Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim

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Fürstbischof F. K. von Schönborn-Buchheim (zeitgenössisches Gemälde)

Friedrich Karl Reichsgraf (bis 1701: Reichsfreiherr) von Schönborn-Buchheim (* 3. März 1674 in Mainz; † 26. Juli 1746 in Würzburg) war Fürstbischof von Würzburg und Bamberg und Reichsvizekanzler.

Familie[Bearbeiten]

Er war der zweite Sohn eines kurmainzischen Staatsministers Melchior Friedrich Graf von Schönborn-Buchheim (1644–1717) und seiner Ehefrau Freiin Maria Anna Sophia von Boineburg (1652–1726). Er war auch der Neffe des Mainzer Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn. Seine älteren Brüder waren sein Vor-Vorgänger in Würzburg Johann Philipp Franz von Schönborn (1673–1724) und der Politiker Rudolf Franz Erwein von Schönborn (1677–1754). Seine jüngeren Brüder waren Hugo Damian von Schönborn (1676–1743) und Franz Georg von Schönborn (siehe auch: Schönborn (Adelsgeschlecht)).

Leben[Bearbeiten]

Ab 1681 besuchte er wie sein Bruder das Jesuiten-Gymnasium in Aschaffenburg, 1701 empfing er die niederen Weihen und 1704 nahm ihn das Würzburger Domkapitel auf, ein Jahr später auch das Bamberger. Nach seiner Studienzeit in Würzburg, Mainz und Rom setzte ihn sein Onkel Lothar Franz auf diplomatischen Missionen in Polen, Schweden, Preußen und Sachsen ein.

Reichsvizekanzler in Wien[Bearbeiten]

Geheime Hofkanzlei in Wien, 1717–1719 von Johann Lukas von Hildebrandt unter Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn errichtet
Reichshofkanzlei-Trakt der Wiener Hofburg, 1723–1730 von Lukas von Hildebrandt unter Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn errichtet

1705–1731 führte er als Reichsvizekanzler in Wien für die Kaiser Joseph I. und Karl VI. die Reichshofkanzlei, die oberste Behörde des Heiligen Römischen Reiches. Er bewohnte den auf sein Betreiben 1723–1730 neu errichteten Reichskanzleitrakt der Wiener Hofburg.

Gemeinsame Vorliebe für die Baukunst, für Bücher und für Gärten hatte ihn hier in Wien mit Prinz Eugen von Savoyen freundschaftlich verbunden. Mit dem Prinzen zusammen beriet er 1707–1715 den Bau und die Ausgestaltung des Belvederes zu Wien. Durch Prinz Eugen lernte er dessen Architekten Johann Lucas von Hildebrandt kennen, den er in der Folge in die Bauinteressen der Familie Schönborn einbezog, und 1718 auch Abt Gottfried Bessel vom Stift Göttweig, den er 1724 für die ersten Entwürfe der Wiener Hofburg gewann.

Friedrich Carl Graf Schönborn war schon zum Bischof von Würzburg gewählt - und blieb noch Jahre in Wien, wo er in seiner Funktion Wurzeln geschlagen hatte. Balthasar Neumann, der Architekt der im Entstehen begriffenen fürstbischöflichen Residenz, hatte mehrmals nach Wien zu kommen, um hier mit Hildebrandt die Würzburger Planungen zu überarbeiten und kongenial zu vollenden.

Mit Hildebrandt († 1745) blieb er zeitlebens in enger, man kann sagen freundschaftlicher Verbindung. Keiner ist, der mich besser kennen thuet, schreibt Hildebrandt 1742 über Schönborn. In den Wiener Jahren führte er mehrere Aufträge für den Reichsvizekanzler durch, den Gartenpalast Schönborn in der Wiener Vorstadt, den Um- und Ausbau des Blauen Hofes in Laxenburg, Schloss und Kirche zu Göllersdorf, den Umbau des Palais Schönborn-Batthyány in der Inneren Stadt Wien und die Geheime Hof- und Staatskanzlei.

