Gitxsan

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Die Gitxsan - auch Gitksan genannt - sind eine der First Nations in Kanada. Sie leben im Westen der Provinz British Columbia. Der Name geht auf den Namensbestandteil 'Ksan oder Xsan zurück, womit der Skeena River gemeint war. Übersetzt bedeutet dies etwa ‚Nebelfluss‘. Gitxsan bedeutet demnach so viel wie Volk vom Nebelfluss.

Traditionelles Territorium[Bearbeiten]

Gitxsan bei Hazelton, British Columbia Archives

Die Gitxsan leben im Einzugsgebiet des Skeena River zwischen dem Kitselas Canyon und dem Quellgebiet des Flusses einschließlich seiner nördlichen Nebenflüsse. Die wichtigsten Siedlungen sind:

  • Gitanmaax (Old Hazelton)
  • Gitanyow (früher Kitwancool)
  • Kitsequecla (Gitsegukla)
  • Gitwangak (Kitwanga)
  • Sik-e-Dahk (Glen Vowell)
  • Hagwilgyet (Hagwilget)
  • Anspa'yaxw (Kisipox)
  • Minskinish (Cedarvale)
  • 'Ksan ('Ksan Indian Village)

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung im Tal zwischen dem Kitselas Canyon und der Quelle des Skeena gehören heute den Gitxsan an, zu denen man etwa 13.000 Menschen rechnet. Außerhalb ihres traditionellen Gebietes leben Gitxsan auch in Terrace, Smithers und Vancouver.

Viele der Namen gehen auf Mythen und Legenden zurück. So geht der Name Gitanmaax auf die Mutter dreier Säuglinge zurück, die Lachse mit Hilfe eines brennenden Birkenpfahls anlockte. Daher bedeutet der Name etwa ‚Volk das (Fisch) mit Feuer anlockt‘.

Sprache und Kultur[Bearbeiten]

Sie wurden früher auch als Interior Tsimshian bezeichnet, da ihre Sprache Gitxsanimaax dieser Sprachgruppe angehört, allerdings auch das Volk der Nisga'a, ihrer nördlichen Nachbarn, einschloss. Sprachlich besteht ein Verwandtschaftsverhältnis zu den eigentlichen Tsimshian, die das Mündungsgebiet des Skeena und das Küstengebiet bis ins südliche Alaska besiedeln. Mit den athabaskischen Wet'suwet'en, die im östlich gelegenen Tal des Bulkley River siedeln, bestehen kulturelle und politische Gemeinsamkeiten, die sich durch einen langen Kulturaustausch erklären lassen.

Die Gitxsan sind eine matrilineare Gesellschaft, die aus vier Clans - Frosch, Adler, Wolf und Weidenröschen - besteht. Diese Clans, innerhalb derer die Heirat verboten ist, gliedern sich in Wilps - unabhängige Gemeinschaften mit eigenem Chief (Häuptling), eigenen Siedlungsräumen und eigenen Fischgründen.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet am Skeena-River ist seit mindestens 4000 v. Chr. bewohnt. Funde am Hagwilget Canyon bei Hazelton deuten auf Siedlung um 2000 bis 1500 v. Chr. hin. Schon zu dieser Zeit spielte der Lachsfang an Skeena, Babine und Bulkley River eine zentrale Rolle, im Gebiet zwischen diesen Flüssen wurde außerhalb der Lachssaison Wild gejagt. Viele Clans führen sich auf einen Ort namens Temlaxam zurück. Ihre Vorfahren mussten diesen Ort verlassen, weil sie der Legende nach Bergziegen misshandelt hatten, und sie wurden nach einer Reihe von Umweltkatastrophen vielleicht um 3000 v. Chr. gezwungen, das nicht näher lokalisierbare Gebiet zu verlassen.

Vor 1700 errichteten Tsimshian ein befestigtes, aus fünf Langhäusern bestehendes Dorf, das bis 1835 den Handel über den Kitwanga River kontrollierte, vor allem aber den 60 km langen Grease Trail (mit Grease ist das butterartige Fett des Kerzenfischs gemeint), der Nass und Skeena River miteinander verband. Als Gitwangak Battle Hill ist der Hügel heute eine nationale historische Stätte.

Kolonialisierung[Bearbeiten]

Der Einfluss der Europäer machte sich seit James Cooks Landung an der Westküste nur mittelbar bemerkbar, etwa in Form von Zwischenhandel. Rund 450 Segelschiffe landeten zwischen 1774 und 1825 an der Westküste, fast ausschließlich um Pelze, insbesondere von Fischottern zu erlangen. Auch von Osten her kamen Pelzhändler, die ihre Handelsposten bei den südlichen Nachbarn der Gitxsan errichteten. Dies waren Fort McLeod (1805), Fort George und Fort St. James (beide 1807). Mit Fort Kilmaurs entstand 1822 das dem Gebiet der Gitxsan nächstgelegene Fort. Doch weiterhin beherrschten die Tlingit drei Viertel des Handels, die Briten konnten sich zunächst nicht gegen sie durchsetzen. Im Auftrag der Hudson's Bay Company nahm William Brown 1822 erstmals direkten Kontakt mit den Gitxsan auf, von denen er berichtete, sie haben zwei Haupt- und fünf Nebendörfer, handelten mit Russen und Tsimshian und besäßen Gewehre. 1826 entstand im Gitxsan-Gebiet als erster Handelsposten Fort Connolly am Bear Lake. 1831 entstand zudem Fort Simpson an der Mündung des Nass River, doch zog man 1834 ins Tsimshian-Gebiet nach Lax Kwa'alaams, dem heutigen Port Simpson. Damit verbesserten die Briten ihre Position im regionalen Handel, beherrschten ihn jedoch keineswegs. 1836 gelang es allerdings dem Häuptling der Fort-Simpson-Tsimshian Lelaic, den Skeena-Canyon und damit Kitwanga in sein Handelsimperium einzufügen.

