Artur Brauner

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Maria und Artur Brauner (2010)

Artur „Atze“ Brauner (* 1. August 1918 in Łódź, Polen, als Abraham Brauner) ist ein in Deutschland lebender Filmproduzent polnischer Herkunft. Brauner und seine Familie wurde von den Nationalsozialisten während der Besetzung Polens verfolgt. Brauner gelang es, in die Sowjetunion zu flüchten und sich zu verstecken. Nach dem Krieg kam er nach West-Berlin und wurde dort erfolgreicher Filmproduzent und Unternehmer.

Leben[Bearbeiten]

Artur Brauner ist Sohn des jüdischen Holzgroßhändlers Moshe Brauner und seiner Frau Brana. Der Vater stammte aus Kattowitz, die Mutter aus Odessa. In Łódź machte er sein Abitur. Mit jungen Zionisten reiste er 1936 in den Nahen Osten, wo die Gruppe zwei Dokumentarfilme drehte. Danach studierte er bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges am Polytechnikum Łódź.

Artur Brauner, 1971

Mit seinen Eltern und vier Geschwistern flüchtete er 1940 vor der Ghettoisierung der Łódźer Juden in die Sowjetunion, wo er die deutsche Besetzung nach 1941 unerkannt überlebte. Nach Brauners Angaben fielen 49 seiner jüdischen Verwandten dem Holocaust zum Opfer. Seine Eltern wanderten nach Israel aus.

Der auf dem Studiogelände in Berlin-Haselhorst befindliche Wasserturm der ehemaligen Pulverfabrik Spandau, 2009

Nach vorübergehenden Plänen, in die USA auszuwandern, blieb Brauner in Westdeutschland bzw. Westberlin. Er ist Vater von zwei Söhnen und zwei Töchtern und lebt mit seiner Frau Maria in Berlin, einer ehemaligen polnischen Zwangsarbeiterin, die er am 28. Februar 1947 heiratete. Zu seinen Kindern gehört die Journalistin und Filmproduzentin Alice Brauner.[1] Seine Nichte ist die Schauspielerin und Sängerin Sharon Brauner.[2]

Am 16. September 1946 gründete Brauner, unterstützt von Verwandten und Freunden, in Berlin die Central Cinema Compagnie (CCC-Film) und wurde Filmproduzent. 1949 baute er seine Studios auf dem Gelände der ehemaligen Pulverfabrik Spandau in Berlin-Haselhorst auf, in denen seit den ersten Dreharbeiten, im Februar 1950 für Maharadscha wider Willen, über 500 Filme, die Hälfte davon eigene Produktionen, entstanden.

Brauner engagierte sich im demokratischen Aufbau Deutschlands und versuchte, an die Verfolgung der Juden zu erinnern. 1961 setzte er 10.000 Mark Belohnung für „vertrauliche Informationen“ aus, die „dazu führen, dass der KZ-Arzt Josef Mengele ergriffen und vor ein ordentliches Gericht gestellt werden kann.“[3]

Auch in seinen Filmen ging es ihm darum, die deutsche NS-Vergangenheit aufzuarbeiten. Sein erster Film hieß „Sag die Wahrheit“. Der autobiographische Film Morituri (1948), den er mit Unterstützung der sowjetischen Militärbehörden produzierte, wurde jedoch ein Misserfolg. In Deutschland hatte niemand Interesse an Filmen über das Schicksal von verfolgten Juden. In den folgenden Jahren setzte Brauner deshalb mehr auf Unterhaltungsfilme, die dem Publikumsgeschmack entsprachen. Sein schärfster Konkurrent Horst Wendlandt, der zuvor bei Brauner tätig gewesen war, war seinem ehemaligen Chef immer einen Schritt voraus, was die Sicherung von Rechten an Filmstoffen betraf. So schnappte er Brauner die Verfilmungsrechte der Karl-May-Western-Stoffe weg, ebenso wie zuvor die Rechte an den Edgar Wallace-Büchern. Brauner musste sich dann mit den Rechten an Werken von Bryan Edgar Wallace, dem Sohn von Edgar Wallace, und den Karl May-Büchern nach den Orientstoffen zufriedengeben.

Nach eigener Aussage mischte Brauner sich in die Arbeit eines Regisseurs nicht ein. Nur wenn die täglichen Kopien Mängel aufgewiesen hätten, habe er sich eingemischt.[4] Allerdings scheute sich Brauner nicht, notfalls den Regisseur mitten in den Dreharbeiten auszutauschen, wie beim Karl-May-Film Durchs wilde Kurdistan (1965) mit Franz Josef Gottlieb geschehen, der den Drehplan in Spanien völlig überzogen hatte. Brauners Vertragsverhandlungen mit Schauspielern und anderen Filmschaffenden waren berüchtigt. So verpflichtete er zum Beispiel den US-amerikanischen Schauspieler Lex Barker für einen Karl-May-Film (wieder Durchs wilde Kurdistan) und drehte dann mit ihm gleich zwei Filme (auch die Fortsetzung Im Reiche des silbernen Löwen), wollte Barker aber nur für einen Film bezahlen. Dieser verlangte nun in einem Gerichtsprozess eine Nachzahlung von 100.000 DM und gewann den Prozess.

