Waldbreitbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Waldbreitbach
Waldbreitbach
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Waldbreitbach hervorgehoben
50.55257.4183333333333140Koordinaten: 50° 33′ N, 7° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Neuwied
Verbandsgemeinde: Waldbreitbach
Höhe: 140 m ü. NHN
Fläche: 6,39 km²
Einwohner: 1906 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 298 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56588
Vorwahl: 02638
Kfz-Kennzeichen: NR
Gemeindeschlüssel: 07 1 38 076
Adresse der Verbandsverwaltung: Neuwieder Straße 28
56588 Waldbreitbach
Webpräsenz: www.waldbreitbach.de
Ortsbürgermeister: Martin Lerbs (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Waldbreitbach im Landkreis Neuwied
Neuwied Buchholz (Westerwald) Asbach (Westerwald) Windhagen Neustadt (Wied) Rheinbreitbach Unkel Bruchhausen (Landkreis Neuwied) Erpel Vettelschoß Linz am Rhein Kasbach-Ohlenberg Ockenfels Sankt Katharinen (Landkreis Neuwied) Dattenberg Leubsdorf (am Rhein) Bad Hönningen Rheinbrohl Hammerstein (am Rhein) Leutesdorf Isenburg (Westerwald) Kleinmaischeid Großmaischeid Stebach Marienhausen Dierdorf Oberdreis Woldert Rodenbach bei Puderbach Ratzert Niederwambach Steimel Döttesfeld Puderbach Dürrholz Hanroth Raubach Harschbach Niederhofen Dernbach (Landkreis Neuwied) Urbach (Westerwald) Linkenbach Breitscheid (Westerwald) Waldbreitbach Roßbach (Wied) Hausen (Wied) Datzeroth Niederbreitbach Hümmerich Oberhonnefeld-Gierend Oberraden Straßenhaus Kurtscheid Bonefeld Ehlscheid Rengsdorf Melsbach Hardert Anhausen Rüscheid Thalhausen Meinborn Nordrhein-Westfalen Landkreis Altenkirchen (Westerwald) Landkreis Ahrweiler Landkreis Mayen-Koblenz Koblenz Marienhausen WesterwaldkreisKarte
Über dieses Bild

Waldbreitbach ist eine Ortsgemeinde und ein staatlich anerkannter Luftkurort an der Wied im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz. Im Ort befindet sich der Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt rund 16 km nördlich von Neuwied und westlich der Anschlussstelle 36 der Autobahn A3.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Ortsgemeinde Waldbreitbach gehören die Ortsteile und Wohnplätze: Heilstätte Antoniushaus, Gasbitze, Glockscheid, Gutshof, Kloster Marienhaus, Over, Rabental, Schloß Walburg, Wüscheid.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes ist für das Jahr 857 belegt, als mit der Schreibweise Bretpah die Grenze zur Kastorgemeinde Rengsdorf beschrieben wurde. In der nachfolgenden Zeit wurde stets von dem Tal Breitbach berichtet, worin – mit den Worten der Mechthild von Sayn – die beiden Breitbach sich ausgebildet hatten. Vom Mittelalter bis in die Neuzeit wurde das heutige Waldbreitbach stets mit Breitbach bezeichnet, während mit dem Begriff "Walt"-Breitbach (Grefenbreitbach) das heutige Niederbreitbach gemeint war, weil ebendort der Sitz der Ver-Walt-ung war. Irrigerweise wird in der Vorstellung der Einwohner die Namensnennung mit Wald in Zusammenhang gebracht.

Im Urteil der Geschichtsforschung gehörte das Breitbacher Land in der Vor-Mechthild-Zeit zum Thüringischen Streubesitz am Rhein. Über den Kölner Kurfürsten und Erzbischof Philipp I. von Heinsberg (1167–1191) kam dieses Land, um später entstandene Streitigkeiten zwischen Köln, Thüringen und Sayn zu beenden, als Heiratsgabe in die saynische Zuständigkeit. Mit dem Tode von Heinrich III. von Sayn (1202–1246), Gemahl der Mechthild, fiel nach turbulenten Erbauseinandersetzungen das Breitbacher Land im Jahre 1250 als Amt Neuerburg in die kurkölnische Oberhoheit zurück. Das Mittelalter ist gekennzeichnet durch sich ständig wiederholende kölnische Pfandschaften. Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde unter dem Kölner Erzbischof Clemens August die Zeit der Pfandschaften beendet.

