Gastfreundschaft

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Die Gastfreundschaft ist die freundliche Gesinnung, die einem Besucher von seinem Gastfreund bei seiner Beherbergung, Bewirtung und Unterhaltung entgegengebracht wird. Das Grundprinzip der Gastfreundschaft seit alters her ist wohl das der Gegenseitigkeit: Man erhofft sich selbst unter ähnlichen Bedingungen gastfreundliche Aufnahme.

Adam Elsheimer: Philemon und Baucis bewirten Jupiter und Merkur

Gastfreundschaft in der Ethik und den Religionen[Bearbeiten]

Feofan Grek: Dreifaltigkeitsikone. Abraham bewirtet die drei Fremden
Wiener Genesis, Rebekka und Elieser

Gastfreundschaft wurzelt in der Religion und zeigt sich in sämtlichen Kulturen als religiös fundierte Praxis. Bereits polytheistische Religionen wahren sie als eine der wichtigsten religiösen Pflichten. Bestimmte Kulturen achten die Gastfreundschaft als hohes Gut, so dass Verletzungen des Gastrechtes und der Pflichten dem Gast gegenüber mit dem Verlust der Ehre einhergehen. Dem Gastgeber obliegt es, den Gast aufzunehmen, ihn mit dem Nötigsten zu versorgen, aber ihn auch im Notfall mit vollem Einsatz zu verteidigen bzw. zu rächen, falls er während seines Gastaufenthaltes Opfer eines Angriffs wird. Oft ist die Dauer eines solchen Aufenthalts genau festgeschrieben. Bei nomadischen Völkern in Vorderasien betrug sie drei Tage und vier Stunden; der Gast gehörte während dieser Zeit praktisch zum Stamm.

Die Aborigines zelebrieren das Tanderrum als rituelle Aufnahme von Besuchern.

Gastfreundschaft gilt im Katholizismus als eines der Sieben Werke der Barmherzigkeit. In der Orthodoxen Kirche entwickelte sich die Philoxenia zu einem eigenständigen liturgischen und künstlerischen Schwerpunkt. Ebenso ist Gastfreundschaft dem Judentum (Hachnasat orchim)[1] und dem Islam heilig. Eine religiöse Fundierung der Gastfreundschaft konnte in Gesellschaften ohne starke Institutionen und Infrastruktur das Überleben von Reisenden sichern und war damit wichtige Grundlage für jeden Handel und Austausch.

Gastfreundschaft zur neutestamentlichen Zeit[Bearbeiten]

Rembrandt van Rijn: Christus in Emmaus, 1648

Die Mahlzeiten in einem ärmeren Haushalt waren eher spärlich und wurden hauptsächlich durch das gemeinsame Abendessen, einen Gemüseeintopf mit einem Stück Brot, bestimmt. Hierbei diente das Brot als Löffel, um die Nahrung aus dem gemeinschaftlichen Topf herauszufischen. Waren Gäste anwesend, wurde dem Essen Fleisch hinzugefügt. Außerdem aß man auf dem Boden.

In reicheren Häusern war das Essen häufiger mit Fleisch und allgemein etwas aufwändiger. Hier saß man auch nicht auf dem Boden, sondern lag auf Ottomanen oder Ähnlichem um einen quadratischen Tisch. Dem Gast gebührte hier der Ehrenplatz und er bekam die besten und ausgesuchte Speisen vorgesetzt. Auch hatte jeder sein eigenes Geschirr. Kam ein Gast, wurde er zuerst von einem Bediensteten empfangen, dann kam der Herr des Hauses, begrüßte ihn, indem er ihm die Hand küsste. Danach veranlasste er, dass dem Gast die Füße gewaschen und das Haupt gesalbt wurde. Bei manchen Familien gab es auch ein Gästezimmer.