Fürstbischof[Bearbeiten]

Würzburger Residenz, erbaut 1719-44 von den Fürstbischöfen Johann Philipp und Friedrich Karl von Schönborn
Friedrich Karl von Schönborn auf dem Sterbebett, 1746

Er konnte im Spanischen Erbfolgekrieg erfolgreich zwischen Kaiser und Papst vermitteln. Als Sanierer der kaiserlichen Hofkanzlei sicherte er sich das Vertrauen der Habsburger, was ihm jedoch bei der Nachfolge seines Onkels in Mainz eher hinderlich war. Auch bei der Nachfolge für seinen plötzlich verstorbenen Bruder Johann Philipp Franz in Würzburg musste er zunächst hintenanstehen. Allerdings konnte er seinem Onkel Lothar Franz nach dessen Tod 1729 in Bamberg als Fürstbischof nachfolgen. Ein halbes Jahr später erhielt er schließlich auch den Würzburger Stuhl. Von 1710 bis 1729 war er Titularbischof von Arcadiopolis in Asia.

Seine Regierungszeit war wirtschaftlich und künstlerisch eine Blütezeit beider fränkischer Hochstifte. Er war Bauherr oder Renovierer von rund 100 Kirchenbauten, Bauherr der Sommerresidenz Schloss Werneck, der Abtei Münsterschwarzach und nach 24 Jahren Bauzeit der Vollender des Rohbaus der Würzburger Residenz. Diese Schönbornsche Baulust war beispiellos und eine Maßnahme zur Wirtschaftsförderung. Seine Reformen in Justiz und Verwaltung waren von früh-aufklärerischem Geist geprägt. Auch die Universität, besonders Naturwissenschaften und Medizin wurden von Friedrich Karl massiv gefördert.

Friedrich Karl starb nach kurzer Krankheit als vorletzter seiner Brüder. Seinem letzten Willen entsprechend wurden sein Körper in der Schönbornkapelle des Würzburger Doms, sein Herz in der Hofkapelle der Bamberger Residenz, Eingeweide, Augen und Zunge in der Loretokapelle zu Göllersdorf, in Niederösterreich, beigesetzt. Mit ihm kam die Reihe bedeutender Schönborn-Fürsten zum glanzvollen Abschluss.

Im Jahr 1904 wurde in Wien Josefstadt (8. Bezirk) die Schönborngasse nach ihm benannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth berichtet in ihren Memoiren über die Ereignisse anlässlich eines Besuchs bei Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim in Schloss Weißenstein (Pommersfelden) im November 1735. Den Fürstbischof charakterisiert sie dabei wie folgt:

„Ich muß hier einiges über ihn sagen. Bekanntlich ist die Familie Schönborn eine der ersten und angesehensten in Deutschland; sie hat dem Reiche mehrere Fürsten und Bischöfe gestellt. Der, von dem hier die Rede ist, war in Wien erzogen worden. Seine großen Fähigkeiten verhalfen ihm zum Posten eines Reichskanzlers, einem Amt, das er lange verwaltete. Als die Bistümer von Würzburg und Bamberg durch den Tod ihrer Bischöfe frei wurden, benützte der Hof zu Wien diese Gelegenheit, Schönborn für die geleisteten Dienste zu belohnen, und wußte einen solchen Einfluß auf die Wahl auszuüben, daß er zum Verwalter und Bischof dieser beiden Bistümer berufen wurde. Er kann mit Recht für ein großes Genie und einen großen Politiker gelten. Dieser letzten Eigenschaft entspricht auch sein Charakter; denn er ist falsch, heimtückisch und schlau; sein Wesen ist hochfahrend, sein Geist nicht anziehend, weil er zu pedantisch ist; dennoch gewinnt man bei näherer Bekanntschaft mit ihm Fühlung und besonders, wenn man von ihm zu lernen sucht. Ich war so glücklich, mir seine Gunst zu erwerben. Wir führten oft Zwiegespräche, die sich vier bis fünf Stunden hinauszogen. Dabei langweilte ich mich nie; er machte mich mit vielen Dingen bekannt, von denen ich nichts wußte. Man durfte wohl sagen, daß er einen universalen Geist besaß. Es gab nichts, worüber wir nicht zusammen gesprochen hätten.“

Wilhelmine von Bayreuth: Memoiren der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth[1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelmine von Bayreuth: Memoiren der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth. Insel Verlag, 1923 (Kapitel 18 online, abgerufen am 5. November 2013).
Vorgänger Amt Nachfolger
Lothar Franz von Schönborn Fürstbischof von Bamberg
17291746
Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein
Vorgänger Amt Nachfolger
Christoph Franz von Hutten Fürstbischof von Würzburg
17291746
Anselm Franz von Ingelheim