Günther Rühle

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Günther Rühle (* 3. Juni 1924 in Gießen) ist ein deutscher Kritiker und Intendant.

Günther Rühle, einst Feuilletonchef der FAZ, gehört zu den einflussreichen Theaterkritikern dieser Republik,[1] er ist ein Mann des Feuilletons und ein Freund des Theaters. Für mehr als ein Vierteljahrhundert hat er das deutsche Theatergeschehen begleitet und es in unzähligen Kritiken, Glossen und Essays beschrieben.

Sein Werdegang[Bearbeiten]

Theaterkritiker[Bearbeiten]

Von 1946 bis 1952 studierte er Germanistik, Geschichte und Volkskunde an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Nach seiner Promotion wechselte er 1953 als Journalist zur Frankfurter Rundschau. 1954 ging er in die Feuilleton-Redaktion der Frankfurter Neuen Presse. Seit seinem Eintritt bei der FAZ entwickelte sich Rühle zum einflussreichen Theaterkritiker. 1974 übernahm er dort die Leitung der Feuilleton-Redaktion. Günther Rühle ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Intendant[Bearbeiten]

1984 gewann ihn der damalige Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann als Nachfolger für den ausscheidenden Adolf Dresen. Von 1985 bis 1990 war er sein Nachfolger als Intendant des Schauspiels Frankfurt. Rühle verpflichtete Michael Gruner, Einar Schleef und Dietrich Hilsdorf als Hausregisseure. 1985 wurde das Fassbinder-Stück Der Müll, die Stadt und der Tod inszeniert, und es kam auf Grund behaupteter antisemitischer Tendenzen im Stück zum Eklat. Mit einer Bühnenbesetzung wurde die Premiere verhindert. Rühle wurde, unbewiesen, der Satz zugeschrieben : „Die Schonzeit (für die Juden) ist vorbei.“ Nach anhaltenden Protesten setzte Rühle die öffentliche Aufführung ab, weil die Sicherheit des Publikums nicht zu gewährleisten war. Zur geschlossenen Uraufführung vor Medienvertretern schrieb die Frankfurter Rundschau am 5. November 1985 : „Das Frankfurter Theater hat es auf sich genommen, … den Beweis (zu) erbringen …, dass Faßbinders Szenen nicht von einer antisemitischen Grundhaltung bestimmt sind.“[2]

Ehrenämter[Bearbeiten]

Nach seiner Intendantenzeit wechselte Rühle 1990 in die Chefredaktion des Berliner Tagesspiegel und wurde wiederum Feuilletonchef. Ab 1995 war er freier Publizist und ab 1993 bis 1999 Präsident der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt. Heute ist er deren Ehrenpräsident. Zudem ist er Präsident der Alfred-Kerr-Stiftung in Berlin und Herausgeber der Gesammelten Werke von Marieluise Fleißer bei Suhrkamp. Mit seiner umfangreichen Dokumentation zur Geschichte des Theaters von 1887 bis 1945 und der Kritik in den Jahren 1917 bis 1925 sicherte sich Rühle einen Platz in der deutschen Theatergeschichte.[1]

Rühle ist Ehrenbürger der Stadt Bensheim.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Theater in Deutschland 1887–1945. Seine Ereignisse, seine Menschen. S. Fischer Verlag, ISBN 978-3-10-068508-7.
  • Theater für die Republik. Im Spiegel der Kritik. 2 Bände: 1. Bd. 1917–1925, 2. Bd. 1926–1933. S. Fischer Verlag, ISBN 978-3-10-068505-6.
  • als Hg.: Bücher, die das Jahrhundert bewegten. Zeitanalysen, wiedergelesen. Piper, München 1978, ISBN 3492023991; Fischer TB 5008, Frankfurt 1980, ISBN 3596250080.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theater Lexikon, Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1995, ISBN 3-423-03322-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Dem Neuen eine Chance: Günther Rühle wird 80 von Ulrich Greiner, Die Zeit 3. Juni 2004
  2. Schonzone und Schonzeit von Hans Schueler, Die Zeit 5. Dezember 1986
  3. bensheim.de: Ehrenbürger Günther Rühle mit dem Binding-Kulturpreis ausgezeichnet. Vom 17. Juni 2010, abgerufen am 8. August 2013
  4. Auszüge aus: Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus; Walther Rathenau: Von kommenden Dingen; Ernst Bloch: Geist der Utopie; Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes; Karl Barth: Der Römerbrief; Georg Lukacs: Geschichte und Klassenbewußtsein; Martin Heidegger: Was ist Metaphysik?; Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur; Jose Ortega y Gasset: Der Aufstand der Massen; Alfred Rosenberg: Der Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts; Karl Jaspers: Die geistige Situation der Zeit; Ernst Jünger: Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt; Helmuth Plessner: Die verspätete Nation; Max Horkheimer & Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung; Romano Guardini: Das Ende der Neuzeit; Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen; Arnold Gehlen: Die Seele im technischen Zeitalter; Alexander und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern; Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch.