einer Amnestie niedergeschlagen oder eingestellt. Im Zuge der sogenannten Sittlichkeitsprozesse kam es zur Verurteilung von 54 Brüdern der Kongregation.[7] Die hohe Zahl verurteilter Waldbreitbacher kam vor allen durch eine Summierung „homosexueller Vergehen“ zustande.[8]

In ebenso durchgeführten kirchenrechtlichen Verfahren wurden 31 Brüder von der Waldbreitenbacher Gemeinschaft ausgeschlossen. Nach einer vom Vatikan vorgenommenen Visitation und wurde zunächst ein externer Generaloberer eingesetzt und die Gemeinschaft im Jahr 1937 auf Betreiben des Trierer Bischofs aufgelöst.[9]

Das 1937 enteignete Krankenhaus St. Marienwörth in Bad Kreuznach wurde den Franziskanerbrüdern im Sommer 1946 vom Landrat zurückgegeben.[10]

Verbreitung[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

  • St. Josefshaus, Hausen/Wied; Alten- und Langzeitpflege
  • St. Franziskushaus, Hausen/Wied; Einrichtung für geistig behinderte Menschen
  • Krankenhaus St. Marienwörth, Bad Kreuznach; Krankenhaus der Regelversorgung
  • Kloster Ebernach, Cochem/Mosel; Wohn- und Dienstleistungseinrichtung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung
  • Haus St. Josef, Bad Kreuznach; Senioreneinrichtung
  • Kurzzeitpflegeheim St. Antoniushaus, Bad Münster am Stein-Ebernburg
  • Puricelli-Stift, Rheinböllen; Einrichtung für geistig behinderte Menschen
  • Altenheim Maria Königin, Kirn
  • Mutterhaus und Generalat der Brüdergemeinschaft, Hausen/Wied
  • Postulat und Noviziat der Brüdergemeinschaft, Bad Kreuznach

Trägerbeteiligungen[Bearbeiten]

  • Mosellandwerkstätten Ebernach Kühr gGmbH, Treis-Karden; Werkstatt für Behinderte Menschen
  • Caritas Sozialstation an Rhein und Wied; ambulanter Pflegedienst Linz/Rhein

Vereinigte Staaten von Amerika[Bearbeiten]

  • Brother James Court, Springfield, Illinois; Behinderteneinrichtung
  • St. Coletta, Jefferson, WI

Statistik[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 2005 umfasste die Kongregation 4 Häuser mit 41 Ordensmitgliedern, davon ein Priester.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Günter Hockerts: Die Sittlichkeitsprozesse gegen katholische Ordensangehörige und Priester 1936–1937. Eine Studie zur nationalsozialistischen Herrschaftstechnik und zum Kirchenkampf. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1971, ISBN 3-7867-0312-4. (online)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Hans Günter Hockerts, 1971, S. 50
  2. Festschrift zum Ordensjubiläum der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz : 150 Jahre Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz
  3. Geschichte Waldniel-Hostert
  4. Hans Günter Hockerts, 1971, S. 4
  5. Hans Günter Hockerts, 1971, S. 27 und S. 40.
  6. Hans Günter Hockerts, 1971, S. 48
  7. Hans Günter Hockerts, 1971, S. 48.
  8. „Die verhältnismäßig hohe Zahl verurteilter Ordensbrüder kam durch eine ungewöhnliche Summierung homosexueller Vergehen in wenigen Laienkongregationen zustande. Davon war insbesondere die Waldbreitbacher Genossenschaft betroffen...“ [Hans Günter Hockerts, 1971, S. 50]
  9. Hans Günter Hockerts, 1971, S. 52 f.
  10. Geschichte Krankenhaus St. Marienwörth
  11. Ann. Pont. 2007, p. 1503.