Schlösser von Laxenburg

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Die Schlösser von Laxenburg befinden sich in der Gemeinde Laxenburg in Niederösterreich an der Grenze zu Wien. Im großen Schlosspark befinden sich das Alte Schloss, der Blaue Hof, das neue Schloss sowie die Franzensburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte von Laxenburg und Umgebung (von Jean Baptist Brequin de Demange, 1755)

Bis zum Ende der österreich-ungarischen Monarchie war Laxenburg ein wesentlicher Aufenthaltsort der Habsburger. Diese Tradition begann schon mit Kaiser Karl VI.. So wurde von Maria Theresia auch eine lange durchgehende Allee von Schönbrunn, nämlich auf der Trasse der heutigen Schönbrunner Allee nach Laxenburg errichtet. Die heute nicht mehr existierende Laxenburger Bahn wurde ebenfalls extra für den Kaiser zwischen der Südbahn in Mödling und Laxenburg errichtet. Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth verbrachten 1854 ihre Flitterwochen in Laxenburg. Auch zwei ihrer vier Kinder - Gisela (1856-1932) und Kronprinz Rudolf (1858-1889) - wurden auf Schloss Laxenburg geboren.

Um in der Nähe des Kaisers zu sein, bauten auch andere Adelige und hohe Beamte wie die Esterházy, Daun, Auersperg oder Chotek sich hier kleine Schlösser oder Villen, die aber durch laufende Erweiterungen der kaiserlichen Güter kaum noch vorhanden sind. Eines davon ist das Grüne Haus.

Altes Schloss[Bearbeiten]

Altes Schloss, NO Fassade

Der Schlosspark, der ein ausgedehntes Jagdgebiet war, stammt schon wie das alte Schloss aus dem 13. Jahrhundert und war im Besitz der Herren von Lachsenburg. Als dieses Geschlecht im 14. Jahrhundert ausstarb, kamen die Besitzungen in die Hände der Habsburger. Albrecht III. baute das Jagdschloss um und aus. Später verfiel aber das Gebäude, bis es unter Leopold I. durch den Baumeister Lodovico Burnacini renoviert und barockisiert wurde. Bei der Zweiten Türkenbelagerung wurde es nochmals zerstört, aber bereits 1693 wieder aufgebaut und um ein Geschoß erhöht. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden die ursprünglichen Wassergräben zugeschüttet.

In einem Turm war eine Kapelle eingerichtet. Sie wurde bereits 1332 erwähnt. Laut Stiftsbrief wurde 1389 eine neue Kapelle errichtet. Statuen wurden aus der Kapelle am Leopoldsberg hierher gebracht. 1755 wurde die Kapelle barockisiert und die Einrichtung der Wiener Salesianerkirche St. Anna hierher verbracht. Bis zum Ersten Weltkrieg diente das Schloss neben dem neuen Schloss als Frühlingsresidenz der Habsburger.

In den 1970er Jahren wurde das Gebäude inklusive der Kapelle durch die Laxenburg Betriebsgesellschaft nach den Schäden, die im Krieg und in der Nachkriegszeit entstanden, gründlich renoviert. Im Alten Schloss befindet sich seit 1970 ein Teil des Filmarchivs Österreich. Die Kapelle wird heute für Konzerte, Hochzeiten und andere Festlichkeiten genutzt.

Blauer Hof[Bearbeiten]

Blauer Hof

Erwähnt wurde der Blaue Hof das erste Mal im Jahr 1544 als Freihof. Besitzer war Melchior Arguello. Bis es von seinem Besitzer, den Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn zwischen 1710 und 1720 ausgebaut wurde, wechselte das Gebäude mehrmals die Besitzer. So erhielt der Freihof seinen Namen nach einem dieser Besitzer, nämlich Sebastian von Ploenstein (Blauenstein). Der Ausbau erfolgte durch den Architekten Lucas von Hildebrandt. Spätere Besitzer waren Graf Adolf Metsch, Mitglieder des Geschlechts der Grafen Daun. 1762 kam es in Besitz Maria Theresias und der Plauensteiner-Hof wurde weiter großzügig ausgebaut durch den Hofarchitekten Nikoló Pacassi. Außerdem wurde von Pacassi noch der Speisesaaltrakt und das Schlosstheater erbaut. In der Säulenhalle und der großen Treppe wurde harter Kaiserstein verwendet.

Gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde vom Kaiser angeordnet, dass der Blaue Hof als Lazarett zu verwenden ist.[1] In der Besatzungszeit war der Blaue Hof eine Kommandostelle der Roten Armee.

Heute ist weder der Speisesaaltrakt noch das Schlosstheater öffentlich zugänglich, sie werden von der IIASA verwaltet und als Konferenzzentrum genutzt.

Schlosspark[Bearbeiten]

Schlosspark zur Winterzeit
Franzensburg

Nach 1780 wurde der ungefähr 250 ha große Schlosspark, anders als der im französischen Stil beibehaltene Schönbrunner Schlosspark, in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet.

Das markanteste Kennzeichen des Schlossparks ist der 25 ha große Schlossteich. Im Schlossteich befindet sich eine Insel, auf der die nach Kaiser Franz I. benannte Franzensburg errichtet wurde. Zudem befinden sich im Schlossteich weitere bewaldete Inseln.

Obwohl der Schlosspark nahe der Schwechat liegt, wird er von Münchendorf von der Triesting bewässert. Von dort führt ein 1801 errichteter Kanal über eine Brücke über der Schwechat zum Teich. Der Abfluss des Teiches führt jedoch in die Schwechat.

Unter den zahlreichen Eichen befindet sich auch die 200-300 Jahre alte liegende Eiche, die auch als Naturdenkmal ausgewiesen ist.

Neben den bereits erwähnten Schlössern befinden sich noch zahlreiche historische Bauten, wie:

  • das Grüne Lusthaus
  • der Concordiatempel
  • der Turnierplatz
  • das Haus der Laune, das von dem Architekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg erbaut wurde, heute aber nur als Ruine besteht
  • die Felsengrotte, wo eigentlich ein Modell der Habsburg gebaut werden sollte, aber nie verwirklicht wurde.
  • die Rittergruft mit der Rittersäule
  • die Hofeiskeller, sie dürften zur Eisgewinnung aus dem Teich gedient haben.

Bis vor einigen Jahren war am Rand des Parks ein Erholungszentrum sowie ein Campingplatz eingerichtet. Heute gehört der Park zu sehr beliebten Ausflugszielen der Wiener Stadtbevölkerung. Außer dem Wandern werden am Teich auch Bootsfahrten angeboten.

Das Haus der Laune war ein capriccio der Kaiserin. Es wurde zweimal realisiert. Im Laufe der napoleonischen Besetzung ging es verloren, gemeinsam mit anderen Gebäuden. Nur noch Ruinen bestehen. Eine Rekonstruktion wäre auf Grund zahlreicher Zeichnungen und Überlieferungen möglich.[2]

An der Sommerwiese am Goldfischteich stand einst die chinesische Brücke samt Pavillon, ein Werk von Hetzendorf. Nur noch die Steinbasis besteht.[3]

Auf der Marianneninsel errichtet Kaiser Ferdinand I. seiner Gattin Maria Anna einen Tempel. Heute ist es eine Ruine.[4][5]

Der Forstmeisterkanal wurde im 18. Jahrhundert angelegt. Das Fischerdörfl, ein ländliches Hameau, steht nicht mehr. Eine Brücke bewahrt den Namen. Hier kreuzt der Forstmeisterkanal die Münchendorfer Achse. Die Große Kaskade markiert das Ende des Forstmeisterkanals. Der Schlossteich ist mit 25 ha Fläche der größte seiner Art in Österreich. Hier ruderten Kaiser und Könige und der Hofstaat.

An der Längsachse der barocken Waldsterns, steht ein achteckiger Pavillon der Jagdgöttin Diana zu Ehren. Das Grüne Lusthaus ist auch als Diana-Tempel bekannt. Dieser Pavillon aus der Zeit um 1760 war ein Lieblingsaufenthaltsort der Kaiserin Maria Theresia, die hier des öfteren Karten spielte. Der Pavillon ist in der Treillagearchitektur (Laubengangarchitektur) errichtet.[6]

Ein Säulenkranz korinthisch ausgerichtet umrundet den Concordia-Tempel. Akanthusblätter zieren die Säulen.[7]

Sonstiges[Bearbeiten]

Nicht direkt im Gesamtkomplex, aber doch in direkter Verbindung mit dem Kaiserschloss, steht der Kaiserbahnhof der Kopfbahnhof der ehemaligen Laxenburgerbahn, der heute - rekonstruiert nach seinem Aussehen von 1847 - als Veranstaltungszentrum und Restaurant genutzt wird.