Ob die Gitxsan von der vor 1787 auftretenden Pockenepidemie betroffen waren, die die Tlingit erlitten, ist unklar. Weitere Ausbrüche der Krankheit trafen die Region in den Jahren 1836 und 1837, besonders heftig war aber erst die Pockenepidemie von 1862, der rund 30 % der Gitxsan zum Opfer fielen. Bei anderen Gruppen lag die Sterblichkeit noch erheblich höher.[1] 1866 bis 1868 versuchte die HBC einen Handelsposten am Skeena River beim heutigen Terrace zu errichten, doch scheiterte das Vorhaben. Thomas Hankin blieb jedoch im Gebiet und setzte sich in der Nähe von Gitanmaax fest. Erst mit dem Goldrausch ab 1871 kamen mehr Weiße in das Gebiet, und weitere Posten entstanden. So entstand Hazelton, wo es bald eine Poststation, deren erster Postmeister Hankin wurde. Zwar versuchte man mit Motorschiffen den Skeena zu befahren, doch blieb Hazelton lange unerreichbar. Erst ab 1890 fuhr mit der Caledonia ein erstes Schiff dauerhaft auf dem nach wie vor schwer befahrbaren Fluss.[2]

Als 1872 Goldsucher ihr Lagerfeuer unzureichend löschten, kam es zu einem verheerenden Feuer, bei dem Gitsegukla zerstört wurde. Als die Gitxsan daraufhin den Handel blockierten, entsandte die Provinzregierung in Erwartung eines „Indianeraufstands“ zwei Kanonenboote, die HMS Scout und die HMS Boxer. Vizegouverneur Joseph Trutch reiste in den Norden und verhandelte mit den Häuptlingen.

Fall Delgamuukw v. British Columbia[Bearbeiten]

Die Ansprüche auf Land der Gitxsan und der Wet'suwet'en - sie beanspruchen etwa 58.000 km² - wurden in einem Prozess vor dem Supreme Court of Canada, dem Obersten Gerichtshof, 1997 anerkannt, ohne dass eine endgültige Entscheidung hinsichtlich der Rechtmäßigkeit dieser Ansprüche getroffen wurde.

Der Fall Delgamuukw v. British Columbia[3] begann 1984 und versuchte, den langwierigen normalen Ablauf zu umgehen. Erstinstanzlich vertrat die Provinzregierung die Auffassung, dass noch vor Beitritt British Columbias zur Konföderation von Kanada alle Landrechte durch die Kolonialregierung getilgt worden waren. Dem widersprach der Oberste Gerichtshof.[4]

Vertragsvorschlag von 2008[Bearbeiten]

Entgegen der von der Provinz eingerichteten Vertragskommission, der BC Treaty Commission, die seit 1994 besteht, fordern die Gitxsan die Befreiung von den Bestimmungen des Indianergesetzes (Indian Act), und damit vom Wahlhäuptlingstum, das dieses implementiert hat. Nach diesem Gesetz mussten die Verhandlungsführer der Indianerstämme (indian bands) im Reservat leben und Mitglieder des Stammesrats (band council) sein. Die Gitxsan hatten jedoch immer ihre Erbhäuptlinge (hereditary chiefs) in die Verhandlungen geschickt, die 1996 abgebrochen wurden. Mit der Delgamuukw-Entscheidung erhielten sie Rückenwind.

Mit dem Wahlhäuptlingssystem hatte Kanada weitgehend den Einfluss der Erbhäuptlinge ausgehebelt und durch eine Stammesbürokratie ersetzt, die materiell von der Regierung abhängig war. Mitte 2008 forderten die Gitxsan die Beseitigung dieser Gesetzgebung, und wollten dafür auf Steuerbefreiungen und besondere Zuwendungen verzichten, die über das hinausgingen, was jeder Gemeinde in Kanada bzw. der Provinz zusteht. Zudem lebt inzwischen mehr als die Hälfte der Gitxsan außerhalb des Reservats, wenn auch innerhalb des Traditionellen Territoriums, das 33.000 km² umfasst. Eine Kampagne sollte mittels Zeitungsanzeigen das Anliegen unterstützen, insbesondere während der Winterspiele des Jahres 2010.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Margaret Anderson, Marjorie M. Halpin (Hrsg.): Potlatch at Gitsegukla: William Beynon's 1945 Field Notebooks, University of British Columbia Press 2000
  • Terry Glavin: A Death Feast in Dimlahamid. 1990. ISBN 978-0921586142.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Margaret Anderson, Marjorie M. Halpin S. 195.
  2. Jane Stevensson: Sternwheelers on the Skeena, in: Northword, Juni/Juli 2009, S. 42f.
  3. Sein vollständiger Name lautet: Delgamuukw, also known as Earl Muldoe, suing on his own behalf and on behalf of all the members of the Houses of Delgamuukw and Haaxw (and others) v. Her Majesty The Queen in Right of the Province of British Columbia and The Attorney General of Canada (Delgamuukw, auch als Earl Muldoe bekannt, klagt in seinem Namen und im Namen aller Angehörigen des Wilps von Delgamuukw und Haaxw (sowie anderer) gegen Ihre Majestät die Königin, vertreten durch die Provinz British Columbia und den Generalstaatsanwalt von Kanada).
  4. Text des Delgamuukw-Entscheids des Supreme Courts (en)
  5. Gitxsan break treaty mould with 'new plan'. After 14 years spinning their wheels in BC Treaty Commission negotiations, the Gitxsan people of the Skeena River Valley in northern B.C. are on a mission to break the mould, in: Vancouver Sun, 28. Juli 2008.