Gastfreundschaft als „Geistesgabe“[Bearbeiten]

Die christliche Religion kennt nur eine „Frucht des Geistes“ (Galater 5,22.23), die Liebe, die sich in achtfacher Weise auswirkt. Sie wird in 1. Korinther 13 in ähnlicher Weise beschrieben. Gemeint ist hier die Fähigkeit, Dinge zu tun, die man ohne Jesus Christus nicht tun könnte. Des Weiteren gibt es noch andere Begabungen und Gaben, die von Gott jedem einzelnen Gläubigen geschenkt werden. Außer Gastfreundschaft zählen beispielsweise noch Ermutigung, Glaube, Apostel, Helfen, Gebet, Leitung oder Barmherzigkeit dazu. Die Frucht des Geistes ist Liebe: Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit. Teile dieser Frucht befähigen Gläubige dazu, Gastfreundschaft auszuüben, so zum Beispiel Freundlichkeit und Güte.

Gastfreundschaft ist eine von Gott gegebene Gabe (siehe auch Gottesgabe), die befähigt, andere Menschen zu umsorgen und ihnen Freundlichkeit entgegenzubringen. Christen mit dieser Begabung haben ein „offenes“ Haus, in dem sich Freunde wie Fremde spontan wohl und willkommen fühlen. Auch außerhalb ihres Heims schaffen sie eine ungezwungene Atmosphäre und verströmen Wärme. Durch ihre Art helfen sie Menschen, sich auch in ungewohnter Umgebung und Situationen schneller einzugewöhnen.

Gastfreundschaft im Islam[Bearbeiten]

Gastfreundschaft in Usbekistan

Bereits in den altarabischen Kulturen vor Mohammed bestand die Pflicht des Hausherren, den Durchreisenden zu beherbergen. Daraus leitete sich in islamischer Zeit die Institution des Asylrechts innerhalb eines Heiligtums ab, das hoch respektiert wurde. Es erstreckte sich auf alle Muslime aus den Gebieten, die nicht unter islamischem Recht stehen (Dar al-Harb). Der Koran stellt den Reisenden als „Sohn des Weges“ in der Liste der Empfänger des Zakat besonders heraus (Sure 9,60).

Das Motiv der Gastfreundschaft in der Kunst[Bearbeiten]

Gastfreundschaft ist Thema zahlreicher literarischer Werke:

Die Ballade Die Füße im Feuer von Conrad Ferdinand Meyer beschreibt, wie einem Reiter in stürmischer Nacht Unterschlupf gewährt wird, obwohl er der Familie großen Schaden zugefügt hat.

Die Erzählung Mateo Falcone von Prosper Mérimée schildert, wie sich ein flüchtiger Korse in einer Hütte versteckt und wie das Gastrecht durch den Sohn des Besitzers gebrochen wird. Mérimée schildert die inneren Kämpfe des Jungen einerseits und die zwingende Reaktion des Vaters andererseits, die auf ein Reinwaschen der Familienehre durch Tötung hinausläuft.

Die Kurzgeschichte Der Gast von Albert Camus spielt in den 1950er Jahren, kurz vor Beginn des Algerienkrieges. Ein Lehrer bekommt gegen seinen Willen von einem Polizisten einen Häftling ausgehändigt mit der Maßgabe, ihn zur nächstgelegenen Präfektur zu bringen, und der vermeintlich freien Wahl, dem Befehl zu gehorchen oder sich ihm zu widersetzen. Der Lehrer nimmt den Häftling bei sich als Gast auf. Am nächsten Tag zeigt er ihm an einer Weggabelung beide Wege, den zur Präfektur und den in die Freiheit. Da er in einem Dilemma zwischen rechtsstaatlichem Empfinden und Gastrecht steht, gibt er die Qual der Entscheidung an den Gast weiter. Doch auch der weiß, dass das Gastrecht von ihm verlangt, seinen Gastgeber nicht zu schädigen, und schlägt den Weg ins Gefängnis ein.

Auch der Stummfilm Verflixte Gastfreundschaft mit Buster Keaton setzt sich mit dem Thema auseinander.

