Freyr

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Gotländer Runenstein G 181 (Staatliches historisches Museum, Stockholm): Die drei männlichen Figuren – ausgerüstet mit Speer, Hammer und Sichel – werden als Odin, Thor und Freyr interpretiert, die auch im Tempel von Uppsala als Trias verehrt wurden.
Kopie der Freyr-Statue von Rällinge
Freyr mit Schwert und seinem Eber Gullinborsti, Holzschnitt von Eduard Ade nach Johannes Gehrts (1901)

Die altnordische Namensform Freyr, teilweise modernisiert zu Frey (ahd. frô, älter frôjo, frouwo, gotisch frauja, ae. frēa), stammt von einer gemeingermanischen Wurzel *Fraujaz or *Frauwaz „Herr“, dazu das Femininum *Frawjō „Herrin“. Es handelt sich mit einiger Sicherheit um die tabuisierende Bezeichnung eines Gottes, dessen Name selbst nicht benutzt wurde. Ähnliches findet man bei biblischen Texten, wo JHWH durch adonai „Herr“ ersetzt wird.

Vermutlich ist Freyr identisch mit Yngvi oder Yngvi-Freyr, der erstmals im zehnten Kapitel der Ynglingasaga als Ahnherr der schwedischen Könige erscheint und im elften Kapitel als Vater Fjölnirs genannt wird. Mit Yngvi verbindet sich wiederum die Bezeichnung des germanischen Stammes Ingaevonen und natürlich auch der Geschlechtsname der Ynglinger. Die Zusammensetzung Yngvi-Freyr könnte auf eine altgermanische Form Ingwia-fraujaz „Herr der Ingaevonen“ zurückgehen. Für die Südgermanen wird diskutiert, ob der in den Merseburger Zaubersprüchen genannte Gott „Fol“ identisch mit Freyr ist. Eine Statue des Freyr fand sich in Rällinge (Schweden).

Mythologie[Bearbeiten]

Freyr gehörte zu den Wanen, die hauptsächlich Fruchtbarkeitsgötter waren. Er entstammt dem Inzest des Njörd mit einer weiblichen Verwandten, vermutlich seiner Schwester Nerthus. Zunächst mit seiner Schwester Freya verheiratet, die sich später Óðr zum Mann nimmt, warb er seinerseits um die Tochter des Riesen Gymir aus Jötunheim. Ihr Sohn Fjölnir sollte zu einem der sagenhaften Könige Schwedens werden. Nach dem Wanenkrieg wurde Freyr als den Asen zugehörig betrachtet und erfuhr eine ihnen gleichwertige Verehrung.

Sein Knecht, der Getreue Skirnir, der ihm einst zu seiner Gemahlin verhalf, wofür Freyr ihn mit seinem Schwert belohnt hat, ist meist mit ihm unterwegs. Nach der eddischen Dichtung Skírnismál war diese Gemahlin Gerdr eine schöne Frau, Tochter des Riesen Gymir mit der Aurboda. Skirnir gewann sie Freyr, als dieser sie von Odins Hochsitz aus gesehen hatte, nur mit Hilfe von Bestechungen, Drohungen und Zauber, weil Gerdr Freyr zuvor nicht heiraten wollte. Dieses Verbrechen führt dazu, dass Freyr bei Ragnarök ohne Schwert dem Feuerriesen Surt entgegentritt und stirbt.

Freyr hatte das von Zwergen gebaute Schiff Skíðblaðnir, in dem alle Asen mit Rüstung Platz hatten, und das immer mit Wind im Rücken segelte, wohin man wollte. Der Zwerg Brokkr hatte für ihn auch den goldenen Eber Gullinborsti („der mit den goldenen Borsten“) geschmiedet. Er heißt auch Slíðrugtanni („der mit den gefährlichen Hauern“). Er zieht Freyrs Wagen und läuft durch die Luft und über das Wasser und beleuchtet mit seinen Borsten die Nacht.

Eber und Pferd sind dem Freyr besonders geheiligte Tiere. Ihm wurde wohl in alter Zeit das Eberopfer für Erntesegen dargebracht. Daher stammt wohl auch der Eber als Symboltier schwedischer Königsherrschaft in früherer Zeit. Die besondere Stellung des Pferdes kommt in der Sagaliteratur erst spät auf. Als Olav Tryggvason das Heiligtum Freyrs zerstört, ritt er den geheiligten Hengst und seine Mannen die geweihten Stuten. Hier bestand offenbar das Tabu, dass geweihte Pferde nicht geritten werden durften.

Er herrschte über Regen und Sonnenschein und wachte als Fruchtbarkeitsgott über das Wachstum. Sein Kultzentrum war Uppsala, wo er neben Thor und Odin verehrt wurde. Saxo schreibt, dass ihm dort jährlich ein Opfer von Hadingus und seinen Nachkommen dargebracht worden sei (Saxo I, 8, 12). Nach Adam von Bremen geschah dies nur alle 9 Jahre, wobei Menschen und Tiere getötet worden seien (Adam IV, 27).

Saxo Grammaticus schreibt, dass der dänische Sagenkönig Hadingus dem Gott Frø ein Sühneopfer dargebracht hat (Saxo I, 8, 12). Dieser wird als identisch mit Freyr angesehen. Adam von Bremen berichtet von einem Tempel in Uppsala, der dem Fruchtbarkeitsgott Fricco geweiht sei (Adam IV, 24). Ob es sich dabei um Freyr handelte, ist unsicher und nicht besonders wahrscheinlich, da eine etymologische Verbindung nicht herzustellen ist. Die Ynglinga-Saga berichtet weiter, dass der fróðafriðr („Froði-Frieden“) während der Herrschaft des mythischen Königs Froði in Dänemark zu anhaltenden guten Ernten geführt habe. Deshalb wird Froði in der Forschung meist mit Freyr identifiziert. Das würde auch etymologisch plausibel sein, da froda im Altschwedischen „Üppigkeit, Fruchtbarkeit“ bedeutet. Auch die Darstellung Freyrs mit einem riesigen Phallus passte dazu.

Literatur[Bearbeiten]

  • Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae Pontificum. In: Quellen des 9. und 11. Jahrhunderts zur Geschichte der Hamburgischen Kirche und des Reiches, Darmstadt 1978.
  • Eyvind Fjeld Halvorsen: Freyr. In: Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelalder, Bd. 4, Kopenhagen 1959.
  • E. C. Polomé: Freyr. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 9, Berlin 1995.
  • Saxo Grammaticus: Historiae Danicae, hrsg. von Stephanus Johannes Stephanius, Sorø 1645, zitiert nach der dänischen Übersetzung von Peter Zeeberg, Kopenhagen 2000.
  •  Jacob Grimm: Deutsche Mythologie Verlag=Marix Verlag. Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-143-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Freyr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]