Giacomo Lercaro

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Kardinal Lercaro (links) mit Kardinal Giuseppe Siri, Oktober 1958
Grabstein von Kardinal Lercaro in der Kathedrale San Pietro (Bologna)

Giacomo Kardinal Lercaro (* 28. Oktober 1891 in Quinto al Mare, Provinz Genua, Italien; † 18. Oktober 1976 in Bologna) war Erzbischof von Bologna und Kardinal.

Leben[Bearbeiten]

Giacomo Lercaro wurde als achtes von neun Kindern in Quinto al Mare bei Genua geboren. Er stammte aus einer Seemannsfamilie und zwei seiner Brüder, Amedeo und Attilio, wurden ebenso Geistliche. Von 1902 bis 1914 besuchte Lercaro das Priesterseminar der Erzdiözese Genua. Er wurde am 25. Juli 1914 von Erzbischof Ildefonso Pisani zum Priester geweiht. Zwei Monate später begann Lercaro ein Studium am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom. Als Italien in den Ersten Weltkrieg eintrat, musste er bis 1917 als Militärkaplan arbeiten. Ein Jahr später, 1918, wurde er Präfekt des Priesterseminars zu Genua, wo sein Bruder Amedeo bereits Regens war. Er hatte diesen Posten bis 1923 inne. In dieser Zeit (1921 bis 1923) war er auch vertretungsweise Professor für Katholische Theologie, ebenso Professor für Patrologie (1923 bis 1927). Im Jahre 1927 wurde er Religionslehrer an einem Gymnasium in Genua. Er nahm in dieser Zeit auch an Studentenbewegungen in der Gegend teil. Er versuchte seit dieser Zeit, die katholische Theologie und die moderne Kultur miteinander zu verbinden.

Lercaro war frühzeitig antifaschistisch eingestellt. Er unterstützte Italiener, die sich der restriktiven Judenpolitik Mussolinis widersetzten, und organisierte Verstecke für Juden und andere Verfolgte. Während des Zweiten Weltkriegs war er gezwungen, unter dem Alias Pater Lorenzo Gusmini zu arbeiten und in einem verlassenen Kloster zu leben, um nicht von den Kollaborateuren der Nazis getötet zu werden.

Seine dezidiert antikommunistische Haltung gilt als Kriterium für die Ernennung Lercaros zum Erzbischof von Ravenna am 31. Januar 1947 durch Papst Pius XII. Die Bischofsweihe empfing er am 19. März 1947 durch den Erzbischof von Genua, Giuseppe Siri. Mitkonsekratoren waren Angelo Rossini, Erzbischof von Amalfi, und Francesco Canessa, Titularbischof von Sarepta. Lercaro war vom 19. April 1952 bis 1968 Erzbischof von Bologna. Beide Großstädte galten in dieser Zeit als Hochburgen der Kommunisten. Obwohl antikommunistisch eingestellt, versuchte Lercaro, mit den führenden Köpfen der Kommunistischen Partei in Bologna in Dialog zu treten. Papst Pius XII. ernannte ihn am 12. Januar 1953 zum Kardinal. Er wurde Kardinalpriester mit der Titelkirche Santa Maria in Traspontina. In seiner frühen Zeit als Kardinal verwandelte er seinen Kardinalspalast in ein Waisenhaus. Er galt in dieser Zeit unter anderem dem Osservatore Romano als papabile.

Lercaro nahm am Konklave von 1958 teil, das Papst Johannes XXIII. erwählte, ebenso am Konklave von 1963, bei dem Papst Paul VI. gewählt wurde.

Er war Teilnehmer am Zweiten Vatikanischen Konzil und arbeitete dort leitend als einer der vier Konzilsmoderatoren (zusammen mit Grégoire-Pierre Agagianian, Julius Döpfner und Léon-Joseph Suenens) mit, ebenso inhaltlich an den liturgischen Reformen.

1967 ernannte Papst Paul VI. den konservativen Bischof von Mantua, Antonio Poma, zu Lercaros Koadjutorerzbischof cum iure successionis. Lercaro sprach sich vor allem bei seiner Neujahrspredigt 1968 deutlich für ein Ende der US-amerikanischen Bombenangriffe auf Vietnam aus. Im Februar 1968 trat er von seinem Amt zurück, was vom Papst bestätigt wurde, nachdem ein zuvor (mit Erreichen des 75. Lebensjahres) eingereichtes Rücktrittsgesuch Lercaros vom Papst noch abgelehnt worden war.

In den 1970ern war Lercaro einer der ersten Kardinäle, die die lateinamerikanische Bewegung der Kirche der Armen in Europa popularisierten. Zehn Tage vor seinem 85. Geburtstag starb Giacomo Lercaro an einer Herzschwäche. Sein Leichnam ist in der Kathedrale von Bologna begraben.

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


Vorgänger Amt Nachfolger
Antonio Lega Erzbischof von Ravenna
1947–1952
Egidio Negrin
Giovanni Kardinal Nasalli Rocca di Corneliano Erzbischof von Bologna
1952–1968
Antonio Kardinal Poma