Der Erzbergbau nahm schon im Spätmittelalter ein beachtliches Ausmaß an. Der Deutsche Orden unterhielt mit dem Willen der Mechthild von Sayn in Waldbreitbach eine Komturei. Diese war ab 1313 dem Deutschmeister zu Mergentheim zugeordnet und ging 1602 auf die Ballei Koblenz über. Auch war der Orden der Patronatsherr der dortigen Pfarrkirche (Johannes Baptista, später Beata Maria Virgo). Im späten Mittelalter hatte zu Waldbreitbach ein weltliches Gericht das ursprünglich kirchliche abgelöst, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach einem großen Widerstand der Bevölkerung aufgehoben und nach Neuwied verlegt wurde. Die kurkölnische Zeit endete, als 1803 das Amt Neuerburg runkel-wiedisch wurde. Ab 1806 bis 1815 war das Land nassauisch, sodann preußisch. Der Ort Waldbreitbach öffnete sich vor dem Hintergrund zunehmender wirtschaftlicher Not mit der Wende zum 20. Jahrhundert bleibend dem Fremdenverkehr. Auch die durchgängig vorhandene Landwirtschaft bildete sich in den 1960er Jahren zurück.

Statistik zur Einwohnerentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Waldbreitbach, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[3]

Jahr Einwohner
1815 406
1835 744
1871 803
1905 1.329
1939 1.591
Jahr Einwohner
1950 1.401
1961 1.857
1970 1.841
1987 1.912
2005 1.957

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Waldbreitbach besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Sitzverteilung im Gemeinderat:[4]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2009 3 7 6 16 Sitze
2004 2 9 5 16 Sitze

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kreuzkapelle zwischen Waldbreitbach und Hausen (Wied)
Kirche Maria Himmelfahrt
Mühle an der Wied
  • Die über einen Treppenaufgang von der Hauptstraße erreichbare katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt wurde im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden begründet. Aus dieser Zeit ist nur der Turm mit von ionischen Säulen unterteilten Doppelarkaden im Obergeschoss erhalten. Die Glocke goss 1694 Johannes Berdaller aus Koblenz-Ehrenbreitstein. Das Langhaus wurde 1876 bis 1878 nach Abriss seines Vorläufers, nach den Plänen des Architekten Reinhold Wirtz neu errichtet. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche nach und nach (1950-1976) saniert und nach den historischen Vorbildern neu ausgemalt.
  • Oberhalb der katholischen Pfarrkirche befindet sich das ehemalige Deutschherren-Ordenshaus, das 1239 als Deutsches Huis zu Brettbach erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die zur Deutschordensballei Koblenz gehörige Komturei verfügte im 18. Jahrhundert über ca. 400 Morgen Land. Nach Einzug des Besitzes nach dem Reichsdeputationshauptschluss durch das Herzogtum Nassau (1809) kaufte Hermann Fürst zu Wied das Anwesen. Nach dessen Tod diente es verschiedenen Zwecken - als Tochterschule, Kindergarten, Krankenambulanz und zuletzt als Altenheim des Ordens der Franziskanerinnen von der allerseligsten Jungfrau Maria von den Engeln, nach seiner Ordensgründerin Rosa Flesch Commende Rosa-Stift genannt. Seit 1988 wurde das Anwesen nicht mehr genutzt. Der sanierungsbedürftig gewordene Komplex wurde 2008 von einem privaten Investor erworben. Das Gebäude wurde 2009/2010 im Stil des 1703 errichteten frühbarocken Kernbaus unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Belange umgebaut und dient jetzt als Wohn- und Geschäftshaus.
  • Die Bausubstanz des Ortes ist, bedingt durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, heterogen; ein geschlossener Altstadtkern fehlt. Einige Fachwerkhäuser in Privatbesitz sind restauriert worden. An manchen Gebäuden, die indes stark verändert sind und heute anderen Zwecken dienen, wird auf lokale Handwerkstraditionen hingewiesen, beispielsweise an der Alten Schmiede (Fachwerkhaus von 1794) und der Schreinerei (seit 1875).
  • An der Wied steht eine Ölmühle, die ihre erste Konzession durch Kurköln 1676 erhielt, vier Jahre später aber von einem Hochwasser vernichtet wurde. Vom Wiederaufbau 1700 stammt das aus Eichenholz konstruierte Triebwerk des Kollergangs. Damit handelt es sich um die älteste im Rheinland erhaltene Ölmühle dieses Bautyps. Bis 1948 war sie in Betrieb und stellte Öle aus Leinsamen, Raps, Bucheckern und Mohn her.
  • Ca. 100 m wiedaufwärts steht eine Mühle mit Wasserrad von 1911; weitere Mühlen sind durch Wanderwege erschlossen.
  • Historischer Baumbestand auf dem Gemeindegebiet (eine hohle Linde vor der Kirche, eine Kastanie an der Ölmühle) ist als "Naturdenkmal" ausgewiesen.
  • An der Gemeindegrenze zu Hausen liegt die 1694 erbaute Kreuzkapelle am Wiedufer, die im 18. Jahrhundert ein beliebter Wallfahrtsort war. Im 19. Jahrhundert war sie Keimzelle für die Gründung zweier franziskanischer Ordensgemeinschaften in Waldbreitbach: Peter Wirth begründete hier 1862 die Gemeinschaft der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz, die ihr Mutterhaus und verschiedene soziale Einrichtungen in Hausen unterhält; zuvor zwischen 1851 und 1860 hatte Rosa Flesch, die ihr Mutterhaus auf dem Kapellenberg im Ortsteil Glockscheid (Kloster Marienhaus) errichtete, in den Eremitenklausen der Kreuzkapelle gelebt.
Waldbreitbach, Kloster Marienhaus

