Kirn

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kirn (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kirn
Kirn
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kirn hervorgehoben
49.7880555555567.4572222222222179–386Koordinaten: 49° 47′ N, 7° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Bad Kreuznach
Höhe: 179–386 m ü. NN
Fläche: 16,53 km²
Einwohner: 8498 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 514 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55606
Vorwahl: 06752
Kfz-Kennzeichen: KH
Gemeindeschlüssel: 07 1 33 052
Adresse der Stadtverwaltung: Kirchstraße 3
55606 Kirn
Webpräsenz:
Bürgermeister: Fritz Wagner (SPD)

Kirn ist eine Stadt mit etwa 8.500 Einwohnern auf 16,53 km² an der Nahe im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz (Deutschland). Kirn ist Sitz der Verbandsgemeinde Kirn-Land, der die Stadt selbst als verbandsfreie Gemeinde aber nicht angehört. Die Ortsteile Kirn-Sulzbach dreieinhalb Kilometer flussaufwärts im Nahetal sowie Kallenfels am Fuße der gleichnamigen Burgruine gehören seit 1969 zur Stadt Kirn. Kirn ist zentraler Ort an und Ausgangspunkt der Hunsrück Schiefer- und Burgenstraße.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Landschaftsbild

Die Landschaft wird geprägt von den tief eingeschnittenen Tälern des Hahnenbachs und der Nahe. Die Talsohlen weisen eine in Teilen dichte Besiedlung auf, wohingegen die steilen Hänge im oberen Bereich größtenteils unbebaut und bewaldet sind. An mehreren Stellen ragen frei stehende, bis zu 30 Meter hohe, Granitfelsen aus den Bäumen hervor. Besonders markant sind die Oberhauser Felsen, der Kallenfels und die Wehlenfelsen nördlich der Stadt. Die beschauliche Innenstadt wird vom im Hunsrück entspringenden Hahnenbach durchflossen, der wenig später in die Nahe mündet. Stadtbildprägend ist ferner der oberhalb des Zentrums gelegene Steinbruch, der sich bis zur östlichen Stadtgrenze erstreckt.

[Bearbeiten] Klima

Niederschlagsdiagramm von Kirn

Der Jahresniederschlag beträgt 676 mm. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 35 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni mit 130 % der Februarniederschläge. Insgesamt sind die Niederschläge extrem gleichmäßig übers Jahr verteilt. An keiner sonstigen Messstation werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

[Bearbeiten] Geschichte

Die im Schnittpunkt wichtiger alter Handelsstraße an der mittleren Nahe gelegene Stadt hat sich aus einer vorgeschichtlichen Siedlung entwickelt. Der Name leitet sich wahrscheinlich aus dem keltischen Wort Kyr („Wasser“) ab, könnte aber auch parallel zum ahd./mhd. Synonym für Mühle (Kere, Kire → Kern, Kirn) entstanden sein. Durch die Lage am Hahnenbach und an der Nahe war Kirn mit Wasser und durch Wasserkraft angetriebene Getreidemühlen stets reich gesegnet. Es war außerdem wichtig als Transportweg, zum Gerben des Leders, für den Fischfang, aber auch für Tierzucht und Landwirtschaft und zum Bierbrauen.

Die erste urkundliche Erwähnung Kirns geht auf das Jahr 841 zurück und findet sich in Urkunden des Klosters Fulda. Im 10. Jh. setzten die Salier als Grafen im Nahegau die Emichonen als ihre Untergrafen ein – Beamte, die die Gerichtsbarkeit ausübten, den Heerbann anführten, die Polizeigewalt besaßen und die königlichen Besitzungen verwalteten. Nach einer auf der Kyrberg errichteten Burg nannte sich eine Linie dieses Geschlechts in den Jahren nach 1100 Wildgrafen von Kyrburg. Von hier aus verwalteten sie ihre ausgedehnten Güter zwischen Mosel und Pfrimm.

Nach dem Aussterben der Wildgrafen ging die Grafschaft bis 1408 vollständig an die Rheingrafen über, die sich seitdem Wild- und Rheingrafen nannten. Bis zur Annexion durch Frankreich 1794 war Kirn Hauptort jener Wild- und Rheingrafen, die in den letzten Jahrzehnten ihrer Regentschaft mehrere erhalten gebliebene prachtvolle Gebäude im Zentrum der Stadt errichten ließen. Nach dem Ende der französischen Herrschaft wurde Kirn 1815 Teil der preußischen Rheinprovinz. Stadtrechte erhielt Kirn erst im Jahre 1857.

In der Kirner Gegend trieb Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, Deutschlands berühmtester Räuber, sein Unwesen. Er war 1796 in Kirn eingesperrt, konnte aber schon in der ersten Nacht flüchten.