Artur Brauner (links) mit dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt, 1971

Mit den Problemen von „Opas Kino“ und dem Aufkommen des Neuen deutschen Films geriet Brauner in den 1970er-Jahren in erhebliche Schwierigkeiten. Er überwand die Probleme durch die Konzentration auf die Produktion von Filmen, die sich mit dem NS-Regime auseinandersetzten. In den Mittelpunkt rückte er immer wieder Menschen, die als Juden den Verfolgungen der Nationalsozialisten ausgesetzt waren (Charlotte, Eine Liebe in Deutschland, Hitlerjunge Salomon). Letzterer Film wurde in den USA mit einem Golden Globe ausgezeichnet.

Brauner produzierte etwa 500 Filme, viele davon für Fernsehanstalten. Brauner erhielt zwei Golden Globes, einen Oscar als Coproduzent und 2003 bei den Filmfestspielen Berlin Die Berlinale Kamera für sein Lebenswerk.

1999 eröffnete Brauner die Luxusherberge Hollywood Media Hotel Berlin auf dem Berliner Kurfürstendamm. Im Jahr 2004 geriet Brauners Immobilienfirma vorübergehend in finanzielle Schwierigkeiten, da die krisengebeutelte Cinemaxx-Gruppe Mietzahlungen hinausgezögert hatte.[5][6]

1991 wurde die Artur Brauner Stiftung gegründet: Zweck ist die Förderung der Verständigung zwischen Juden und Christen sowie der Toleranz zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturkreise, Hautfarben und gesellschaftlicher oder ethnischer Herkunft. Sie unterstützt Film-Produzenten, die sich diesen Themen widmen, durch jährliche Vergabe des Artur-Brauner-Filmpreises in Höhe von 25.000 Euro.[7]

Yad Vashem ehrt Brauner seit 2009, indem 21 seiner Produktionen, die einen Bezug zum Holocaust aufweisen, ständig in der Gedenkstätte gezeigt werden, beispielsweise Charlotte, Die weiße Rose, Der 20. Juli oder Mensch und Bestie. Der so Geehrte bezeichnete diese Vorführungen als „Krönung meines Filmschaffens“. Im März 2010 wurde dort eine eigene Mediathek für seine Filme eingerichtet.

Filmografie[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Brauner beim Besuch seines Sterns auf dem Boulevard der Stars (2011)
Stern von Artur Brauner auf dem Boulevard der Stars in Berlin

Literatur[Bearbeiten]

  •  Artur Brauner: Mich gibt’s nur einmal. Herbig, München / Berlin 1976, ISBN 3-596-21945-0 (Fischer-TB 1982).
  •  Claudia Dillmann-Kühn: Artur Brauner und die CCC. Filmgeschäft, Produktionsalltag, Studiogeschichte 1946–1990. Deutsches Filmmuseum Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-88799-034-X.
  • Wolfgang Bittner, Mark vom Hofe (Hrsg.): Man muss den Film lieben. Artur Brauner. In: Ich bin ein öffentlicher Mensch geworden. Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen. Bad Honnef 2009, ISBN 978-3-89502-277-7
  • Frank Blum: Artur Brauner, Filmproduzent. Leben und Werk. Köln 2012, ISBN 978-3-00-025216-7
  •  Das ist Leben. In: Der Spiegel. Nr. 47, 1957 (online).

Filmdokumentationen[Bearbeiten]

  • Ein Leben für die Traumfabrik. Porträt des Filmproduzenten Artur Brauner. Dokumentation von Michael Strauven, Deutschland 1998, NDR, 90 Minuten.
  • Ihn gibt’s nur einmal – Artur Brauner. Dokumentarfilm von Wolfgang Dresler, Deutschland 1994, Deutsche Welle, 35 Minuten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Artur Brauner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liebe ohne Filter – das heißt Ehe! bz-berlin.de, abgerufen am 23. Oktober 2012.
  2. Sharon Brauners Kuschelreich. In: Berliner Morgenpost.
  3.  Artur (Atze) Brauner. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1961 (online).
  4. Ein Leben für die Traumfabrik, Dokumentarfilm zum 80. Geburtstag, D 1998, Regie Michael Strauven (unter gleichem Inhalt aus Anlass des 90. Geburtstages vom NDR wieder ausgestrahlt)
  5. Artur Brauner in Schwierigkeiten. In: Berliner Zeitung, 2. November 2005
  6. Artur Brauner: Sein letztes Kapitel. In: Der Tagesspiegel, 20. April 2008
  7. Artur-Brauner-Filmpreis