Touristische Infrastruktur[Bearbeiten]

  • Hotels, Pensionen und zwei Campingplätze nehmen Feriengäste auf, die Ruhe suchen und die Natur des Westerwaldes auf Wanderwegen, mit dem Fahrrad oder mit dem Kanu auf der Wied entdecken möchten. Organisierter Tourismus größeren Ausmaßes findet nicht statt.
  • Das älteste Hotelrestaurant Waldbreitbachs (mit Fachwerkerker) war schon 1777 eine Schankwirtschaft; hinzu kommen weitere Gaststätten, Eiscafés.
  • Drei ausgewiesene Haupt-Rundwanderwege (bis zu 15 km) erschließen das Kloster Marienhaus in Glockscheid, das Fockenbachtal und Verscheid, das private Schloss Walburg sowie einige Aussichtspunkte im Bereich der Westerwaldkliniken.
Waldbreitbach Over, Schloss Walburg
  • Der am 24. Mai 2008 eröffnete Fernwanderweg Westerwaldsteig berührt Waldbreitbach.
  • Der 17 km lange „Klosterweg“ verbindet als sog. Premiumwanderweg den Rheinsteig in Rengsdorf mit dem Westerwaldsteig in Waldbreitbach.
  • Das Hallen- und Freibad in der Nachbargemeinde Hausen (Wied) ist seit November 2006 um eine Sauna-Landschaft erweitert.

Krippendorf Waldbreitbach[Bearbeiten]

Permanente Krippenausstellung Waldbreitbach: Krippe aus Bolivien

Ausgelöst durch eine mittlerweile (Stand 2010) über 1700 Exponate umfassende Krippen-Sammlung und eigene Krippen-Gestaltungen des lokalen ehemaligen Hoteliers und Krippenbaumeisters Gustel Hertling begann in den späten 1990er Jahren ein überregionaler Weihnachtstourismus nach Waldbreitbach.

Hauptartikel: Krippendorf Waldbreitbach

Vereine[Bearbeiten]

  • FC Waldbreitbach - Der ansässige Fußballverein, der 1982 gegründet wurde.
  • Junggesellenclub "Gemütlichkeit" Waldbreitbach e.V., Veranstalter der im August stattfindenden Kirmes mit dem Großfeuerwerk "Wied in Flammen".
  • Der Kirchenchor 'Cäcilia', gegründet 1777
  • Musikvereinigung Wiedklang. Der Musikverein wurde 1958 gegründet.
  • Der VfL Waldbreitbach, 1969 gegründet, bietet als der mitgliederstärkste Waldbreitbacher Verein in den Abteilungen Turnen, Leichtathletik und Tischtennis vielfältige Angebote im leistungs- und breitensportlichen Bereich an. Mitte August immer am Freitagabend richtet der VfL Waldbreitbach den Malberglauf aus. Der Berglauf geht über eine Länge von ca. 6 km mit ca. 370 Höhenmetern, wobei ca. 100 m bergab gelaufen werden müssen. Der Start erfolgt in Hausen/Wied beim Klärwerk in der Au. Die Strecke führt zum Teil über den Westerwaldsteig und endet auf dem Malbergskopf bei der Skihütte Malberg. Dort findet auch die Siegerehrung mit herrlichem Panoramablick statt. Der Malberglauf ist auch für Nordic-Walker ausgeschrieben. Hier fanden 2003 und 2008 die westdeutschen Berglaufmeisterschaften statt.

Persönlichkeiten, die vor Ort wirken oder wirkten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hellmuth Gensicke, Landesgeschichte des Westerwaldes, Wiesbaden 1958
  • Albert Hardt, Im Lande der Neuerburg an der Wied, Waldbreitbach 1987

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Waldbreitbach – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 35 (PDF; 2,3 MB)
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  4. Kommunalwahl Rheinland-Pfalz 2009, Gemeinderat