Gastfreundschaft und Integration[Bearbeiten]

Einladung zur Wanderung in Kärnten

Ein Zusammenhang besteht auch zwischen Gastfreundschaft und der Bereitschaft zur Integration (von Ausländern und anderen Fremden im eigenen Land). Gastfreundschaft und Fremdenfeindlichkeit scheinen unvereinbare Gegensätze zu sein.

Die Gastfreundschaft in der Kritik[Bearbeiten]

Die Gastfreundschaft hat zwar viele Fürsprecher, ist aber dennoch umstritten. Dionysos Chrysostomos zum Beispiel entlarvt die Gastfreundschaft – zumindest bei den Wohlhabenden – als schönen Schein: In Wirklichkeit gehe es bei der Gastfreundschaft darum, eigene Leistungen mit hohem Zins zurückzubekommen. Chrysostomos belegt seine These mit Beispielen aus der Praxis und aus der Literatur seit Homer.

Auch das Gegenteil kann der Fall sein. Wenn der Gast um vieles wohlhabender ist als der Gastgeber, so „erzwingt“ er sich auf subtile Weise mitunter eine zuvorkommende Behandlung, ohne dass dies ausgesprochen oder offen signalisiert werden muss. Die „Freundlichkeit“ des Gastgebers ist dann in Wirklichkeit nichts anderes als eine verborgene Furcht vor der Macht seines Gegenübers.

Zitat[Bearbeiten]

  • Reine und unbedingte Gastfreundschaft, die Gastfreundschaft selbst, öffnet sich, sie ist von vorneherein offen für wen auch immer, der weder erwartet noch eingeladen ist, für jeden, der als absolut fremder Besucher kommt, der ankommt und nicht identifizierbar und nicht vorhersehbar ist, alles andere als das.Jacques Derrida (2001, in: Philosophie in Zeiten des Terrors, ISBN 3-86572-358-6, S. 170)

Schriften[Bearbeiten]

  • Jacques Derrida: "Von der Gastfreundschaft', mit einer 'Einladung' von Anne Dufourmantelle", Peter Engelmann (Hg.), (Reihe: 'Passagen Philosophie'), 2001 ISBN 3-85165-511-7
  • Jutta M. Berger: Die Geschichte der Gastfreundschaft im hochmittelalterlichen Mönchtum. Die Cistercienser, Dissertation, 1999 ISBN 3-05-003208-1
  • Renate Bürner-Kotzam: Vertraute Gäste - Befremdende Begegnungen. In Texten des bürgerlichen Realismus, Dissertation (Reihe: 'Probleme der Dichtung, Band 30), 2001 ISBN 3-8253-1270-4
  • Christian Kayed: Gast sein. Ein Lesebuch, (Athesia Taschenbuch Bd. 19), 2003, ISBN 88-8266-254-3
  • Hans C. Peyer: Von der Gastfreundschaft zum Gasthaus. Studien zur Gastlichkeit im Mittelalter, (Monumenta Germaniae Historica, Schriften Bd. 31), 1987 ISBN 3-7752-5153-7
  • Werner Pieper (Hg.): Willkommen!: Gastfreundschaft Weltweit, (Reihe: 'Der Grüne Zweig' Bd. 166), ohne Jahr ISBN 3-925817-66-2 (enthält Beiträge z.B. zur Gastfreundschaft in der Türkei, Südasien, Japan, China und Westafrika, im Judentum, im Islam und bei den Indianern, Informationen zur Geschichte der Gastfreundschaft und des Gastgewerbes)
  • Meinolf Schumacher: Gast, Wirt und Wirtin. Konstellationen von Gastlichkeit in der Literatur des Mittelalters. In: Peter Friedrich und Rolf Parr (Hg.): Gastlichkeit. Erkundungen einer Schwellensituation. Heidelberg: Synchron 2009, S. 105-116 ISBN 978-3-939381-19-8

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Gastfreundschaft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Belege[Bearbeiten]

  1. Offering Shabbat hospitality more important than prayer