Am 7. Juni 1969 wurden die beiden zuvor selbstständigen Gemeinden Kallenfels und Kirnsulzbach eingemeindet.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

Blick vom rechten Naheufer auf die Katholische Kirche Kirns; davor (rechts) der Bahnhof

[Bearbeiten] Kyrburg

Das Wahrzeichen Kirns ist die oberhalb der Stadt gelegene Kyrburg.

[Bearbeiten] Fürstliche Kellerei

Das fürstliche Kellereigebäude entstand um 1771 im Auftrag des Fürsten Dominik von Salm-Kyrburg. Das hufeisenförmige Gebäude, dessen Front das noch im Original erhaltene Wappen der Fürstenfamilie ziert, wurde durch den Baumeister Johann Thomas Petri aus Schneppenbach errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1990 beherbergte das Gebäude eine Fruchtsaftkelterei. Nach mehrjährigem Leerstand wurden der linke Gebäudeflügel und das Hauptportal 2005 zu einem Hotel mit Restaurant umgebaut. Die restlichen Gebäudeteile dienen Wohnzwecken.

[Bearbeiten] Evangelische Kirche

Blick von der Kyrburg auf Rathaus (links) und evangelische Kirche (rechts).

Die neugotische, ursprünglich dem Hl. Pankratius geweihte evangelische Hallenkirche mit spätgotischem Chor und romanischem Turm aus dem 11./12. Jahrhundert wurde 1992/1993 wieder in ihrer ursprünglichen Form und Innenausstattung instand gesetzt. Im Innern befinden sich mehrere sehenswerte Grabmale der Wild- und Rheingrafen. Zwischen 1681 und 1892 diente die Kirche beiden Konfessionen als Simultankirche. Während dieser Phase trennte eine Mauer den vorderen evangelischen Teil vom hinteren Chorraum, der der katholischen Gemeinde vorbehalten war, ab. Nach dem verheerenden Hochwasser von 1875 wurde ein teilweiser Neubau der Kirche notwendig; die katholische Gemeinde entschloss sich aus diesem Anlass zum Bau einer eigenen Kirche am Halmer Weg (s.u.).

[Bearbeiten] Rathaus

Das heutige Rathaus der Stadt Kirn entstand in den Jahren 1752 bis 1771. Der Baumeister Johann Thomas Petri errichtete hier wiederum im Auftrag des Fürsten Dominik ein Piaristenkolleg, das als solches allerdings nur wenige Jahre genutzt wurde. Später diente das Gebäude über ein Jahrhundert als Progymnasium bzw. Realschule, bevor es 1938 von der Stadtverwaltung bezogen wurde. Die ehemalige Klosterkapelle beheimatet heute den Sitzungssaal. Zu dem Gebäude gehört ein Pavillon, der ursprünglich in der weitläufigen Gartenanlage stand. Heute befindet sich das achteckige Gebäude auf der rechten Seite des Hahnenbach am Marktplatz.

[Bearbeiten] Weitere Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Verkehr

Kirn ist über die B 41 mit Saarbrücken und Mainz verbunden. Über die Schiene kann man ab Kirn über die Bahnstrecke Bingen-Saarbrücken fahren. Die Fahrtzeit mit den stündlich verkehrenden Regionalexpress-Zügen nach Saarbrücken beträgt 1.10 Stunden. Nach Mainz kommt man ebenfalls stündlich in knapp einer Stunde, jeder zweite Zug von und nach Frankfurt/Main ist mit Halt am Flughafen durchgebunden. Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist etwa 30 km oder eine knappe halbe Autostunde von Kirn entfernt.

[Bearbeiten] Marktort

Kirn war aufgrund seiner zentralen geographischen Lage schon immer ein lebendiger Marktstandort. Bis heute haben sich, neben den Krammärkten am jeweils ersten Montag im Monat, zwei herausragende Märkte erhalten: der Andreasmarkt – er feierte im Jahr 2000 seinen 300. Geburtstag – am letzten Wochenende im November und der Thomasmarkt am 2. Samstag im Dezember. Die Märkte stellen in und für Kirn eine große Attraktion dar und ziehen viele Besucher aus der Region an. Auf dem Handwerker- und Bauernmarkt im Oktober präsentieren Kleinbetriebe aus dem Kirner Land ihre handgefertigten Waren und bieten sie zum Kauf an. Jeweils mittwochs und samstags trifft sich die Kirner Bevölkerung auf dem Wochenmarkt.

[Bearbeiten] Wirtschaft

Kirn hat als "Stadt des Leders" deutschlandweit Berühmtheit erlangt. Heute sind von den ehemals großen Lederfabriken zumeist nur die Firmensitze vor Ort verblieben. Infolge von Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer sind in der Lederproduktion und -verarbeitung in Kirn nur noch wenige Arbeitnehmer beschäftigt.