In frühen Zeiten des Wiener Neustädter Kanals konnte man auch per Ausflugsschiff von Wien nach Laxenburg fahren. Diese Wasserluftfahrten verloren aber um 1930 aufgrund der langen Fahrzeit die ursprünglich starke Beliebtheit.[8]

Das Palais Kaunitz, das später in den Besitz der Familie Wittgenstein gelangte, dient seit 1912 den Ingenbohler Kreuzschwestern als Kloster und als Provinzhaus für Wien und Niederösterreich. Auch eine Kindergärtnerinnen-Schule und eine Hauptschule wurde von den Schwestern betrieben. Beide Schulen sind bereits geschlossen.

Die Internationale Anti-Korruptionsakademie (IACA) hat heute ihren Sitz in einem Teil des Gebäudes. Es handelt sich hierbei um die erste Ausbildungsstätte dieser Art weltweit.[9]

In Teilen des Parks fand im August 2010 ein internationales Pfadfinderlager mit über 7600 Teilnehmern statt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neues Wiener Tagblatt: Das Laxenburger Schluss als Lazarett vom 20. August 1914
  2. http://www.schloss-laxenburg.at/cgi-bin/onlwysiwyg/ONL.cgi?WHAT=INFOSHOW&ONLFA=SLA&INFONUMMER=1543587
  3. http://www.schloss-laxenburg.at/cgi-bin/onlwysiwyg/ONL.cgi?WHAT=INFOSHOW&ONLFA=SLA&INFONUMMER=3651123
  4. http://www.schloss-laxenburg.at/cgi-bin/onlwysiwyg/ONL.cgi?WHAT=INFOSHOW&ONLFA=SLA&INFONUMMER=2448637
  5. http://www.srf.tuwien.ac.at/kalasek/archives/2004/11/entry_6.html
  6. http://www.schloss-laxenburg.at/cgi-bin/onlwysiwyg/ONL.cgi?WHAT=INFOSHOW&ONLFA=SLA&INFONUMMER=3550736
  7. http://www.schloss-laxenburg.at/cgi-bin/onlwysiwyg/ONL.cgi?WHAT=INFOSHOW&ONLFA=SLA&INFONUMMER=840140
  8. Biedermannsdorf aus Adolf Schmidl: Wien's Umgebungen auf zwanzig Stunden im Umkreise, Wanderführer 1838, S. 134
  9. Interpol-Anti-Korruptionsakademie kommt auf ORF vom 11. Juli 2007 abgerufen am 4. April 2010

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Weller: Die kaiserlichen Burgen und Schlösser in Wort und Bild. Hof-Buchdruckerei, Wien 1880. (Online)
  • Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien. Boöhlau Verlag, Wien.
  • Der Schlosspark Lauenburg – ein Führer durch Geschichte und Gegenwart. Broschüre.
  • Otto Benesch: Das Lustschloß Laxenburg bei Wien. Broschüre. Ed. Hölzel, 1920. ISBN 0-7588-8871-6
  • Géza Hajós: Forschungen zu Laxenburg (Park und Franzensburg): Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien. Band 1. Böhlau, Wien 2006, ISBN 3-205-77444-2.
  • Ernst Bacher: Forschungen zu Laxenburg (Park und Franzensburg): Die Franzensburg - Ritterschloss und Denkmal einer Dynastie. Band 2. Böhlau, Wien 2007, ISBN 3-205-77458-2.
  • Ernst Bacher: Forschungen zu Laxenburg (Park und Franzensburg): Architektur, Ausstattung und Kunstschätze der Franzensburg. Band 3. Böhlau, Wien 2007, ISBN 3-205-77457-4.
  • Quirin von Leitner (Hrsg.): Monographie des kaiserlichen Lust-Schlosses Laxenburg. Adolf Holzhausen, Wien 1878.
  • Christian Fastl: Laxenburg. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3045-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlösser von Laxenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.06472222222216.358055555556Koordinaten: 48° 3′ 53″ N, 16° 21′ 29″ O