In ganz Rheinland-Pfalz bekannt ist die Stadt durch die örtliche Brauerei und deren Bier: Kirner Pils. Größter Arbeitgeber in Kirn ist die SIMONA AG, ein weltweit agierender Hersteller und Vertreiber von thermoplastischen Kunststoffhalbzeugen. Weitere wichtige Wirtschaftszweige bilden die Holzverarbeitung, der Anlagenbau, die Hartstein-, Verpackungs- und die Kfz-Zulieferindustrie. Zahlreich vertreten sind ferner kleine und mittelgroße Handwerks- und Handelsbetriebe. In den letzten Jahren hat der Tourismus zunehmend an Bedeutung gewonnen.

[Bearbeiten] Öffentliche Einrichtungen

[Bearbeiten] Bildungseinrichtungen

Die Angebote im Bildungsbereich sind gemessen an Kirns Einwohnerzahl sehr umfassend. Neben fünf Kindertagesstätten und zwei Grundschulen gibt es in Kirn eine städtische Hauptschule, ein staatliches Gymnasium (Gymnasium Kirn), eine Realschule und die „Wilhelm-Dröscher-Schule“ für Schülerinnen und Schüler mit einem besonderen Förderbedarf. Die Berufsbildenden Schulen des Landkreises Bad Kreuznach sind mit den Zweigen Mechanik, Gewerbe, Hauswirtschaft, Wirtschaft und Verwaltung in Kirn vertreten. Das Angebot der Volkshochschule und der Musikschule, beide im städtischen Gesellschaftshaus untergebracht, runden das Bildungsangebot ab.

[Bearbeiten] Medizinische Versorgung

Die medizinische Versorgung wird durch das Krankenhaus der Kreuznacher Diakonie, zahlreiche niedergelassene Allgemein- und Fachmediziner sowie fünf Apotheken gewährleistet. Für Senioren gibt es vor Ort zwei Altenheime in kirchlicher Trägerschaft.

[Bearbeiten] Kultur- und Freizeiteinrichtungen

Im Gesellschaftshaus, dass 1879 durch das Lederunternehmen Carl Simon & Söhne im klassizistischen Baustil errichtet wurde, finden das ganze Jahr über Konzert-, Kabarett- und Theaterveranstaltungen der Kulturinitiative Kirn statt. Zweimal jährlich verwandelt sich der bis zu 500 Personen fassende Saal in eine Ausstellungshalle, in der jeweils für zwei Wochen Gemälde und Skulpturen zumeist heimischer Künstler gezeigt werden.

Nach intensiven Umbaumaßnahmen wurde das Familienfreizeitbad "Jahnbad" im Frühjahr 2002 wiedereröffnet. Neben dem 50 m langen Hauptbecken gibt es seitdem ein Freizeitbecken mit Rutsche, Strömungskanal und Massageliegen sowie ein Kinderbecken mit geringer Wassertiefe und kleiner Rutsche.

Die Kirner Stadtbücherei befindet sich seit Januar 2002 im Wilhelm-Dröscher-Haus am linken Ufer des Hahnenbachs. Auf einer Fläche von 145 Quadratmetern stehen Lesern ca. 5.800 Bücher zur Verfügung. Thematische Schwerpunkte bilden neben der Belletristik vor allem die Kinder- und Jugendliteratur.

[Bearbeiten] Partnerstadt

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Geschichtliches

  • Der in Deutschland legendäre Räuberhauptmann Schinderhannes alias Johannes Bückler hat sich oft in Kirn und Umgebung aufgehalten. 1796 stahlen er und Komplizen in Kirn mehrfach Hammel, die sie an eine Kirner Metzgerei verkauften. Für andere Delikte wurde er mit 25 Stockhieben auf dem Marktplatz bestraft. Am 10. Dezember 1796 wurde er gefasst und im Rathaus - Verlies eingesperrt, entkam aber noch in der gleichen Nacht über das Dach. Am 22. Dezember 1797 amüsierte er sich auf dem Kirner Christkindchen-Markt und beging wenig später in Hundheim seinen ersten Mord [1]. Das bekannte Kinder-Kartenspiel "Schwarzer Peter" geht auf den Spitznamen von Johann Peter Petri, einem Mitglied der Räuberbande des Schinderhannes, zurück.

[Bearbeiten] Literatur

  • Bernd Brinken, Gerd Danco: Kirn, Weidlich, Frankfurt 1983 (3. Aufl.).
  • Ulrich Hauth: Die Stadt Kirn und ihr Umland, erschienen in der Reihe: Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach. Bd. 34, 2006.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Kirn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. Aus den Gerichtsakten des Schinderhannes
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